Sonntag, 03.02.2013

Liam Noble (solo piano) in the Kleiner Sendesaal

Das Warten hat sich gelohnt: Als sich der Kleine Sendesaal um kurz nach Elf verdunkelte, wurde ich Zeuge eines magischen Moments.

Liam Noble hatte soeben sein fünftes Stück zu spielen begonnen, Thelonious Monk's Pannonica, das er seiner Förderin, der Baronin de Koenigswarter gewidmet hat, als sich ein Gefühl von Verbundenheit im Raum wahrnehmen ließ.

Im Augenwinkel sah ich, wie drei Pärchen sich zeitgleich einander annäherten: In den Sitzen vor mir schlung sich ein Arm (männlich) um eine Hüfte (weiblich); noch weiter vorne suchte ein Kopf (weiblich) an einer Schulter (männlich) Zuflucht. Und zu meiner Rechten rückten zudem zwei Schultern aneinander und blieben beieinander. Musik spricht die leise Sprache der Emotionen; deshalb kehren wir immer wieder zu ihr zurück.

Aber es wurde noch besser: Als Zugabe spielte der Pianist eine herzerwärmende Version von Harry Warren's 1943 geschriebenen Song You'll Never Know, die er seiner Frau gewidmet hat. Das Licht im Kleinen Sendesaal war indes wieder heller geworden. Die drei Pärchen, die in der Dunkelheit zueinander gefunden hatten, wahrten während des rührendsten Moments des Abends, vom Licht entmutigt, wieder resoluten Abstand.

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Liam Noble Liam Noble
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It was worth the wait, to witness a particular moment of magic, just after 11pm in the darkened Kleiner Sendesaal.

Liam Noble had just started to play his fifth number, Monk's theme 'Pannonica' dedicated to his patron Baroness de Koenigswarter, and you could feel that sudden moment of real connection in the room.

Within my sightlines I could see three couples in the audience suddenly, simultaneously getting friendlier, and closer. In the seats directly in front of me a (male) arm encircled a (female) back; further forward, a (female) head sought the refuge of a (male) shoulder. To my right, two shoulders moved together, and stayed together. Music speaks quietly, directly to the emotions, it is what keeps us coming back.

There was even better to come: The encore was a heart-stoppingly beautiful and flawless version of Harry Warren's 1943 tune 'You'll Never Know', a performance which the pianist dedicated to his wife. But by then the lights in the house had been turned right back up. All of the three couples who had found each other in the dark were discouraged by the light, and stayed resolutely apart, at the most human and touching moment of the programme.

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