Hallo schwarzes Loch, Du kannst mich jetzt fressen! Ich klinge schon wie meine eigene Oma, aber ich kann nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Mir kommt es wie gestern vor, dass ich den Bodyguards des nigerianischen Präsidenten die Karten fürs Eröffnungsspiel abgekauft habe und jetzt auf einmal ist alles schon wieder vorbei. Und Südafrika hat es der Welt gezeigt: All die Miesmacher, Nörgler und Zweifler, die es dem Land nicht zugetraut haben, solch eine riesige Veranstaltung auszurichten, können sich jetzt mal schön entschuldigen.
Die Südafrikaner waren fantastische Gastgeber, fast immer freundlich und hilfsbereit. Man hat ihnen immer angemerkt, dass sie stolz sind und sich über all die vielen Touristen gefreut haben. Mein einziger Kritikpunkt ist das Wetter. Während ich von Freunden aus Deutschland immer nur zu hören bekomme habe, wie verdammt heiß es gerade zu Hause ist, habe ich abends beim Public Viewing mit Mütze, Handschuhen und Schal gebibbert. Es ist definitiv etwas anderes, ob man mit Freunden zusammen um den Grill steht, ein Bier in der Hand, die Beine im aufblasbaren Planschbecken, oder ob man von Glühwein träumt, während Miro Klose den Ball versenkt. Aber wie heißt ein altes südafrikanisches Sprichwort (oder woher auch immer): "If you can't change it, love it!"
Und was habe ich die vergangenen vier Wochen geliebt. Die Atmosphäre in den Stadien war großartig. Tausenden Menschen, die sich mit ihrer Kostümierung mehr Mühe gegeben haben als viele beim Kölner Karneval. Und ja es stimmt, die Vuvuzelas im Stadion haben mich nie genervt. Nur einmal, beim Spiel Deutschland-Ghana als jemand 90 Minuten direkt hinter mir in mein Ohr getrötet hat. Aber irgendwas ist ja immer… Ansonsten wurden in den Stadien rauschende Fußball-Feste gefeiert. Aggressivität oder gar Hooligans hab ich nie gesehen. Na klar wollte jeder, dass seine Mannschaft gewinnt, aber wenn's nicht gereicht hat, hat man eben mit der anderen Mannschaft gefeiert.
Ich würde ja gern mal wissen, wie viele Fußball-Fotos es jetzt gibt mit den verschiedenen Fans drauf. Niemand wird sich daran erinnern, wie der Typ da auf dem Bild heißt, woher er kommt und was besonders an ihm war. Aber darum ging es in den vergangenen vier Wochen ja auch nicht. Ich glaube, niemand ist nach Südafrika gekommen, um hier Freunde für's Leben zu finden. Sondern man ist hergekommen, um vier Wochen nonstop Fußball zu feiern. Und für diese Party waren die Südafrikaner tolle Gastgeber, obwohl ihre Mannschaft ja ziemlich schnell den kurzen Heimweg antreten musste. Was aber für uns Deutsche den Vorteil hatte, dass viele Südafrikaner plötzlich Deutschlandfans geworden sind. Stolz mit der deutschen Fahne am Auto gefahren sind und bei den deutschen Spielen schwarz-rot-goldenen Perücken trugen. So wie mich die Südafrikaner begeistert haben, haben wir Deutsche die Südafrikaner begeistert. Und es war ein tolles Gefühl, von so vielen Südafrikanern getröstet zu werden, als wir im Halbfinale gegen Spanien den kürzeren gezogen haben.
Und was bleibt jetzt nach vier Wochen Fußball-Fest in Südafrika: jeder kennt die Vuvuzela, Südafrika geht in die Fußballgeschichte ein, als erster Ausrichter, der in der Vorrunde ausgeschieden ist und jetzt ist wirklich mal Schluss mit "Waka Waka!"
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