Vor wenigen Tagen stand ich im Regenwald Ugandas eine Stunde lang im Regen und habe es schlicht nicht gemerkt. Schuld daran waren 12 haarige Gestalten, die es sich in meiner Nähe gemütlich gemacht hatten. Berggorillas.
Um meine neuen Freunde sehen zu können, musste ich allerdings einen langen, beschwerlichen und vor allem teuren Weg auf mich nehmen. Um die letzten noch in freier Wildbahn lebenden Berggorillas (um die 750) sehen zu können, muss man viel Geld zahlen. Sehr viel Geld, denn es gibt nur wenige Gorillagruppen, die sich an den Anblick und die Anwesenheit von uns Menschen gewöhnt haben. Zudem dürfen sich pro Tag nur 8 Menschen pro Gorillagruppe in deren Nähe aufhalten. Und auch das nur für genau eine Stunde. Dementsprechend hoch ist der Preise für das Gorillatracking: 500 US-Dollar. Als ich den Preis gehört habe, bin ich erstmal zurückgeschreckt. Letztlich hat es sich aber mehr als gelohnt.
Los ging es in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Die ersten neun Stunden in Richtung Bwindi Impenetrebal National Park verbrachten wir zu zweit, sehr komfortabel in einem Kleinbus. Ein willkommene Abwechselung. Mal kein Gedrängel, kein Gequetsche und keine kotzenden Frauen. Die letzten drei Stunden dagegen waren harte Arbeit. Für das Fahrzeug und für mich, denn die verbleibenden 90 Kilometer Strecke waren nicht geteert, es als Straße zu bezeichnen wäre eine maßlose Übertreibung. Es ging von einem Riesenloch ins nächste und zu allem Überfluss begann es auch noch zu regnen. Und zwar richtig. Schnell schlidderten wir auf einer Schlammpiste. Zu dem Zeitpunkt wurde mir auch klar, warum der Kleinbus Allradantrieb hatte. Aber auch der hat irgendwann gestreikt. Also mussten wir Anschieben. Ein Riesenspaß im Dauerregen.
Am nächsten Tag stand dann das Gorillatracking an, und wie am Tag zuvor machte der Regenwald seinem Namen alle Ehre. Es regnete, und zwar in Strömen. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, erklärte uns unser Guide, dass man manchmal acht Stunden laufen muss, um eine Gorillagruppe zu finden. Gott sei Dank waren es am Ende nur anderthalb Stunden, aber auch die hatten es in sich. Auf sehr schmalen, von Macheten freigeschlagenen Trampelpfaden ging es durch den Regenwald. Mehrheitlich bergauf und immer mit den Schuhen zur Hälfte im Schlamm versunken. Zur Erinnerung: Es regnete die gesamte Zeit über!
All das hatte ich aber sofort vergessen, als ich dann endlich meinen neuen Freunden gegenüberstand. In ihrem Reich, von Angesicht zu Angesicht und kein Zaun und auch kein Gitter wie im Zoo trennte uns. Und nie lagen mehr als sieben Meter zwischen mir und den Tieren, die uns Menschen am ähnlichsten sind. Das Gefühl während meines Aufenthalts an der Seite der Gorillas zu beschreiben, fällt mir schwer. Ich glaube es war eine Mischung aus Ehrfurcht, Faszination und Freude. Sie sind so unglaublich behaart und uns doch so ähnlich. Ihre Finger, wie sie essen und wie es klingt, wenn sie pupsen. Unglaublich. Und auch charaktermäßig können sie mit uns mithalten. So gibt es in jeder Gorillagruppe einen ganz klaren Anführer (Silberrücken), so was wie die Bundeskanzlerin und in meiner Gruppe gab es sogar einen Friedensstifter, der immer bei Streits dazwischen geht. Ein Highlight auf meiner Reise in den Süden Afrikas, und nur zu empfehlen. Trotz des hohen Preises.
Hört mein Gespräch mit 1LIVE-Moderator Thorsten Schorn [10.03.2010, 10:35 Uhr]
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