Dienstag, 05.02.2013

Nutzt Bärbel Höhn Praktikanten aus?

Mindestlohn statt Schweinelöhne, forderte Bärbel Höhn WWW: einst und machte damit Front gegen Niedriglöhne in der deutschen Fleischwirtschaft. 2007 war das, und ist doch aktuell. Denn die Grünen ziehen in den Bundestagswahlkampf mit der Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro. Da könnte man meinen, Bärbel Höhn, die Spitzenkandidatin der Grünen in NRW, ginge bei ihren Mitarbeitern mit gutem Beispiel voran. Das dem nicht so ist, zeigt eine Stellenausschreibung von Höhns Kreisverband in Oberhausen.

Bärbel Höhn, Rechte: dpa Höhn: Unklarheiten werden beseitigt

Für den kommenden Wahlkampf sucht der Kreisverband einen Praktikanten. In der ursprünglichen Ausschreibung, die mittlerweile vom Netz genommen ist, hieß es, der Praktikant solle für stolze sechs Monate eingestellt werden. Entlohnung: 400 Euro monatlich bei - mindestens - 25 Arbeitsstunden in der Woche. Auf die Stunde umgerechnet ergibt das einen Lohn von rund vier Euro. Dafür sollte der junge Mitarbeiter aber auch Ahnung von grüner Politik haben, selbstbestimmt arbeiten können und sich auch an Wochenenden bereit halten.

Mit Verlaub, das ist eine Unverschämtheit. Sicher, es gibt viele Praktika, die überhaupt nicht bezahlt werden. Doch gerade die Grünen, die sich immer vehement für faire Arbeit einsetzen, sollten mit gutem Beispiel vorangehen und nicht mitmachen beim fröhlichen Ausnutzen der Generation Praktikum. Das findet im übrigen auch die "Grüne Jugend". Jede Tätigkeit über drei Monaten sei kein Praktikum und sollte mit mindestens 800 Euro entlohnt werden, meint die Nachwuchsorganisation der Partei.

Offensichtlich ist das nun auch Bärbel Höhn aufgegangen. Kaum baut sich am Dienstag (05.02.2013) die Empörungswelle im Netz auf, zieht sie die Reißleine. Sie habe mit ihrem Kreisverband gesprochen, versichert sie am Telefon. "Unklare Formulierungen" in der Ausschreibung würden beseitigt. So solle nicht mehr die Rede sein von selbstständiger Arbeit und Tätigkeiten am Wochenende.

Außerdem sei das Praktikum mit sechs Monaten viel zu lang, gibt Höhn zu. Drei würden ja auch reichen, dann könnten sich Studenten für die Zeit der Semesterferien bewerben. Die veränderte Ausschreibung soll nun in den nächsten Tagen neu veröffentlicht werden. Dann mit fairen Bedingungen. Ohne Schweinelöhne.

So sind die GRÜNEN, wenn man sie von der Leine lässt! Mit Verlaub, das ist eine Unverschämtheit.

Noch Fragen?

Bart Simspen am 6.02.13 0:52

Ja, so sind die Grünen. Was ist aus der Partei nur geworden?
Dieser Fall erinnert mich an eine Antwort von Frau Höhn, die sie einem Landwird im Münsterland gegeben hatte, weil der sich massiv durch ein geplanten Windrad in 300m Entfernung, in Westlage, zu seinem Hof massiv gestört fühlte: Dann ziehen Sie doch weg! (Resultat: Windrad gebaut, der Bauer ist notgedrungen geblieben.) Empathischer geht es nicht.
Und auch jetzt wieder Empathie pur für die Generation Praktikum. Immer den Holzsplitter beim politischen Gegner bemerken, aber das Holzbrett vor den eigenen Augen nicht wahrhaben wollen.
Wie war das noch mit fairen Arbeitsentgelten und dem Mindestlohn? Alles nur Geschwaffel ; Frau Höhn ist, wie übrigens auch Peer Steinbrück, Generation Hartz. Beide haben die Hartz-Gesetzgebung mitgetragen und sich bis heute nicht davon distanziert.
Im Herbst ist Bundestagswahl, mal sehen dann noch auf uns zukommen wird. Mir schwant jedenfalls nichts Gutes!

Kein_Grüner_mehr am 6.02.13 1:37

Mal nach Australien schauen... weniger als 15 $/h sind illegal, außerhalb regulärer Arbeitszeit z.B. am Wochenende ganztags gilt gesetzliche Schichtzulage zusätzlich zum Lohn. Warum kann Deutschland das eigentlich nicht auch??

Chris26 am 6.02.13 4:22

Hat denn jemand geglaubt das diese Partei unter Ihrem "grünen" Deckmantel anders ist als die anderen? Wenn folgende Konstellation wahr werden sollte, wird Deutschland einen sozialpolitischen Kälteeinbruch erleben gegen den ein sibirischer Winter ein laues Lüftchen ist. Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel, Bärbel Höhn mit Claudia Roth und Jürgen Trittin. Dann kann man nur noch die Koffer packen wenn man nicht zum Sozialfall werden will.

Werner M. am 6.02.13 9:33

400 Euro Monatslohn bei 25 Wochenstunden sind ein Traum für jeden Praktikanten! Der Durchschnitt liegt weit darunter, ohne jetzt Praktikanten mit einzurechnen, die erst garnicht entlohnt werden.

Ich weiß wovon ich spreche, ich habe 38 Wochenstunden bei 400 Euro Monatslohn. Kostenzuschüsse gibt es generell nicht.

ano nym am 6.02.13 11:17

Ausbeutung !!! Sofort zurücktreten !!!

Sindbad am 6.02.13 11:49

Da werden scheinbar junge Menschen ver"höhnt"?!

Volker Möllering am 6.02.13 11:56

... Wein predigen und Wasser ausschenken, das geht einfach nicht!
Wieder mal bleibt die Glaubwürdigkeit auf der Strecke, oder?

Peter Hohl am 6.02.13 12:23

Seit wann wird ein Praktikum überhaupt bezahlt? Hätte auch gerne Geld bekommen für meine Praktika. Kenne ich anders.

Thorsten am 6.02.13 12:52

"Der Begriff Praktikum (Plural: „Praktika“) bezeichnet eine auf eine bestimmte Dauer ausgelegte Vertiefung erworbener oder zu erwerbender Kenntnisse in praktischer Anwendung bzw. das Erlernen neuer Kenntnisse und Fähigkeiten durch praktische Mitarbeit in einer Organisation, in einem Arbeitsprozess oder einer Institution. Nach deutscher Rechtsprechung (Bundesarbeitsgericht (BAG), Urteil vom 5. August 1965, 2 AZR 439/64) sind Praktikanten keine Arbeitnehmer..." Quelle: wikipedia.de

Wie bereits oben genannt, ist ein Praktikum eine Aus- oder Weiterbildung oder Teil einer Solchen mit der Möglichkeit weitere Fertigkeiten zu erlernen, sich auszuprobieren und eine Reputation zu erhalten mit der man sich im Lebenslauf darstellen kann etc.

Es geht nicht immer nur um monetäre Vorteile!

Mein unbezahltes 6-monatiges Praktikum 2010 hat mir geholfen danach einen richtigen Job zu finden. Es war meine freie Wahl und notwendig für meine den Abschluss meiner Weiterbildung.

Westphalian am 6.02.13 13:00

Diese Praxis zeigt die wahre Fratze der Grünen. Sich über jeden armen verfolgten Frosch im Tümpel aufregen und selbst nicht einmal eine eigene Grundanständigkeit vorweisen. Hauptsache - sie können ihren Namen tanzen.

Erdmännchen am 6.02.13 13:37

@Westphalian: Hier ging es aber nicht um ein Praktikum, in welchem ein junger Menschtheoretisches Wissen um Wahlkampfstrukturen der politschen Parteien praktisch vertiefen wollte/sollte. Der/die sollte richtig mitmalochen! Und das für sechs Monate 100 Stunden im Monat für vier Euro! Weil die Grünen aber schlecht einen solchen Arbeitsvertrag auch so bezeichnen konnten, haben sie verharmlosend daraus ein Praktikum gemacht. Die Grünen haben in Oberhausen seit jeher einen schweren Stand, der Ortsverband ist nicht mit finanziellen Mittel gesegnet. Also hat man diese Masche erfunden, um billig an Mitarbeiter zu kommen.Damit hat Frau Höhn, egal, ob sie dahinter steht oder nicht, ihre Reputation als jemand, der 8,50 Euro Mindestlohn fordert, verloren. Wasser predigen, aber selbst Wein saufen nennt man so etwas.

DetlefausDuisburg am 6.02.13 14:36

Zitat:"der Ortsverband ist nicht mit finanziellen Mittel gesegnet."-aber"Wasser predigen, aber selbst Wein saufen nennt man so etwas."geht nicht zusammen.Entweder habe ich nichts,dann kann ich auch keinen Wein trinken,geschweige denn ausschenken-oder ich "saufe Wein"und habe wie Schwarz\Geld Schwarzgeld in CH oder L.Dies ist aber bisher noch nie Gruen nachgewiesen worden.

@DetlefausDuisburg am 6.02.13 14:59

Sich damit zu "rechtfertigen", daß andere Firmen ihre Praktikanten ohne Entgelt beschäftigen, ist schon dreist. Zumal die bei den Grünen ausgeschriebene Stelle doch schon eine Menge Fachwissen und Fähigkeiten voraussetzt. Ich kann nicht einerseits (wenn auch sehr medienwirksam) beklagen, daß wir mittlerweile eine Generation "Praktikanten" haben, was immer gleichgesetzt wird mit wenig bis gar kein Lohn, aber volle Verantwortung und einen Fulltime-Job, und andererseits aber genau auf diese Schiene aufspringen, nach dem Motto "warum Geld ausgeben, wenn's auch umsonst geht". Ob das tun typisch "Grün", "Politik" und/oder Wirtschaft ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist in jedem Fall inakzeptalbel.

Colonia am 6.02.13 14:59

Doch, dasst zusammen: Wenn ich landauf,landab einen Mindeslohn von 8,50 Euro fordere, predige ich Wasser und stelle mich schützend vor ausgebeuteten Arbeitnehmer. Wenn ich aber nur vier Euro Stundenlohn als Arbeitgeber zahle, saufe ich Wein, weil ich weiß, dass ich dafür jemand finde. Wenn die Mittel knapp sind, bitteschön: dann wird die /der nur 48 statt 1oo Stunden beschäftigt, und alles wäre o.k..

@@Detlef aus Duisburg am 6.02.13 15:31

Sieh da, sieh da, bei Frau Höhn hätte ich mit diese Praxis bei der
Bezahlung von Praktikanten, nicht glauben können. Aber man wird
ständig eines Besseren belehrt.
Das hat man gern, groß eintreten für einen stolzen Mindestlohn und
in den eigenen Reihen sehr knauserig sein.
Das kann demnächst ja noch heiter werden.

Freischheim, Bernh. am 6.02.13 15:43

Nee-so geht das nicht:Ich predige Wasser wenn ich von jemandem VERZICHT verlange und SAUFE WEIN gleichzeitig wenn ich mir fuer das eingesparte Geld Champangner und Caviar genehmige.
Wo aber ist in einem fast pleitgeierigem Ortsverband das behauptete Champangnersaufen zu finden?
Das die Forderungen nach Mindestlohn und den Konditionen fuer das Ausgeschriebene "Praktikum"nicht so recht zusammenpassen stehtauf einem anderem Blatt.Allerdings ist die Polemik gegenueber Bärbel Höhn journalistisch unsauber,da nicht sauber nachgewiesen das sie ueber diese Ausschreibung informiert war.Das dies "ihr"Ortsverband ist,fuer den sie antritt heisst erst einmal garnichts.Aber wie Journalisten heute so sind-hauptsache erst einmal herumpoebeln.

@Detlef aus Duisburg am 6.02.13 15:31 am 6.02.13 15:48

Ich bin froh, dass es die Grünen gibt. Sie haben viel angestoßen und uns manchmal die Augen geöffnet. Doch wenn man genauer hinschaut dann sind sie nicht anders wie alle anderen Parteien. Nämlich geldgierig und verlogen.

Ewald 41 am 6.02.13 16:39

in meiner Studienzeit war ich mehrfach Praktikantin, wusste vorher, ob ich Geld bekomme, wenn ja, wie viel oder ob ich für lau arbeite, um Praxis zu bekommen.
Es ist doch meine eigene, freiwillige Entscheidung, irgendwo für kleines oder auch gar kein Geld etwas zu lernen.
Wozu diese Aufgeregtheit?

Ich bin's Nuhr am 6.02.13 17:12

Wer glaubt, daß die Grünen und Höhn bessere Menschen sind, als andere Ausbeuter, glaubt auch an den Weihnachtsmann!

Bulli1 am 6.02.13 18:24

Wenn Frau Höhn diesen Lohn anständig findet nur weil andere überhaupt kein Geld für Praktikanten zahlen,dann drängt sich mir die Frage auf ob Frau Höhn einem Castorbehälter zu nahe gekommen ist!

Oder ist das schon ein Vorgeschmack auf die Agenda 2020?

Werner Günther am 6.02.13 18:37

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