Freitag, 26.10.2012

Anarchie im Landtag

anarchie.jpg + anarchie.jpg + Wer das wohl war? Was macht eigentlich ein Landtagsabgeordneter, wenn das Gestalten großartiger neuer Politik gerade (na, sagen wir mal) etwas mühsam wird? Zum Beispiel in grausig langweiligen Ausschusssitzungen oder in nicht enden wollenden Fraktionsbesprechungen?

Er oder sie macht das, was gelangweilte Konferenzteilnehmer überall auf der Welt tun: Schnell mal eine Mail ins iPad tippen. Unentwegt an der Kaffeetasse nippen. Mit Daumen und Smartphone ein bisschen durch die bunte Welt der Apps surfen. Oder auch - gelernt ist schließlich gelernt seit alten Schultagen - mal eben eine Botschaft in die Abgeordnetenbank ritzen.

In den Bänken des SPD-Fraktionssaals im ehrwürdigen Düsseldorfer Landtag ist jetzt das Dokument einer offenbar sehr frustrierenden Sitzung aufgetaucht. „Anarchie" hat der unbekannte Künstler als Schnitzerei im Holz hinterlassen. Da muss die Verzweiflung aber schon sehr tief gesessen haben!

Ich werde demnächst mal nach weiteren Zeitzeugnissen dieser Art forschen. Zwischenstand im Moment: Im Holz verewigte Liebesbotschaften (vielleicht: „Hannelore, ich ♥ Dich" oder so was) sind bislang noch nicht aufgetaucht. Auch Spontanäußerungen über den Gemütszustand der Wunsch-Koalition („Ihr blöden ....") sind mir noch nicht untergekommen. Aber meine Recherche beginnt ja auch erst ....!

P.S.: Gerade erst im Sommer ist der Plenarsaal des Landtags komplett neu möbliert worden. Welche Zeitzeugnisse da wohl alles vernichtet wurden!

Ehrwürdig und Düsseldorfer Landtag passt zusammen wie Merkel und Schönheitsideal

Paul am 26.10.12 16:38

Das ist schlicht und ergreifend Sachbeschädigung, und den Verursacher sollte man angemessen zur Rechenschaft sprich Schadensersatzleistung heranziehen.

Eifelyeti am 27.10.12 0:35

Wenn Drittklässler in den Schulen ihre Tische und Stühle derart verunzieren, habe ich zwar dafür auch kein Verständnis - aber es ist m. E. auf kindliche Einfältigkeit und Unwissen zurückzuführen. Außerdem werden die Eltern der "Missetäter" sofern sie zu ermitteln sind "zur Kasse gebeten"! Wenn aber ein erwachsenes und gereiftes (wovon ich an diesem Ort mal ausgehe) Individiumso etwas macht, ist das für mich einfach nur KRIMINELL, denn er beschädigt/zerstört wissentlich und vorsätzlich fremdes Eigentum (nämlich das unsrige). Hier sollte schon veersucht werden, den/die Verursacher/in festzustellen und zumindest zu rügen und ebenfalls "zur Kassse zu bitten". Zeugen zu finden, könnte ich mir vorstellen, ist wohl schwierig, da die Krähen der politischen Kaste - zumindest in der eigenen Fraktion - sich ja gegenseitig kein "Auge auspicken" . Außerdem wäre es ja möglich, und es würde mich auch nicht wundern, bei dem politischen Arbeitseifer unserer Abgeordneten, dass zum Zeitpunkt der Schaffung dieses "Kunstwerks" lediglich die betreffende Person anwesend war. Na was soll's? Im Gegensatz zu der Bestückung von Schulen mit neuem Mobiliar sind für politische Räumlichkeiten ja keine finanziellen Grenzen gesetzt. Der dumme Michel zahlt ja (und nicht nur das)!!!

kleinundbissig am 27.10.12 13:59

Da kann man mal sehen wessen Geistes Kinder die SPD in Ihren Reihen sitzten hat! Demokratisches Denken sieht anders aus! Aber bei vorbildern wie Gabriel oder Steinbrück wundert mich gar nichts mehr!

Voll daneben am 29.10.12 7:30

Die Stühle wurden jedenfalls recht preisgünstig verkauft. Womöglich hat sich ja auch jemand die Pulte geschnappt.

Radbert Grimmig am 8.11.12 15:55

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Mittwoch, 10.10.2012

Flitter-Twitter: Der Altar in Afrika

Es ist die Nachricht des Tages aus dem politischen Düsseldorf: Hannelore Kraft hat kirchlich geheiratet. Dpa meldet das Ereignis per Eilmeldung. Die Telefone des Regierungssprechers stehen nicht mehr still. Jeder will näheres wissen: Wann, wo, warum. Wir natürlich auch.

Hannelore Kraft und ihr Mann Udo auf ihrem Hochzeitsbild/Rechte: Twitter + Hannelore Kraft heiratet ihren Mann
Doch alles, was Kraft preisgeben will, passt in einen Tweet von 140 Zeichen: "Was für ein wundervoller Tag! Nach 20 Jahren noch mal "JA"! Wir halten unser Glück einfach fest." Dazu ein Bild eines unbekannten Fotografen, aufgenommen an einem unbekannten Ort zu einer unbekannten Zeit.

Auf dem Bild sieht man das Brautpaar Kraft in klassischer Hochzeitstracht. Ein Windstoß - oder eine Windmaschine - bauscht den Schleier der First Lady von NRW auf. Dahinter irgendwo eine Bergkette. Sandiger Boden, gelbes Gras. Wo sind die beiden bloß?

Offiziell will das niemand verraten. Dem Vernehmen nach gehören die kahlen Berge im Hintergrund zu Afrika. Vermutlich zu Namibia. Und entstanden sein soll das Bild bereits am Dienstag (09.10.2012). Im kleinen Familienkreis soll die Hochzeit gefeiert worden sein. Ganz privat, ganz intim.

Da passt es natürlich, die frohe Kunde nicht per offiziellem Schreiben unter die Leute zu bringen, sondern mit Twitter und Facebook. Da ist man ja unter Freunden. Und tatsächlich sind von den über 500 Kommentaren bei Facebook die allermeisten Glückwünsche. Mehr als 3.000 Personen gefällt die Nachricht (Stand 15.30 Uhr). Und bei Twitter gratuliert sogar die Konkurrenz von CDU und FDP, Armin Laschet und Christian Lindner. Hach, ist es nicht schön.

Hofberichterstattung aus Düsseldorf

Stefan Pauly am 10.10.12 17:55

Was ist der eigentliche Zweck dieser Veranstaltung?

Weinberg am 10.10.12 18:24

Ich möchte, dass Angela Merkel auch kirchlich heiratet. Ich möchte Angela Merkel in einem weißen Hochzeitskleid sehen. Und Gauck sollte auch endlich kirchlich heiraten.

trasimede am 10.10.12 18:54

Solange wir kein Königspaar haben ...Angie in Weiß muss nicht sein, passt auch nicht politisch :)

rhodan am 10.10.12 19:38

Mein Gott, ist das peinlich. Hanni fährt ihre "Ich-bin-die gütige-Landesmutti"-Nummer voll weiter. Was hat die eigentlich für Berater? Die würde ich mal als erste feuern.

Gülle am 11.10.12 10:06

War endlich genügen Geld vom Steuerzahler da oder gab es EU Subventionen?

gordon am 11.10.12 12:19

Was Hannelore Kraft privat macht interessiert ehrlich gesagt einen Kehricht. Soll sie soviele Hochzeitsbilder veröffentlichen wie sie will, Guttenberg und Wulf haben vor einiger Zeit gezeigt, wie das geht und wohin das führen kann. Was derzeit erschreckt und zu denken gibt, ist vielmehr das Verhalten der Medien, besonders des WDR. Jede private Inszenierung aus dem Hause Kraft wird aufgegriffen und in blumige Berichte gehüllt, aber das eigentlich wichtige, die Politik, bleibt außen vor. Dabei gibt es gerade in NRW genügend politische Baustellen, auf denen sich die Redakteure austoben könnten, zumindest solange sie den Anspruch eines unabhängig und politisch neutralen Journalismus erheben. Was haben sich die Journalisten an Müller-Piepenkötter und Sauerland abgearbeitet, oder bei "Rent a Rüttgers"? Ähnlich kritische Berichterstattung sollte man als Gebührenzahler auch bei Kutschaty, Steinbrück und Jäger erwarten dürfen. Stattdessen gibts Hofberichte und Hochzeitsfotos von der Landemutti

Johannes Fischer am 11.10.12 12:47

Lieber Johannes Fischer,
den Vorwurf der Hofberichterstattung kann ich nicht nachvollziehen. Wir berichten grundsätzlich unabhängig und neutral. Auch über die von Ihnen angedeuteten Themen haben wir kritisch berichtet. Zum Beispiel über Steinbrücks Honorare oder die Entweichungen im Strafvollzug. Schauen Sie auf unsere Politik-Ressortseite und Sie finden einige der Artikel.
Mit freundlichen Grüßen,
Rainer Kellers

Rainer Kellers am 11.10.12 13:36

Da kann man eigentlich nur gratulieren. Das es da eine empörte Minderheit gibt die beleidigt reagiert weil die jetzige Landesregierung ihnen nicht ständig Zucker in den Arsch bläst wie der Rüttgers sollte man nicht zu ernst nehmen. Darm Frau Kraft nochmals Gratulation vom Eulenspiegel.

der Eulenspiegel am 11.10.12 15:18

Mir fehlt für diese Inzenierung jewedes Verständnis. Es erinnert doch sehr an das Niveau der Regenbogenpresse, daran dass Twittern auch zu Obamas Wahlsieg beigetragen haben soll und irgendwie auch an die Glamourpaare zu Guttenberg und Wulff. Eine Regierungschefin wie Angela Merkel, die sachlich und dezent agiert, ihr Privatleben und große Gefühle nicht in die Öffentlichkeit trägt, nicht in Talkshows auftritt, schon aus Zeitmangel nicht twittert, sondern hart arbeitet, ist mir lieber. Ich Rot/Grün sowieso nicht gewählt, aber ich glaube, dass das Hochzeitsbild für das Image von Frau Kraft nicht vorteilhaft ist. Was die Berichterstattung von Herrn Kellers betrifft, bin ich auch eher geteilter Meinung. Es gibt durchaus Kritisches zur Landesregierung, aber es gibt Vieles, was mich journalistisch nicht anspricht.

Melpomene am 13.10.12 7:45

Ich finde die Hochzeitsfotos toll. Das Auge will doch auch etwas davon haben. Genauso toll finde ich die Fotos von den Bayreuther Festspielen mit Angela Merkel in ihrer tiefdekolletierten Robe.

trasimede am 13.10.12 17:55

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Donnerstag, 04.10.2012

Das Problem mit der Transparenz

Da haben sie jetzt also einen veritablen Datenschutzskandal an der Backe, die nordrhein-westfälischen Piraten. Und gleichzeitig kritisiert die eigene Basis im Internet den Landesvorstand, weil der nicht detailliert erklärt, was genau zur Amtsenthebung des politischen Geschäftsführers geführt hat.

Gleich an zwei Kernpunkten wird hier das Piraten-Selbstverständnis empfindlich getroffen. Datenschutz ist ein Kernanliegen der Partei. Wenn ein Vorstandsmitglied, und das ist der politische Geschäftsführer, bewusst dagegen verstößt, wäre das in etwa so, als ob Oskar Lafontaine höhere Boni für Banker forderte.

Und die Transparenzdebatte rüttelt noch mehr an den Grundfesten der Partei, die doch so gerne alles öffentlich machen würde und dabei jetzt an ihre Grenzen stößt. Denn auch Piraten müssen sich an Gesetze halten. Und der Datenschutz verlangt es, dass E-Mails - um die geht es ja im aktuellen Fall - und die Daten ihrer Absender und Empfänger nicht herausgegeben werden, solange nicht eine staatsanwaltschaftliche Ermittlung läuft. So weit ist es aber noch nicht. Und eben deshalb ist es genau richtig, wie der Piraten-Vorstand gehandelt hat - wenn denn die bisher bekanntgewordenen Fakten alle so stimmen. Trennung vom verantwortlichen Geschäftsführer, Information der Öffentlichkeit, aber eben ohne die Anonymität der direkt Betroffenen zu gefährden.

Das aber der eigenen Mitgliedschaft zu vermitteln, fällt schwer. Es ist das Dilemma der Piratenpartei Transparenzerwartungen geweckt zu haben, die nicht zu erfüllen sind. Ein Dilemma, das die Partei über kurz oder lang zerreißen kann...

Vielen Dank für diesen Artikel Herr Scheffer :-)

Herzliche Grüße
Christina Herlitschka
Stv. Vorsitzende Piraten NRW

Christina Herlitschka am 10.10.12 11:24

Soweit so richtig Herr Scheffer.

Die jahrzehntelang vorgelebte Intransparenz der etablierten Parteien und sonstigen politischen Obrigkeiten haben meiner Meinung nach in der Bevölkerung allgemein insbesondere aber bei den Mitgliedern der Piratenpartei, ein dermaßen großes Misstrauen entstehen lassen, dass der Wunsch nach „völliger“ Transparenz geradezu herbeigesehnt wurde. Verständlich denke ich.

Leider richtet sich dieses tief verwurzelte Misstrauen wohl auch gegen die eigenen Vorstände und politischen Mandatsträger. Sodass bald hinter jedem Gespräch, welches nicht öffentlich geführt wird, ein Vertrauensbruch – eine Enttäuschung vermutet wird. Insofern sehe ich auch die Gefahr des Zerreißens der Partei durch einerseits zu hohe Erwartungen und andererseits durch ungerechtfertigterweise nicht entgegengebrachtes Vertrauen.

Es war doch die Basis, die ihre Vorstände und politischen Mandatsträger gewählt hat. Eine Wahl, die unter anderem auf Hoffnung und Vertrauen basiert. Es ist an der Zeit dieses Vertrauen auch zu zeigen, und wie man sieht, ist Selbstreinigungskraft allemal vorhanden.

Beste Grüße
Achim Ossenberg

Achim Ossenberg am 10.10.12 16:06

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Dienstag, 02.10.2012

Ex-Ministerpräsidenten unter sich

Zwei ehemalige Landeschefs in Bronze, einer leibhaftig: Jürgen Rüttgers war heute dabei, als in Düsseldorf eine Porträt-Büste von Karl Arnold enthüllt wurde. Die leistet nun einer Bronze von Johannes Rau Gesellschaft.

Jürgen Rüttgers bei der Enthüllung der Bronzestatue von Karl Arnold; Rechte: dpa + Karl Arnold und Jürgen Rüttgers Engagiert für beide Erinnerungs-Statuen im Bronzeguss hatte sich auch Ex-CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Er war bei der Enthüllungs-Stunde der Bronze-Büste von Karl Arnold anwesend. Arnold war der erste gewählte CDU-Ministerpräsident des Landes (1947 - 1956). Damit steht der Bronze-Arnold dem Bronze-Rau gegenüber, vor dem alten Dienstsitz der Ministerpräsidenten, vor der Villa Horion. Der sprichwörtliche SPD-Landesvater Johannes Rau also Auge in Auge mit dem CDU-Vorgänger, der auch Düsseldorfer Nachkriegsbürgermeister war.

Nach seinem Wahlsieg 2005 hatte Jürgen Rüttgers erklärt, er habe vor allem mit den Stimmen der Arbeiter im Ruhrgebiet die Wahl gewonnen. Das Wort vom Arbeiterführer machte die Runde. Rüttgers versuchte, sich in die Tradition von Rau zu drängeln. Das haben ihm die Sozialdemokraten übel genommen. Und später wohl auch die Wähler im Ruhrgebiet. Der selbsternannten Arbeiterführer hätte besser daran getan, sich in die Tradition der eigenen Partei, der CDU, zu stellen.

Von Karl Arnold stammt der Satz, Nordrhein-Westfalen sei das soziale Gewissen Deutschlands. Er stand hinter dem linken Ahlener-Programm der CDU von 1947, gehörte dem christlichen Arbeitnehmerflügel an. Damals forderten die Christdemokraten noch die Vergesellschaftung der Großindustrie (ähnlich steht es immer noch in der Landesverfassung). Der Sozialdemokrat Rau hätte das so später kaum noch gefordert. Aber den politischen Anspruch, für die Arbeiterschaft des Ruhrgebiets zu sprechen, haben beide für sich reklamiert.

Ironie der Geschichte: Jürgen Rüttgers hat versucht, sich in dieselbe Traditionslinie einzureihen. Er ist damit gescheitert. Einzig bleiben von diesem Versuch werden die Bronzestatuen zweier großer Vorgänger.

Welch ein Personenkult, da erscheint mir jeder Arbeitslose würdiger, öffentlich ein Denkmal zu bekommen.

heinzb aus nrw am 2.10.12 23:05

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Dienstag, 02.10.2012

Was nicht passt, wird passend gemacht

Über die Ästhetik des Düsseldorfer Landtags, vor allem von außen, lässt sich streiten. Worüber sich nicht streiten lässt, ist seine bloße Existenz. Vom Düsseldorfer Hafen aus, von der Rheinpromenade, vor allem von der Rheinkniebrücke, die im Süden der Stadt über den Rhein zur Autobahn führt - von überall kann man den Landtag sehen. Wenn man denn will.

Anzeigenmotiv der hessischen Landesbank; Rechte: helaba + Da fehlt doch was ... Bei der Helaba, der Hessischen Landesbank, die als real existierendes Pendant zur zerschlagenen WestLB deren funktionierende Geschäftsteile im Juli übernommen hat, ist der Blick für ausgefallene Architektur offensichtlich verstellt. Auf einer Anzeige, die in mehreren Zeitungen geschaltet wurde, ist das Stadtpanorama Düsseldorfs zu sehen. Botschaft: Die Helaba - jetzt auch in NRW. Darüber der schmerzhaft komische Versuch origineller PR: "Herzlich wir kommen!"

Nicht nur sprachlich, auch optisch ist das Bild ziemlich schief. Denn südlich der Rheinkniebrücke, am rechten Rheinufer, ist dichter Wald zu sehen. Vom Landtag, immerhin schon seit 24 Jahren Teil des Düsseldorfer Stadtbildes, keine Spur. Man habe am unteren Bildrand etwas aufforsten wollen, wird ein Helaba-Sprecher zitiert. Dass das Gebäude, das der Renaturierung zum Opfer fiel, das nordrhein-westfälische Parlament ist, sei der PR-Abteilung nicht bewusst gewesen.

Wie denn auch? In Sachen Parlament sind die Hessen einfach anderes gewohnt, siehe Frankfurter Römer (Mittelalterromantik) oder Wiesbadener Stadtschloss (klassizistische Nüchternheit). Darauf zu kommen, dass diese in sich verschachtelte Baukonstruktion, die noch dazu aus der Vogelperspektive aussieht wie das Fossil einer verendeten Weinbergschnecke, Heimstatt der nordrhein-westfälischen Demokratie sein soll, ist da wohl etwas zu viel verlangt.

Im Landtag selbst nimmt man die Bildpanne übrigens gelassen. Die Helaba zeichne sich ihre eigene Welt, heißt es dort. Vielleicht passt der neue Großkunde Landtag schlicht nicht ins Bild. Schließlich hängt dem Land noch der marode WestLB-Rest am Hacken wie eine zertretene Schnecke und sorgt für eine Milliarde zusätzliche Miese im ohnehin klammen Landeshaushalt. Und mit verschuldeten Klienten wirbt man als Bank eher ungern.

Ihren Unmut kann ich nicht nachvollziehen.

Wenn Sie einmal bei google maps (Satelitten-Bild) nachsehen, werden Sie südlich der Brücke den kleinen, halbrunden Gebäudeteil erkennen, der auch auf dem Helaba Foto zu sehen ist. Links daneben sind in der Tat Bäume, wenn auch kein Wald.

Erst südlich davon steht der eigentlich Landtag. Es wurde also nichts retuschiert.

Insofern war es ein netter Versuch, aber sie liegen falsch wenn Sie sagen, "Was nicht passt, wird passend gemacht" - Oder gilt dies auch für die journalistische Freiheit?

Carsten am 2.10.12 16:44

@Carsten: Da ist uns ein Bildfehler unterlaufen. Danke für den Hinweis. Uns liegen zwei Bildversionen vor: die retouchierte und die Originalversion. Leider haben wir aus Versehen die Originalversion veröffentlicht. Auf der ist ein Teil des Landtags noch zu sehen.

WDR.de am 2.10.12 16:53

Ich finde es ein Unding, dass aus werbetechnischen Gründen der Landtag wegradiert wurde. Hätte man dies mit dem "Reichtagsgebäude" gemacht, wäre der Aufschrei groß gewesen bzw. das hätte sich keiner gewagt.

Timon am 2.10.12 17:49

@WDR: Kann passieren. Mit dem richtigen Bild kann man sich wirklich nur wundern, was sich die Hessen hierbei gedacht haben?

Carsten am 2.10.12 19:07

Die Hessen haben "reagiert" und eine neue Plakatversion auf ihrer Homepage veröffentlicht. Da ist der untere blaue Teil so hochgezogen, dass das Fehlen des Landtages nicht mehr auffällt.

Sebastian am 3.10.12 7:23

Wir können alles, außer denken.

Rita Weiss am 4.10.12 0:11

Wieso dürfen Politiker überhaupt einen zweiten Job ausüben, die sollten ihre gesamte Kraft in die Arbeit stecken den ihr Posten verlangt!
Ausserdem lassen die dann anderen einen Arbeitsplatz!

Wolfgang am 29.10.12 19:29

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