Montag, 02.07.2012

Bei den Piraten ist es einfach lustiger

"Wieso gehen Sie denn am Wochenende zur CDU?", hat mich am Freitag der Sprecher der Piratenfraktion im Landtag gefragt. "Kommen Sie doch zu unserem Parteitag, da ist es lustiger." Da hatte Daniel Düngel wohl Recht. Gut, bei der CDU gab es den letzten Auftritt Norbert Röttgens als NRW-Chef zu begutachten. Und man konnte seinem Nachfolger Armin Laschet dabei zusehen, wie er ein schlechtes Ergebnis WDR: schönredete und aller Welt von seinem geschrotteten Dienstwagen erzählte. Doch das, was die Piraten darboten am Wochenende, das war wirklich lustiger.

Piratenparteitag Rechte: dapd Piratenparteitag in Dortmund

Zuerst versagten sie ihrer Schatzmeisterin die WDR: Entlastung. Und das mit gutem Grund. Denn Nadine Krämer hat offenbar keine Lust auf Buchhaltung gehabt, etliche Ein- und Ausgänge nicht verrechnet und die Piratenkasse in solcher Unordnung hinterlassen, dass jetzt sogar der Entzug von Geldern aus der staatlichen Parteienfinanzierung droht. Besonders lustig ist, dass angeblich eine neue Buchungssoftware Schuld an den Problemen ist. Piraten, die die Software nicht beherrschen, Rofl.

Sehr amüsant ist auch, wie die Piraten ihren Vorsitzenden gewählt haben. Der bisherige Landeschef Michele Marsching wurde abgestraft. Aber nicht etwa deshalb, weil er zu faul gewesen war. Im Gegenteil. Marsching war zu eifrig, wollte Abgeordneter sein und Landeschef bleiben. Einfach nur "machtgeil", urteilte die Basis und wählte lieber Sven Sladek.

Der wiederum hatte in seiner Vorstellung damit kokettiert, "eigentlich keine Zeit für so'n WDR: Scheiß" zu haben und alles wegdelegieren zu wollen. Das scheint den Piraten so sympathisch zu sein, dass sie Sladek auf den Schild hoben. Sladek ist vermutlich keineswegs überfordert, sondern einfach nur clever. Trotzdem lustig. So lustig, dass es schwer fällt, die Piraten künftig ernst zu nehmen. Schade eigentlich.

Ich hab's Ihnen ja gesagt ;-)

Aber im ernst: Die Tatsache, dass die Buchungen noch nicht vollständig durchgeführt wurden, war im Vorfeld durchaus bekannt. Leider sind das Missstände, die sich auch durch die Vorjahre ergeben haben. Ich hoffe, dass diese Miseren nun kurzfristig ausgeräumt werden.

Was das allerdings mit dem ernst nehmen dann im politischen Sinne zu tun hat, ist mir schon etwas schleierhaft. Ich denke, dass Probleme innerhalb der Verwaltung nicht mit dem politischen Betätigungsfeld vermischt werden sollten.

Daniel Düngel am 3.07.12 11:03

@Daniel: Ein Partei, die auf jeden Cent zur Umsetzung ihrer großspurigen Pläne zur it-technischen "Transparenz" angewiesen ist, riskiert also die Parteienzuwendung der letzten Wahlerfolge auf diese amateurhafte Weise? Wenn dort 12- bis 14jährige Kids agieren würden, könnte ich dem sogar zustimmen, aber wir reden über erwachsene und berufsgebildete Politiker. Oder etwa doch nicht?

Klaus Lohmann am 3.07.12 13:07

Oh je, oh je, oh je. /Kopfschüttel

Chris am 4.07.12 1:28

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