Freitag, 29.06.2012

Im Netz mal unter uns

Die Landesregierung will junge Menschen stärker in die Politik einbinden. Das ist immer gut, und es versteht sich, dass sie dafür das Internet nutzen will. Hier sollen die Jungen miteinander diskutieren und Ideen austauschen. Was dabei herauskommt, wird dann im August bei der Jugendkonferenz Jukon12 in Essen vorgestellt. Um das Ganze anzuschieben, hat sich heute die Ministerpräsidentin persönlich engagiert. In einem Live-Chat stellte sie sich den Fragen der "Community". Das allerdings kam ziemlich holprig daher.

14 Minuten lang konnte man Hannelore Kraft und Moderator Andreas Korn in der Staatskanzlei beisammen sitzen sehen. Wer mochte, konnte die Aussicht aus der elften Etage des Stadttors in Düsseldorf genießen. Nur hören konnte man - außer einem fiesen Rauschen - nichts.

Ob das aber überhaupt jemand mitbekommen hat? In der Twitter-Box auf der Seite wurden jedenfalls nur Uralt-Tweets ausgespielt. Reaktionen auf das Tonproblem gab es sichtbar im Netz nur eine einzige. Und auch später, als der Ton endlich da war, regte sich auf der Seite der Jukon und auch sonst im Netz - nichts. Ein Live-Chat fand genau genommen nicht statt.

Ob Hannelore Kraft das geahnt hat? Auf eine Frage des Moderators - es ging um ihren Dienstwagen - antwortete sie mit der merkwürdigen Einleitung: "Im Netz mal unter uns..." Das trifft es wohl.

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Mittwoch, 27.06.2012

An der Oberfläche schwimmen

Die Piraten kokettieren häufig damit, offen zuzugeben, wenn sie von einem Thema keine Ahnung haben. Wie man es anders machen kann, hat heute der neue Wirtschaftsminister gezeigt. Garrelt Duin ist erst seit Freitag im Amt, hat sich heute aber bereits vor die Landespressekonferenz gewagt. Vor zahlreichen Kameras, Fotografen und Fragestellern stellte er das neue Mittelstandsgesetz vor.
Garrelt Duin Rechte:dpa Garrelt Duin

Dieses Gesetz ist in den vergangenen zwei Jahren von Duins Vorgänger Harry Kurt Voigtsberger erarbeitet worden. Duin selbst hat genau genommen nichts damit zu tun. Entsprechend dürfte sich seine Detailkenntnis in Grenzen halten. Erstaunlicherweise merkte man ihm das kaum an.

Routiniert berichtete er von der so genannten Clearingstelle, die Landesgesetze auf ihre Verträglichkeit für kleine und mittlere Unternehmen hin überprüfen soll. Er fand lobende Worte für die Klein- und mittelgroßen Unternehmen in NRW, predigte Bürokratieabbau und kündigte eine bessere Förderung der Selbstständigen an.

Bei der ersten kritischen Nachfrage fuhr der Pressesprecher noch dazwischen und versuchte, einen Experten aus dem Ministerium ins Gespräch zu bringen. Doch Duin bestand darauf, selbst zu antworten. Und es klang einigermaßen kenntnisreich.

Ganz klar, Duin ist kein Anfänger (im Gegensatz zu den Piraten). Er beherrscht die Kunst, an der Oberfläche zu schwimmen und eine gute Figur dabei zu machen. Klar ist aber auch: Die Sache selbst kam ihm zu Hilfe. Denn es hilft, seine Amtszeit mit einem Gesetz zu beginnen, das zwar viele Absichtserklärungen enthält, aber wenig Konkretes.

Da hat Garrelt Duin in den letzten Tagen seine Hausarbeit gemcht. Offensichtlich ist das ein Politiker der Aufgaben in Angriff nehmen kann.

der Eulenspiegel am 27.06.12 21:25

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