Freitag, 20.04.2012
Ein Tag mit Hannelore Kraft
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Kraft auf Reisen
Donnerstag, 9 Uhr, Fernbusbahnhof Düsseldorf: Zusammen mit einem Kollegen vom Spiegel warte ich auf den Pressebus. Einen Tag lang werde ich heute Hannelore Kraft im Wahlkampf begleiten. Da ich nicht der einzige bin, der dieses Anliegen hat, hat das "Team Kraft" zwei Bustouren für Journalisten organisiert. Die erste, so hört man, war ausgebucht. Der Kollege und ich sind guter Hoffnung, dass es dieses Mal nicht so voll wird.
9.30 Uhr, Fernbusbahnhof Düsseldorf: Im Bus gibt es Schnittchen und Obst. Rund 15 Journalisten sind es geworden. Hannelore Kraft ist noch nicht da. Sie wird erst in Gütersloh zu uns stoßen. Klassenfahrtatmosphäre. Das W-Lan-Netz im Bus heißt "NRW im Herzen 3".
11.45 Uhr, Fußgängerzone Gütersloh: An einer Minibühne empfangen uns zwei Landtagskandidaten aus der Region. Beide reden wie Wasserfälle. "Vor so vielen Journalisten habe ich noch nie gesprochen", sagt der eine. Wir erfahren, dass Gütersloh eine "Swing City" ist, also mal von der SPD, mal von der CDU geholt wird. Dass es eine SPD-Bürgermeisterin, aber eine schwarz-grüne Mehrheitskoalition gibt. Wir notieren fleißig die Fakten. Irgendetwas muss man ja machen, Hannelore Kraft ist spät dran.
13 Uhr, Fußgängerzone Gütersloh: Sie kommt. Ein Sog entsteht. Wo kommen plötzlich all die Kameras und Fotografen her? Gedränge, jeder will mithören, was Kraft sagt. Ich bewundere eine Radiokollegin, die es schafft, sich gegen sperrige Kameramänner zu behaupten. Die Ministerpräsidentin redet von der Bühne und stürzt sich dann in die Menge. Es stellt sich heraus, dass fast alle hier SPD-Mitglieder oder Journalisten sind. "Gibt es auch normale Menschen hier?", fragt Kraft und wedelt mit einem Rosenstrauß. Es dauert, bis sie all ihre Blumen verschenkt hat.
14 Uhr, im Bus: Der Pressebus ist jetzt voll. Hannelore Kraft sitzt vorne, umgeben von Journalisten, die die Spitzenkandidatin endlich für sich haben. Ein Auto überholt uns, lässt sich wieder zurückfallen, ein Kamerobjektiv ragt aus dem Beifahrerfenster. "Keine Panik, das sind nur die Kollegen von Reuters", beruhigt der Pressesprecher.
14.30 Uhr, Brackweder Hof: Mittagessen. Die Plätze am Tisch von Kraft sind sofort besetzt. Es gibt Schnitzel und Pommes oder Salat. Zwei britische Kollegen schwärmen, wie zugänglich die Ministerpräsidentin ist.
15.15 Uhr; Bielefeld: Wir hängen im Zeitplan. Im Schnelldurchlauf zieht der Tross durch die Räume eines Vereins, der Jugendlichen weiterhilft, die auf normalem Wege keine Ausbildung bekommen. Kraft ist interessiert, schüttelt viele Hände, führt viele Kurzgespräche. Kameras halten alles fest. Die Jugendlichen, die aus dem Irak, Afghanistan oder Bangladesch kommen, machen große Augen.
16 Uhr, im Bus: Kraft sitzt jetzt ganz hinten, bei den altgedienten Kollegen aus der Landespressekonferenz. Hier fühlt sie sich wohl, man kennt sich eben. Es darf über Fußball gefachsimpelt werden. Dann will aber doch wieder ein Kamerateam ein Interview drehen.
17.30 Uhr, Fußgängerzone Detmold: Jubelempfang in Detmold. Kraft winkt von der Rathaustreppe, spricht dieselben Sätze wie in Gütersloh. Kinder tanzen, Senioren winken, Rosen werden verteilt und sind dieses Mal schnell weg. Bei den Journalisten lässt der Enthusiasmus nach. Die Bilder gleichen sich.
18.15 Uhr: Parkplatz Detmold: Die Fahrt geht weiter. Der Tross fährt nach Lemgo, übernachtet anschließend in Bad Salzuflen, und am nächsten Tag sind noch drei weitere Veranstaltungen geplant. Ich bleibe außen am Bus stehen. Winke zum Abschied. Nett war's. Aber für meinen Geschmack ist das genug Wahlkampf für einen Tag.
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