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Unentschieden, auf Augenhöhe
Die Frage nach dem Ausgang des TV-Duells (hier
zum Nachschauen in der Mediathek) ist wie immer die
Frage der Perspektive: Fragt man kurz danach einen von der CDU, dann hat klar
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gewonnen. Seine Anhänger jubelten sogar zum Schluss. "Warum?", fragte ein Kollege von Hörfunk. Das fragt sich auch die SPD, denn nach Meinung der SPD-Anhänger hat
Oppositionsführerin Hannelore Kraft gewonnen.
So eindeutig war es dann doch nicht. Wahr ist, es war ein einstündiges TV-Duell auf Augenhöhe, vor allem ging's um die unterschiedlichen Positionen beim Arbeitsmarkt und Bildung. Sachlich, nüchtern war die Atmosphäre.
Moderat gingen die beiden Redner miteinander um - jedenfalls größtenteils.
Amtsinhaber Rüttgers, im schwarzen Anzug und blauer Krawatte, gab sich präsidial, zählte
seine Regierungserfolge auf. Auffällig: Er zeigte sich angriffslustiger, legte noch mal nach, beim Thema Schule etwa. Die Debatte beendete er kurz und bündig mit dem Satz "Wir haben sie [die Fehlstunden] halbiert, 8.000 Lehrerstellen neu geschaffen." Punkt. Schluss. Oder zum Thema Einheitsschule sagte er zu Kraft pauschal: "Sie wollen sie [alle Schulformen] zusammenlegen, dann sind sie weg."
Herausforderin Kraft, im pinkfarbenen Blazer, blieb ruhig, ließ sich nicht provozieren, lächelte viel. Sie will, dass alle Kinder gemeinsam lernen, Rüttgers dagegen will am dreigliedrigen Schulsystem festhalten. Kraft versuchte mit Zahlen zu kontern, Rüttgers Regierungsbilanz zu hinterfragen: "1.000 der zusätzlichen Lehrerstellen sind nicht besetzt.", blieb aber letztlich harmlos in ihren Angriffen.
Kraft versuchte immer wieder mit dem Thema Gerechtigkeit zu punkten, sie wolle etwa Studiengebühren und Kitagebühren "Schritt für Schritt abschaffen", ein Ende des Lohndumpings durch Mindestlohn. Sie setze "auf das Wir" statt "auf eine Ellenbogen-Gesellschaft", wie sie am Ende betonte.
Ihre Abschlussworte wirkten persönlicher, aber auch irgendwie blass. Rüttgers blieb dann ganz im Vagen, als er begann: "NRW ist ein wunderschönes Land". Die CDU erwähnte er am Ende gar nicht, verwies wieder auf seine Regierungserfolge und endete, er wolle NRW weiter in "großen Schritten" voranbringen.
Und bei der Koalitionsfrage? Auch da gab's nichts Neues: Rüttgers griff Kraft an, weil sie sich es mit den "Extremisten", gemeint ist die
Linkspartei, offen halte. Kraft entgegnete, sie kämpfe für Rot-Grün, Rüttgers sagte, er wolle nicht mit den Grünen koalieren, er wolle Schwarz-Gelb.
Die letzten Umfragen zeigen eine Patt-Situation, ein
Kopf-an-Kopf-Rennen - ein Unentschieden, so wie es das Fernseh-Duell am Ende auch war.
Bei den Karusellfahrten des Kameramannes wurde einem ja schwindelig.
Hammi am 27.04.10 10:02
Ich seh viel und gerne WDR - aber das war verschwendete Sendezeit! Vorher hatte ich noch die Lokalzeit gesehen aber nicht mitbekommen, was um 20.15 Uhr lief, so dass ich nach der Tagesschau dann verärgert den Umschaltknopf gedrückt habe. So einen Schwachsinn kann der WDR sich sparen, nichts als Gelaber und Versprechungen, die nicht eingehalten werden. NEIN DANKE, das muss ich nicht haben. Da finde ich die Internetwahlinfos beim WDR viel substantiierter. Sobald meine Briefwahlunterlagen eintreffen, werde ich wählen, aber mit Sicherheit weder CDU noch SPD (Reihenfolge alphabetisch, nicht inhaltlich!)
Von den "Volksparteien" enttäuscht und verärgert am 27.04.10 7:00
Rütgers erschien mir wie ein alter Mann und auch mit einem gewissen Altersstarrsinn bzl. Schulpolitik. Seine Argumente empfand ich oft als fade. Wenn er z.B.die erhöhte Anzahl der Studienanfänger als Erfolg seiner Regierung hervorhebt, hat er wohl vergessen,dass viele Abiturienten keinen Lehrvertrag haben und nur deshalb zur Uni gehen.
Kraft dagegen,ließ ein hohes Engagement in sozialer Hinsicht erkennen. Wenn sie nur nicht immer so ein Grinsen im Gesicht hätte, was wohl ein Lächeln sein soll.
Jörg am 27.04.10 1:18
"NRW ein wunderschönes Land..." super Rüttgers! Iss klar, dass er die jüngst bekannt gewordene Rechtslastigkeit seiner Provinzvasallen nicht erwähnt(ist leider aber auch nicht gefragt worden). Unerträgliches Gefasel und konsequent bildungspolitische Ignoranz bar jeden Sachverstands. Ich will lieber Hannelore!!
K.M.P Lüning am 26.04.10 23:42
Nichts weiter als "Brot und Spiele für die Doofen". Auf das was die sagen ist kein Verlaß. Man denke an die Erhöhung der Mehrwertsteuer (2%+0%=3%). Müntefering gab indirekt zu, daß SPD-Aussagen nicht ernst zunehmen sind; .. unfair Politiker an ihre Wahlversprechen zu messen .. . Die SPD heuchelt Soziales bis sie wieder an der Macht ist, danach wandelt sie sich wieder um 180 Grad - wetten?
Realist am 26.04.10 23:21
Die Wahl zwischen Skylla und Charybdis haben die Einwohner in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai. Beide Parteien haben keine Visionen für Arbeit, Umwelt oder Frieden, beide Parteien setzen auf schwächelnde und käufliche Spitzendkandidat(inn)en. Da bleiben einem nur die Extreme, wenn man für Innovation und Veränderung votieren will - und die sind schon lange nicht mehr grün oder gelb...
Björn Borg am 26.04.10 23:19
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