WDR.de
Politik
Landtagsblog
Einer gegen alle
Danach sind alle zufrieden, mit sich, mit
dem 90-minütigen, zum großen Teil lebhaften und kontroversen Schlagabtausch (hier noch mal
zum Nachschauen in der Mediathek). Zumindest nach außen geben sie sich so, wenn die Kameras angehen und ihnen die Mikros vor die Nase gehalten werden. Doch einer der Spitzenkandidaten ist ganz und gar nicht zufrieden, schaut etwas erschöpft, lehnt neben der Garderobe in der Halle Kunstwerk in Mönchengladbach und sagt in sein Handy: "... ständig wurde ich unterbrochen ..." Es ist Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Mit wem er wohl spricht?
Wenig später hat er fertig telefoniert und ein anderer Rüttgers steht vor den Mikros: Er sagt, dass er "zufrieden" mit dem Ablauf des Abends sei, dass das bestimmende Thema kurz vor der Wahl am 9. Mai die Wirtschaftskrise, die Krise in Griechenland sei, "die die Menschen beunruhige". Rüttgers gibt den Mahner, den Landesvater, der vor den großen finanziellen Belastungen warnt. Es sei "keine Zeit für Experimente" - er meint: Rot-Rot-Grün und, na klar, wird er dabei vom lächelnden Koalitionspartner Andreas Pinkwart unterstützt. Der hat fast wörtlich denselben Satz einige Minuten zuvor in die Mikros gesagt.
"Angstwahlkampf" der CDU nennt das wenig später Herausforderin Hannelore Kraft (SPD), die sich aufgeräumt zeigt, lächelt. Anders als am Montag beim sehr höflichen TV-Duell, zeigte sie sich während der Debatte angriffslustig, immer wieder unterbrach sie Rüttgers, etwa beim Thema Hartz IV: "Geben Sie hier nicht den Sozialen." Attacke kann ich auch, ihre Botschaft. Rüttgers fand das nicht lustig: "Frau Kraft, Sie sind ständig in höchster Alarmbereitschaft", "Sie unterbrechen ständig alle" - die Reaktion des Publikums: Buh-Rufe.
Kraft fühlte sich wohl mit den 150 Studiogästen um sich herum. Was Publikum so alles bewirkt ... Dabei war die SPD im Vorfeld gar nicht zufrieden gewesen mit ihrem Platz. Denn Kraft stand halblinks neben Wolfgang Zimmermann von der Linkspartei. Die Mitte wäre der SPD viel lieber gewesen. Da stand aber Sylvia Löhrmann von den Grünen, neben Rüttgers. Schwarz-Grün auf Tuchfühlung? Nein, die Parteien waren bei der Debatte lediglich wie die Fraktionen im Bundestag angeordnet.
Einer stand an diesem Abend ganz am Rande, links außen: Wolfgang Zimmermann - und er hatte bei der Debatte Schwierigkeiten, dort die Orientierung zu behalten: "Alle die links neben mir (Lacher) ... äh ich meine rechts neben mir stehen ... " Er meinte die anderen Spitzenkandidaten. "Einer gegen alle, alle gegen einen", so habe er sich gefühlt, sagt er nach der Diskussion.
Jürgen Rüttgers hatte das Gefühl wohl irgendwie auch. Er steigt wenig später in seinen Dienstwagen, sein Blick dabei: ganz und gar nicht zufrieden.
Geheimes Video von Jürgen Rüttgers wegen Affäre (1.5.2010)
Ob es wirklich ein Skandal wird werden die nächsten Tage zeigen...
Insiderinformationen zufolge gab es in der letzten Woche einen geheimen CDU Sonder-Parteitag zur NRW Landtagswahl am 9.5.2010.
Zum einen wegen der stark sinkenden Umfragewerte, zum anderen wegen der erneuten Spenden- und Finanzaffäre.
Jürgen Rüttgers spricht u.a. offen über:
Finanzaffäre (April 2010):
Die Bundestagsverwaltung prüft Unregelmäßigkeiten im Wahlkampf vor fünf Jahren (Stichwort "Wähler für den Wechsel"). Es droht eine Strafe wegen verdeckter Parteienfinanzierung.
Spendenaffäre (Februar 2010):
Für 20.000 Euro konnten Kunden ein Partnerpaket für den Parteitag kaufen, das u.a. Einzelgespräche mit dem Ministerpräsidenten verspricht.
welche 12.000 Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut werden,
welche Kürzungen im sozialen Bereich wirklich geplant sind,
das Endlager für Atommüll in NRW !!!,
und warum er weiterhin an schwarz geld (ähhhh... gelb) fest hält.
Thomas Erdmann am 3.05.10 16:21
Lieber horribile audito,
Wie Sie sicher bemerkt haben, schreiben in diesem Blog die Hörfunk- und Internetredakteure der Landespolitik. Daher können wir Ihnen für die Anregung zur Sendung nur die Ansprechpartner des Fernsehens nennen, die sicher für jede Art von Kritik dankbar sind und diese auch ausführlich und gerne beantworten. Fragen und Anregungen zu diesem Blog oder zur Hörfunkberichterstattung beantworten wir Ihnen natürlich gerne.
Liebe Grüße,
Christoph Ullrich am 30.04.10 6:38
Genau das hatte ich mir gedacht und bestätigt nur, dass es mit der freien Meinungsäußerung nicht weit her sein kann. Bekanntlich aber sollte der, der austeilt, auch einstecken können.Anscheinend wurde der "richtige" Nerv getroffen, so dass es ein "getroffener Hund" und die Moderation des Herrn Schönborn doch als Schützenhilfe eines west -
deutschen Rotfunks zu bewerten ist!
Gott sei Dank kann der WDR einem den Mund nicht verbieten. Ihre Reaktion
ist Beweis genug, dass es so ist, wie es ist! Guten Abend noch, Ihr Macher!
horribile audito am 29.04.10 20:10
Hallo "horribile audito",
bitte wenden Sie sich mit ihren Annmerkungen an die Kollegen des WDR Fernsehens.
Sie erreichen die Kollegen unter fernsehen@wdr.de.
Beste Grüße,
Christina Hebel
Christina Hebel am 29.04.10 17:37
Es wird einen schon sehr verwundern müssen , wenn man life miterlebt, dass der Moderator der Sendung vom gestrigen Abend, Herr Schönborn, ein-deutig nur dann Einfluss auf die Dis-
kussion nahm, wenn der noch amtierende Ministerpräsident unseres Landes, auch der des WDR, sprach. Er unterbrach ihn bzw. korrigierte ihn ohne jedoch auch nur annähernd den Versuch zu machen, die in völliger Losgelöstheit agierende " Ja, aber" Kandidatin Kraft mit ihren Zwischen-
rufen, Besserwissereien und teilweise Pöbeleien,das Gespräch zu
unterbrechen oder gar Eindruck schinden zu wollen. Doch Hunde die bellen, beißen bekanntlich nicht. Jeder Zuschauer konnte sich so ein Bild von einer unbeherrschten und an-
standslosen Kandidatin der SPD machen. Wer sich so gibt und mit Polemisierungen und Pöbeleien das Amt
einer Ministerpräsidentin anstrebt, kann sich vorstellen, wie wir dann "regiert" werden. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Unverzeihlicher jedoch ist, dass der westdeutsche Rotfunk ( WDR ) in Person des Herrn Schönborn wieder versucht der SPD Schützenhilfe zu geben, was klar ersichtlich war! Ich
kann nur hoffen, dass zukünftig wieder "neutrale, versierte" Moderatoren auf dem Bildschirm zu sehen sind, damit man sich nicht auch noch über die verschwendeten Fernsehgebühren ärgern muss! Mein Rat an Herrn Schönborn: Gehen Sie doch in die Politik, da können sie Ihre Parteilichkeit ausleben. Einen solchen Umgang hat weder der Minster-
präsident Rüttgers noch der Fernsehzuschauer verdient! Guten Abend!
horribile audito am 29.04.10 17:22
Lieber Jörg,
Sie beziehen sich in Ihrem Kommentar auf unseren Faktencheck zum Duell der Spitzenkandidaten zu finden unter http://www.wdr.de/themen/politik/landtagswahl_2010/spitzenpolitikerrunde/faktencheck.jhtml
Dort hatte Sonja einen Kommentar zur Dr. Hilmar Schneider als Experten gepostet, hierzu haben wir geantwortet:
"Liebe Sonja, es stimmt nicht, dass im Faktencheck Dr. Hilmar Schneider als Experte zitiert wird, ohne dass wir Hinweise auf seinen Arbeitgeber, das IZA, geben. Seine Biographie, ebenso wie die der anderen Experten, ist im ersten Absatz des Textes beim Wort "Experten" verlinkt - (hier der direkte Link: http://www.wdr.de/themen/politik/landtagswahl_2010/spitzenpolitikerrunde/experten.jhtml?rubrikenstyle=landtagswahl_2010). Zudem haben wir jeweils auch immer wieder den Namen des Experten mit seiner Biographie verlinkt. Zu Dr. Hilmar Schneider steht dort: "Hilmar Schneider ist Direktor für Arbeitsmarktpolitik beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. ... Das IZA wird durch Wissenschaftssponsoring der Deutsche Post-Stiftung gefördert." Mit freundlichen Grüßen, die WDR.de-Redaktion"
Wir geben also eine kurze Information und Einordnung zu jedem Experten.
beste Grüße,
Christina Hebel
Christina Hebel am 29.04.10 16:54
Sonja schrieb:
"Die Positionen des Herrn Dr. Hilmar Schneider als Experte im Faktenscheck, ist verständlich."
Warum so zaghaft Sonja?
Ich beurteile seinen Beitrag als CDU-gesteuert.
Es täte der Sendung gut, wenn der WDR bei der Auswahl von sog. Experten des Faktenschecks wirklich unabhängige Personen zu Wort kommen ließe. Eine kurze aber prägnante Herkunfts- bzw.Abhängigkeits Information als Vorspann ist daher erforderlich. Schließlich will ich schon wissen, aus welchem Stall der Experte kommt. Dies versetzt mich in die Lage, die Wertigkeit einer Aussage einzuordnen.
Jörg am 29.04.10 16:17
Als Moderator des Presseclubs macht Herr Schönenborn schon eine schlechte Figur, indem er nicht als "Moderator" auftritt und statt dessen Meinungen und Äußerungen, die seiner Sichtweise und Position nicht entsprechen zurechtstutzt. In der gestrigen "Wahlarena" war das nicht anders: Man kann zu Herrn Rüttgers stehen wie man will, aber als Moderator einer solchen Sendung ist Herr Schönenborn seiner Rolle in keinster Weise nachgekommen: Anstatt "moderierend" auf die häufig unangebrachten Zwischenrufe der beiden Damen einzuwirken, beteiligte er sich selbst daran, durch ständige einseitige Unterbrechungen zu teilweise chaotischen Wortgefechten beizutragen. Keifende oder unzufrieden nörgelnde Politiker mögen zwar Einschaltquote bringen, aber zu einer Klärung der von den Parteien vertretenen politischen Inhalte ist eine solche Sendung alles andere als hilfreich. Da kann man nur mit großem Lob auf den Kollegen Plaßberg verweisen, der in seiner Sendung "Hart aber Fair" zeigt, wie eine Diskussion richtig "moderiert" wird, so dass die Standpunkte der Beteiligten Akteure klar werden!
W. Heinen am 29.04.10 10:24
@anonym: Fragen zur Sendung können die Kollegen von Hörfunk und Fernehen beantworten: fernsehen@wdr.de und radio@wdr.de
WDR.de am 29.04.10 9:43
Warum durfte der amtierende Ministerpräsident zu Schluss nicht die vernebelten unwahrheiten der SPD-Spitzenkandidatin kommentiern und wurde von Herrn Schönborn abgewürgt.
Warum wurde beim Tag Heute auf WDR2 plötzlich Musik gepiel, als der Ministerpräsident Zahlen und Fakten genannt hat? Leistet der westdeutsche Rotfunk (WDR) wieder Schützenhilfe und kann man da gerichtlich gegen angehen?
Anonym am 29.04.10 2:45
Zum Anfang dieses Eintrags
Trackback-URL zu diesem Eintrag:
http://www.wdrblog.de/cgi-bin/mt-tb.cgi/2457
Gestern abend fand die Wahlarena (WDR) mit fünf Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in NRW statt und ich war als Gast im Publikum dabei. Neben dem CDU-Vorsitzenden Jürgen Rüttgers waren die (links abgebildete) SPD-Spitzenkandidatin Hannel...
Zum SeitenanfangPermanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/landtagsblog/archives/2010/04/danach_sind_alle_ja_wirklich.html
Der WDR ist nicht für Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.