WDR.de
Politik
Landtagsblog
"Niveau mit O" – Die neuen Wahlplakate sind da
Ich muss ja ehrlich gestehen: Ich freu mich, dass nach den ganzen "Weichspül-Wahlkämpfen" (die Große Koalition machte es möglich) jetzt endlich mal ein "Lagerkampf" stattfindet, der polarisiert. Die NRW-Wahl verspricht ja einiges an Spannung – Schwarz-Gelb gegen Grüne, SPD und Linke, mit leichtem Hang zur Durchmischung, wenn es das Wahlergebnis zulässt. (Im Wörterbuch zu finden unter: "Schwarz-Grün" oder "Ampel")
Nach dem CDU-Wahlslogan "Wir haben die Kraft" im letzten Bundestagswahlkampf oder dem mir bis heute unerklärlichen "WUMS" der Grünen, freu(t)e ich mich endlich, zur Landtagswahl vielleicht etwas mehr Inhalt auf den Plakaten zu finden. Aber ich hab die Rechnung ohne das Niveau gemacht, was seit letzter Woche wohl lieber mit O geschrieben wird. Wenn der neue CDU-Generalsekretär in NRW, Andreas Krautscheid, in Zeitungsinterviews eine Schlammschlacht von Seiten der CDU ausschließt, dann muss er mir mal das Plakat seiner Partei erklären, das demnächst vor jeder Schule hängen soll.
Da steht in weißen Lettern auf rotem Grund: "Diese Schule wird geschlossen, wenn Rot-Rot regiert" Ein Angriff auf die Pläne zur Einheitsschule. Nur vergisst Krautscheid dabei einen nicht ganz so unbedeutenden Fakt? Rot-Rot braucht Grün für eine Mehrheit. Richtig muss es also heißen: "Wenn rot-grün-rot kommt; dann, jahaha dann…!" Dass Sozialdemokraten und Linke alleine eine Mehrheit haben könnten – da sagen die Umfragen was ganz anderes. Aber man will es sich wohl nicht mit den Grünen verscherzen. Könnten ja Juniorpartner werden, wenn es mit der FDP nicht reicht. Blöd nur, wenn das die Grünen nicht interessiert und sie in ihren Plakaten zur Bildungspolitik auf die CDU einhauen.
Viel schlimmer an den CDU-Plakaten ist allerdings, wie man damit eigene Erfolge zu nichte machen kann. Wenn vor jeder Schule so ein Plakat stehen soll, Schüler und Lehrer es sehen, geht bestimmt 'ne Menge Unterrichtszeit dafür drauf, über die Dinger zu diskutieren. Wollte die Union aber nicht den Unterrichtsausfall bekämpfen, als sie 2005 an die Regierung kam? Mit diesen Plakaten könnte sie aber für welchen sorgen. Wenn Schüler, statt Mathe und Latein zu lernen, über die Inhalte des Plakats im Unterricht diskutieren, fällt das schon in die Kategorie Unterrichtsausfall.
Noch aber bleibt Hoffnung: Mal schauen was FDP und SPD auf ihren Plakaten machen werden. Bei der FDP sieht das ja noch kreuzbrav aus. Und von der SPD gibt es bisher nur Postkarten.
Ich hoffe, dass sich der Ministerpräsident die Rechte am "Rüttgers-Club" gesichert hat. Bevor man die entsprechende Postkarte noch auf Plakatgröße sieht, hätte Rüttgers ja ein urheberrechtliches Veto. Hoffentlich, denn auch das ist kein Inhalt, sondern einfach nur nivOvoll…
Ich habe mich schon seit Jahren gefragt, warum die Parteien für solche dümmlichen Wahlkampfslogans soviel Geld ausgeben. Als ob irgendein Wähler der anderen Parteien deswegen sein Stimmverhalten änderte! Bis ich vor einiger Zeit im Radio ein Gespräch mit einem der mehr oder weniger bedeutsamen Meinungsforscher hörte, der erklärte, dass diese "Kampfparolen" sich gar nicht an die Wähler der anderen richten sollen, sondern der Mobilisierung der eigen Parteimitglieder und vielleicht noch der eigenen Wähler dienen. So, so brauchen die das? Und wenn ja, für was? Und all diese doofen Plakate bezahlt der Steuerzahler als Wahlkampfkostenerstattung. Tja, Demokratie kann manchmal eben auch dumm sein...
DetlefausDuisburg am 15.03.10 17:56
Zum Anfang dieses Eintrags
Trackback-URL zu diesem Eintrag:
http://www.wdrblog.de/cgi-bin/mt-tb.cgi/2410
Sie haben es doch getan… Als ich erstmalig von dem CDU-Plakat mit dem Text SPD und Linkspartei planen die Einheitsschule: Diese Schule wird geschlossen, wenn Rot-Rot regiert. hörte, dachte ich erst, dass es sich um ein typisches “Journ...
Zum SeitenanfangPermanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/landtagsblog/archives/2010/03/niveau_mit_o_die_neuen_wahplak.html
Der WDR ist nicht für Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.