Mittwoch, 22.10.2014

Ekel-Tiere in der Post

Ein Paket von der Piraten-Fraktion lag heute in der Post. Wie schön. Und als ich reinschaute, wurde es noch besser. Eine fiese Spinne lugt über den Rand. Und in einem Haufen Stroh wuseln ein schwarzer Skorpion und zwei etwas klein geratene Schlangen. Ein kurzer Schreckensmoment, bis klar ist: Das Viehzeug besteht aus Plastik.

Plastikspinnen, Rechte: WDR/Kellers Was krabbelt denn da aus dem Paket?

Warum die Piraten solche Pakete an Journalisten verschicken? Um Panik zu verbreiten? Wer weiß das schon? Aber eigentlich soll die Gifttier-Sendung auf etwas aufmerksam machen. Und zwar darauf, dass die Piraten sauer sind. Nicht auf Journalisten, sondern auf die Landesregierung. Die nämlich hat am Dienstag (21.10.2014) den Entwurf für das neue WDR: Gefahrtiergesetz vorgelegt. Alles nur geklaut, behaupten die Piraten. Sie haben schon im September 2013 ein ähnliches Gesetz in den Landtag eingebracht. Das sei zuerst verschleppt und nun "verschlimmbessert" worden, meint Piratin Simone Brand. Das federführende Umweltministerium hingegen ist sich keiner Schuld bewusst. Schließlich sei schon lange geplant gewesen, das Halten gefährlicher Tiere per Gesetz zu verbieten. Den Piraten-Entwurf habe man dafür nicht gebraucht.

Sei's drum. Ich freue mich jedenfalls über die Plastik-Tierchen. Auf meinem Schreibtisch machen die sich gut. Vielleicht lege ich die fiese Spinne heute Abend in den Kühlschrank. Als Überraschung für die Kollegen morgen.

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Donnerstag, 09.10.2014

Entdeckungsreise im Abgeordnetenbüro

An diesem Nachmittag stand die Sonne tief vor dem Fenster. Ein kurzes Interview fürs Radio stand an. Im Gespräch mit einem Abgeordneten fiel mein Blick auf ein leicht angestaubtes Glas mit etwa 20 Salzstangen. Sie mussten ihre Farbe von rostbraun auf strohgelb schon vor langer Zeit gewechselt haben. Das einfallende Sonnenlicht hatte sie ausgebleicht. Die Sonne bringt es an den Tag, dachte ich und fragte meinen Gesprächspartner, ob wir mal eine probieren sollten. Er winkte ab. Verständlich: Die Salzstangen wirkten leicht mumifiziert.

Salzstangen im Glas, Rechte:Flamm + Leicht mumifizierte Salzstangen

Das Büro wirkte vollkommen leer
Mein Gesprächspartner war nicht der Bewohner des Büros. Es wird, sagte er, auch gern als Besprechungszimmer genutzt, so wie jetzt. Der echte Bewohner sei fast nie da. Das Büro war bis auf die Möbel nahezu leer. Auf dem Schreibtisch keine Papiere, auch, wie oft üblich, keine Aktenberge im Regal. Das Büro wirkte, als warte es auf einen neuen Benutzer. Dass es nur als Besprechungszimmer dient, schien selbst dem Büroraum zu wenig, so kahl war er. Nur ein Foto an der Wand zeigte den Büroeigentümer. Es soll wohl sagen: Es gibt mich noch.

Ich fragte, was mit dem Abgeordneten passiert sei, der hier eigentlich arbeiten sollte. Vielleicht erkrankt? Der Gesprächspartner verneinte. Nein, der sei schon manchmal da. Aber er arbeite auch viel im Wahlkreis, er sei eben ein Meister des Zeitmanagements. Aha, aber ich hatte den Eindruck, dass mein Gesprächspartner dass auch nicht wirklich verstand.

Im Hintergrund brummte ein Kühlschrank. Ich dürfe ruhig reinschauen, sagt mein Gesprächspartner. Er war gut gefüllt, hauptsächlich Sekt, aber auch Bier. Und ein paar Lebensmittel. Der gehört der ganzen Abteilung, erklärte der Abgeordnete. Ja, dachte ich, so erfüllt der Raum wenigstens einen zweiten Zweck.

Schon interessant, was man in den Büros der Landtagsabgeordneten entdecken kann. Jetzt habe ich mir vorgenommen, häufiger Politiker in ihren Büros aufzusuchen.

Guter Vorsatz!

untertan am 9.10.14 15:47

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Donnerstag, 02.10.2014

Kraft und das neue Handygate

Ein Innenminister, der vor Taschendieben warnt und sich selbst Blog: das Handy aus der Jacke stehlen lässt: Über den gelungenen Streich von 1Live freuten sich nicht nur die Radiokollegen, sondern auch die Opposition. Auch am zweiten Tag in Folge feixte sie über den unfähigen Minister, der sich allzu leicht blenden und austricksen lasse - und nicht einmal umgeben von Sicherheitsleuten vor Kriminellen sicher sei.

Weniger Humor versteht in dieser Frage Hannelore Kraft: Nachdem sie die kleine Anfrage der Opposition zu Jägers "Handy-Gate" noch ertragen hatte, wurde ihr die Spötterei nun zu bunt: CDU-Fraktionschef Armin Laschet hatte sich im Plenum über Jäger und seine Bodyguards lustig gemacht - da riss der Ministerpräsidentin der Geduldsfaden: "Diese Leute machen einen verdammt guten Job, das lasse ich von niemandem in den Dreck ziehen", schimpfte sie.

"Satire in allen Ehren", so Kraft - aber dieser Streich gehe doch eindeutig zu weit: "Wer eine Presseerklärung abgibt, der begibt sich mit den Journalisten in ein besonderes Vertrauensverhältnis", so Kraft. Auch sie bitte ihre Sicherheitsmitarbeiter bei diesen Gelegenheiten, sich etwas weiter von ihr weg zu postieren. "Wenn in so einer Situation dann ein Trickdieb als technischer Mitarbeiter eingeführt wird, untergräbt das ein solches Vertrauensverhältnis."

Kraft sagt, sie wisse nicht, wie ihre Mitarbeiter mit solchen Situationen umgehen sollten. Sicher ist nur: Techniker werden sich in Zukunft von den Bodyguards der Ministerpräsidentin sehr genau auf die Finger schauen lassen müssen.

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Mittwoch, 01.10.2014

1Live, der Minister und das Handy

Innenminister Ralf Jäger ist derzeit Tag für Tag in den Nachrichten. Es sind keine "good news". Die Misshandlungen von Flüchtlingen in Burbach, Essen und Bad Berleburg bringen den SPD-Politiker in Erklärungsnöte. Der Skandal um Missstände in den Asylbewerber-Unterkünften in NRW dürfte den Minister noch wochenlang beschäftigen. Ein großes Skandalthema - für den zuständigen Innenminister höchst unangenehm.

Aber auch kleine Dinge machen dem obersten Gesetzeshüter momentan zu schaffen: Der Diebstahl von Jägers Diensthandys bei einer Aktion gegen Taschendiebstahl beschäftigt seit diesem Mittwoch den Düsseldorfer Landtag. Der CDU-Abgeordnete Gregor Golland will wissen, wie es sein konnte, dass drei Personenschützer des Ministers nicht gemerkt haben, wie diesem das Smartphone aus der Sakkotasche gezogen und durch ein anderes ersetzt wird. "Da kann ihm auch jemand eine Tüte Kokain reinpacken oder ein Messer in den Rücken stechen", sagte Golland am Mittwoch und bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung. WDR: 1Live hatte einen als Techniker auftretenden Zauberer engagiert, der dem Minister am Montag in Essen das Handy aus der Tasche trickste. Jäger bekam das Handy zurück - aber der Vorfall wird für ihn zum Problem. Die Zeitungen spießen die 1Live-Aktion genüsslich auf. "Jäger als leichte Beute", schrieb ein Blatt über den Minister, der sonst gerne die Bürger zu WWW: mehr Wachsamkeit gegen Diebe ermahnt. Und auch wenn der Minister humorvoll ("Das ist ja unglaublich. Sie haben mich einfach zu sehr abgelenkt.") auf den Vorfall reagiert hatte, wird es für Jäger noch ein ganz offizielles Nachspiel im Landtag geben.

Der CDU-Parlamentarier Golland hat nämlich eine "Kleine Anfrage" an die Landesregierung gestellt. "Wer sich einem Innenminister eines Bundeslandes so nähern und ihm in die Tasche greifen kann, der kann ihn möglicherweise auch mit einer Waffe ernsthaft gefährden und verletzen", schreibt Golland in der Anfrage und stellt dem Minister ein paar Fragen: "1. Wie kann es sein, dass jemand unbemerkt dem Innenminister in die Taschen greifen kann? 2. Haben die Personenschützer nicht aufgepasst und ihre Dienstpflichten verletzt? 3. Wie ist sichergestellt, dass den Personenschützern (wie im Fall des Polizisten mit dessen Telefon geschehen) nicht auch unbemerkt z.B. ihre Dienstwaffe entwendet werden kann? 4. Wie ist sichergestellt, dass der Innenminister des Landes NRW nicht durch sich nähernde Personen mit einer Waffe verletzt wird? 5. Wie funktioniert das Absicherungskonzept (materiell/personell) für den Innenminister (bitte Zielsetzung, Mitteleinsatz und konkrete Maßnahmen erläutern)?" Fragen über Fragen also. Der Innenminister dürfte angesichts der "Kleinen Anfrage" wohl künftig den Rat befolgen, den er von 1LIVE erhielt: "Taschen zu, Herr Jäger!"

Komische Aktion.

Ich frag mich auch, wie ein GEZ-Sender auf die Idee kommt, einen solchen "Diebstahl" zu inszenieren.

Soll jetzt hier ein Innenminister lächerlich gemacht, bzw demontiert werden?

Haben GEZ-Sender nicht eigentlich ganz andere Aufgaben?

soeren.cz am 1.10.14 16:02

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Dienstag, 30.09.2014

Die Junge Union übt noch Twitter

Die Nachwuchsverbände der Parteien werden oft und gern verspottet - als politischer Kindergarten oder als Hort für Jugendliche, die nie richtig jung gewesen sind. Jetzt hat es - mal wieder - die Junge Union erwischt. 2010 war die JU Duisburg wegen einer "Sauftour" nach Berlin bundesweit in die Negativschlagzeilen geraten. Aktuell muss der CDU-Nachwuchs aus Köln viel Kritik einstecken. Der Grund: Auf Twitter hatte die JU Köln Propaganda eines sehr rechtslastigen WWW: Blogs weiterverbreitet. Eine Aktion, die sofort empörte Reaktionen auslöste: "Warum schweigt Clickbait-Politiker Laschet eigentlich zu den rassistischen Untertönen in den Tweets der @JU_Koeln?", stichelte die WWW: NRW-SPD am Dienstag - und brachte in der Kritik also noch eine Attacke auf Vieltwitterer Armin Laschet unter. "WWW: Clickbait-Politiker" - das dürfte der CDU-Landeschef ungern hören.

Die Erklärung der JU Köln für den Vorfall klingt etwas komisch. Man habe den rechten Inhalt "nicht mit Absicht" geteilt, sondern "automatisch" alle Tweets mit dem Wort Köln "gezogen", erklärten die Jungunionisten. Automatisch "Alles mit Köln" weiterverbreiten? Das scheint dann doch ein etwas naiver Umgang mit den sozialen Netzwerken zu sein. Zumal die JU Köln unlängst noch das "WWW: Netzteil" gewann, einen Preis der Jungen Union für den Kreisverband mit den meisten Twitter-Followern. Und noch eines stimmt bedenklich: Der Kölner JU-Politiker Florian Braun gilt als heißer Kandidat für den Chefposten im Landesverband der CDU-Nachwuchsorganisation. Als oberster JU-ler in NRW dürfte sich Braun solche Pannen wohl kaum erlauben.

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