Mittwoch, 01.10.2014

1Live, der Minister und das Handy

Innenminister Ralf Jäger ist derzeit Tag für Tag in den Nachrichten. Es sind keine "good news". Die Misshandlungen von Flüchtlingen in Burbach, Essen und Bad Berleburg bringen den SPD-Politiker in Erklärungsnöte. Der Skandal um Missstände in den Asylbewerber-Unterkünften in NRW dürfte den Minister noch wochenlang beschäftigen. Ein großes Skandalthema - für den zuständigen Innenminister höchst unangenehm.

Aber auch kleine Dinge machen dem obersten Gesetzeshüter momentan zu schaffen: Der Diebstahl von Jägers Diensthandys bei einer Aktion gegen Taschendiebstahl beschäftigt seit diesem Mittwoch den Düsseldorfer Landtag. Der CDU-Abgeordnete Gregor Golland will wissen, wie es sein konnte, dass drei Personenschützer des Ministers nicht gemerkt haben, wie diesem das Smartphone aus der Sakkotasche gezogen und durch ein anderes ersetzt wird. "Da kann ihm auch jemand eine Tüte Kokain reinpacken oder ein Messer in den Rücken stechen", sagte Golland am Mittwoch und bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung. WDR: 1Live hatte einen als Techniker auftretenden Zauberer engagiert, der dem Minister am Montag in Essen das Handy aus der Tasche trickste. Jäger bekam das Handy zurück - aber der Vorfall wird für ihn zum Problem. Die Zeitungen spießen die 1Live-Aktion genüsslich auf. "Jäger als leichte Beute", schrieb ein Blatt über den Minister, der sonst gerne die Bürger zu WWW: mehr Wachsamkeit gegen Diebe ermahnt. Und auch wenn der Minister humorvoll ("Das ist ja unglaublich. Sie haben mich einfach zu sehr abgelenkt.") auf den Vorfall reagiert hatte, wird es für Jäger noch ein ganz offizielles Nachspiel im Landtag geben.

Der CDU-Parlamentarier Golland hat nämlich eine "Kleine Anfrage" an die Landesregierung gestellt. "Wer sich einem Innenminister eines Bundeslandes so nähern und ihm in die Tasche greifen kann, der kann ihn möglicherweise auch mit einer Waffe ernsthaft gefährden und verletzen", schreibt Golland in der Anfrage und stellt dem Minister ein paar Fragen: "1. Wie kann es sein, dass jemand unbemerkt dem Innenminister in die Taschen greifen kann? 2. Haben die Personenschützer nicht aufgepasst und ihre Dienstpflichten verletzt? 3. Wie ist sichergestellt, dass den Personenschützern (wie im Fall des Polizisten mit dessen Telefon geschehen) nicht auch unbemerkt z.B. ihre Dienstwaffe entwendet werden kann? 4. Wie ist sichergestellt, dass der Innenminister des Landes NRW nicht durch sich nähernde Personen mit einer Waffe verletzt wird? 5. Wie funktioniert das Absicherungskonzept (materiell/personell) für den Innenminister (bitte Zielsetzung, Mitteleinsatz und konkrete Maßnahmen erläutern)?" Fragen über Fragen also. Der Innenminister dürfte angesichts der "Kleinen Anfrage" wohl künftig den Rat befolgen, den er von 1LIVE erhielt: "Taschen zu, Herr Jäger!"

Komische Aktion.

Ich frag mich auch, wie ein GEZ-Sender auf die Idee kommt, einen solchen "Diebstahl" zu inszenieren.

Soll jetzt hier ein Innenminister lächerlich gemacht, bzw demontiert werden?

Haben GEZ-Sender nicht eigentlich ganz andere Aufgaben?

soeren.cz am 1.10.14 16:02

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Dienstag, 30.09.2014

Die Junge Union übt noch Twitter

Die Nachwuchsverbände der Parteien werden oft und gern verspottet - als politischer Kindergarten oder als Hort für Jugendliche, die nie richtig jung gewesen sind. Jetzt hat es - mal wieder - die Junge Union erwischt. 2010 war die JU Duisburg wegen einer "Sauftour" nach Berlin bundesweit in die Negativschlagzeilen geraten. Aktuell muss der CDU-Nachwuchs aus Köln viel Kritik einstecken. Der Grund: Auf Twitter hatte die JU Köln Propaganda eines sehr rechtslastigen WWW: Blogs weiterverbreitet. Eine Aktion, die sofort empörte Reaktionen auslöste: "Warum schweigt Clickbait-Politiker Laschet eigentlich zu den rassistischen Untertönen in den Tweets der @JU_Koeln?", stichelte die WWW: NRW-SPD am Dienstag - und brachte in der Kritik also noch eine Attacke auf Vieltwitterer Armin Laschet unter. "WWW: Clickbait-Politiker" - das dürfte der CDU-Landeschef ungern hören.

Die Erklärung der JU Köln für den Vorfall klingt etwas komisch. Man habe den rechten Inhalt "nicht mit Absicht" geteilt, sondern "automatisch" alle Tweets mit dem Wort Köln "gezogen", erklärten die Jungunionisten. Automatisch "Alles mit Köln" weiterverbreiten? Das scheint dann doch ein etwas naiver Umgang mit den sozialen Netzwerken zu sein. Zumal die JU Köln unlängst noch das "WWW: Netzteil" gewann, einen Preis der Jungen Union für den Kreisverband mit den meisten Twitter-Followern. Und noch eines stimmt bedenklich: Der Kölner JU-Politiker Florian Braun gilt als heißer Kandidat für den Chefposten im Landesverband der CDU-Nachwuchsorganisation. Als oberster JU-ler in NRW dürfte sich Braun solche Pannen wohl kaum erlauben.

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Donnerstag, 25.09.2014

Warum sind alle Polizeieinsätze kostenlos?

Flaute in der Landeskasse? Von wegen! Die Landesregierung kämpft wohl mehr mit einer Flaute an Phantasie und Einfallsreichtum. So jedenfalls liest sich ein Tagesordnungspunkt, mit dem sich auf Antrag der CDU in der kommenden Woche das Hohe Haus in Düsseldorf beschäftigen soll. Worum geht's? Um die Frage, weshalb eigentlich in Nordrhein-Westfalen (fast) alle Polizeieinsätze immer noch kostenfrei sind.

Nein, diesmal geht es nicht darum, dass Fußballvereine für den Polizeieinsatz an Bundesliga-Spieltagen zahlen soll. Aber aus den vielen kleinen und lästigen Dingen des Polizeialltags müsste sich doch mehr machen lassen, meint die Union.

Zahlen für die Ausnüchterungszelle

Beispiele gefällig? Wer zum Beispiel am Wochenende etwas zu tief ins Glas geschaut hat und in polizeilichen Gewahrsam genommen werden muss, verursacht Kosten. Transport pro eingesetztem Beamten: 26 Euro. Aufenthalt in der Ausnüchterungszelle je angefangenen 24 Stunden: 45 Euro. Wer auch nach das Polizeiauto voll...(macht): 35 bis 750 Euro Reinigungskosten. Wiederholte Ruhestörung, die einen Polizeieinsatz erfordert: 51 Euro. Oder (um mal das Thema zu wechseln): Suche und/oder Einfangen von Tieren je angefangene halbe Stunde und eingesetztem Beamten: 26 Euro.

Alles übrigens keine Phantasiebeträge, sondern in Baden-Württemberg schon heute längst übliche Polizeigebühren. Was der Landeskasse dort immerhin zwischen fünf und sechs Millionen Euro jährlich an Zusatzeinnahmen beschert. Und - mal ehrlich: Was ist schon Baden-Württemberg mit seinen schlappen zehn Millionen spießigen Badenern und Schwaben gegen das Einnahmepotenzial, dass es im lebensfrohen NRW gäbe?

Warum nicht Politiker für Schnapsideen zur Kasse bitten

Und wenn wir schon mal dabei sind, meine ich, sollte man das dann auch mal konsequent zu Ende denken. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Extragebühr für faule Schüler, die die vom Land bezahlten Lehrer von ihrem segensreichen Tun abhalten? Warum soll ein verurteilter Knacki nicht dafür bezahlen, dass er der Allgemeinheit Kosten aufbürdet? Und erst recht: Was käme an Geld rein, wenn die Politiker dafür zahlen müssten, dass sie zuweilen mit Schnapsideen wochenlang Verwaltungen, Ministerien und Gutachter beschäftigen? Kaum auszudenken!

Kann man nur begrüßen - diese Randalierer sollen doch mal dafür aufkommen, wenn die im Rausch Schaden anrichten. Genauso muss man härter bei anderen Delikten durchgreifen. Warum nicht auch bei Gewalt auf Demos oder in Stadien die Verursacher zur Kasse bitten? Alle mitnehmen, Personalien aufnehmen und danach einen Kostenbescheid zuschicken.
Bei Nichtzahlung per Gerichtsvollzieher eintreiben oder Erzwingungshaft.
Hier redet man doch mal wieder nur endlos um den "heißen Brei" herum, anstatt mal Nägel mit Köpfen zu machen! Auch bei Krawallen in Asylantenheimen, wie jetzt gerade in Wolfsburg, sollte man die Verursacher von Sachbeschädigungen sofort ausweisen, ohne jegliche Schonung. Unser Land verkommt zum Tummelplatz von Gesetzesbrechern und Leistungsverweigerern.

B. Sachse am 25.09.14 13:18

"im CDU-geführten Baden-Württemberg schon heute längst übliche Polizeigebühren." BW wird zur Zeit von Grün/Rot regiert. So oder so gute Idee!

Liberal am 25.09.14 13:34

Dann würde ich als erster Vorschlagen, das die verantwortlichen Politker oder Manager für ihre Fehlplanungen zur Kasse gebeten werden . Bei Projekten wie Flughafen Berlin, U-Bahn Köln, Bahnhof Stuttgart. Elbtunnel Hamburg....
oder wie war das das gleich mit der Aussichtsplatform mitten im Nirgendwo.

Sharky am 25.09.14 13:37

und 254 Millionen wurden bei der Nürburgring-Affäre in den Sand gesetzt....

Kurt Beck am 25.09.14 14:01

...und wofür GENAU zahlt der Bürger bislang seine Steuern?
Ach ja, für die maroden Straßen (daher auch die Idee mit der Maut), die nicht existenten Kindergartenplätze und die super Schulbildung, richtig?
Politiker sein ist so simpel - einfach n bisschen Unsinn in den Raum werfen und gucken, was die Medien so daraus machen... Ich glaub, ich sattel noch mal um!

Nurmalso... am 25.09.14 14:07

Die schwarzen Nullen.

Franz-Johannes am 25.09.14 14:11

Herr Lauscher, mit dem letzten Abschnitt gebe ich Ihnen vollkommen recht und musste auch kurz grinsen.

Wobei die Strafgelder für Randalierer und Co. abschreckend wirken könnte. Die Idee an sich wäre ausbaufähig.

Freundliche Grüße aus Köln
Mazze

Mazze am 25.09.14 14:23

1. Als Steuerzahler finanziere ich die Polizei und deren (gar nicht schlechte) Gehälter, wieso soll für deren Arbeitsleistung noch einmal bezahlt werden - diesmal vom Verursacher? Genauso, wie die Gebührenerhebung bei Behörden unverschämt hoch ist - denn die Arbeitsleistung des Mitarbeiters bezahlen wir alle schon über unsere Steuern!
2. Aber unser gesamtes Staatswesen mit zig Tausend hoch bezahlten Amtsträgern ist bis heute einfach nicht bereit, die Ausgaben zu reduzieren - es sei denn es geht um Ausgaben für die Bürger, die das ganze Staatswesen mit ihren Steuergeldern finanzieren! Was bleibt ist eine finanzielle Schieflage, die mit immer neuen, nicht mehr lustigen sondern mittlerweile dreist unverschämten Ideen gegenfinanziert werden soll.

Gast am 25.09.14 15:31

An sich eine sehr gute Idee - allerdings wird der "normale Familienvater", der "mal etwas zu tief ins Glas schaut" nicht gleich in der Ausnüchterungszelle landen nachdem er den Streifenwagen vollgekotzt hat...

Wir reden hier nämlich von einem bestimmten "Klientel", das regelmäßig in der Ausnüchterungszelle sitzt und das nicht nur wegen eines Glases Bier.

Bei diesem Klientel ist in 99 % der Fälle sowieso nichts zu holen, also zahlt die Reinigung der polizeilichen Arbeitsmittel und Räumlichkeiten mal wieder der Steuerzahler.... Und wenn diese Mitmenschen dann kein Geld für ein Taxi haben, werden sie natürlich noch von der Polizei nach Hause gefahren...

In Deutschland wird eben Service groß geschrieben!

Und für jedes Problem kann man einen anderen verantwortlich machen - dem deutschen Anspruchsdenken liegt eben eine besondere Vollkaskomentalität zugrunde - erst recht bei den Stammkunden in polizeilichen Ausnüchterungszellen.

Schelm am 25.09.14 16:14

Warum nochmal zahlen? Ich zahle doch meinen Einkauf im Supermarkt auch nicht 2x mal an der Kasse. So muss ich als Steuerzahler aber zweimal Geld ausgeben? Das ist doch ein (schlechter) Witz! Polizeibeamte sind ohnehin bereits üppig honoriert. An der Stelle muss nun wirklich nicht mehr Geld fließen.

Malte Peters am 25.09.14 16:44

Der Grundgedanke ist kein schlechter, aber...
Es muss genau definiert werden, welche Leistungen mit Kosten belegt werden. Die "Gewinne" müssen wieder der Allgemeinheit zukommen und nicht für irgendwelche Phantasiegebilde von Politikern...

Frank am 25.09.14 19:47

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Freitag, 19.09.2014

Ein Funkloch als Ausrede

Im Gespräch sagen viele: Lasst die Kirche doch im Dorf. Gemeint ist die Diskussion um Hannelore Krafts WDR: Urlaubswoche in Brandenburg und die Frage, ob sie nun erreichbar war oder nicht - und welche Funklöcher Schuld waren. Wir wissen jetzt, sie war erreichbar. Und wir wissen auch, sie selbst hat vorher das Gegenteil behauptet.

Die CDU fragte jetzt: Warum sagte die Ministerpräsidentin die Unwahrheit? Unwahrheit oder lässige Ausrede, ist das in diesem Fall politisch wirklich wichtig? Gibt es keine dringenderen Themen? Darf man Hannelore Kraft nicht mal eine kleine Verschnaufpause gönnen? Viele zeigen Verständnis.

Und ja, es gibt politisch bestimmt dringlichere Themen. Wobei sich, wenn es um Politik geht, auch immer die Frage stellt: Was ist politisch klug? Hätte sich also Hannelore Kraft tatsächlich die Gummistiefel anziehen müssen? Womöglich hätte es dann geheißen: Jetzt betreibt sie politischen Hochwassertourismus. (Der ja bekanntlich beim Oder-Hochwasser den SPD-Politikern Schröder und Platzeck schon einmal zum Erfolg verholfen hat).

Wie dem auch sei - politische Klugheit besteht in jedem Fall darin, den politischen Gegner keine offene Flanke zu bieten. Genau das hat Kraft mit ihrer Funkloch-Ausrede aber getan. Und zwar völlig unnötig. Man kann das eine Kommunikationspanne nennen. Davon gab es in letzter Zeit mehrere. Zum Beispiel die erst angekündigte und dann zurückgenommene Erhöhung der WDR: Ministergehälter. Erst hieß es: Automatismus, unvermeidbar, gesetzgeberisch vorgegeben: Dann wurde die Erhöhung doch zurückgenommen. Oder Krafts Äußerungen zum politischen Hauptstadtklima in Berlin. Beispiele, die für Diskussionen sorgten. Die Ministerpräsidentin bietet Angriffsfläche in den letzten Monaten. Die Opposition nutzt das. Sie versucht ihr das Etikett der Amtsmüdigkeit anzukleben.

Mit dem Funkloch hat Kraft versucht, sich rauszureden. Ob es hier um eine Unwahrheit geht oder nur eine lässige Formulierung, sei dahingestellt. Als Ministerpräsidentin sollte sie für solche Diskussionen keine Vorlage bieten.

Die Ministerpräsidentin hat wieder jeder andere auch ein Recht auf ausspannen.Aber darum geht es nicht.Als der große Sturm im Ruhrgebiet getobt hat,konnten die Minister gar nicht schnell vor Ort sein. Auch die Hilfe ist gut festgelegt worden.Aber im für die Landesregierung schwarzen und hinterwäldlerischen Münsterland ist ein Zeichen durch ein Mitglied der Landesregierung nicht notwendig."Wegen dem Regen soll die sich mal nicht so haben" waren die Aussagen aus dem Innenministerium.Auch der Innenminister hat viel zu lange gebraucht um selbst seine Polizei vor Ort aufzusuchen.Und der Bevölkerung zu signalisieren wir helfen euch.Wie kann man dann immer noch festlegen.Aber die Landesregierung ist dabei ihre Fehlerkette zu verlängern, in dem sie finanzielle Hilfe nur über Berlin zu organisieren versucht.Die Angriffsflächen werden dadurch breiter,es sei denn der WDR vergisst wieder Die weitere Berichtserstattung.

Andreas Winkler am 20.09.14 10:52

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Montag, 08.09.2014

Hör mir auf mit dem Stress

Vielleicht kennen Sie das. Endlich ist es Wochenende. Zeit, sich um private Dinge zu kümmern, mit Freunden etwas zu unternehmen oder mit den Kindern Fußball zu spielen. Und dann klingelt das Telefon, der Chef ist dran. Oder im Handy poppen dienstliche E-Mails auf. Natürlich gehen Sie ans Telefon, und sehr wahrscheinlich öffnen und beantworten Sie die Mails. Aus Freizeit wird in diesem Moment Arbeit, aus Erholung Stress.

Nicht gut, sagt ein vielstimmiger Chor aus Gewerkschaftern, Arbeitsmedizinern und Psychologen. Die Deutschen stehen immer mehr unter Stress, häufen immer mehr Überstunden an, handeln sich vermehrt einen Burn-Out ein. Es müsse etwas gegen den Stress getan werden, heißt es.

Symbolbild Stress am Arbeitsplatz Rechte:dpa Brauchen wir ein Anti-Stress-Gesetz?

Die SPD hat die Vorlage aufgenommen. Klar, für eine Arbeitnehmerpartei ist das ein dankbares Thema. Vor allem jetzt, da populäre Themen wie der Mindestlohn und die Rente nach 45 Beitragsjahren durchgesetzt sind. Einer der ersten, die sich zu Wort gemeldet haben, ist NRW-Arbeitsminister und Ex-Gewerkschafter Guntram Schneider. Im August forderte er ein WDR: Anti-Stress-Gesetz - oder eine entsprechende Verordnung. Seine Ministerkollegin Andrea Nahles zeigte sich offen für die Idee, spielt aber erst mal auf Zeit. Man wisse zu wenig über die Auswirkung der ständigen Erreichbarkeit auf die Gesundheit von Arbeitnehmern. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin soll den Wissenstand aufarbeiten.

Garrelt Duin gegen Guntram Schneider

Der Koalitionspartner in Berlin schaut derweil mit Argwohn auf das Projekt der Arbeitsministerin. Der CDU-Wirtschaftsflügel äußert sich kritisch, ebenso die Mittelstandsvereinigung der CDU. Tenor: Es gibt bereits ein Arbeitsschutzgesetz, und das muss reichen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sowohl SPD-Chef Sigmar Gabriel als auch der NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin so denken wie die CDU.

Am Montag (08.09.2014) sagte Duin der "Rheinischen Post", ein Anti-Stress-Gesetz sei unnötig. Schließlich liege es im eigenen Interesse der Unternehmen, ihre Gesundheit und Motivation zu erhalten. Der Staat müsse sich nicht mit einem Gesetz einmischen. Damit stellt sich Duin gegen seine Partei, gegen seinen Kabinettskollegen und vermeintlich gegen die Arbeitnehmer. Aber eben nur vermeintlich.

Ein Kontakt-Verbot nach Feierabend ist unsinnig

Denn mal ehrlich: Ist wirklich ein Gesetz nötig, um die Feierabend-Kontakte zwischen Unternehmen und Mitarbeitern zu regeln? Muss wirklich alles immer mit Verboten geregelt werden statt mit flexiblen Vereinbarungen? Und wie soll so ein Gesetz überhaupt ausgestaltet werden? Ein generelles Kontakt-Verbot von Mitarbeitern nach Feierabend ist ebenso unsinnig wie undurchführbar. Genau wie ein Gesetz mit zig Ausnahmen, dessen Einhaltung niemand überprüfen kann.

Ich meine, Duin hat Recht, wenn er auf die Vernunft der Unternehmen setzt. Es liegt in ihrem Interesse, Mitarbeiter zu halten und vernünftige Rahmenbedingungen anzubieten. Das ist zwar noch nicht in allen Management-Etagen angekommen. Und deshalb ist es gut, wenn Gewerkschaften und meinetwegen auch SPD-Politiker auf das Recht auf Feierabend pochen. Ein Gesetz aber ist überflüssig.

So, und jetzt muss ich Schluss machen. Mein Chef ist am Telefon und will über den Wochenend-Dienst reden.

Wir sollten vielleicht lieber dazu übergehen, die Handys ndgültig in dieTonne zu kloppen. Der Rest ergibt sich dann von ganz alleine - in seeliger Entspannung. Alles andere ist aufgeblasener Mumpitz!

Malte Peters am 8.09.14 18:10


Das Problem müssen wir endlich ernst nehmen. Von neuen Gesetzen halte ich wenig. Spezialisten müssen vielleicht für Notfälle erreichbar sein, Wissenschaftler müssen am Wochenende Messwerte ablesen. Letztlich geht es um die Gesamtbelastung! Das Problem ist eine zum Modetrend gewordene Unersättlichkeit! Ganz viel arbeiten, damit man in der immer knapperen Freizeit noch mehr kaufen und erleben kann. Dazu noch ein paar Überstunden oder ein Nebenjob, damit man sich den noch tolleren Urlaub leisten kann. Dieses "mehr, mehr, mehr" ist in alle Breiche des Lebens eingedrungen. Kinder sollen ab Ende 1. Lebensjahr in die Frühförderung für den späteren Arbeitsmarkt, anerkannt wird nur bezahlte Arbeit. Teure Statussymbole sind wieder wichtig. Dazu kommen sinnlose Verpflichtungen, z.B. für die Bürokratie. Da muss sich etwas ändern! Die Gewerkschaften sind gefordert. Auch die wollen immer nur "mehr, mehr, mehr"! Psychologen sagen immer nur "selbst schuld". Oder wachen die endlich auf?

Bertram in Mainz am 8.09.14 21:25

Handys brauchen nicht in die Tonne, aber viele Leute haben heutzutage lediglich vergessen, dass diese Geräte auch einen Ausschalter haben! Das man diesen nach Feierabend auf seinem Dienst-Gerät auch drückt, sollte selbstverständlich sein, es sei denn, man hat im Arbeitsvertrag Rufbereitschaft stehen (die hoffentlich dann auch vergütet wird, versteht sich..). Ob ich eine Dienst-email am Wochenende lese kann ich mir ja selber einteilen, ich kann sie ja auch kurz lesen und bis Montag ignorieren und dann tätig werden, wenn wieder Dienst ist. Alles nur eine Frage der Selbstdisziplin, mMn. Ich jedenfalls fahre mit diesem System als Wissenschftler, der auch mal am Wochenende ins Büro muss um was abzulesen oder Analysen zu starten, sehr gut. Mit meiner netten Kollegin einmal die Woche essen zu gehen, um über gänzlich undienstliche Dinge zu quatschen, werde ich mir als freier Mensch im freien Land durch kein Gesetz verbieten lassen, solange dies in gegenseitigem Einvernehmen geschieht ;-)

Chris26 am 9.09.14 5:59

Ich dachte ja schon da Thema wär durch. Medialer Aufschrei Große Konzerne und Unternehmen haben gezeigt mit welchen Maßnahmen man den Erreichbarkeitszwang abstellen kann und damit hat sich die Sache. Es kann auch nicht zu viel verlangt sein, dass diese Angelegenheit betriebsintern gelöst wird. Klar es gibt Interessen des AN auf Freizeit und es mag Situationen geben, in denen das Interesse des AG betriebesbedingt überwiegt. Dafür eine Vereinbarung zu finden kann nicht all zu kompliziert sein. Nebenbei zeigen Auswüchse seitens des Arbeitgebers auch einfach nur organisatorische Defizite auf. Eventuell sogar selbst verschuldet. Denen sollte dann eher von den Beteiligten Beachtung geschenkt werden als einem nicht überprüfbaren Gesetz.

Kleinhofer am 17.09.14 19:38

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