Zugegeben, ich wusste bis vor zwei Wochen nicht, wo Dörentrup liegt, geschweige denn der Ortsteil Schwelentrup. Dabei ist es hier nett, ländlich, und gäbe es hier am Försterweg nicht auch den Bedarf für "die Tafel", die hilfsbedürftige Menschen versorgt, - man könnte meinen, die Welt sei hier völlig in Ordnung. Der Hahn kräht am frühen Morgen. Nachts wird es hier, wie fast überall, dunkel. Darin liegt aber kein Problem, sondern die Idee.
Dieter Grote, ein Werbefachmann, ging einst mit seiner Frau spazieren, nach 23 Uhr, wie man annehmen muss, denn die Straßenlaternen waren bereits ausgeknipst. In Schwelentrup wird es mangels fehlender Neon-Reklame nachts noch dunkler als sonstwo, stellte das Ehepaar fest und fragte sich, warum man denn nicht die Laternen noch mal anknipsen könnte. Gute Frage.
Denn auf Camping-Plätzen bekommt man ja auch eine heiße Dusche für 20 Cent. Die Geschichte spielte vor drei Jahren. Heute ist daraus ein Patent geworden und aus Dörentrup der Nabel der Straßenleuchtungsenergiesparbewegung. Denn Herr Grote fand im rührigen Bürgermeister Ehlert einen ideellen Gönner und in den Stadtwerken Lemgo den technischen Partner, um aus dem Gedanken eine Lösung zu entwickeln, die weltweite Kreise zieht.
Tatsächlich tragen mittlerweile ca. 1.000 Straßenlaternen in Dörentrup Telefonnummern. Einmal registriert - kostenlos - kann nun jeder Bürger seine Straßenstrecke dann beleuchten, wenn er sie hell haben will. Statt um 23 Uhr kann sich das Dorf jetzt erlauben, schon um 21 Uhr die Laternen auszuknipsen; denn per Anruf kann man ja um 23.17 Uhr oder um 01.36 Uhr "seine" Laternen - in Wirklichkeit eine ganze Strecke - wieder anschalten. Kostenlos.
Wie das? Nun, die Stadt spart so viel Geld bei der nicht mehr notwendigen Dauerbeleuchtung ein, dass sich die Investition für das Handy-Modul schnell rechnet. Im Schnitt spart Dörentrup 10.000 Euro pro Jahr, das sind rund 35 Prozent der Beleuchtungskosten. So was spricht sich rum. Nicht nur Medienleute aus aller Welt (TIME, Business Week und das französische Fernsehen waren schon da), sondern auch Stadtwerke aus ganz Europa.
Wie gesagt: Dörentrup ist der Nabel einer Sparwelle bei der Straßenbeleuchtung - wann rufen Sie Ihre Laterne an?
Neu ist das Ganze nicht: Schon Bad Salzuflen macht das seit 1 oder 2 Jahren. Gute Idee. Es gibt jedoch noch mehr Einsparpotenzial: Viele vor allem alte Beleuchtungskörper sind schlecht abgeschirmt, und ein großer Teil der Energie wird über die Horizontale abgestrahlt. Ein gutes Lampengehäuse reflektiert möglichst viel Licht auf das zu beleuchtende Areal - hierdurch kann ein sparsamerer Leuchtkörper zum Einsatz kommen. Gute Laternen erkennt man daran, dass man das ausgeleuchtete Areal sieht, aber nicht den Leuchtkörper. Nebenbei - die Grotes sollten dankbar sein, dass sie fernab urbaner Lichtverschmutzung leben - gut für die Natur und das Wohlbefinden.
Inglaterra am 26.08.09 12:40
Ist zwar relativ angenehm für die Anwohner und Besucher - aber ich frage mich ob sich da mal jemand Gedanken über den Verbrauch an IP Adressen (das Ganze wird ja wohl vermutlich rechnergesteuert laufen) gemacht hat.
Warum hat man nicht einfach Schalter angebracht?
Sven am 26.08.09 15:00
@ Inglaterra -
Hallo Inglaterra,
Danke für Ihren Kommentar. Das von Salzuflen wusste ich nicht - ich hake nach. Der Hinweis auf gute und schlechte Straßenleuchten leuchtet ein, war aber nicht das eigentliche Problem, denke ich. Vielleicht ist das auch was Anderes; Grote und die Stadtwerke Lemgo haben ja ein Patent auf ihre Lösung.
Und was "Lichtverschmutzung" angeht, so hat das System von Herrn Grote gerade sogar eine Auszeichnung in dieser Hinsicht bekommen - auch Astronomen wissen ja einen dunklen Nachthimmel zu schätzen.
@ Sven
Hallo Sven,
danke für Ihre Anmerkung. Ich habe mich erkundigt: Ein Verbrauch an IP-Adressen findet nicht statt. Der "Anmach-Anruf" geht via Telefon an einen Server (in Darmstadt), von dort geht ein ganz normaler Telefonanruf an eine Handynummer im Schaltkasten der Laterne. Dieser Schaltkasten hat eine GSM-SIM-Karte - das ist alles.
Und der Schalter? Tja, da steht man erstmal im Dunkeln und kann das Ganze auch nicht aus der Entfernung und für seinen eigenen Weg schalten. So denke ich mir das...
Beste Grüße Ihnen beiden!
Horst Kläuser
Horst Kläuser am 27.08.09 9:57
Hallo Herr Klaeuser,
mir ist noch eingefallen: Die Loesung in Bad Salzuflen ist kostenpflichtig - hier unterscheidet sich das System doch von Doerentrup.
Zur Lichtverschmutzungsfrage: Ich wuerde gern mal mit meinem Teleskop nach Doerentrup kommen, um den dunklen Himmel zu geniessen. ;*) Doch leider sitze ich im fernen England, bekannt fuer seine Beleuchtungswut (und fehlende Umlaute auf der Tastatur ...).
Inglaterra am 27.08.09 12:26
Hallo Inglaterra,
schön dass Sie aus England dieses Thema verfolgen.
Sie verwechseln Bad Salzuflen mit der Stadt Rahden. Dort ist das System kostenpflichtig.
Von einer Installation in Bad Salzuflen müssten wir wissen.
Grüsse aus dem Lipperland
Dieter Grote
Dieter Grote am 27.08.09 20:38
Hallo Sven,
mit einem Schalter an der Laterne ist dass so eine Sache.
Wenn jeder die Straßenbeleuchtung mit einem Schalter einschalten könnte ist zu befürchten, dass die Beleuchtung garantiert immer eingeschaltet ist. Ausserdem ist die Haltbarkeit dieser Schalter durch den zu befürchtenden Vandalismus nur sehr gering. Dies ist keine Vermutung,es handelt sich um Erfahrungswerte.
Mehr Infos unter google:
street light on demand
dieter grote time magazine
" " business week
Grüsse aus dem Lipperland
Dieter Grote
Dieter Grote am 27.08.09 20:55
Hallo Herr Grote,
ich hab nochmal gesucht - und ERRATUM meinerseits. Es ist nicht Bad Salzuflen sondern Lemgo. Leider kann man hier nicht verlinken. Aber es ist der erste Hit, wenn man "Strassenbeleuchtung Lemgo" in eine wohlbekannte Suchmaschine eingibt. ;*)
Inglaterra am 28.08.09 12:10
Hallo Inglaterra
The International Dark-Sky Association
(Eine Auszeichnung für eine "nachtfreundliche" Aussenbeleuchtung)
hat uns für dieses Jahr nominiert.
Das wir Sie sicher auch freuen.
Die Info über Lemgo stammt noch aus den Anfängen von "Dial4light" (vor 3 Jahren)
Für den Bürger ist alles kostenlos bis auf die eventuell anfallenden Telefonkosten.
Dieter Grote am 28.08.09 13:46
Hallo Herr Grote,
Glueckwunsch zur verdienten Auszeichnung !
Leider sind die Englaender nicht so weit ... bei mir am Dorfrand sind die Strassen taghell erleuchtet und die Leuchtkoerper so schlecht abgeschirmt, dass bei geringster Luftfeuchte der Himmel orange wird (Natriumlampen). Ohne Schmalbandfilter geht in meiner Sternwarte nichts.
Ich komme urspruenglich aus Rheine, wo jetzt in der Woche nachts das Licht abgestellt wird. Ich denke aber, dass sinnvoll abgeschirmte und auf ein noetiges Mass reduzierte Beleuchtung zusammen mit Ihrer Idee des "telefonischen Lichtschalters" auch fuer Rheine eine bessere Loesung waere.
Inglaterra am 28.08.09 14:39
Langsam nervt mich dieser Hype um das Licht per Anruf/SMS.
Es wird auf allen Sendern und in jedem Print-Medium darüber berichtet und das überwiegend blind optimistisch.
Mich stört einiges allerdings gewaltig: Nicht nur, dass der Bürger hierbei für die Verbindungskosten aufkommen muss, jeder ohne Handy aufgeschmissen ist, Diebe, Einbrecher und Sittenstrolche einen Freifahrtschein bekommen, der Überwachungsstaat de facto nachvollziehen kann, wer wann wo das Licht an gemacht hat und das ganze Vorhaben ökologischer Nonsens ist:
Würde man dieses System flächendeckend einführen entstehen auch gleich noch einmal hohe Betriebs- und Wartungskosten für diese High-Tech-Leuchten.
Das zahlt der Bürger dann an Steuern nochmal oben drauf.
Ersparnis tendiert gegen null. Effektiver Nutzen ebenfalls.
Viel sinniger wäre es doch, ein paar Mio. in die Bio-Lumineszenz-Forschung zu stecken, um biochemisch unendlich Licht zu erzeugen; ich zitiere hier wikipedia, die Qualle Aequorea victoria (Anm.: Link gelöscht):
"Da es im Laufe der Reaktion nicht wie andere Luciferine chemisch umgewandelt wird, sondern nach der Emission des Lichts in seinen Ausgangszustand zurückgelangt, ist es unbegrenzt wiederverwertbar."
Wieso nutzt man die Gentechnik nicht abwechslungsweise mal sinnvoll?
PS: da ich auf diese Idee noch kein Patent angemeldet habe, steht es den sog. Erfindern frei, meine Idee umzusetzen und einen riesen Reibach zu machen ;-)
einmenschohnehut am 22.09.09 13:53
Lieber einmenschohnehut,
schön dass Sie sich mit dem Thema Strassenbeleuchtung auf Anforderung beschäftigen.
Die Zeichen der Zeit sind eben so, dass solche Systeme erforderlich sind...
Die Umwelt muß geschont werden und mit unseren Energieressourcen muß sorgsam umgegangen werden. Das kann jeder nachvollziehen.
Jeder Bürger und jede Gemeinde trägt somit etwas zu einer gesunden Umwelt bei.
Leider haben sich bei Ihren Recherchen einige Fehler eingeschlichen. Man kann natürlich auch vom Festnetz die Strassenbeleuchtung schalten.
Das System funktioniert
nicht per SMS.
Das Einsparpotential ist sehr groß.
Die Geschichte mit den Sittenstrolchen ist nicht zutreffend.
Das weltweite Interesse an der Strassenbeleuchtung on demand ist unbeschreiblich groß.
Die UN empfiehlt dieses Sytem...
Zur Qualle, die Licht erzeugt, tolle Idee, auch darüber sollte man nachdenken.
Dieter Grote. am 25.09.09 18:43
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