Stefanie und Christian Langwald werden am 5. September genau ein Jahr verheiratet sein. Vier Tage vorher wollen sie schon in ihr neues Haus einziehen. Nicht schlecht für junge Leute, die gerade 28, bzw. 31 Jahre alt sind. Ein bisschen geholfen hat dabei die Gemeinde Hiddenhausen, in die die beiden Herforder gezogen sind. Denn Hiddenhausen will der "Landflucht" einen Riegel vorschieben. Mehr und mehr alte und ältere Häuser standen leer; junge Leute zog es in die Großstadt, den Alten wurden die eigenen Häuser zu groß, sie fanden keine Käufer, manche starben auch und hatten keine Erben.
Was der Niedergang einer kleinen Stadt sein kann, begriff Hiddenhausen als Chance. "Jung kauft alt" nennen sie ihr Programm, mit dem sie jungen Ehepaaren beim Hauskauf unter die Arme greifen. Wer ein mindestens 30 Jahre altes Haus erwirbt, um selbst drin zu wohnen, kann zehn Jahre lang pro Person 300 Euro jährlich von der Stadt einstecken, pro Kind, auch wenn's später geboren wird - ein eigenes Haus kann wie ein eigenes Nest wirken -, gibt's noch was obendrauf.
Stefanie und Christian Langwald griffen zu. Für die Krankenschwester und den Mitarbeiter eines Möbelindustrieverbandes ist die Hilfe von bis zu 10.000 Euro in zehn Jahren vielleicht nicht der alleinige Grund für den Hauskauf gewesen, aber möglicherweise war das genau der Kick, den das Ehepaar brauchte, um nicht in Herford zu bleiben, sondern sich in Hiddenhausen niederzulassen. Ziel erreicht!
Immerhin 65 Mal nahmen junge Leute das Angebot Hiddenhausens an, 65 Familien, die der Gemeinde erhalten bleiben und Abwanderung und Überalterung ein "es geht doch!" entgegensetzen.
Sehr vernünftig, denn so werden nicht immer mehr Reihenhaussiedlungen aus dem Boden gestampft und die Landschaft unnötig zersiedelt. Da können sich unsere Kommunalpolitiker aus Neuss eine ganz dicke Scheibe abschneiden.
rjk aus Neuss am 27.08.09 11:43
Schade nur, dass dies auf Ehepaare begrenzt ist. Sind junge Singles unerwuenscht? Wo Singles generell schon Schwierigkeiten haben z.B. mit der Kreditaufnahme ... und bezueglich Demografie: Was nicht ist, kann ja auch bei Singles noch werden ... ;*)
Inglaterra am 27.08.09 12:16
Nur eine kleine Anmerkung: Hiddenhausen ist keine Stadt, auch wenn Herr Kläuser das mit Permanenz in seinem Beitrag behauptet. Hiddenhausen möchte gar nicht Stadt sein, obwohl es von der Einwohnerzahl her größer ist als manche Stadt im Kreis Herford und in NRW. Dieser Status ist den Hiddenhausernern einfach viel zu teuer.
Anonym am 27.08.09 16:15
Nicht nur Eheepaare werden gefördert: Singels können genau so Fördergelder ehalten.
Anonym am 5.03.10 20:19
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