Nun also Salzkotten. Premiere für mich. Hübsch, wie die Stadt da aus den grünen Wiesen Ostwestfalens wächst, fast pittoresk, wäre da nicht die Bundesstraße 1, die sich quer durch die 9.000-Seelen-Kernstadt schlängelt. Der Ortseingang fast wie in Amerika: Strip-Malls nennt man das, wenn ein Autohaus, ein Fast-Food-Laden, eine Spielhölle, ein Discounter nach dem anderen Spalier stehen.
Und genau das ist das Thema: Supermärkte auf die grüne Wiese, Innenstädte tot. Salzkotten (Betonung übrigens auf "Salz-") streckte dem weltweiten Trend die Zunge raus und verbot kurzerhand die Discounter am Stadtrand. Mit mutigem Rotstift wurde ein großzügiges Karree auf das Luftfoto der Innenstadt gemalt. Und nur da drinnen dürfen künftig Geschäfte für den täglichen Bedarf aufmachen.
Im Amstdeutsch nennt das Bürgermeister Michael Dreyer "zentren- und nahversorgungsrelevante Sortimentsgruppen". Er meint damit Läden für Bücher und Zeitungen, Baby- und Kinderartikel, Elektrohaushaltswaren, Lederwaren, Schuhe, Foto- und Optik-Läden, Uhren, Schmuck, auch Fahrräder und Schnittblumen, ja, und vor allem natürlich Lebensmittel.
Wer als Unternehmer oder Investor nicht in die Innenstadt kommen will, der darf gar nicht nach Salzkotten kommen, jedenfalls nicht an den Stadtrand. Selbst die Giganten der Branche, die schreiend den geilen Geiz beschwören, klopften an - und wurden abgewiesen. Das Konzept, von allen bis auf zwei FDP-Ratsmitglieder im Stadtrat mitgetragen, scheint aufzugehen: Salzkottens Innenstadt wirkt lebendig, nicht öde durchsetzt von Spielhöllen und Ein-Euro-Läden. Ob das übertragbar ist? Vermutlich, aber der Weg dürfte steinig, wenn auch lohnend sein.
Ich bin schon ziemlich entsetzt darüber, wie WDR2 ziemlich einseitig die Wahlpropaganda des Bürgermeisters und der CDU übernimmt und die Politik auch noch als vorbildlich für andere Kommunen darstellt.
Offensichtlich wurden die Aussagen des Bürgermeisters noch nicht einmal im Ansatz kritisch überprüft - dabei hätte ein Sparziergang durch die Einkaufsstraße gereicht. Dort hätte man die Ein-Euro-Läden, Spielhallen oder gänzlich leerstehenden Geschäfte schnell finden können. Mal ganz davon abgesehen, dass man einseitig das Innenstadt-Center fördern möchte - einmal durch die nun geplante massive Erweiterung und durch ein faktisches Wettbewerbsverbot für andere Märkte. Man kann sich in anderen Kommunen ja mal anschauen, wie sehr durch eine solche Politik die Einkaufsstraßen ausbluten (dann wird die Einkaufsstraße weiter an Attraktivität verlieren). Das das von der Stadt in Auftrag gegebene Einzelhandelsgutachten erst kürzlich vor Gericht durchgefallen ist, wurde leider auch nicht erwähnt (darin ging es genau um diese Politik, die WDR2 nun lobt). Wie kann man denn Lebensmittel für innenstadtrelevant erklären, wenn es dort gar keine Möglichkeiten gibt, sich mit einem Lebensmittelmarkt dort anzusiedeln? Für einen Lebensmittelmarkt braucht man mindestens 4000qm - eine derartige Fläche ist in der Salzkottener Innenstadt nicht zu bekommen. Mit diesem Trick will man Konkurrenz zugunsten des Innenstadt-Centers verhindern. Ich möchte gerne mal von WDR2 hören, wo denn diese Politik "aufzugehen" scheint???
Ich hätte nicht gedacht, dass ein derart renomierter Sender wie WDR2 derart oberflächlich und einseitig berichten würde.
Christoph Sonntag (FDP-Ratsmitglied) am 19.08.09 19:49
Guten Tag, Herr Sonntag!
Ensetzen ist ein großes Wort, möglicherweise fehl am Platze. All das, was Sie gern von mir gehabt hätten, habe ich getan, bin in Salzkotten herumgelaufen, habe mit Einzelhändlern, zum Teil ausführlich gesprochen. (Übrigens kenne ich weitaus schlimmere Beispiele aus anderen Städten) Wahlpropaganda habe ich nicht betrieben, nicht ein einziges Mal eine Partei benannt, sondern - was Fakt ist - dargestellt, dass bis auf Sie und eine Kollegin alle anderen im Rat vertretenen Parteien das Innenstadtkonzept mittragen.
Ich werde mich nicht in den Parteienstreit einmischen; den tragen Sie und die anderen Parteien bitte untereinander aus, wie gesehen mit zum Teil sehr deutlichen Plakaten. Die Bürger Salzkottens werden am 30. August entscheiden. Mir ging es darum, Beispiele im Lande zu zeigen, die andere Wege beschreiten. Ich habe den Eindruck gewonnen, in Salzkotten wird von der Mehrheit im Rat ein interessanter Versuch unternommen. Nennen Sie es oberflächlich und einseitig - ich habe nur beschrieben, wie ich es empfunden habe. Und das vielleicht noch zu Ihrer Beruhigung: Sie haben eine wunderschöne, kleine Stadt - seien Sie stolz darauf, egal unter welcher Parteifahne Sie gerade antreten!!
Horst Kläuser am 20.08.09 10:12
danke für die deutlichen worte in richtung fdp-fraktionsvors. christoph sonntag, der leider seine "grosse Intelligenz" nicht für seine stadt salzkotten nutzt. seine beiträge beschränken sich im populismus, um niedere instinkte anzusprechen.Prima, dass seine oberflächliche politische arbeit die anderen parteien bzw. ratsmitglieder nicht verunsichert und den schweren weg der innenstadtentwicklung durchhalten. wäre doch schön, wenn herr sonntag und seine fdp-kollegin frau kesternich in zukunft doch noch einen weg finden für ihre stadt salzkotten zu werben und ihr nicht weiter aus "pol. karrieresucht" schaden. danke für die neutrale art der berichterstattung direkt vor ort in salzkotten.welcher journalist macht sich solch eine mühe hinsichtlich der recherche direkt und persönlich vor ort. viele grüsse josef hoffmeister unabhängige wählergemeinschaft salzkotten (UWS)
josef hoffmeister am 20.08.09 17:27
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