Sonntag, 15.07.2012

Apple - wieder ein bisschen grüner

Grünes Apple-Logo IT-Unternehmen ziehen sich gerne ein grünes Mäntelchen um. Umwelt? Ein ganz wichtiges Thema. Provider zum Beispiel weisen mit Vorliebe darauf hin, wie viel "grünen" Strom sie benutzen, um ihre Serverparks zu betreiben (wenn irgendwie möglich, 100%). Auch Internetriese Google verbraucht am liebsten regenerative Energien. Alles löblich - und auch dringend nötig. Denn eins ist klar: Computer zu bauen und zu benutzen ist alles andere als umweltschonend. Sie zu entsorgen erst recht.

Auch Computerhersteller Apple erweckt gerne den Eindruck, Hardware mit Apfel-Logo würde auf besonders umweltschonende Art und Weise hergestellt. Darauf gibt es sogar Brief und Siegel: Apple ist durch das Umweltsiegel WWW: EPEAT zertifiziert. Zumindest bislang war das so. Doch sich um die Umwelt zu kümmern kostet Geld - und bedeutet eben auch: weniger Profit. Darum hat sich das Apple-Management gedacht, man könne künftig einfach auf den Kostenfaktor EPEAT-Siegel WWW: verzichten - und hat diese Entscheidung auch vor einigen Tagen bekannt gegeben.

Die Reaktion der Kundschaft war allerdings alles andere als erfreut. Öffentliche Einrichtungen, Wirtschaft und private Kunden zeigten sich empört. Nicht wenige haben mitgeteilt, dann halt künftig keine Apple-Rechner mehr zu kaufen, darunter die Stadt San Francisco. Innerhalb kürzester Zeit ist derart viel Druck entstanden, dass selbst Apple das nicht ignorieren konnte. Apple-Manager Bob Mansfield (der demnächst in Rente geht) hat in einem WWW: öffentlichen Statement mehr oder weniger laut "mea culpa" gerufen und die Entscheidung revidiert. Mansfield schreibt sogar ausdrücklich, die Entscheidung sei "ein Fehler" gewesen.

Chapeau! Eine schnelle, eine gute Reaktion. Apple will seine Mac-Rechner also auch künftig mit dem Umweltgütesiegel auszeichnen lassen. Dazu müssen etliche Kriterien den strengen Richtlinien des Siegels entsprechen: Altgeräte müssen sich leicht recyceln lassen, auch Lebensdauer, Energieverbrauch und Verpackung stehen auf dem Prüfstand. Da wollte Apple also offensichtlich in Zukunft etwas lockerer sein. Im Internetzeitalter verbreiten sich solche Nachrichten allerdings im Blitztempo und können innerhalb kürzester Zeit Reaktionen auslösen - und Einfluss auf Unternehmensentscheidungen nehmen. Gut so!

Ich bin ein großer Freund von aufrüst- und reparierbaren Computer, aber ich sehe ein, dass bei bei immer dichterer Integration von Bauteilen hier Zugeständnisse gemacht werden müssen. Einfach austauschbare Akkus sind unumgänglich, wenn sie eh nur ein halbes Jahr halten, aber Apple hat das mittlerweile erstaunlich gut im Griff. Mein iPod touch von 2007 läuft noch mit dem ersten Akku -- inzwischen hat meine Freundin ihn und benutzt ihn täglich. Mein Macbook ist jetzt fast vier Jahre alt, wird täglich benutzt und der Akku hat noch 96% der Nennkapazität.

Und jetzt mal ehrlich: Wieviele der von Benutzern einfach tauschbaren Akkus werden denn recycelt, wenn sie kaputt sind und wieviele landen im Hausmüll? Ich habe keine Zahlen aus Deutschland, aber letztens habe ich von einer Untersuchung in Kanada gelesen, die ergab, dass nur 3% der Akkus tatsächlich recycelt werden. Ich glaube, bei einem Akku, den nur der Hersteller wechseln kann, dürften das praktisch 100% sein.

joh am 15.07.12 21:12

Aber es sind nicht alle Applekunden dieser Spinnerei erlegen. Ich verwahre mich davor, mit den Ökospinner in einen Topf geworfen zu werden, auch wenn ich einen Mac habe. Mir ist dieses elende Gutmenschengehabe drissegal.

Jan am 16.07.12 9:43

Ich gehe mal stark davon aus, dass Apple sich dieses Gütesiegel eher kauft als das die Konfiguration der Geräte angepasst wird.
Die neue MacBook-Generation: Akku nicht austauschbar da mit Gehäuse verklebt, Ram fest aufgelötet, Display fest mit Schale Verklebt und nicht austauschbar...

Nicht nur kann man dadurch schwerer das Gerät aufrüsten (die SSD kann zB nicht durch eine größere ersetzt werden), einige relativ simple Defekte werden direkt zu einen wirtschaftlichen Totalschaden - das Gerät wandert auf den Müll.
Auch beim Recycling sorgen diese ganzen miteinander verklebten Bauteile für ordentliche Probleme.

Aber hauptsache es klebt wieder ein Pseudo-Aufkleber auf dem Gerät, der Bloggern (wie hier) und Kunden zu Jubelsprüngen bewegt.
Btw. Das Gerät kann "grün" sein wie es will, wenn jährlich 3 IPhones auf den Markt kommen und viele sich immer das neuste kaufen und das alte in die Tonne geben ist das noch lange NICHT umweltfreundlich. (Geschrieben an einem 6 Jahre alten Notebook)

schallundrauch am 16.07.12 10:17

Sicher eine postive Entwicklung. Und überhaupt zeigt sich Apple stark verbessert in Umweltfragen, wie der Greenpeace "Guide to Greener Electronics" belegt. Hier ging es fünf Plätze nach oben und zwar von ziemlich weit hinten. Gleichwohl rangiert die Kultmarke immer noch auf Platz vier - viel Luft nach oben!

Lars Gräßer am 16.07.12 12:21

Jan: Ich kann verstehen, dass einen die fehlende Aufrüstbarkeit nervt (für mich ist das auch ein Grund, sowas nicht zu kaufen), aber mit Umweltschutz hat das nur sehr am Rande zu tun. Verklebt ist da nicht viel und das ist beim Recycling ein viel kleineres Problem als die ganzen einfach austauschbaren Akkus, die vom Benutzer dann einfach in den Hausmüll geworfen werden.

Und drei neue iPhones im Jahr gibt es von Apple auch nicht, höchstens eines (wobei die älteren noch weiter verkauft werden, momentan z.B. immer noch das 3GS). Und ich habe noch nie erlebt, dass jemand sein altes iPhone in den Müll geworfen hat, die Dinger lassen sich gebraucht hervorragend verkaufen, selbst defekte Geräte finden immer noch jemanden, der sie wieder repariert oder aus 2 kaputten ein ganzes macht.

Insgesamt steht Apple sehr gut da, was Recycling und Umweltschutz angeht. Man muß den Laden nicht mögen, aber man sollte da schon bei den Tatsachen bleiben, sonst macht man sich einfach unglaubwürdig.

joh am 16.07.12 20:33

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