Donnerstag, 28.06.2012

Google bläst zum Angriff

Google-Datenbrille Glass Apple, Microsoft und Google - das sind die drei wichtigsten Player derzeit am Markt. Alle drei wollen es gerade wissen, versuchen sich neu zu erfinden, neue Märkte zu erobern und die eigenen Märkte zu verteidigen. Denn eines ist klar: Man kann heute nicht mehr nur Hardware bauen (Apple), nur eine Suchmaschine anbieten (Google) oder Software entwickeln (Microsoft) - man muss irgendwie alles machen, alles miteinander vernetzen und vor allem im Internet eine große Rolle spielen.

Apple und Microsoft hatten ihre großen Auftritte in den letzten Wochen. Apple hat angekündigt, einen 3D-Onlinekartendienst einzuführen und attackiert damit Google. Microsoft baut mit dem Surface einen eigenen Tablet-Rechner und greift Apple an. Und Google? Auch Google zeigt sich angriffslustig. Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O in San Francisco hat Firmengründer Sergey Brin diverse Neuigkeiten präsentiert und Ankündigungen gemacht. So zeigte Brin erstmals die "Projekt Glass" genannte Datenbrille von Google öffentlich - und nannte auch ein paar Daten. Rund 1500 Dollar soll die Brille kosten. Außerdem kommt sie erst im Januar und nicht, wie ursprünglich erwartet, noch in diesem Jahr. Die Brille soll mit Internetverbindung und einem Mikrodisplay ausgestattet sein, so dass die Nutzer beim Tragen der Brille Daten lesen können. Außerdem soll "Project Glass" eine Kamera beinhalten.

Wichtiger war aber die Präsentation des Tablet Nexus 7, ein neuer Tablet mit Android-Betriebssystem, der als klare Kampfansage an Apple (iPad) und Microsoft (Blog: Surface) verstanden werden darf. Schon der Preis dürfte für Unruhe im Markt sorgen: Nur 199 Dollar soll das Gerät kosten. Für ein iPad blättert man ein Mehrfaches hin.

Das von Hersteller Asus produzierte Nexus 7 hat einen hochauflösenden Bildschirm zu bieten, im Inneren werkelt ein Tegra-3-Prozessor, der ebenfalls serienmäßig eingebaute NFC-Chip erlaubt drahtlose Kommunikation mit anderen Geräten und auch das Bezahlen im Vorbeigehen an modernen Kassen. Inhalte sollen Nexus-7-Benutzer über das Onlineportal Google Play beziehen, also eBooks, Spiele, Musik und Filme.

Der Preis des Tablet ist erstaunlich niedrig. Da dürfte nicht nur Apple zu schlucken haben, sondern vor allem Amazon. Denn in den USA ist der Amazon Kindle ein echter Verkaufsschlager: Ebenfalls nur 199 Dollar teuer, verkauft sich der günstige Tablet-Rechner wie von selbst. Bei uns spielen die Kindle-Tablets bislang keine große Rolle. Nicht zuletzt, weil es die interessanten Geräte bei uns noch gar nicht zu kaufen gibt.

Gleichzeitig hat Google angekündigt, künftig in Google Play auch Filme und Serien anzubieten - zum Ausleihen und Kaufen. Allerdings erst mal nur in den USA. Klar ist, dass sich Google, Apple, Microsoft und Amazon einen erbitterten Kampf um online verkaufte Medien liefern werden. Das Gezerre um Marktanteile hat gerade erst begonnen - und es sind vor allem die Hardwaregeräte, die - günstig angeboten - als Türöffner fungieren sollen. Wann Google Play auch in Deutschland Filme anbietet, steht in den Sternen. Auch, wann das Nexus 7 in Deutschland zu haben sein wird, ist unklar.

Der aktuelle Blog-Eintrag als Podcast

Naja, so ein toller Verkaufsschlager ist das Amazon Fire nun auch wieder nicht, die Verkaufszahlen sind nach einem anfänglichen Ansturm mittlerweile ziemlich runtergegangen.

Das Nexus 7 ist sicher ein gutes Tablet für den Preis, aber die Frage ist, wieviele Leute tatsächlich ein Tablet haben wollen, das ein wenig größer als ihr Smartphone ist und auf dem letztlich exakt dieselbe Software läuft. Und mit dem man natürlich weder telefonieren kann, noch unterwegs ins Internet. Das ist letztlich ein bezahlbares Spielzeug für die, die sonst schon alles haben, aber nicht viel mehr.

Ich hatte auch mal so ein 7" Tablet und habe es schnell wieder zurückgegeben, weil es nach ein paar Tagen Rumspielen nur noch unbenutzt herumlag. Alles, was ich damit machen konnte, konnte ich schneller mit dem Smartphone tun, das ich in der Tasche habe. Und für komfortables Browsen, Lesen, Filme schauen, etc. sind 7" auch nur wenig besser geeignet als ein Smartphone.

joh am 29.06.12 15:11

Trackbacks zum Eintrag Google bläst zum Angriff

Zum Anfang dieses Eintrags

Mittwoch, 27.06.2012

Matt tanzt wieder

Matt Harding tanzt wieder Wer schon länger Youtube-Videos schaut, der kennt sicher Matt Harding. Der charmante Kerl aus Connecticut hat es vor einigen Jahren mit seiner Weltreise zu durchaus respektablen Ruhm gebracht. Denn Matt hat nicht etwa die üblichen, tendenziell eher langweiligen Urlaubsvideos ins Netz gestellt, sondern er hat sich dabei gefilmt, wie er an den schönsten und aufregendsten Plätzen der Welt eine Art Freudentanz hingegt. Technisch und in Sachen Choreografie zweifellos unbegabt, aber ungeheur sympathisch.

Eine ganz neue Art von Reisetagebuch. Der Games-Entwickler hat sich damals nämlich nicht nur die "Hotspots" dieser Welt ausgesucht, also die typischen Plätze von Sightseeing-Touristen, sondern er hat auch auf Bergspitzen, im Dschungel, auf leeren Straßen oder sogar unter Wasser getanzt - und gedreht. Wer sich die Videos anschaut, bekommt ein bisschen den Flair von "Discovery Channel" geboten, nur die Bilder sind nicht so geleckt.

"Where is Matt?" sind die schnell geschnittenen Videos überschrieben. Sieben Jahre ist das nun fast schon her. Seitdem herrschte Ruhe. Doch mittlerweile WWW: tanzt Matt Harding wieder. Der bekannteste Globetrotter der Youtube-Welt fliegt wieder durch die Gegend und dreht Videos. Diesmal hat Matt unter anderem Nordkorea, die Mongolei, Afghanistan und Südafrika besucht. Klar, dass seine neuen Videos nun automatisch für Aufmerksamkeit sorgen. Technisch besser - und auch aufwändiger inszeniert. Matt tanzt immer noch, aber nicht mehr allein, sondern immer mit anderen. Mit Menschen aus den jeweiligen Ländern. Meistens lässt er sich Tanzschritte zeigen, von für die jeweilige Region typischen Tänzen.

Mir gefallen die Videos von Matt Harding außerordentlich gut, denn sie haben etwas ungemein Fröhliches. Sie sind außerdem auch ein bisschen Völkerverständigung - und zeigen, dass man mit wenig Aufwand selbst Wildfremde dazu bekommt, etwas gemeinsam zu unternehmen, und sei es nur, ein Tanzvideo zu drehen. Zwar vermarktet Matt sein Projekt mittlerweile - es gibt T-Shirts von ihm und er hält auch Vorträge -, aber das ist in Ordnung. Die Idee ist nach wie vor genial - und die Videos sind sehenswert.

Der aktuelle Blog-Eintrag als Podcast

Trackbacks zum Eintrag Matt tanzt wieder

Zum Anfang dieses Eintrags

Dienstag, 19.06.2012

Microsofts iPad-Konkurrent Surface ist da

Surface Tablet von Microsoft Tagelang hat die Blog: Branche spekuliert, was Microsoft vor hat - jetzt also ist es raus: Microsoft will Apple Konkurrenz machen - und zwar mit einem eigenen Tablet, dem "Surface". Ein auf Windows 8 basierender Flachrechner, der auf dasselbe Marktsegment zielt wie Apples iPad. Nun ist der Surface nicht der erste angekündigte Tablet-PC, auf dem Windows 8 laufen soll, aber der erste, der direkt von Microsoft kommt. Microsoft baut und verkauft den Surface selbst. Das ist schon ungewöhnlich, denn damit macht Microsoft seinen besten Kunden Konkurrenz - all den anderen PC-Herstellern nämlich.

Zwei Modelle des Surface sind angekündigt. Das Gehäuse der Geräte ist aus einem speziellen Material, das Microsoft "VaporMG" nennt. Das Besondere an dieser Magnesiumlegierung: VaporMG wird in eine Form gegossen und kann daher geformt werden wie Kunststoff. Das erlaubt, besonders dünne Gehäuse zu bauen, die gleichzeitig stabil sind - jede beliebige Form ist außerdem möglich.

Das macht den Surface zumindest schon mal nicht zu 0815, sondern zu etwas Besonderem. Weitere Überraschung: Der Tablet von Microsoft hat einen Standfuß. Der Surface kann also mühelos auf den Tisch gestellt werden. Die im Gerät eingebauten Kameras nehmen selbst dann ein gutes Bild auf, wenn man davor sitzt.

Und noch eine Idee, die mir gut gefällt: Microsofts Surface kann auch mit Tastatur bedient werden. Die "Touch Cover" genannte Schutzhülle kann, wie das Smart Cover beim iPad, magnetisch am Gerät befestigt werden, um das Display zu schützen. Doch in der bunten Hülle ist eine Touchscreen-Tastatur integriert. Ob man aus Versehen die Oberfläche berührt oder wirklich tippt, soll ein ebenfalls eingebauter Beschleunigungssensor erkennen. Wer es klassischer mag, kauft einen "Type Cover", eine Schutzhülle mit echter Tastatur, die man drücken kann.

Zwei Modelle hat Microsoft-Chef Steve Ballmer angekündigt. Das kleinere von beiden ist mit einem Mobilprozessor von nVidia ausgestattet und verfügt über ein Display mit 1280x720 Pixel (10,6 Zoll Diagonale) in HD-Auflösung. Anders als Apple hat Microsoft das wahlweise mit 32 oder 64 GByte Arbeitsspeicher ausgestattete Gerät mit einigen Anschlüssen versehen, unter anderem USB 2.0, Micro-HDMI und microSD-Steckplatz für Speicherkarten. Gewicht des Tablets: rund 680 Gramm bei 9,3 Millimeter Dicke.

Wem das nicht reicht, greift zum größeren Modell, das "Surface for Windows 8 Pro" heißen soll. Hier werkelt ein Intel-Core-i5-Prozessor im Inneren, gesteuert von Windows 8 Pro mit 64 oder 128 GByte Arbeitsspeicher. Das Display bietet wie beim kleineren Modell volle HD-Auflösung. Auch die Anschlüsse sind standesgemäß: USB 3.0 statt USB 2.0 integriert, ein microSDXC-Steckplatz und ein MiniDisplayPort sind ebenfalls eingebaut.

Verfügbar sind die Geräte allerdings erst, wenn Windows 8 auf den Markt kommt, also frühestens im Spätsommer, wahrscheinlich erst im Herbst. Das macht Apple anders: Angekündigte Geräte sind einen Tag später im Shop zu haben. Wo Microsoft die Geräte verkaufen will und was sie genau kosten sollen, steht ebenfalls noch nicht fest.

Eine Konkurrenz zum iPad? Klingt durchaus so. Es sind ein paar innovative Ideen dabei, die Microsofts Surface zu mehr machen als einen plumpen Klon des iPad.

Der aktuelle Blog-Eintrag als Podcast

Und was ist mit der ebenfalls angekündigten Überraschung von Nokia?Siehe Blog vom 17.06....

dobby.s am 19.06.12 13:47

Man sollte vielleicht noch erwähnen dass die kleinere Version mit dem "Mobilprozessor" mit WinRT läuft, einer Version für ARM-CPUs -- für die es noch keinerlei Apps gibt und die vor allem normale Windows Software nicht unterstützt. Die größere Version mit einer Intel CPU wird sich preislich nach Aussage vom MS in der Region von Ultrabooks bewegen, also wahrscheinlich an die 1000 Euro kosten.

Dieser Spagat mit zwei inkompatiblen Systemen ist ein ziemliches Haar in dieser ansonsten lecker wirkenden Suppe, zumal Kompatibilität immer DAS Argument für Windows war und ist. Enttäuschungen für die Käufer der billigeren Variante sind da vorprogrammiert.

joh am 19.06.12 20:22

Na, hoffentlich mit mattem Display. Schminkspiegel gibt es schon zur Genüge.

TomSchnurr am 19.06.12 20:23

Ich finde die IpPads werden immer besser

anna am 4.08.12 12:06

Trackbacks zum Eintrag Microsofts iPad-Konkurrent Surface ist da

Zum Anfang dieses Eintrags

Juni 2012

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30

Über das Blog

Jörg Schieb über seine Beobachtungen im digitalen Universum

Aktuelle Einträge

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/joergschieb/archives/2012/06/