Dienstag, 17.01.2012

Wikipedia geht aus Protest 24 Stunden offline

Logo Wikipedia dunkel Kleine Vorwarnung: Am Mittwoch geht bei Wikipedia gar nichts mehr. Kein technisches Problem, auch kein finanzielles, sondern eine öffentliche Demonstration.

Die Wikipedia-Macher haben beschlossen, gegen zwei geplante US-Gesetze zu protestieren, die in der Öffentlichkeit, aber auch in der Politik heftig umstritten sind. Selbst das Weiße Haus hat sich unjüngst kritisch geäußert. Damit auch alle mitbekommen, was die Gesetzentwürfe für Folgen haben könnten, geht der englischsprachige Zweig von Wikipedia weltweit für 24 Stunden offline - andere Sprachen sollen nicht betroffen sein.

Ein durchweg gelungener Coup. Denn wenn das mit Abstand wichtigste Nachschlagewerk der Welt, und als solches kann man Wikipedia zweifellos mittlerweile bezeichnen, einen ganzen Tag lang nicht zu erreichen ist, dann dürfte das für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Viele werden sich nach den Gründen fragen.

Das lenkt die Aufmerksamkeit dann auch gleich auf den "Stop Online Piracy Act" (SOPA) und den "Protect IP Act" (PIPA). Beide Gesetzentwürfe sind heftig umstritten und werden von vielen abgelehnt. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat eine eindeutige WWW: Meinung dazu: Sein Urteil: Es handele sich dabei um eine "destruktive Gesetzgebung".

Beide Gesetze dienen dazu, die Urheberrechte im Internet besser zu schützen und Missbrauch zu erschweren. Klingt erst mal gut - aber die Methoden sind zweifelhaft. So ist vorgesehen, dass Internet-Provider und Suchmaschinen dazu verdonnert werden können, bestimmte Webangebote komplett auszusperren. Das Ganze, ohne dass die Betroffenen vor Gericht angehört werden. So etwas öffnet einem gewissen Missbrauch Tür und Tor. Kein Wunder, dass ein solches Vorhaben in der Online-Community umstritten ist. Auf so etwas reagiert die Community stets allergisch.

Die für Wikipedia verantwortliche Wikimedia Foundation ist mit ihrer Kritik keineswegs allein. Auch die angesehene "Electronic Frontier Foundation" (EFF) ist dagegen, ebenso die Mozilla Foundation (der wir Firefox verdanken) und viele andere.

Es geht nicht darum, kriminelle Webseiten zu schützen, es geht darum, maßvoll dagegen vorzugehen. Denn in der Tat: Wenn Webangebote aus aller Welt mehr oder weniger ohne richterlichen Beschluss aus dem Web entfernt werden können, dann kommt das einer Zensur schon recht nahe und wird von vielen zumindest als Zensur empfunden. Wikipedia-Gründer Wales zumindest spricht unverhohlen von "Zensur".

Der Protest scheint Wirkung zu zeigen: Der Kreis der Unterstützer für die Gesetzesvorhaben wird immer kleiner - auch in der Politik. Neben Wikipedia protestieren auch WWW: viele andere Onlineportale gegen SOPA und PIPA, darunter das Download-Portal Tucows, sowie viele bekannte Blogs und Portale. Andere Anbieter wollen ihre Dienste nicht komplett abschalten, aber doch auf ihren Seiten ihren Protest deutlich machen. Der "Blackout Day" zieht immer größere Kreise.

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Viele Menschen, besonders die, denen es nur ums Geld geht, beharren nur noch auf IHRE Rechte und gerade das Urheberrecht ist in dem Sinne schon ein Gummibegriff mit fatalen Auswüchsen. Unknown Persons und Kritiker erhalten Denk- und Redeverbot. Besitzstandswahrung wird heute vor alles gesetzt und längst ist auch Bildung zur Ware verkommen, deren Zugangsbarrieren immer höher gelegt werden. Demokratie wird schleichend durch Autokratie des Kapitals ersetzt. Die Zeit wird kommen, in der wir uns das nicht länger leisten können!

Dietmar Kuchen-Windmüller am 17.01.12 16:27

Es ist wie überall...die Vereinigten Staaten versuchen global ihre Interessen wirtschaftlicher und moralischer (?) Art durchzudrücken. Der Begriff "Demokratie" wird zur Keule, denen in jüngerer Vergangenheit Hunderttausende zum Opfer gefallen sind. Staatsoberhäupter werden im Auftrag ermordet, politische Gegner bis in den hintersten Winkel der Welt mit Drohnen verfolgt und getötet. Wer nicht für die USA ist, ist automatisch dagegen und wird zum Feind, wer dafür ist aber nie ein Freund, sondern bestenfalls ein Aufmarschgebiet, Absatzmarkt oder Öllieferant. Ich schäme mich langsam für unsere Regierung, daß sie da keine klarere Position im Sinne von Frieden und Freiheit bezieht und auch, für alle Staaten deutlich sichtbar, dagegen ansteuert. Wikipedia ist da nur ein Indiz des alltäglichen Lebens. Weshalb läßt die Welt sich das gefallen?

K. Jeschonek am 17.01.12 16:37

Na und. Davon geht die Welt nicht unter.
Übrigens ist in China ein Sack Reis umgefallen. Dazu gibt es nach der Tagesschau einen Brennpunkt.

Gorem am 17.01.12 16:55

@Gorem-wie weare es einmal ueber die(offensichtlich sehr kurze)eigene Nasenspitze hinauszudenken.
Was International in den Einschreankungen der Freiheit im Internet(und auch im RL) abgeht ist Teil einer Gesamtstrategie,die weit ueber das was Orwell in seinem Prophetischem Buch geschildert hat,hinausgeht.

robin am 17.01.12 20:44

"Offline" waren die nicht.
Ich habe es getestet, wenn man gleich wenn die Wikipedia-Seite erschied den Stopp-Knopf drückte, blieb die auch bestehen.
SUche war dann möglich. Einen Bruchteil einer Sekunde nach dem erscheinen des Ergebnisses kam dann wieder die schwarze Seite. Wenn man aber wieder schnell genug Stopp drückte, blieb auch die.

Wer unbedingt Wikipedia brauchte konnte das also umgehen.

Tobias Claren am 20.01.12 20:51

Bitte, Winkinpedia ist bestimmt keine Offenbahrung aber das einzige in dieser Richtung welches existiert. Also muss man sich damit begnügen.

MG am 20.01.12 21:01

Ich musste schmunzeln als anstatt wie von mir eigentlich erwartet eine aktuelle Stunde "angeklickt" zum Thema SOPA/PIPA eine aktuelle Stunde "angeklickt" zum Thema Lebensmittelinhaltsstoffe kam.
Ich bewundere ansonsten die prägnante und informative Sendung, doch das fand ich lächerlich.

tripplo V am 20.01.12 22:31

Ausgerechnet die Republikaner, die der Meinung sind der Staat hätte sich in die Belange seiner Bürger nicht einzumischen, und die deswegen auch gegen Sozialhilfe, Krankenversicherung oder Arbeitslosengeld sind - ausgerechnet die sehen die Beschränkung der Internetfreiheit nicht als Eingriff des Staates in die Belange der Bürger an. Wie heuchlerisch kann man denn sein?

HahDee am 21.01.12 3:07

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