Montag, 30.01.2012
Zynga soll Spiel-Ideen geklaut haben
Mit Computer- und Videospielen kann man gutes Geld verdienen. Das beweist nicht zuletzt Shootingstar Zynga, ein Unternehmen, das mit Browser-Games und Spielen in sozialen Netzwerken wie Facebook bekannt und erfolgreich geworden ist. FarmVille, Mafia Wars, CityVille - das sind absolute Bestseller. Spiele, von denen wohl fast jeder schon mal gehört hat.
Zynga hat in 2010 rund 850 Millionen Dollar umgesetzt und im Dezember 2011 beim Börsengang unglaubliche eine Milliarde Dollar eingenommen. Rund 1300 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen mittlerweile. Da sollte man annehmen, dass hier gute Ideen entwickelt werden.
Doch nun muss sich der Platzhirsch einiges an Kritik gefallen lassen, auch an Spott und Häme mangelt es nicht. Denn so wie es aussieht, hat Zynga sich ideenmäßig bei anderen Entwicklern bedient - und das sogar recht großzügig.
Das Zynga-Spiel "Dream Heights", das es auf Facebook und für Mobilgeräte gibt, ähnelt doch verblüffend dem Spiel "Tiny Tower" der Softwareschmiede Nimblebit. Bei beiden Games sollen die Spieler einen Wolkenkratzer bauen, die Etagen mit Ladengeschäften füllen und möglichst allen Einwohnern einen Arbeitsplatz beschaffen. Ein typisches Aufbau-Strategiespiel, optisch ansprechend gemacht.
Nimblebit hat lediglich drei Mitarbeiter und lebt von der Hand in den Mund, kann aber trotzdem beachtliche Erfolge vorweisen: Apple ihr Spiel "Tiny Tower" in 2011 zum "iPhone Game of the Year" gekürt. Was für eine Ehre! Wenig später ist Zynga mit dem Klon "Dream Heights" an den Start gegangen.
Immerhin haben sich die Nimblebit-Mitarbeiter ihren Humor bewahrt. Sie wissen genau, dass sie juristisch kaum gegen Zynga vorgehen können - Spielideen lassen sich kaum bis gar nicht schützen. Aber sie machen das Beste aus der Situation und haben eine Art offenen
Brief an Zynga geschrieben.
Darin schreiben Sie: "Wir haben gehört, dass Ihr ein neues iPhone Spiel namens Dream Heights" auf den Markt bringt. Wir gratulieren. Wir wollen uns dafür bedanken, dass Ihr offensichtlich so große Fans von unserem Spiel Tiny Tower seid."
Dann wünschen sie den Kollegen von Zynga noch viel Glück und meinen: "Wir werden versuchen, Euch auch mit unseren zukünftigen Spielen zu inspirieren."
Bumm, das sitzt. Und funktioniert, denn natürlich schlägt sich jeder sofort auf die Seite des David, der sich mal wieder gegen Goliath behaupten muss. Blogger, Gamer, überhaupt alle sind empört. Vor allem, weil es sich hier um keinen Einzelfall handelt. Auch andere Hersteller werfen Zynga vor, sich ungeniert bei ihnen zu bedienen. Die ebenfalls kleine Spieleschmiede Buffalo Studios hat
BingoBlitz entwickelt. Auch hier habe sich Zynga recht
großzügig bedient, meint die US-Fachpresse.
Keine Frage: Gute Konzepte sind selten, auch und besonders in der Spielewelt - und sie werden immer kopiert. Kleine Hersteller übernehmen Ideen der Großen, aber eben auch umgekehrt. Vermeiden lässt sich das wohl kaum. Es ist immer eine Frage, wie elegant man so etwas macht - oder eben, wie unelegant. Unelegant ist unsympathisch.
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