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Computer
Jörg Schieb
Google möchte die Maus verfolgen
Google ist bekanntlich ziemlich neugierig: Je mehr das Unternehmen von seinen Besuchern weiß, um so besser - jedenfalls aus Sicht des IT-Riesen.
Deshalb wertet Google nicht nur aus, welche Suchbegriffe wir eingeben (und wann und wo und wer...), sondern auch, welche Fundstellen besonders viel Aufmerksamkeit erregen und angeklickt werden. Ein Indiz dafür, dass die passenden Fundstellen präsentiert wurden.
Natürlich wäre es für Google auch interessant zu wissen, welche Suchtreffer genau wir uns angeschaut haben - und wie lange eigentlich, womöglich ohne sie am Ende angeklickt zu haben. Auch das signalisiert Aufmerksamkeit und am Ende dann auch Ablehnung. Informationen, die künftige Suchergebnisse verfeinern könnten.
Deshalb wundert es mich auch gar nicht, dass Google auch das versucht herauszubekommen - und zwar durch intensives Beobachten unserer Cursorbewegungen. Denn es könnte schon ein Anhaltspunkt sein, wenn wir den Cursor in Richtung eines Suchergebnisses bewegen und dann doch Abstand nehmen.
Google hat sich jetzt tatsächlich beim US-Patentamt ein Verfahren schützen lassen, und das auch im
hauseigenen Blog bekanntgegeben, mit dem Mausbewegungen des Nutzers aufgezeichnet und analysiert werden. Mit diesen Erkenntnissen soll die Anzeige der Suchergebnisse optimiert werden.
Würde das Patent im Alltag umgesetzt, müssten Google-Benutzer nicht mehr klicken. Google wüsste trotzdem, was uns neugierig macht, was uns interessiert und wovon wir dann doch lieber die Finger lassen. Lässt sich alles aus den Cursorbewegungen auslesen.
Nun aber bitte nicht gleich aufregen, denn noch ist es nicht so weit, dass uns Google über die Schulter schaut. Denn um die Mausbewegungen verfolgen zu können, muss auf dem PC der Benutzer eine kleine Software installiert sein, die ihre Erkenntnisse sammelt und an Google meldet. Dafür ist aber definitiv die Zustimmung des Benutzers erforderlich. Still und leise kann Google diese Form der Überwachung also zumindest nicht einführen.
Das Interesse an solchen Informationen ist verständlich. Für im großen Stil durchsetzbar halte ich die Idee allerdings kaum. Denn nicht nur Datenschützer würden aufschreien, sollte Google tatsächlich auf die Idee kommen, eine derartige "Beobachtung" einzuführen. Auch die meisten Benutzer dürften bei dieser Vorstellung Magenschmerzen bekommen.
Deshalb bleibt das Patent sicher erst mal in der Schublade liegen.
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Ich fände die Datensammelpraktiken von Google auch im Zusammenhang mit Android mal einen näheren Blick wert. Das wird nämlich gerade vollständig ignoriert, mit dem Ergebnis, dass viele Benutzer gar nicht wissen, dass persönlichste Daten bei Google landen und dort gespeichert werden. Selbst die Spracherkennung bei Android läuft auf den Google-Servern.
uhuznaa am 28.07.10 18:38
Also ... die Möglichkeit Mausbewegungen des Anwenders zu analysieren gibt es schon seit gut und gerne 6-7 Jahren. Allerdings nicht in der Auflösung wie es Google scheinbar benötigt. Aber Dank CSS (CascadingStyleSheets) und einem bischen JavaScript läßt sich eine Webseite schon längst in eine Matrix aufteilen. Dank der Funktion "OnMouseOver" meldet jedes Feld ein Signal an den Server ... was Dank AJAX auch sofort übermittelt wird. Aus diesem Vektor kann dann ein Programm die Mausbewegung, aus dem Schachbrettmuster- und dem Zeitverlauf, schon recht gut bewerten. Etwas was auch bei Otto.de, Ebay und anderen Versendern längst praxis ist. Technik, die es zudem als zu ladende Module, für Programmiersprachen wie Ruby, Python oder auch PHP gibt. U.a. für/unter Rails, Zope/Plone oder ZEND.
Was mich wundert: warum das bisher keine Sau wirklich interessiert hat?
Und: da sieht man, wie Toll das Patentsystem in den USA ist. Jeden Scheiß kann man da scheinbar patentieren lassen.
Carsten Werner am 28.07.10 19:33
Toll, ein Patent und wenn es erteilt wird können ähnliche Systeme wegen Patentverletzung zur Kasse gebeten werden. Gar nicht so übel!
Erdferkel am 29.07.10 7:28
Und was ist, wenn ich zufällig gerade eine Google-Suche offen habe, dann aber den Platz verlasse, weil es z. B. an der Tür klingelt?
Oder was liest Google daraus, wenn beim Bewegen der Maus der Cursor plötzlich verspringt, weil meine optische Maus nicht mit meinem reflektieren Pad zurechtkommt?
Andere Frage:
Welche Suchmaschinen-Alternativen zu Google (Datenkrake), Bing (Monopolist), und Yahoo! (gehört das nicht irgendwem?) gibt es denn?
Rani Coellonia am 29.07.10 11:48
Das läßt sich noch wesendlich verfeinern, indem die webcam dauerhaft angeschaltet ist und google so weiss, welche Stellen am intensivsten angesehen werden. Die Software dafür gibt es längst, zum Beispiel in Systemen für den Kraftverkehr, die erkennen, ob der Fahrer unaufmerksam ist.
Woran das ganze dann erinnert?
An den Televisor in "1984"...
Jupps Hund am 29.07.10 12:59
Guten Morgen Jörg Schieb, schön dass es doch noch ein paar Einträge zu ihren Themen gibt. Google ist einfach ein Phänomen aus meiner Sicht, nicht nur Suchmaschine und Landkarte, auch News-Sucher und auch mit Office-Anwendungen schlägt Google auf. Dass dieser die Mausbewegung erfassen möchte erstaunt mich auch schon nicht mehr. Wenn Google schon die Straße erfassen möchte in der man Wohnt und weiß wo meiner nächster Döner-Imbiss ist warum soll dann Google nicht auch meine Mausbewegung erfassen und auswerten. Also ich bin ja wie immer für alles neue Offen auch wenn es mit einem scharfen Gedanken der Kritik immer das Beste für den User sein soll.
Stefan am 30.07.10 7:58
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