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Jörg Schieb
Ich weiß, was Du letzten Sommer verdient hast
Andere Länder, andere Sitten: Während wir Deutsche nur ungern über Geld reden, haben Amerikaner ein eher unverkrampftes Verhältnis zum Thema Geld. Sie reden öffentlich über ihr Vermögen - warum nicht auch auch im Web?
Zum Beispiel im neuen Finanzportal
networthiq.com, eine Art "Facebook für Finanzen". Hier kann jeder öffentlich Angaben zu seinem Vermögen und seinen Schulden machen: Ob Aktien, Anleihen, Immobilien, Wertsachen, Einkommen, Guthaben - lässt sich alles auf der Haben-Seite eintragen. Schulden, Verbindlichkeiten und Kredite landen auf der anderen Seite der Online-Bilanz. Monatlich aktualisiert. Auf diese Weise entsteht eine Langzeitbeobachtung von Vermögen und Verbindlichkeiten, auf Wunsch auch als Chart.
Kaum einer meldet sich bei Networthiq mit seinem echten Namen an, die meisten verwenden Pseudonyme. Die finanziellen Angaben sind daher weitgehend anonym - aber trotzdem interessant. Viele wollen ihre finanzielle Situation mit der Anderer vergleichen. Für Viele ist es auch verlockend, dass eine Art Wettbewerb entsteht: Wer schafft es, sein Vermögen schneller zu vergrößern? Wer hat ein glückliches Händchen bei Wertpapieren?
Ganz unterschiedliche Menschen machen bei dieser ungewöhnlichen Nabelschau mit: Vom 14-jährigen Schüler, der noch zu Hause wohnt, über den Studenten, die Hausfrau oder den Rentner, den gut verdienenden Angestellten bis hin zu schwerreichen Managern ist alles vertreten. Eins der größten Konten auf Networthiq weist derzeit ein Nettovermögen von 4,7 Millionen Dollar aus. Doch das ist die Ausnahme: Die meisten Konten sind eher gering, mit kleinen Aktiendepots.
Da machen sich die Menschen Gedanken über Datenschutz und haben Sorge vor Benutzerprofilen, die Webseiten anlegen könnten - auf der anderen Seite gibt es Menschen, die selbst solche Daten öffentlich machen. Das passt eigentlich kaum zusammen. Für deutsche Ohren klingt das befremdlich.
Networthiq ist eine Art Nabelschau in Sachen Wohlstand - und kaum einer in den USA hat ein Problem damit. Vielmehr können die Nutzer vergleichen, wie andere in ähnlichen Lebensumständen mit ihrer Vermögenssituation umgehen und auch daraus lernen.
Der aktuelle Blog-Eintrag als Podcast
Der fundamentale Unterschied zu Facebook ist, daß sich die Menschen bei Networthiq mit Pseudonym anmelden können. Das heißt, daß ihre Klarnamen nicht auftauchen und sie daher nicht gegoogelt werden können. Das wäre in den USA auch fatal, schließlich gibt es dort kein Datenschutzrecht, das dem deutschen vergleichbar wäre. Leicht zu erkennen daran, daß "identity theft" dort wesentlich häufiger vorkommt, als bei uns. Facebook hingegen verlangt in den Nutzungsbedingungen zwingend, daß man nur EIN Profil anlegt und dieses auch unter seinem ECHTEN Namen. Bemerkt Facebook einen Verstoß gegen diese Regeln, wird der Account gelöscht, ohne daß der User eine Chance hat, seine dort aufgebaute "digitale Identität" zu retten.
digital resident am 16.07.10 10:54
Ergänzend sein noch erwähnt, dass die Einleitung hinkt. Wieviel unverkrampfter sind denn die USA, wenn sie die Angaben anonym machen?
Wirklich anders sieht das in (war es Schweden? Jedenfalls irgendein skandinavisches Land...) aus, wo wirklich die Einkünfte der Steuerzahler für jeden einsehbar offengelegt werden. In irgnedeiner Sendung der ÖR hab ichs jedenfalls gesehen. Das ist hardcore...
Trotzdem Danke für den Hinweis.
Honk am 26.07.10 23:21
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