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Computer
Jörg Schieb
Bitte raubt mich aus! Bin gerade nicht zu Hause...
Wo bist Du gerade? Diese Frage muss man bei vielen Menschen nicht mehr stellen, denn sie verraten freiwillig, wo sie sich gerade aufhalten: Ihre Smartphones informieren spezielle Server über ihren aktuellen Aufenthaltsort. Dann können Freunde - mitunter aber auch Fremde! - sehen, wo sie sich gerade aufhalten, ob im Biergarten, in der Shopping-Mall oder womöglich auf einem kurzen Städtetrip ganz woanders.
Geodienste wie
Foursquare oder
Google Latidude posaunen es in die Welt hinaus, teilweise sogar über Twitter, wo man gerade ist - mit exakten Angaben zu Längen- und Breitengrad. Manche Leute bauen sogar eine kleine Onlinekarte in ihr Blog ein, damit jeder sehen kann, wo sie gerade sind.
Klar, sowas kann praktisch sein - und auch recht unterhaltsam. Freunde wissen dann zum Beispiel, ob man gerade in der Nähe ist - und können sich melden, etwa um sich mal eben auf einen Kaffee zu treffen. Oder man spricht Fremde an, die zufällig im selben Café sitzen - es sind viele Einsatzmöglichkeiten denkbar.
Leider nutzen mittlerweile auch Kriminelle die neuen technischen Möglichkeiten. Es geht das Gerücht, dass Einbrecher gezielt Twitter-Meldungen mit Aufenthaltsangaben durchforsten. Denn wenn jemand per Smartphone mitteilt, wo er sich gerade aufhält, ist er wo ganz sicher nicht? Richtig: zu Hause!
Wenn das keine Gelegenheit ist, mal vorbei zu schauen...
Wie einfach es ist, an solche Daten zu gelangen, zeigt eindrucksvoll die Webseite
pleaserobme.com. "Bitte raubt mich aus!", welch treffender Name für das Angebot. Hier erscheinen Tweets von Leuten, die gerade auf die ein oder andere Weise der Welt ihren aktuellen Aufenthaltsort mitteilen - und so potenzielle Opfer von Einbrechern sind. Die reale Adresse lässt sich heutzutage in der Regel leicht herausfinden, da muss man oft nicht lange recherchieren, spezielle Personensuchmaschinen wie Yasni helfen gerne weiter.
Natürlich versteht sich pleaserobme.com nicht als Werkzeug für Einbrecher, sondern will uns für das Thema sensibilisieren. Denn während wir heute intensiv diskutieren, welche Fotos online gestellt werden dürfen und welche besser nicht, machen sich eigentlich nur wenige User Gedanken darüber, welche Risiken damit verbunden sind, seinen aktuellen Aufenthaltsort öffentlich zu machen.
Doch darüber mal nachzudenken, kann sich lohnen!
Der aktuelle Blog-Eintrag als Podcast
Ich habe langsam resigniert, andere Leute über Datenschutz oder die Gefahren im Web aufzuklären und mich dafür als paranoid oder Linker bezeichnen zu lassen.
Wenn jemand seine drei Jahre alten Nacktfotos aus Malle, auf denen er besoffen und bekotzt am Strand liegt, heute von dem Personalchef auf den Tisch gelegt bekommt, bei dem er sich bewirbt.......so what? Und wenn Leute meinen, immer und überall ihre virtuelle Urinmarke setzen zu müssen, fehlt es mir auch an Mitleid, wenn später einmal nachts Rollkommandos einer zunehmend totalitär werdenden BRD ihre Tür eintreten und sie unter fadenscheinigen Vorwürfen für den Rest ihres Lebens in einem Loch verschwinden lassen, weil sie vielleicht zufällig mal in einem falschen Blog gepostet oder irgendeine harmlose Chemikalie online bestellt haben.
All das kann man schon seit Jahren erfahren, wenn man sich nur dafür einen Hauch interessiert.
Statt sich mit Bohlen, "BILD" und Big Brother zu beschäftigen.
Die Dummheit vermehrt sich nicht nur nach Köpfen schneller als die Vernunft, sondern auch die Fehlinformationen und der Datenmüll im Web nimmt, gerade in Foren, überproportional zu.
Aber Darwins Gesetze sind auch im Internet gültig.
Und so harre ich der Zeit, wo die Doofen von ihrer eigenen Doofheit übermannt werden.
Das gibt Platz auf den Autobahnen und keine Schlangen mehr an den Kassen.
Und: Armer Eduard Zimmermann! Dein Leben war umsonst. Die Leute wollen es einfach so.
Gert am 19.02.10 14:01
@Gert
Stimme dir zu, allerdings bringt dir das verharren nichts, da solche Leute überall sind. Und nicht immer sind die potenziellen Darwin Award Gewinner diejenigen die durch Ihre eigene Doofheit draufgehen sondern einfach jemand in ihrem Umfeld.
In ein paar Jahren klopft eh jemand an deine Tür wg. deinem Postings hier ähm...virtuellen Urinmarke -.-
Gruß und Anteilnahme
Schramm
Schramm am 19.02.10 14:49
kann mich da meinem Vorredner nur anschließen.Auch ich habe aufgegeben die Leute aufzuklären.Solln sie ihren Webstrip hinlegen!!
Kranke Welt!
Tom am 19.02.10 16:44
Vielen Dank, Herr Schieb für diese unterhaltsame Information, die nachdenklich stimmt.
Während wir früher unsere Zeitschaltuhren möglichst kompliziert und verschachtelt nutzten, um eine Anwesenheit vorzutäuschen, unsere Briefkästen von Nachbarn leeren ließen und manche Menschen sogar ihre Fernseher durchlaufen ließen, damit es wie gewohnt schön aus dem Wohnzimmer flimmerte, müssen wir nun also heute aus dem Urlaub Onlinelügen verschicken und so tun, als seien wir gerade krank im Bett oder lesend in der Badewanne, all dies natürlich mindestens zu viert und alle sehr stark und wehrhaft.
Natürlich sind die anderen nicht mit in der Wanne und gesund, liegen also allerhöchstens korrekt gekleidet auf dem Sofa, korrekt anonym unkenntlich abgekürzten Namen.
Übrigens gibt es noch eine sehr interessante Empfehlung für reiche Leistungsträger:
Man lege einen mittleren Geldschein in der Nähe der Wohnungstür oder Haustür gut sichtbar ab, damit drogensüchtige Nicht-Leistungsträger diesen sich dort schnappen können und verschwinden ohne auf der Suche nach Bargeld oder leicht verwertbaren Gegenständen allzuviel Unordnung zu hinterlassen.
Leider gibt es auch Einbrecher, die in Wohnungen einbrechen, in denen sich noch Menschen aufhalten, diese nutzen manchmal sogar unsterile unangemeldete anonym gekaufte Waffen um damit Eindruck zu hinterlassen und dem Opfer eine erzählbare Bedrohungsgeschichte zu liefern.
Andere brechen in unsere Privatsphäre auf ganz anderen Wegen ein oder bestehlen uns auf ganz anderen Wegen, sie nutzen unsere Faulheit und Vergesslichkeit aus, unseren Neid oder unseren Unwillen zur Solidarität, unsere Gutmütigkeit und unser Unwissen. Sie gestalten eine graue Welt, in der dunkle Westen einen hell schimmernden Glanz haben, ein falsches Lächeln freundlich erscheint und sich manche Hände so oft gegenseitig waschen, daß sie davon ganz schmutzig geworden sind.
Wir warnten um fünf vor zwölf die Menschen, jetzt ist es zwanzig nach drei und der heranbrechende neue Morgen läßt so manchen von uns sehr unruhig schlafen.
Wir sehen es mit Unbehagen, daß unsere Freiheitsrechte ausgehölt werden, wo es nur geht und sehen, daß Politiker zu Gruppentreffen eingeladen werden, die keinen Bezug zur Demokratie haben, sich auch nicht mit Bildern oder Bergen wirklich beschäftigen und fragen uns, wem sie damit dienen, ahnen die Antwort und sind darüber in Sorge und auch erbost, enttäuscht. Wir sehen, daß Ihr unrecht damit tut und werden Euch dieses anrechnen, hier und in aller Ewigkeit auf allen Ebenen des Seins. Wenn ihr dafür einen Schuldigen sucht, streckt die rechte Hand aus, schaut sie Euch dabei an, dreht sie um und packt Euch an die eigene Nase, dann habt ihr den Schuldigen gefunden.
mit lieben - auch aufrüttelnden - Grüßen
Volker
Volker am 20.02.10 3:07
...geschieht diesen aufgeblasenen Narzisten recht, die halten sich selbst für so wichtig, dass jeder immer alles über sie wissen soll.
Dummheit muss bestraft werden - 'ne klare Jacke!
John B. Gehlen am 20.02.10 14:36
da könnte man doch auch gleich noch in ein weiteres Horn stossen ... wie wäre es mit Auslesen der Geo-Daten beim GPS-Navi, WLAN-Triggern vom Smartphone - schliesslich gibt es auch beim WLAN eine MAC zur ein-eindeutigen Zuordnung. Und dann noch eins vom Java- oder SDK-basierten Applet auf dem Handy - was selbstredend ebenfalls nen SIRF-Chip drin hat - für GPS-Ortung, und das per UMTS-Flat Dauer-Online ist - womit der Observierer ebenfalls ganz genau weiß wo man gerade steckt ...
Ja, die Welt kann so böse sein ;-)
Und alles macht das so schön banal ... ist doch das Credo: Technik muß ja so einfach sein - und man selbst bleibt Ahnungslos ... oder sollte man eher sagen: "Entmündigt!"
Carsten Werner am 23.02.10 23:24
Selber schuld wenn auch unbedacht. Da hilft nur variieren, wenn schon im Internet dann zu verschiedenen Zeiten. Einfach unberechenbar. Da bleibt noch das Ausrauben, nicht immer so einfach, könnte was auf die Rübe geben. So weit soll es natürlich nicht kommen.
MG am 27.02.10 21:47
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