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Computer
Jörg Schieb
Ein Tablet-PC namens iPad
Die vielen Gerüchte, Spekulationen und Mutmaßungen der vergangenen Wochen haben sich nun weitgehend bestätigt: Apple hat am Mittwoch in San Francisco einen Tablet-PC vorgestellt. Das "iPad" getaufte Gerät wiegt 700 Gramm, ist gerade mal einen Zentimeter dick, kommt ohne Tastatur aus und wird genauso wie iPhone und iPod Touch durch Berührung mit der Fingerkuppe bedient.
Noch mehr technische Details gefällig? Bittesehr: Zehn Stunden soll der Akku halten. 9,7 Zoll misst die Diagonale des Displays. Damit liegt das iPad in punkto Größe irgendwo zwischen Smartphone und Notebook. Das schlanke Gerät ist eindeutig für zu Hause gedacht: Die User sollen damit Bücher lesen (eBooks), im Web Surfen, E-Mails austauschen, Fotos und Videos anschauen, fernsehen, Musik anhören oder spielen. Zum Arbeiten ist das iPad definitiv nicht gedacht - Eingaben sind mit der virtuellen Tastatur zwar möglich, aber alles andere als komfortabel.
Etwas überrascht hat mich, dass sich Apple für ein Display im 4:3-Format entschieden hat, denn 16:9 wäre moderner, ergonomischer und vielleicht auch praktischer, zumindest wenn man Filme auf dem Gerät anschauen will.
In punkto Bedienung hat sich Apple nicht viel Neues einfallen lassen, sondern das bewährte Konzept von iPhone und iPod Touch übernommen - und ein bisschen weiterentwickelt. Kann man machen, ist aber nicht unbedingt einfallsreich. Jedenfalls wirkt das iPad dadurch unweigerlich wie ein übergroßes iPhone. Immerhin: Der Bildschirm lässt sich besser individualisieren. Speziell fürs iPad entwickelte oder angepasste Anwendungen (Apps) nutzen den größeren Bildschirm aus, etwa Spiele, die ebenfalls bei der Apple-Veranstaltung in Kalifornien vorgestellt wurden.
Eingebaut sind darüber hinaus Bluetooth, WLAN, Kompass und Bewegungssensoren, so wie in einem iPhone 3GS. Eine Kamera gibt es überraschenderweise nicht, dabei gilt das heute fast schon als Standard in jedem Netbook. Videokonferenzen sind mit dem iPad also nicht möglich, als Fotoapparat taugt das iPad ebenfalls nicht.
Im iPad ist keine Festplatte eingebaut, sondern ein Flash-Speicher - der ist schneller, aber auch deutlich teurer. Ein iPad mit 16 GByte soll knapp 500 Dollar kosten, für 100 Dollar mehr gibt es 32 GByte und für 200 Dollar mehr 64 GByte. Die Europreise stehen noch nicht fest. Ende März soll der iPad in den USA zu haben sein, ab Juni international.
Auch ein iPad mit Mobilfunk (UMTS) ist geplant, der etwa vier Wochen später auf den Markt kommen soll. Telefonieren ist mit dem iPad allerdings nicht möglich. Dafür soll der iPad den eBook-Readern Konkurrenz machen, allen voran dem Sony Reader und dem Kindle von Amazon.
In den USA sind die eBook-Lesegeräte ein Erfolg, hierzulande weniger. Während Sony Reader und Kindle aber nur einen schwarzweißen Monitor bieten, kann der iPad mit einem farbigen Display aufwarten (dafür hält der Akku nicht so lange).
Beflügelt vom Erfolg bei iTunes und AppStore will Apple mit einem weiteren Onlineshop starten: iBook ist eine digitiale Buchhandlung, in der sich iPad-User mit eBooks versorgen können, zunächst nur in den USA. Apple kooperiert zunächst mit einer Handvoll Verlagen.
Das iPad ist Evolution, nicht Revolution. Apple bietet nicht so viele bahnbrechende Neuerungen und Unterschiede zu vergleichbaren Geräten wie seinerzeit das iPhone. Es sieht schick aus, es verfügt über eine bewährte Benutzeroberfläche, es gibt zweifellos ein paar interessante Ansätze, aber so ein bisschen vermisse ich den Wow-Effekt. Apple hat mich schon mal mehr überrascht.
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Die Überraschung war wahrlich, dass es keine wirkliche Überraschung gab. Aber ich denke dennoch, dass der "Apple Effekt" vorhanden ist, vielleicht nicht im Funktionsumfang, aber dafür in der Qualität und Usability des Geräts. Für Zu Hause ist es doch das praktische, kleine Accessoire. Und ganz sicher eleganter und intuitiver zu bedienen, als jedes Windows Pendant.
Henning Langen am 28.01.10 9:21
Bei den vielen kursierenden Gerüchten blieb ja auch nicht viel Platz für Überraschungen.
Was mich überrascht und gefreut hat, ist der (relativ) moderate Preis. Da mein MacBook Pro jetzt fast vier Jahre alt ist und noch mit einem CoreDuo läuft, steht eine Neuanschaffung an. Ich überlege derzeit statt eines neuen MBP lieber zum fast gleichen Preis zwei Geräte zu kaufen: Einen iMac fürs Arbeiten und ein iPad für unterwegs. Mit iWork-Programmen kann ich alles abdecken, was bei mir unterwegs an Arbeit anfällt (incl. Email), dazu noch komfortabel lesen oder Videos sehen. Es kommt darauf an, wie gut man wirklich Dateien von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation im iPad abspeichern, bearbeiten und mit dem iMac abgleichen kann.
Knud Vöcking am 28.01.10 10:31
Kann hier nicht folgen:
- Die Termine für den Verkaufsstart in Europa stimmen nicht. Das Gerät wird auch in Europa ab März verkauft, lediglich die Datentarife für die Modelle mit 3G/UMTS werden erst für Juni/Juli erwartet.
- Warum muss man Alles neu machen. Die Bedienung des iPhone hat dem Gerät eine Anwenderzufriedenheit von um die 90% eingebracht (weit vor jedem anderen Gerät). Wenn ich ein nagelneues Gerät herausbringen kann, dass schon 75 Millionen Menschen ohne die geringste Lernkurve bedienen können, dann mache ich das. Kein Mensch kann sich für einen "Wow-Effekt" etwas kaufen.
- Weder werden Bücher, noch Magazine im 16:9 Format veröffentlicht. Das Format von allen gängigen Digitalkameras ist weit näher an 4:3 als 16:9. Präsentationen und Textdokumente schaut man i.d.R. auch nicht in 16:9 - die meisten Projektoren sind auch 4:3.
- Nur für zu Hause? Sehe ich überhaupt nicht. iWork läuft darauf, man kann einen Projektor anschliessen, 3G ist vorhanden... das ist für unterwegs genauso geeignet wie jedes Netbook auch. Ich kann z.B. mein 17" MBP zu Hause lassen und das iPad für meine Vorlesungen verwenden. VGA Adapter dran, Beamerkabel rein und 2kg Gewicht gespart.
marv08 am 28.01.10 13:56
„Eine Kamera gibt es überraschenderweise nicht, dabei gilt das heute fast schon als Standard in jedem Netbook ... Videokonferenzen sind mit dem iPad also nicht möglich, als Fotoapparat taugt das iPad ebenfalls nicht ... Telefonieren ist mit dem iPad allerdings nicht möglich ... Zum Arbeiten ist das iPad definitiv nicht gedacht -- Eingaben sind mit der virtuellen Tastatur zwar möglich, aber alles andere als komfortabel.“
So liest sich die Beschreibung eines unvollendeten Torsos - Ausgeburt eines Zwitters, dem umfassende kommunikative Funktionalität gegenüber aktuellen multimedialen Ansprüchen nun wirklich nicht bescheinigt werden kann.
30 iPads für rund 600 neugierige Medienvertreter. Und so stürzten sich gleich nach der Apple-Zeremonie ihres Messias (BILD am 30.01.2010: „i = Ikone“) auf seine iPads wie hungrige Fliegen auf den so stechend duftenden neuen Apfel. Pferdegeflüster wird Apple sicher nicht für eine vollmundig propagierte Technik-Revolution genügen, von der nach berechtigter Auffassung mancher Analysten und Anwender sicher nicht die Rede sein kann.
Rolf Badenhausen am 30.01.10 12:43
Erst einmal abwarten, bis man dieses Gerät selbst in den Händen hält und erste Bedienversuche damit unternimmt.
Es füllt wirklich die Lücke zwischen iPod/iPhone und einem Laptop. Diese suche ich schon lange.
Daniel am 31.01.10 11:00
... dann warten wir mal ab, mit welchen zusätzlichen Hardware-Upgrades so mancher Netbook-Hersteller in wenigen Wochen oder Monaten eine insgesamt sinnvollere Alternative zum iPad anbieten wird!
Rolf Badenhausen am 1.02.10 11:41
Mich würde mal interessieren wie das IPad im Vergleich zb. zum Dell Pad, abschneidet.
Aber leider ist der Herr Schieb ja hartgesottener Apple- und Microsoft-Fan.
Andere Systeme haben da wenig Aussicht auf Erfolg auch einmal vorgestellt zu werden :-(
Tja, so ein Mist wenn ein Produkt ausgerechnet aus Europa kommt, wie zb. ein Betriebssystem, samt darauf aufbauender Distribution, oder ein offenes Office ...
Die Produkte "Made in USA" sind einfach ungeschlagen ... (?)
Carsten Werner am 1.02.10 17:20
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