WDR.de
Computer
Jörg Schieb
6.01.10
Jetzt ist es offiziell: Google bringt ein eigenes Handy auf den Markt. Das Nexus One getaufte Geräte wird es zunächst nur in den USA und einigen asiatischen Ländern geben. Eine Besonderheit: Google verkauft sein Handy in den USA ausschließlich im Web, nicht über Ladengeschäfte oder in Kooperation mit Providern. Eine gänzlich andere Vermarktungsstrategie als bei Apple oder anderen Herstellern.
Das Nexus One bietet solide, gute Technik und will eindeutig dem Apple iPhone Konkurrenz machen. Es sieht nicht nur recht ähnlich aus, sondern wird auch ähnlich bedient: per Touchscreen. Hier allerdings ist das iPhone nach wie vor überlegen, denn das iPhone verfügt über ein Multitouch-Display, kann also mit mehreren Fingern gleichzeitig bedient werden, während Googles Handy das nicht bietet. Schade, denn so lassen sich schicke Effekte wie das Verkleinern oder Vergrößern von Fotos mit zwei Fingern in der Google-Welt noch nicht nutzen.
Dafür bietet das Display des mit Android 2.1 betriebenen Google-Smartphones eine etwas höhere Auflösung als das iPhone. Mehr Platz für Inhalte und Programme. Im Inneren des 130 Gramm leichten Geräts werkelt ein Handy-Chip, der mit 1 GHz getaktet wird, der derzeit schnellste Prozessor in der Smartphone-Welt. Das Nexus One reagiert schnell und zügig auf Eingaben.
Technisch gesehen hat das Nexus One zu bieten, was anspruchsvolle Handybenutzer heute so erwarten: Bluetooth, WLAN und eine eingebaute Kamera mit 5 Megapixel. Das allerdings bieten heute im wesentlichen alle hochwertigen Smartphones und Blackberries. Darüber hinaus ist eine recht ausgeklügelte Spracherkennung eingebaut. Das ist wohl auch der Grund, weshalb das Handys erst mal nur in den USA und englischsprachigen Ländern angeboten wird, denn so etwas lässt sich nicht leicht auf andere Länder übertragen.
Ohne Mobilfunkvertrag kostet das Handy 530 Dollar (380 Euro), mit Vertrag 180 Dollar (130 Euro), jeweils ohne Mehrwertsteuer. Wie die Mobilfunkverträge im einzelnen aussehen werden, steht derzeit noch nicht fest. Das Nexus One soll es schon im Frühjahr auch in Deutschland geben, die genauen Konditionen sind allerdings noch nicht bekannt.
Das Nexus One bringt eindeutig Dynamik in den Smartphone-Markt, vor allem preislich. Ein iPhone-Killer, wie von vielen erwartet, ist das Nexus One allerdings nicht. Da hätten sich die Ingenieure noch den ein oder anderen Gag einfallen lassen müssen. Insgesamt wirkt das iPhone nach wie vor eleganter, vor allem bei der Bedienung. Auch andere Hersteller haben mittlerweile schicke Smartphones im Angebot, die es in punkto Leistungsumfang mit iPhone und Nexus One aufnehmen können. Geschäftsleute wissen nach wie vor die speziellen E-Mail-Funktionen der Blackberries zu schätzen.
Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Apple wird sich jetzt noch mehr anstrengen müssen - und die hohen Preise wird auch Apple in Zukunft wohl nicht mehr nehmen können. Das sind gute Nachrichten für alle Smartphone-Fans. Datenschützer hingegen betrachten die ersten Schritte von Google im Handymarkt mit Sorgenfalten auf der Stirn. Denn so kann Google noch mehr Daten über seine Benutzer sammeln - und niemand weiß, was damit konkret angestellt wird.
"Ein iPhone-Killer, wie von vielen erwartet, ist das Nexus One allerdings nicht."
Diesen Kommentar liest man immer und überall wenn ein technisch dem iPhone weit überlegenes Handy auf den Markt kommt. Und dann auch noch eines mit freiem Betriebssystem. Warum sind die Journalisten eigentlich unisono so Apple-geil? Ich hab das Gefühl, dass das iPhone, bzw. dessen Beliebtheit, zu großen Teilen dem einstimming singenden "Journalisten"-Chor geschuldet ist. Gibt es irgendeinen Kodex unter Journalisten sich bloß nicht mit Fakten und technischen Details an Hardware ranzuwagen? Warum wird dieser Teil, wenn Hardware mit Gefühlsware von Apple verglichen wird, komplett ausgeblendet?
Früher hat man sich die Fakten, die Hardware und die Leistungsdaten von Handys angeschaut. Heute sieht man ein angebissenen Apfel und kann sich sicher sein, der Journalisten-Chor singt ein einstimming ein Loblied auf die Gottheit Steve Jobs. Das erste iPhone hatte nicht mal alle grundlegenden Handyfunktionen abgedeckt, das iPhone ist in ein schreckliches Vertragskorsett gepresst, man kann nicht mal den selber Akku tauschen, DRM, iTunes Bindung und und und.
Ich finde das iPhone auch toll, aber ich finde genügend Argumente warum es wirklich niemandem zu empfehlen sei, bei vergleichbar leistungsstärkerer und offener Konkurrenz die noch dazu preislich weit überlegen sind.
Das iPhone lebt von dem Hype den Journalisten immer wieder und wieder gerne befeuern. Sachlichkeit würde in den iPhoe v.s. alle anderen Handys echt mal gut sein.
Sorry für's Frustablassen ;)
Aber das lag mir auf dem Herzen!
Liebe Grüße
Torben.
Torben am 6.01.10 22:54
Hier kann geholfen werden ...
viele Journalisten arbeiten auf nem Apple, PowerBook, IBook oder nem PowerMac ... daher die Apple-Lastigkeit. Und beim Thema Windows ist die Sache auch klar ... schliesslich hat MS nen Marktanteil von ca. 85%. Und die Linux-Fraktion (ergo also auch Android) ... das ist doch was für Bastler. Richtig angeschaut. Fehlanzeige.
PS1: Android kann übrigens in Ver. 2.1 doch schon mehrfingerbedienung.
PS2: Herr Schieb: seien sie doch mal kreativ und gehen auch mal journalistische Wege abseits und berichten doch mal von/über europäische Produkte. Zb. über Mandriva (was aus Paris kommt) oder über das neue KDE 4.4 (für Sie: das ist eine grafische Oberfläche für u.a. Linux - und wenn das wie Win7 ausschaut - KDE4 gabs schon davor ;-))
... statt immer nur über US-Waren zu berichten.
MfG Carsten Werner
Carsten Werner am 11.01.10 23:29
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