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Computer
Jörg Schieb
Wolkige Versprechungen: Cloud Computing
Derzeit gibt es in der IT-Industrie wolkige Zukunftspläne. Ob Google, Microsoft, Amazon oder Apple: Alle reden vom so genannten "Cloud Computing", der zunehmenden Vernetzung von Computer, Handy und Fernseher via Internet.
Experten erwarten in diesem Bereich enorme Wachstumsraten. Der gemeine Computerbenutzer hingegen denkt, das alles habe mit ihm gar nichts zu tun.
Hat es aber.
Denn Cloud Computing ist nicht nur ein erkennbarer Trend, sondern teilweise längst Gegenwart. Spätestens, seitdem auch Microsoft auf Cloud Computing setzt wie jetzt mit Windows Azure, ist potenziell jeder betroffen. Jeder sozusagen ein Tropfen in der Wolke.
Die Idee hinter Cloud Computing ist einfach: Programme und Daten werden nicht mehr länger auf dem eigenen Computer gespeichert, sondern auf Servern irgendwo im Netz. Klarer Vorteil: Einmal im Web hinterlegt, kann man bequem von überall darauf zugreifen: Vom Computer zu Hause oder am Arbeitsplatz zum Beispiel, mit dem Smartphone oder auch immer öfter vom Fernseher aus. Einzige Bedingung: Internetzugang.
So etwas kann durchaus praktisch sein. Denn wer wichtige Dokumente und Fotos in der Cloud speichert - also im Internet - muss sich in der Tat keine Gedanken mehr darüber machen, wo er diese wichtigen Dokumente hinterlegt hat. Sie sind immer da und griffbereit. Backups werden auch noch gemacht. Automatisch.
Auch Programme lassen sich auf diese Weise benutzen. Die vielen Google-Anwendungen wie Mail, Calendar oder Text und Tabellen sind zweifellos die bekanntesten Vertreter dieses Genre. Hier muss man nichts installieren, man muss nie die Software auf den neuesten Stand bringen. Einfach Browser starten - und loslegen.
Allerdings hat die Medaille auch eine Kehrseite. Denn wer so arbeitet, lagert Dokumente und Fotos auf Computern aus, die er selbst nicht kontrollieren kann. Stichwort: Datensicherheit. Außerdem schärft man durch die Verwendung von Onlineprogrammen sein eigenes Profil, wird immer interessanter für die Werbeindustrie. Das muss einen nicht stören, kann es aber. Jeder sollte sich also über die Vor- und Nachteile im Klaren sein.
Viele nutzen heute schon Cloud Computing, ohne es zu wissen. Wer seine Fotos in einem Online-Fotoalbum wie flickr oder Picasa ablegt, seine Mails mit Google Mail austauscht, Videos anschaut oder Onlineanwendungen nutzt, der ist schon längst Teil der Wolke.
Cloud Computing wird uns noch viele interessante Diskussionen bringen, etwa, wie viel Zeit und Geld sich dadurch sparen lässt (weniger eigene Hardware nötig, keine Pflege der Software erforderlich), aber auch, welche Sicherheitsrisiken damit verbunden sind. Den Begriff Cloud Computing sollte sich daher besser jeder gut einprägen.
Der aktuelle Blog-Eintrag als Podcast
Stimmt es eigenlich, dass das Internet jetzt schon so viele Resourcen verbraucht wie der weltweite Flugverkehr ? Warum wird dann versucht, unnoetige Dinge uebers eh schon reichlich ausgelastete Internet zu pusten ?
Ist fuer mich genauso absurd, wie beispielsweise Buecher, die ich gerade nicht brauche nicht ins Zimmerregal zu stellen, sondern mit der Post in eine zentrale Sammelstelle zu schicken. Okay, der Vergleich hinkt wegen der Laufzeiten, aber ich frage mich schon, warum trotz aller Debatten ueber Energieeinsparungen immer wieder neue Technologien erfunden werden, die unnoetig mehr Resourcen verbrauchen.
Uebrigens habe ich selbst Software auf der Arbeit, die wegen eines Kopierschutz-Dongles im Zentralserver nur bei funktionierendem Netzwerk laeuft. Da unser Netzwerk oefters ausfaellt, ist sichergestellt, dass ich dann ueberhaupt nicht mehr arbeiten kann.
An diesem Beispiel sieht man das Risiko, in das man sich begibt, wenn man durch einen Technikausfall mal kein Internet hat. Dann lobe ich mir, meine Programme und Daten auf der lokalen Festplatte vorzufinden und weiterarbeiten zu koennen.
Inglaterra am 19.11.09 16:22
@Inglaterra bzgl. Resourcen:
Das Problem ist ja, dass das Leistungspotiential von Myriaden Home- und Office-PCs durch die üblichen Anwendungen nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft wird. Warum also die Anwendung nicht auf einem ohnehin mächtigen Server laufen lassen und dadurch das Terminal auf das Nötigste zu schrumpfen (Tastatur, Maus, Bildschirm; man bräuchte nichteinmal eine Festplatte)?
Insgesamt wäre das sicherlich sparsamer und käme darüberhinaus der Mobilität durch Verfügbarkeit der Daten und Verkleinerung der Endgeräte zugute.
In grauer Vorzeit (also bis vor etwa 15 Jahren), als Hardware noch enorm teuer war, war diese Struktur in grossen Unternehmen bzw. an Universitäten die Regel.
- Wenn wenigstens jeder seinem Arbeitsplatz-PC die Möglichkeit geben würde, die ungenutzte Kapazität (bei der Textverarbeitung "verbrennt" 97% der Leistung im Warten auf den nächsten Anschlag) verteilten Projekten wie SETI zur Verfügung zu stellen, wären viele Grossrechner überflüssig.
Gruß, Jan am 19.11.09 17:15
Eine Art virtueller PC, nur ausgelagert. Verschiedene Betriebssysteme nur noch von einem PC mit den minimal erforderlichen Komponenten der Hardware angesteuert. Klingt einfach, ist es aber nicht. Dazu braucht es ein ein DSL Netz über welches wir nicht verfügen und in Zukunft so schnell auch nicht werden. Superschneller Datenverkehr wäre nötig um recurcenintensive Anwendungen nutzen zu können. Da bliebe nur der Datenverkehr über Satelit aber der ist auch beschränkt und noch ganz wenig ausgebaut. Also meiner Meinung nach machbar aber nicht so stark wie angekündigt.
MG am 19.11.09 20:55
Hallo Jan,
danke fuer Deine Stellungnahme - aber ist nicht gerade die guenstige Verfuegbarkeit von Hardware (Speicher und Rechenleistung) heutzutage ein Argument fuer dezentrales Arbeiten ? Klar, frueher hatte man einen Mainframe umgeben von Terminals, aehnlich wie das beim Cloudcomputing ja wieder sein soll. Aber es belastet das Internet meines Erachtens unnoetig. Das beschriebene "Seti at home" geht ja genau den umgekehrten Weg - Rechenleistung zu dezentralisieren. Wobei sich hier die Belastung des Internets noch in Grenzen haelt wegen der Kompression der Datenpakete.
Dennoch - heute abend halte ich einen Powerpoint-Vortrag mit vielen Bildern. Trotz Kompression auf 96 dpi noch ueber 7 MB gross (vor Kompression 25 MB!). Mein nicht ganz neuer Rechner hatte gestern abend schon zu knechten, aber wenn ich mir vorstelle, alle diese Bilder erst unkomprimiert uebers Internet schicken zu muessen, um es auf einem dezentralen Rechner ins Powerpointfile einzusetzen und dort zu komprimieren ? Dann waere ich wahrscheinlich nicht fuer heute Abend fertig, da immer noch am Daten hochladen.
Gerade der Umstand, dass wir so viel faehige Hardware im Computer haben, laesst mich am sittlichen Naehrwert des Cloudcomputings zweifeln. Warum also nicht das vorhandene Potential im Rechner nutzen, als dem Internet mehr und mehr Datenverkehr aufzubuerden ?
Mal ganz abgesehen von Punkten der Datenkontrolle und dem Umstand, dass man sich von einem funktionierenden Netzwerk abhaengig macht ...
Inglaterra am 20.11.09 12:57
@Inglaterra:
Dein Argument war ja, dass das Internet soviel Energie kostet. Nun, es besteht und wird bestehen bleiben, also sollte man mit dem Sparen bei den Terminals beginnen.
Für die allermeisten Anwendungen - gerade im Office-Bereich - wäre das sicherlich möglich (auch bzgl. Bandbreite, @MG). Das Einsparpotential wäre beträchtlich!
Andere Anwendungen (Bildbearbeitung, Präsentationen, Spiele) erfordern natürlich eine höhere Leistung, die lokal bereitgestellt werden muss, da der "Flaschenhals" Internet sie nicht transportieren kann.
Die Energieverwaltung moderner PCs leistet ja bereits einen Beitrag zum Sparen, aber dennoch "verpufft" immernoch viel zu viel Potential.
Und das ist ja der Ansatz: Rechenleistung, die ich nicht benötige, sollte ich entweder abschalten und damit (in der Summe Aller) immense Energiemengen einsparen, oder der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, damit dort gespart werden kann. Und wenn ich die Leistung lokal brauche, schalte ich sie halt wieder zu bzw. hole sie zurück.
Natürlich geht das nicht in allen Bereichen, das ist schon klar.
Und - das habt Ihr ja auch schon betont - diese Überlegungen sind natürlich rein technischer Natur, der Aspekt Sicherheit muss natürlich auch berücksichtigt werden.
Am Ende wird es sich nicht in "Schwarz und Weiss" auflösen lassen, d. h. wir müssen uns gar nicht überlegen, ob der PC von morgen ein Wassertropfen in der Wolke oder ein Wasserfall im Wohnzimmer ist. Irgendwo dazwischen eben, je nach Bedarf.
Gruß, Jan am 20.11.09 17:36
Wie kann man nur so blöd sein und seine Daten im Netz speichern?
Big Brother is watching you...!!!
John B. Gehlen am 21.11.09 12:57
Hallo Jan,
danke fuer Deine Stellungnahme ... die Entscheidung, ob eine Anwendung netz- oder lokalbasiert ist, wird dann wohl rein anwendungsimmanent sein - Vertrauliches und Speicherintensives lokal, andere Dinge global. Lassen wir uns mal ueberraschen ... ;*)
Inglaterra am 23.11.09 13:50
Naja,
"anwendungsimmanent" klingt etwas "vorher-(aussen-)bestimmt", und Hr. Gehlen moniert das ja auch vollkommen zu Recht.
- Ich bin genau auf Deiner Linie: Als Nutzer entscheide ich, wieviel an Leistung rsp. Vertraulichkeit ich wohin auslagern möchte.
In ein lokales und hoch-verfügares Netz sicherlich mehr, in ein anonymes und träges öffentliches Netz gewiss weniger...
[Hier habe ich mir wohl jetzt selbst am Meisten geantwortet, sorry!]
Gruß, Jan am 23.11.09 19:52
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