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Computer
Jörg Schieb
Internet-Sperre wird wenig bringen
Die Regierung ist fest entschlossen, etwas gegen Kinderpornografie zu unternehmen. Das Vorhaben an sich kann nur jeder begrüßen, denn es ist furchtbar, was Kindern angetan wird und was im Internet kursiert (allerdings nicht nur hier). Der Plan, Internetseiten sperren zu lassen, die Kinderpornografie enthalten oder verteilen, scheint auf der Hand zu liegen und äußerst sinnvoll zu sein.
Zumindest aus Laiensicht ist das so - und Politiker sind technische Laien.
In Wahrheit bringt es aber eher wenig. Das Sperren von Internetadressen kann das Problem bestenfalls etwas eindämmen, aber keineswegs beseitigen. Denn zum einen werden niemals alle Server bekannt sein, die pornografisches Material enthalten. Das wird ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel, das hohen Personalaufwand verursacht. Zum anderen lassen sich Sperren jeder Art locker umgehen, zumindest in einer freien Gesellschaft.
Ein Teil der Konsumenten von Kinderpornos lässt sich so vielleicht von seinem Vorhaben abbringen, ich fürchte aber, auf Dauer nur sehr wenige. Denn natürlich wird sich schnell rumsprechen, wie man über Umwege dann doch auf die Kinderpornoseiten kommt. Über Proxy-Server im Ausland zum Beispiel. Und dann hinterlassen die Konsumenten nicht mal mehr Spuren im Inland und sind dann sogar schwieriger von den Strafverfolgungsbehörden zu verfolgen als heute.
Darüber hinaus gibt es ein weiteres Problem: Webseiten sperren zu lassen ist in einem Land wie China, das aufgrund von Internet-Zensur weltweit und dauerhaft in der Kritik steht, ziemlich einfach. Denn in China ist das Internet zentral organisiert. Es gibt keine üppige Auswahl an Providern, der Datenverkehr ist strikt kontrolliert. Das ist in einer freien Gesellschaft anders. Das muss sogar anders sein. Das bedeutet aber gleichzeitig: Es ist nahezu unmöglich, alle Provider stets auf demselben Stand zu halten.
Und selbst wenn das gelänge, gibt es ein weiteres Problem, und darauf kommen viele IT-Experten vollkommen zu Recht zu sprechen: Sind einmal die technischen Vorkehrungen für Kontrolle und Reglementierung vorhanden, entstehen schnell weitere Begehrlichkeiten. Dann wird die Musikindustrie verlangen, dass Webseiten im Ausland gesperrt werden. Dann die Filmindustrie. Dann die Regierung. Dann die Parteien. Irgendwann ein Bürgermeister, ein Promi, ein Fußballspieler. Das wird eine Erosion auslösen - und das eigentlich so freie Internet ist dann überhaupt nicht mehr frei.
Die Erfahrung lehrt, dass es so kommen wird. Man erinnere sich nur daran, dass etwa die Stationen zur Überwachung der Autobahnmaut auch schon zur Fahndung zweckentfremdet
werden
sollten.
Ich frage mich, wieso man nicht einfach die Konsumenten viel stärker verfolgt und ihre Straftaten streng ahndet? Wenn jeder, der solche "Angebote" nutzt, damit rechnen muss aufzufliegen, dürfte der Online-Konsum von Kinderpornos zurückgehen. So ist ist das bloße Betrachten am PC
derzeit straffrei, solange die Bilder nicht auf der Festplatte gespeichert werden. Wer als Gesetzgeber Sperren verfügen kann, der könnte die Provider theoretisch auch verpflichten, jeden anzuzeigen, der Angebote auf der Sperrliste nutzt. Klar, das würde einen hohen Personalaufwand bedeuten - aber hätte eine viel höhere Wirkung.
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Die Existenz von Sperrlisten bedeutet dass die Anbieter bekannt sind,oder zumindest sehr schnell ermittelt werden können. Wie aus inzwischen veröffentlichten Sperrlisten im Ausland hervorgeht befinden sich praktisch alle gesperrten Server in westlichen Ländern.Ich befürchte dies ist der Versuch eine funktionsfähige Zensurinfrastruktur aufzubauen,sonst würde man schliesslich direkt gegen die Anbieter von KiPo vorgehen.Das scheint aber nicht wirklich beabsichtigt zu sein.
Der Baumann am 26.03.09 11:40
es ist schon mehr als traurig was nicht unternommen wird,aber im grundgesetz steht.sicherlich will niemand einen zustand wie in china,aber passieren muss schnell etwas!
staatshilfen für fehler seitens der angeblichen super bankmanager sind kein thema,aber kinder zu schützen...
ich glaube,nur wenn alle länder gesetzte und auflagen entwickeln,haben die schwächsten in der gesellschaft nämlich die kinder eine reale chance.
Matthias Bröer Holzwickede am 26.03.09 22:31
Joerg hat da vollkommen recht. Nicht eine technisch zu unterlaufende Zensur, sondern wirklich strenge Bestrafung der Konsumenten wäre endlich mal angesagt. Gerade in den letzten Monaten wurde mehrfach in Presse und Rundfunk über Erfolge bei der Verfolgung von Kinderpornographie-Ringen berichtet. Hunderte, tausende von Nutzern allein in Deutschland. Beschlagnahme von tausenden Rechnern, bundesweite Hausdurchsuchungen in ungezählten Fällen. Und? Wo bleibt jetzt die Meldung, daß die Bundesregierung den Bau eines neuen Gefängnisses für die vielen 'Extra'-Straftäter erwägt? Nein. Da sind ja ehrenwerte Lehrer, Richter, Banker und wer weiss wer sonst noch... das gibt dann schlimmstenfalls 'nen erhobenen Zeigefinger, sprich 'ne Bewährungsstrafe- wenn überhaupt. Und wenn ich an den Personalaufwand bei einer wirklich ernstgemeinten Bekämpfung dieser Auswüchse denke, wird der eigentlich nicht den IT-Bereich, sondern wohl eher Gerichte und Strafvollzug betreffen. Somit nix für ungut, aber zu Zeit halt' ich das alles für 'ne Farce.
M.Schlücker, Arnstadt
Michael Schlücker am 27.03.09 9:40
Lieber Herr Schieb ich weiß das Sie uns nur auf dem laufenden halten und das weiß ich sehr zu schätzen. Das eigentliche Problem sehe ich aber woanders. Wenn es keine Konsumenten gäbe- bei mir sind das einfach perverse Dreckschweine, entschuldigung für solche Ausdrücke aber es sind solche, dann gäbe es auch keine oder wenigstens weniger Kinderpornographie. Also keine technische sondern eine moralische Frage. In mancher Augen ist das natürlich nur Geschwätz aber meine Meinung die ich vertrete. Hart aber ehrlich..
MG am 28.03.09 19:47
Ich werde das Gefühl nicht los, das es garnicht um KIPO geht, sondern um Zensur. Erst waren es Terroristen, dann Straftäter und jetzt KIPO.
Wenn irgendjemand meint, mit diesen Sperren erreicht man das weniger Kinder missbraucht werden, ist er verdammt schief gewickelt. Aber wenn das Gesetz erstmal abgenickt ist, haben es die Politiker sehr viel einfacher unbeliebsamere Meinungen zu unterdrücken. Eine europaweite, global zusammenarbeitende Eingreiftruppe, die nicht korrumpiert ist, wäre wesentlich wirkungsvoller. Aber das kostet Geld und hier ist ein billiges Mittel um sich vor der Wahl auf die Schulter klopfen (zu lassen). Den Kindern nutzt das leider garnichts.
Was sagte mal einer: Sie sollten nicht das Internet bestrafen, sondern die Täter.
In diesem Sinne...
Jürgen Böhm am 30.03.09 18:13
jörg schrieb: "Ich werde das Gefühl nicht los, das es garnicht um KIPO geht, sondern um Zensur. Erst waren es Terroristen, dann Straftäter und jetzt KIPO." ...
Bingo, und vergiss bitte nicht die krasse Mediankampange gegen Waffenbesitz. Das ist das nächste Recht was uns genommen werden wird.
naish am 18.04.09 18:27
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