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Jörg Schieb
Google Chrome: Schlank und schnell
Schnell. Blitzschnell. Google Chrome. So in etwa kann man es auf den Punkt bringen, was Googles neuen Browser ausmacht. Er ist einfach schnell... Die Webseiten poppen derart flott auf dem Bildschirm auf, dass man seinen Augen kaum traut.
Der Startschuss für den
Download ist gefallen. Seit Dienstagabend, 21.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, kann die Betaversion von Google Chrome kostenlos geladen werden. Wo andere Anbieter unter dem Ansturm leiden und die Server zusammenbrechen, hat bei Google alles funktioniet, als wäre es gar nichts. Die nur rund 500 KB große Installationsdatei ist blitzschnell geladen, die Installation in Sekunden erledigt. Man muss sich nicht registrieren. Es läuft einfach.
Beim ersten Start fragt Google Chrome artig, ob man die Lesezeichen aus einem anderen Browser übernehmen möchte. Wollte ich. Dann kann ich noch festlegen, ob Google als Suchmaschine voreingestellt sein soll oder ein anderer Suchdienst. Vorbildlich. Und dann kann es auch gleich losgehen.
Google Chrome ist extrem schlank und aufgeräumt. Viele Gimmicks gibt es nicht, aber viele sinnvolle Funktionen. So komfortabel hat man selten nachgeschaut, welche Webseiten man kürzlich angesteuert hat. Es gibt eine klasse Historie. Und wer etwas sucht, muss kein Suchfeld befüllen, sondern gibt den Suchbegriff einfach in die Adresszeile ein, Google Chrome kümmert sich um den Rest.
Wer sich Videos auf Youtube anschaut, hat den Eindruck, als gäbe es keine Wartezeiten mehr. Die Videos starten blitzschnell. Zwischen den Filmchen zu wechseln, ist fast so, als ob man den Knopf auf der Fernbedienung des Fernsehers drückt. Beachtlich.
Etwas gewöhnungsbedürftig, da auch minimalistisch, ist die Lesezeichen-Verwaltung. Die gibt es kaum. Man kann zwar Lesezeichen anlegen, durch einen Klick auf den gelben Stern, doch die Lesezeichen landen dann alle in der Lesezeichen-Liste, die man kaum organisieren kann. Das können andere Browser besser. Allerdings hat Google Chrome auch ein anderes Konzept: Da die Suchfunktion im Browser auch in Lesezeichen und bereits angesteuerten Seiten sucht, meinen die Entwickler, dass man eine ausgefeilte Lesezeichen-Funktion nicht braucht - was theoretisch stimmt, aber eben eine Umgewöhnung darstellt.
Google Chrome will also die Art und Weise verändern, wie wir surfen. Das könnte durchaus gelingen. Der Browser soll zur Zentrale für alles werden, quasi zum Betriebssystem-Ersatz, da sich früher oder später alle Funktionen, alle Programme über den Browser starten und bedienen lassen - bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg.
Microsoft wird sich nicht besonders freuen, denn nun geht es nicht mehr nur Word, Excel und Co. an den Kragen (Google bietet mit der kostenlosen Online-Anwendung "Google Text und Tabellen" ja eine kostenlose Alternative dazu an), auch Windows oder das Betriebssystem an sich verliert an Bedeutung, zumindest als Benutzeroberfläche. Man darf gespannt sein, wie sich das entwickelt.
Nachtrag: Mittlerweile werden die Funktionen und Eigenheiten von Google Chrome von Experten überall auf der Welt näher unter die Lupe genommen. So wurden bereits erste Sicherheitslecks entdeckt, was in einer Beta aber nicht weiter ungewöhnlich ist (und weshalb Betas ganz allgemein nicht in sicherheitsrelevanten Bereichen eingesetzt werden sollten).
Noch ist nicht wirklich klar, welche Daten bei der Verwendung von Google Chrome erhoben, gesammelt und möglicherweise auch an Google übermittelt werden, ob und welche Profile dadurch erstellt werden können. Es ist äußerst gesund, dass all das nun untersucht wird - und sich Google kritischen Fragen stellen muss. Denn so wird auf der einen Seite deutlich, was den "Usern" wichtig ist, auf der anderen Seite wird klar, welchen Zweck Google verfolgt.
Da Google Chrome aber ein
OpenSource-Projekt ist, kann sich jeder den Code anschauen. Eigentlich dürfte da nichts verborgen bleiben. So gesehen spielt Google mit offenen Karten. ;-)
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Schön und gut, dass google nun einen optimalen Browser für webbasierte Applikationen hat, aber ich vertraue da lieber weiter meinem Firefox und/oder Opera. Vielfalt hat noch nie geschadet. Auch wenn es einen (verschmerzbaren) Geschwindigkeitsnachteil gibt. Es reicht ja schon, dass man in puncto Suchmaschine an google (fast) nicht mehr vorbeikommt. Ich möchte nicht komplett von google oder wem auch immer abhängig sein...
Alexander am 3.09.08 13:43
Es wäre außerem nicht schlecht wenn hier auf die schon entdeckten Sicherheitslücken in diesem Browser hingewiesen würde. Diese Software ist BETA, also ist vorsicht geboten.
Peter Potthoff am 3.09.08 14:07
Ich habe es ausprobiert und nach ein paar Minuten wieder weggeworfen. Wenn man Firefox gewohnt ist, fehlen doch so nützliche Anwendungen wie Adblock und Noscript, ohne die das Surfen ja wirklich mühsam ist.
Auch Cookies kann man entweder blockieren oder zulassen, aber keine Einzelnachfragen einstellen. Der Updater will ungefähr alle 5 Minuten wieder eine Verbindung herstellen - und das tut er immer noch, obwohl ich das Programm schon wieder deinstalliert habe. Andere Intervalle einstellen oder gar ganz ausschalten geht natürlich nicht.
Ganz besonders hat mich geärgert, dass das Scrollrad der Maus nur in eine Richtung funktioniert (und das funktiert bei allen anderen Anwendungen, die ich so habe). Aber vielleicht gehört das alles ja noch zu den Kinderkrankheiten.
Martin am 3.09.08 14:28
Hoffentlich werden auch bald die fehlenden plug-ins, wie sie beispielsweise für Webseiten mit Java benötigt werden, angeboten. Sonst funktionieren Webseiten wie beispielsweise Stadtpanoramen nicht richtig.
Helmut Kölbach am 3.09.08 14:31
Wer sich bezüglich Monopolstellung von MS oder anderen Firmen Gedanken macht, sollte auch hier vorsichtig sein. Die vertikale Integration wird immer straffer. Hier schafft sich Google einen verlängerten Arm Richtung Anwenderplatform, u.a. natürlich auch um seine Webanwendungen (siehe Artikel) bestmöglich an den Mann/die Frau zu bringen. Wen würde es wundern wenn die Webanwendungen von Konkurrenten auf diesem Browser nicht gut laufen..... und haben wir das nicht schonmal wo gehört ... ? Mich jedenfalls gruselts immer wenn eine Firma sich so breit macht dass man auf der ganzen Informationsstrecke nurnoch über einen "Interessen-Vermittler" geht. Zu viel vermittelt, zu wenig Transparenz.
Rene A. am 3.09.08 16:44
Leider kein Wort über die massiven Datenschutzbedenken, wie etwa bei Heise berichtet und auch kein Wort über das Abkupfern vieler Funktionen bei anderen Browsern (Opera).
Kruse am 3.09.08 16:46
hat denn auch mal einer über den Datenschutz recherchiert? Laut Artikel nicht. Da waren doch gerade bei Google so nette Sachen wie z.B. die Kamerawagen vor jedem Haus und die "individuelle" Werbung... (soweit zum Thema objektive Berichterstattung des Autors)
Kritisch am 3.09.08 17:14
Nun, eigentlich ganz nett, doch der Browser besteht nicht den acid2 test, der mir als webentwickler so am herzen liegt (im gegensatz zu ff3, opera und safari)...
Ich bevorzuge weiterhin Firefox und Opera (auch eine sehr sehr gute Wahl).
Alex am 3.09.08 17:20
Hallo..
ich vermisse schmerzlich die Hinweise auf die anderen Besonderheiten.
Wäre es nicht passend auch auf die Datenschutz-Faktoren einzugehen, anstelle einfach nur Chrome vom grünen Klee zu loben?
Ich habe mich bereits auf Chrome gefreut, da ich die Webkit-Engine bereits am Mac schätze... jedoch habe ich von der Installtion abgesehen, nachdem ich davon hörte, wie Chrome "per default" konfiguriert ist.
Um die neuen Vorschlag-Features nutzen zu können, muss ein ständiger Datenaustausch mit Google stattfinden. Heisst: Jede Eingabe in der Adressleiste, wirklich jede, wird zu den Google-Servern geschickt.
Sogar Profile vom Tipp-Verhalten lassen sich so erstellen (und dann sicher auch für PSYLOCK etc nutzen) - und all das in üblicher Google-Manier. Niemand weiss wirklich, welche Daten gespeichert werden und wie diese (auch zukünftig) genutzt werden (können).
Und: Jede Installation hat eine eindeutige ID. So ist das Surfverhalten auch ohne eingeloggten Google-Account technisch überwach- und analysierbar.
Für mich Aspekte, die in der aktuellen Chrome-Diskussion nicht unwichtig sind. Ganz im Gegenteil.
Stephan am 3.09.08 17:31
Naa, Herr Schieb, haben Sie denn auch die Geschäftsbedingungen gelesen?
Der Inquirer schreibt, dass Sie, wenn Sie den Browser mit eigenem urheberrechtlich geschütztem Inhalt verwenden Google das Recht zugestehen diesem Inhalte zu verwenden um das eigene (Googles) Angebot zu bewerben. Sie bekommen selbstatändlich nicht dafür, und können der Verwendung ihrer geschützten Werke auch nicht widersprechen ... und das ist nur einer der Haken.
Nachtigall am 3.09.08 17:45
Ja toll, google bietet ein kostenloses officepacket an! openoffice gibt es auch schon lange, aber es konnte sich bisher noch nicht wirklich durchsetzen und zwar weil heutzutage (zumindestens in der Wissenschaft) meist mehrere Leute an einem Dokument arbeiten...und wirkliche Komptibilität zwischen verschiedenen office-Anwendungen habe ich noch nicht erlebt...mal sehen, was das wird..
P.S. hab ich in nem anderen Comment zu google gelesen...wer will seine Dokumente auf einem Server sonstwo speichern???
Jens W am 3.09.08 17:52
Google Chrome ist eine mittlere Katastrophe für die Privatsphäre. Der Browser telefoniert munter nach Hause, legt eine persönliche ID an ohne den Benutzer darauf hinzuweisen, installiert einen selbststartenden Updater ohne Hinweis oder Umgehungsmöglichkeit, und dergleichen mehr. Wenn Google früher "nur" durch die GUID in der Suchmaschine und Cookies für ihre sonstigen Webdienste wie iGoogle oder AdSense über die Surfgewohnheiten der Menschen Auskunft erhielt, so haben sie mit Chrome die Mittel, wirklich alles über jeden zu erfahren. Das ist höchst fragwürdig. Auch ein Blick in die Nutzungsbedingungen ist ratsam, denn dort stehen einige wirklich lustige Passagen, laut denen Chrome-Nutzer Google praktisch ein unbegrentzes Nutzungsrecht für sämtliche mittels Chrome geposteten Inhalte übereignet. Rein technisch gesehen ist Chrome keineswegs die Quadratur des Kreises, "schnell" oder "einfach" sind andere Browser auch wenn man sie korrekt bedient, und was stellenweise als Innovation missverstanden wird, ist in anderen Browsern seit Jahren Standard (Chrome hat sich z.B. sehr viel von Opera abgeschaut). Fazit: hanebüchener Unfug, Finger weg.
gastwerk am 3.09.08 17:52
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