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Computer
Jörg Schieb
18.12.07
Was macht man in sozialen Netzwerken wie StudiVZ oder SchuelerVZ normalerweise? Richtig: Man eröffnet ein Konto, schreibt jede Menge intime Details über sich auf (damit andere sie lesen können), veröffentlicht ein paar Fotos und schmiedet Kontakte und Freundschaften mit Gleichgesinnten.
Das Prinzip ist eigentlich denkbar einfach. Und wohl nicht zuletzt deshalb ist StudiVZ ein riesiger Erfolg. Die Mehrheit der deutschen Studenten hat hier ein Konto - und ein Profil. Mitglied zu sein ist fast Pflicht.
Doch nun will StudiVZ auch mal Geld verdienen. Bislang hat das nicht im Vordergrund gestanden. Die Mitgliedschaft bei StudiVZ ist völlig kostenlos. Die Betreiber haben deshalb angekündigt, den Besuchern personalisierte Werbung zu präsentieren. Aufgrund der vielen Daten, die in StudiVZ hinterlegt sind, dürfte das nicht mal schwer fallen. StudiVZ hat deshalb die AGBs entsprechend angepasst, um einen Persilschein für die personalisierte Werbung zu bekommen.
Doch in diesem Punkt verstehen viele Studenten keinen Spaß. In Heerscharen kehren sie dem sozialen Netzwerk derzeit den Rücken. Sie entfernen persönliche Daten und Fotos aus dem Netzwerk - oder veröffentlichen Protestnoten oder virtuelle Protestplakate im Netzwerk. Die Betreiber werden angefeindet.
In der Sache ist der Protest verständlich. StudiVZ hat sich auch schon eine Rüge von Datenschützern deswegen eingefangen. In Ton und Stil ist der Protest meiner Meinung nach aber mitunter übertrieben. Von "Stasi 2.0" ist die Rede, vom "Ausschnüffeln" der Mitglieder. Doch dieser Vergleich hinkt schon deswegen, weil die Stasi die Menschen unbemerkt und mit unmenschlichen Methoden ausspioniert hat, während die für die Zukunft geplante, personalisierte Werbung bei StudiVZ angekündigt wurde. Außerdem ist eine Mitgliedschaft bei StudiVZ freiwillig.
Über die Pläne mit der personalisierten Werbung kann man sich ärgern und auch vortrefflich streiten, das gilt auch über die Art und Weise, wie das alles kommuniziert wurde. Allerdings sollte man bei seiner Argumentation nie das Maß aus den Augen verlieren.
Man solle nie das "Maß aus den Augen verlieren" stimmt zwar. Dennoch wird es in einer Zeit, in welcher die Menschen freiwillig wie die Lemminge mittels Payback und Co ohne weiteres die intimsten Details über Ihr (Konsum-)Verhalten preisgeben auch erforderlich deutlich auf die Gefahren hinzuweisen, da sind populistische und provozierende Überspitzungen im Sinne von "stasiVz" und Co. doch unter satirischem Gesichtspunkt durchaus in Ordnung. Zumal diese Community nicht zuletzt aufgrund der (naiv?) freundlich gestalteten "alten AGBs" auch diesen Wert erzielen konnte. Wäre schon von Anfang an eine weitgehende Datenauswertungsfreiheit gegeben so hätte ich bspw. kein Konto eröffnet, da ich im Gegensatz zu der breiten Öffentlichkeit doch sehr genau darauf achte was ich wem anvertraue. Das studiVz hatte folglich einen imensen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Plattformen indem es weitgehend datenschutzrechtlich freundliche AGBs hatte. Sich mit diesen AGBs eine breite Masse an Nutzern zu holen um dann die Datenkrake auszupacken halte ich für unmoralisch. Natürlich muss das studiVz verdienen, das ist klar. Aber dann sollte doch bitte darauf geachtet werden, dass die AGBs so formuliert werden dass sie nicht wirken wie ein Persilschein zur Datenweitergabe auch an Dritte um "werben zu lassen" etc.. Auch heute ist das studiVz schon durchaus proppenvoll mit Werbung. Jetzt noch auf die, unter dem Schein des Datenschutzes erworbenen, Nutzerdaten in Form einer AGB Änderung zurückzugreifen halte ich für unanständig. Ich glaube auch dass die Betreiber evtl. einen Fehler in der Kommunikation mit den Nutzern gemacht haben. Wäre das innerhalb der Community diskutiert worde wäre man sicher zu einvernehmlichen Einigungen gekommen.
Dass aber die Studenten in der Masse der privatwirtschaftlichen Datensammelwut und Datenauswertungspsychose kritisch gegenüberstehen hat mich doch sehr positiv überrascht, den Zeiten in denen in Deutschland hundertausende auf die Straße gehen für den Datenschutz (Volkszählung) sind ja leider vorbei, der Deutsche hilft im allgemeinen gerne und unwissen mit den gläsernen Verbraucher Realität werden zu lassen.
Liebe Grüße,
Torben R.
Torben R. am 19.12.07 14:18
Was heisst hier Augenmaß? Haben etwa die Gründer Augenmaß besessen, als sie mit einer faschistoid aufgemachten Website zu einer Party einluden? Oder als einer von ihnen aus einer Gruppe heraus weibliche Mitglieder mit zotigen Sprüchen stalkermässig belästigte? Oder als sie erhebliche Sicherheitslücken mehrfach klein zu reden versuchten, ohne sie zu schliessen? Oder als man sie bis heute permanent auf rechtswidrige Inhalte in vielen Gruppen hinwies, aber dies von ihnen ignoriert wurde?
Dass die Daten von vielen von Usern gelöschten Accounts bis heute noch bei StudiVZ "lagern", lässt sich daran erkennen, dass an diese Accounts auch heute noch Mails versendet werden (mein Ex-Account gehört z.B. auch dazu). So viel zum Thema Datenschutz. Bei soviel Ignoranz seitens der Betreiber muss man als User halt so langsam mal deutlicher werden.
vaikl am 19.12.07 19:08
Drastische Maßnahmen provozieren drastische Reaktionen: wenn mir jemand ankündigt, mich per SMS und Instant Messenger mit unerwünschter Werbung zu belästigen und meine persönlichen Daten weiterzugeben, dann bin auch ich ungehalten und werde meine Privatsphäre mit deutlichen Worten (und Taten) verteidigen.
Wenn StudiVZ kein Geld verdienen würde, dann wäre die Community schon lange vom Netz. Hier geht es also darum, die Gewinne auf Kosten der User zu steigern: die Macher und Investoren sind einfach nur gierig und wollen mehr Geld verdienen. Der Protest der Studenten ist absolut berechtigt. Er war ja auch erfolgreich.
Die Methoden der Stasi vor über 15 Jahren sind im Übrigen auch nicht unmenschlicher als die "erlaubten" Foltermethoden der CIA in heutiger Zeit.
Webmaster am 21.12.07 13:17
Ein Sturm im Wasserglas - mehr nicht!
Der Groll über personalisierte Werbung ist mir völlig unverständlich, wurden die StudiVZ- User doch seit geraumer Zeit ohnehin als Manövriermasse für einen gewinnträchtigen Verkauf und als Zielgruppe für alle möglichen Konsumprodukte gesehen. Und viele machten brav mit. Soviel moderne 2.0'er konnten ja nicht irren!
Dabei macht StudiVZ nichts anderes als andere Anbieter auch: Die Nachfrage nach einem Produkt wecken, dass man UNBEDINGT haben muss. Und wenn die Nachfrage dann kein Halten mehr kennt, wird der Spaß ganz plötzlich gebührenpflichtig.
Das alles ist nicht schön, aber meines Wissens zeichnen sich weder der durchschnittliche VZ- User noch die Betreiber des VZ durch eine überdurchschnittlich gemeinnützige Gesinnung aus!
Das StudiVZ war soviel wert, dass es die Leute umsonst haben wollten. WAS für ein Produkt!
Und was für kluge Menschen, für die eine Welt zusammenbricht, wenn eine Sache Geld kostet, die sie selbst (ganz uneigennützig) auch für Geld anbieten würden, WENN sie denn könnten!
Aber die Welt ist eben immer nur dann gemein, wenn ANDERE den Reibach machen. Akademische Bildung schützt vor derlei Torheit wohl nicht!!!
Ilias Schulze am 26.12.07 15:28
@Torben: Diesen naiv-kindlichen Aufschrei nennst du satirische Überspitzung?
Kurt Tucholski würde sich im Grabe umdrehen!
Irgendwo kam mal ein Beitrag zum Thema "Moderne Werbung". Da wurde festgestellt,
dass klassische Werbung (Einfach ein Bild auf einer Internetseite) inzwischen von
fast allen Nutzern routiniert geblockt oder überhaupt nicht gelesen wird und daher so effektiv ist wie ein Sieb ohne Löcher.
Ist doch klar, dass man sich da als Betreiber einer großen Social Community Gedanken
machen muss, wie man der Serverlast Herr wird. Man geht hier nur den Schritt, den
Amazon und diverse andere große Portale auch schon gegangen sind.
Ich hab damit überhaupt kein Problem. Sollen se mich doch bitteschön zukleistern mit
Werbung zu Themen, die mich auch wirklich interessieren. Dann muss ich mir endlich
nicht mehr Gedanken machen, ob ich den Kaffeekocher, das Bügeleisen oder das
Gartenzwerg-Komplettset mit effektivem Wetterschutzlack wirklich haben will.
Und das war jetzt wirklich satirisch überspitzt ;)
jan *ichwillmeinennamennichtnennenausangstvorwerbung* am 11.01.08 3:43
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