WDR.de
Computer
Jörg Schieb
29.11.07
Wer Kinder hat, weiß, wie gerne die surfen und online gehen. Doch im Internet lauern jede Menge Webseiten, die nicht für Kinder und Jugendliche gedacht sind. Eltern wünschen sich deshalb eine Art Zauberschalter, der auf dem PC-Monitor nur noch Webseiten präsentiert, die für Kinder unbedenklich sind. Ein Traum für Eltern - und ein Alptraum für Jugendliche.
Genau das will
fragfinn.de sein: Eine Startrampe ins Web für Kinder bis 12 Jahre. Wer gleich nach dem Einschalten dieses Portal ansteuert, bekommt garantiert nur kindertaugliche Inhalte und Seiten gezeigt. Immerhin: Die Kinder können auch andere Webangebote aufrufen. Aber nur solche, die auf einer ständig erweiterten "Whitelist" stehen, einer Positivliste mit empfehlenswerten Angeboten. Das Ziel ist klar: Die Kinder sollen auch ohne Aufsicht online gehen können, ohne dass Eltern die Sorge haben müssen, dass sie in zweifelhaften Chatbereichen oder auf anzüglichen Webseiten landen.
So weit, so verständlich. Allerdings frage ich mich schon, wieso es die "Toolbar", die man kostenlos herunterladen kann, und die dafür sorgen soll, dass die Kinder nur erlaubte Webseiten ansteuern, wieso es diese Werkzeugleiste nur für den Internet Explorer gibt!? Empfehlen Experten - auch in den Behörden - nicht immer wieder, man solle es auch mal mit anderen Browsern versuchen? Das ist schon eine schlappe Leistung. Vor allem, wenn man bedenkt, wer alles im Konsortium sitzt, um dieses durchaus begrüßenswerte, kostenlose und werbefreie Angebot auf die Beine zu stellen.
Gut, dann sollen die Eltern eben die ebenfalls kostenlose Schutz-Software laden, die diesen Filter quasi auf Betriebssystemebene anbietet. Aber welche Überraschung: Die Software wiederum gibt es nur für Windows-Rechner. Dabei sind immer mehr Menschen mit Apple-Macs unterwegs. Und manche sollen ja auch Linux einsetzen.
Auch frage ich mich, wieso ausgerechnet am ersten Tag, also am Geburtstag des neuen Portals, der "Surftipp des Tages" ausgerechnet auf die "Kuppelkucker" verweist. Eine Webseite, die vom Deutschen Bundestag verantwortet wird. Das macht klar: Hier sollte der Kanzlerin geschmeichelt werden, die das Projekt heute offiziell eröffnet hat. An die Kinder hat niemand gedacht, denn die wollen bestimmt nicht auf der ersten Surftour den Deutschen Bundestag besuchen. Aber so ist das häufig, wenn sich Experten und Bürokraten an einen Tisch setzen und überlegen, was Kindern wohl gefallen könnte. Sie schaffen es nicht, sich mal zurückzunehmen und ihre Interessen hintenan zu stellen. Schade.
Ich will fragfinn.de aber nicht schlecht reden. Das ist ein gutes, sinnvolles Angebot. Aber für meinen Geschmack wird ein bisschen zu viel Wind um das Angebot gemacht. Da müssen sich die Betreiber dann auch an den erhöhten Anforderungen messen lassen. Es gibt längst gut gemachte Webseiten, teilweise aus privater Initiative betrieben, die schon seit Jahren ganz ähnliche Ziele verfolgen - im Interesse der Kinder.
seitenstark.de und
blinde-kuh.de sind da nur zwei Beispiele, aber auch das wirklich empfehlenswerte
Internet ABC. Es wäre also genug Zeit gewesen, alles richtig zu machen, doch die Zeit wurde leider nicht genutzt.
ich finde die neue seite ganz großartig. fragfinn füllt definitiv eine lücke. es handelt sich dabei um eine echte suchmaschine für kinder. seitenstark.de und blinde-kuh.de sind dagegen reine linklisten. das die toolbar im moment nur für den internetexplorer vorhanden ist kann man kritisieren. die seite verspricht jedoch demnächst auch eine für den firefox.
geben wir dem team von fragfinn.de mal ne weile zeit.
meiner meinung nach hat die seite immenses potential und viele vorteile. mein sohn bekommt heute abend gleich mal eine einführung.
Simon am 29.11.07 16:09
Hallo,
zumindest "seitenstark.de" tut's nur mit einem "www." davor.
Gruß
Stephan
Stephan am 29.11.07 16:47
Und meiner Meinung nach haben Eltern ihren Kindern gegenüber die Verantwortung zu übernehmen und nicht Finn oder ein Sicherheitstool (egal in welcher Form, egal für welchen Browser oder BS). Wenn ich also keine Zeit und/oder keine Lust habe, meinem 8 bis 12 jährigen Kind einen geeigneten Umgang mit dem Internet beizubringen, dann sperre ich eben alles "Unsaubere und Unsichere" und hoffe mal, dass mein Kind dann irgendwie per Zufall lernt, dass die Welt nicht nur aus kleinen grünen Raupen und kindgerechter Riesen-Bubble-Schrift besteht?
Wübke am 2.12.07 12:21
schade auch, dass nicht transparent gemacht wird, welche Seiten mittels der Positivliste zugelassen sind;-((
Salam am 3.12.07 16:26
Die Kriterien für die Auswahl der Kinderseiten sind nicht transparent, das ist das entscheidende Manko dieser Site. Das ist eine Veranstaltung der Industrie, und das merkt man auch an der Auswahl der aufgenommenen Seiten. Warum zum Beispiel tauchen auf fragfinn.de nicht die Nachrichten des WDR-Kinderradios Lilipuz auf?
Hans am 3.12.07 16:30
ich finde die kriterien eigentlich ziemlich komplex beschrieben auf der fragfinn seite (siehe informationen/kriterien auf der startseite).
auch verstehe ich nicht was es bringen soll, die positivliste komplett darzustellen. es geht doch gerade um eine suchmaschine und keine simple linkliste. die wollen halt ihre investitionen schützen. sonst könnte sich jeder schön bedienen und ne eigene suchmaschine aufmachen.
bei der ganzen kritik die ich jetzt überall lese, habe ich auch so das gefühl, dass die seite ständig mit suchmaschinen für erwachsene verglichen wird. geht es nicht eigentlich darum, dass kinder damit klar kommen müssen. das muss nicht so komplex sein und zum kennenlernen des netzes reicht es vollkommen aus. für grundschulen bestimmt eine tolle möglichkeit, den unterricht mal aufzupeppen.
Steffi am 5.12.07 14:17
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