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Jörg Schieb
Musik aus dem Netz: Fans bestimmen den Preis
In der Musikbranche ist derzeit wirklich einiges los. Die britische Popband Radiohead - alles andere als ein Nobody, sondern eine echte Größe im Geschäft - hat das neue Album "In Rainbows" fertiggestellt. Man kann das Album (noch) nicht im Laden kaufen, auch nicht bei iTunes, Musicload und Co. Dafür aber auf der
Webseite der Band. Die zehn Titel des Albums lassen sich ohne Kopierschutz als MP3-Files auf den eigenen Rechner laden. Doch damit nicht genug: Die Fans können den Preis selbst bestimmen. Sie haben richtig gelesen: Wer sich das Album abholt, legt den Preis selbst fest. Das kann auch "gratis" bedeuten.
Immerhin zwei Drittel der Radiohead-Fans bezahlen das Album, im Schnitt 4 Pfund, etwa 5,70 Euro. Einige haben sogar über 12 Pfund dafür bezahlt. Innerhalb einer Woche wurde die CD rund 1,3 Millionen mal geladen. Ein gutes Geschäft für die Band, die diese Umsätze mit niemanden teilen muss, jedenfalls nicht mit irgend einem Plattenlabel. Später soll auch ein gepresstes Album auf den Markt kommen, das einige Bonustracks enthält.
Auch Madonna hat dem Plattenlabel Universal den Rücken gekehrt, nach über 20 Jahren. Madonna ist nun bei einem Konzertveranstalter(!) unter Vertrag. Für 85 Millionen Euro gehört Madonna die nächsten zehn Jahre dem Veranstalter, Musik und Alben inklusive. Was deutlich zeigt: Mit Konzertkarten lässt sich heute mehr Geld verdienen als mit CDs. Tauschbörsen sind eben keine Bedrohung für Livekonzerte.
Eins ist aber noch interessant: Obwohl man das Radiohead-Album also vollkommen legal und umsonst bekommen kann, kursiert es trotzdem - illegal! - in Tauschbörsen und wird dort heftig kopiert. Selbst umsonst scheint einigen zu teuer zu sein. ;-)
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Ein geniale, wenn auch mutige Idee der Band. Die Musikindustrie ist sehr mächtig geworden. Sie verdienen sehr viel Geld mit Musik, die Musiker bekommen jedoch nur einen sehr kleinen Teil des Gewinnes und der Käufer muss sich mit teuren Preisen und Kopierschutz herumschlagen.
Vielleicht ein wegweisender Schritt in eine neue Richtung. Das Web macht es möglich.
Habe das Album eben für 5 Pfund gekauft.
Daniel am 22.10.07 17:33
Ich frage mich, warum erst jetzt die ersten (bekannten) Künstler auf die Idee kommen, sich selbst zu vermarkten.
Zwar können sie ihre bisherigen Aufnahmen nicht mehr selbst verwerten (dank GEMA-/MI-Knebelverträge), aber wer braucht heutzutage noch die Musikindustrie?
Ob ein neues Album/Song nun auf kopier-"geschützter" (*lol*) CD oder "DRM-verseuchtem" WMA etc. erscheint - kurz darauf ist es, sofern man möchte - eh als freies MP3 "erhältlich".
Wer will, "saugt" es sich also so oder so illegal - als ehrlicher Käufer ist bei mir der Anreiz, einen Song käuflich zu erwerben, aber NUR bei direktem MP3-Kauf vorhanden. Mit DRM habe ich noch nie und werde ich niemals kaufen.
Wer braucht heute noch die kostspielige Maschinerie der Musikindustrie mit ihrem schweren Wasserkopf, der ohne eigene Innovation an fremder Leistung fette Gewinne einstreicht? Niemand.
Ich hoffe, dass Radioheads Beispiel Schule macht!
PS: Wieso wird hier nicht über die Wasserzeichen in den MP3s berichtet...? So ganz frei sind sie nämlich auch nicht ...
Markus am 22.10.07 21:34
Naja, die GEMA hat ja in bestimmter Weise auch ihre Berechtigung. Das ist vergleichbar mit Rentenkasse und so. Sie soll die Musiker absichern. Aber auch dort wird mittlerweile heftig übertrieben.
Die Idee der Selbstvermarktung ist aber nicht neu. Das gibt es ja schon ein paar Jahre. Viele bislang unbekannte Musiker nutzen diese Möglichkeiten schon. Nur dass einige populäre Bands und Musiker noch für einige Jahre in ihren bisherigen Verträgen mit den Plattenfirmen festhängen und deshalb nix selbstvermarkten dürfen.
Aber ein Schritt in die richtige Richtung ist das auf jeden Fall. Schön finde ich, dass die Musikindustrie endlich einsieht, dass der Kunde entscheidet, was er will und was nicht. Dumm für die Musikindustrie, dass es mit dem Einsehen so lange dauert.
Gruß
Thom
Thomas Schlicht am 26.10.07 9:43
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