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Stephan JosefAls Jugendlicher habe ich an einer Wallfahrt nach Kevelaer teilgenommen. Angemeldet hatte ich mich nicht nur aus spirituellen Gründen. Ein weiteres Motiv hieß Ursula, eine ausgesprochen nette Mitschülerin aus der Parallelklasse. Sie wollte ebenfalls nach Kevelaer pilgern. Ursula hatte es sich dann aber kurzfristig anders überlegt, meine Anmeldung war allerdings ohne Gesichtsverlust nicht mehr zurückzuziehen. Interessante Erfahrungen machte ich auf dem langen Marsch aber auch ohne Ursula. Ich erfuhr oder besser erwanderte, dass man ohne Mofa eine Strecke von 90 Kilometern zurücklegen und dabei auch noch reden, beten, singen oder schweigen kann, je nachdem, was der Pfarrer vorgab. Außerdem habe ich eine Menge über Blasen gelernt, bei der gemeinsamen abendlichen Wundversorgung in Pfarrheim oder Turnhalle. Am besten in Erinnerung habe ich den Rückweg von Kevelaer. Der war nämlich eine echte Wallfahrt – mit dem Bus.
Noch anstrengender als die Wallfahrt nach Kevelaer stelle ich mir die
Echternacher Springprozession vor. Die hat sprichwörtliche Berühmtheit erlangt, weil man sich dort ursprünglich nach dem Muster "Drei Schritte vor, zwei Schritte zurück" bewegte. Gänzlich auf die Vorwärtsbewegung verzichten die
Rückwärtsläufer. In Österreich haben sie kürzlich ihre Weltmeister ermittelt. Über 10.000 Meter siegte dort ein 26-jähriger Geologe aus Münster – in sagenhaften 41 Minuten und 26,13 Sekunden. Der Retrolauf-Fan liebäugelt nun damit, auch noch den Marathon-Weltrekord im Rückwärtslauf zu knacken. Dazu braucht er nicht nur eine ausgeprägte Wadenmuskulatur, sondern auch einen starken Nacken, wegen des ständigen Rückwärtsguckens.
Den Spaß an der konsequenten Rückwärtsbewegung hat inzwischen auch die Politik entdeckt. Die Bundesregierung will zurück in die Zeit vor dem
Atomkonsens, wobei es noch Streit über die Frage gibt, wie weit man zurückgeht. Die Opposition sehnt sich zurück nach einer Rot-Grünen Regierung, wobei es noch Streit über die Frage gibt, wie viel Agenda 2010 dazugehört. Die neue Landesregierung in Düsseldorf möchte zurück in die Zeit vor den schwarz-gelben Reformen, dabei aber die Schwarz-Gelben gerne mitnehmen, worüber die sich schwarz ärgern. Die CDU in NRW scheint sich insgeheim nach ganz alten Zeiten zu sehnen, als innerhalb der Partei die Fetzen flogen, etwa zwischen Westfalen und Rheinländern. Eine neue Lust gibt es auch am Rücktritt, wie Koch, Köhler und Co. beweisen.
BP-Chef Tony Hayward lamentierte nach der Öl-Katastrophe, er wolle sein altes Leben zurück. Durch seinen Rückzug als Chef bekam er das, einige Millionen Abfindung inklusive. Nur der Oberbürgermeister von Duisburg stemmt sich noch gegen den Trend.
Mein Tribut an den Trend ist eine neue Brille im Retro-Look. Ansonsten geht mir das ständige Zurück mächtig auf die Nerven, ich finde, das sollte Kolumnisten vorbehalten sein. Die Politikerinnen und Politiker, die sich zur Wahl stellen, werde ich mir deshalb künftig noch genauer anschauen. Vor allem ihre Nackenmuskulatur.
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In der Nähe der Nahe gibt es ein Dorf namens
Sommerloch. Alljährlich in der heißen Jahreszeit ist es Pilgerziel von Journalisten. Mit Reportagen aus dem Örtchen versuchen sie, das Sommerloch in ihrer Zeitung oder Sendung zu stopfen. Deshalb kennt inzwischen jeder Deutsche das malerische, von Weinbergen umgebene Sommerloch. Wobei die meisten Leser, Hörer und Fernsehzuschauer von all den Reportagen wahrscheinlich nur behalten haben, dass dieses Dorf irgendwie malerisch wirkt, weil es von Weinbergen umgeben ist.
Die nachrichtenarme Zeit ist eine harte Zeit für meine Zunft. Beim Blick auf die Terminpläne der Agenturen packt mich die Verzweiflung: Ministranten- statt Ministertreffen, Auftritte von Sternchen, aber nicht von Stars, dritte Liga statt Bundesliga. Noch nicht einmal eine Kommunalwahl steht an, die uns im vergangenen Jahr noch über den Sommer rettete. Ich schaue aus dem Fenster und sehe tief hängende Wolken vor einem milchig-trüben Himmel, was meine Laune nicht hebt. Selbst das Wetter gibt derzeit wenig Anlass zur Berichterstattung. Wehmütig erinnere ich mich an bessere Zeiten – als ein CDU-Hinterbänkler Mallorca zum deutschen Bundesland machen wollte. Oder als
Kuno der Killerwels einen unschuldigen Dackel in den Mönchengladbacher Stadtweiher zog und verspeiste. Oder
Sammy, der Kaiman, nicht nur die Badegäste an einem Baggersee nahe Dormagen tagelang in Atem hielt. Der Bericht über eine
Ausstellung künstlerisch gestalteter Toiletten kann gegen diese Tier-Geschichten nicht wirklich anstinken.
Wenn die Themennot besonders groß ist, tröste ich mich mit Gedanken an die, die es noch schlimmer erwischt hat. Etwa die Arbeiter, die im Golf von Mexiko ein Bohrloch zu stopfen versuchen. Sie arbeiten mit Schlamm und Zement, müssen trotz Hitze ständig Gummistiefel tragen und den Gestank austretenden Öls ertragen. Ich darf mich in normalen Schuhen bewegen und in einem Büro sitzen, wo es nach dem Parfüm der Kollegin riecht. Und mit Schlamm und Zement habe ich höchstens indirekt zu tun, wenn es um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs geht. Diese Gedanken bringen mich bei der Themensuche aber nicht weiter, doch zum Glück ist bald Wochenende.
Dann will mich mein jüngerer Bruder mal mit auf den Golfplatz nehmen. "Du brauchst mal Entspannung, Muße, da ist Golf genau richtig", sagt er. "Du wirst sehen, wie erholsam es ist, über den Golfplatz zu schlendern und ohne Hast einzulochen." Der Begriff "einlochen" erinnert mich ans Sommerloch und macht mich wieder nervös. Doch vielleicht gibt das Wochenend-Vergnügen ja auch eine Reportage her, nach dem Motto "Golf im Selbstversuch". Mein Bruder hat an alles gedacht, etwa die Ausrüstung für einen blutigen Anfänger wie mich. Einen netten Platz hat er auch ausfindig gemacht, in der Nähe der Nahe.
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Zum SeitenanfangAls ich Kind war, begann die Vorfreude auf den Urlaub meist an ungemütlichen Spätwintertagen. Im Wohnzimmer versammelte sich die ganze Familie und blätterte dickleibige Prospekte, in denen Pensionen und Hotels verzeichnet waren. Weil mein Vater nicht länger als drei Stunden mit dem Auto zum Urlaubsort fahren wollte, konzentrierte sich die Suche auf Urlaubsquartiere in der Nähe, etwa in der Eifel oder im Sauerland, im Bergischen Land oder im Taunus. Trotzdem schaute ich mir in den Prospekten am liebsten die geraniengeschmückten Häuser in den Alpen und die schicken Hotels an der Nordsee-Küste an. Doch unsere Urlaubsplanung war wie ein Labyrinth, in dem jeder Weg im Mittelgebirge endete. Eines Tages, so nahm ich mir vor, würde ich in den Alpen oder am Meer den Sommerurlaub genießen.
Das ist lange her, und meine Begeisterung für geraniengeschmückte bayerische Gemütlichkeit ist auch längst Geschichte. Die Urlaubsplanung hat sich ebenfalls grundlegend geändert. Inzwischen bietet das Internet die Möglichkeit, sich die Reise am Computer selbst zusammenzustellen. So habe ich mir vor einigen Jahren einen Kurztrip nach Spanien gegönnt – mit einem Billigflug nach Barcelona, einem günstigen Leihwagen ab Flughafen und einem preiswerten Apartment mit Meeresblick. Dank Google Maps konnte ich vorher checken, dass die gebuchte Immobilie tatsächlich am Meer lag. Das Apartment lag dann auch am Meer, aber sehen konnte ich es nur aus dem Badfenster. Das Leihauto war zwar vollgetankt, verfügte aber nicht über das gesetzlich vorgeschriebene Ersatzrad. Das erklärte mir gestenreich der spanische Polizist, der am Flughafenzubringer die Verkehrskontrolle durchführte. Ich hatte den Verdacht, dass er vor allem Leihwagen inspizierte. Aber vielleicht war ich einfach schlecht drauf, weil mein rebellierender Magen noch mit der Verarbeitung des Sandwichs aus dem Flugzeug beschäftigt war.
Die Entscheidung für ein Urlaubsziel ist seit den Zeiten, als alle noch mit dicken bunten Katalogen die Ferien des Jahres planten, nicht unbedingt einfacher geworden. Schließlich wollen auch ökologische, soziale und politische Aspekte berücksichtigt sein – und der Klimawandel. Im vergangenen Jahr verbrachten mein Bruder und seine Familie ihren Osterurlaub frierend in einem andalusischen Hotel, das zwar allerlei Annehmlichkeiten aufwies, aber keine Heizung. Als sie nach Deutschland zurückkamen, mussten sie, hustend und schniefend, dann auch noch die frisch erworbene Bräune der Daheimgebliebenen bewundern. Bekannte, die im Mai auf Mallorca weilten, bekamen es mit Starkregen und Sturzbächen zu tun. Sie wollen nun im nächsten Jahr an der Ostsee Urlaub machen.
In diesem Jahr, so habe ich überlegt, werde ich nach Spanien reisen. Oder nach Kreta. Griechenland wie Spanien haben zwar mit unsolider Haushaltsführung beinahe unseren guten
Euro ruiniert. Allerdings haben die Griechen Besserung gelobt, und das sollte man als Tourist auch einmal honorieren, vielleicht durch einen Aufenthalt in einer kleinen Pension, die durch die Athener Spargesetze besonders gebeutelt wird. Die Spanier wiederum haben, zumindest in Katalonien, den
Stierkampf verboten. Meine Reise dorthin wäre also ein kraftvolles Zeichen für den Tierschutz. Klimatisch versprechen beide möglichen Urlaubsziele für Ende September angenehme Temperaturen von Luft und Wasser. Die Entscheidung wird schwer. Im Moment liegt Kreta knapp vorn – berühmt unter anderem für ein antikes Labyrinth, aber nicht für seine Mittelgebirge.
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Zum SeitenanfangMeine erste Nachbarin hieß Sabine, war mittelblond, sportlich und ein toller Kumpel. Nur fürs Fußballspielen hatte sie nicht viel übrig. Ihre Mutter leider auch nicht. Deren Leidenschaft galt den Blumen. Mit viel Engagement brachte sie in ihrem Vorgarten Tulpen, Rosen, Dahlien und anderes Grünzeugs zum Blühen. Wenn beim Fußballspiel auf der Straße das Spielgerät in ihren Blumen landete, kam sie aus dem Haus gerannt und hielt uns Nachwuchskickern eine Gardinenpredigt. Die heißt wohl so, weil man erst lauernd hinter der Gardine stehen muss, bevor man so richtig schimpfen kann.
Nachbarschaft kann schön und schrecklich zugleich sein, so meine frühe Erkenntnis. Allerdings überwog manches Mal das Schreckliche. Als ich einmal meine noch nicht bezogene Wohnung renovierte, an einem schönen Sommertag kurz nach 22 Uhr, hielt plötzlich ein Polizeiwagen vor dem Haus. Kurz darauf klingelten die Ordnungshüter bei mir, obwohl mein Klingelschild noch gar nicht beschriftet war. Man hätte sich über Bohrgeräusche aus meiner Wohnung beschwert, erklärten mir die Polizisten. Wer sie gerufen hatte, wollten sie nicht verraten. Doch ich hatte rasch den Malocher in Verdacht, der über mir wohnte und gerne, mit einem Netzunterhemd bekleidet, auf ein Kissen gestützt im Fenster lag und das Treiben auf der Straße beobachtete. Dieser Nachbar trug den gut deutschen Namen Gerhard und erwies sich in den Folgejahren als äußerst lärmempfindlich. Betätigte ich spätabends die Klospülung, ließ er am Folgetag seiner Wut freien Lauf – durch Gebrüll im Treppenhaus, kaum hatte ich den Hausflur betreten.
Ärger zwischen Nachbarn gibt es leider auf allen Ebenen, ich sage nur: Polen. Während wir Deutschen unsere östlichen Nachbarn gerne als Kollektiv von Autodieben verunglimpfen, halten nicht wenige Polen uns für ein Volk von Ewig-Gestrigen, organisiert in den Vertriebenen-Verbänden. Ein anderes Beispiel: Bei der Fußball-WM sahen die Fans hierzulande oft rot, wenn orangefarbene Trikots ins Bild kamen. Das heiß ersehnte Finale zwischen Deutschen und Niederländern, bei dem man seinen nachbarschaftlichen Gefühlen so richtig freien Lauf hätte lassen können, kam allerdings nicht zustande, weil die Deutschen im Halbfinale patzten. Im
Nachhinein sollten wir allerdings froh sein, mit Blick auf die Gesundheit unserer Nationalspieler.
Im frisch gewählten Düsseldorfer Landtag gab jetzt Streit, weil die CDU-Abgeordneten ihre Büros nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu denen der Linkspartei haben wollten. Vielleicht hatten sie die Befürchtung, dass die Links-Parlamentarier spätabends noch die Toilettenspülung betätigen. SPD und Grüne haben dagegen eine Politik der Einladung ausgerufen, und die Einladung ist an alle Nachbarn im Parlament gerichtet. Bei denen stößt diese Einladung aber erst einmal auf Ablehnung. Bei der ersten Debatte im Parlament entgegnete der FDP-Fraktionschef
Gerhard Papke, "wer mit seinen Nachbarn reden möchte, sollte ihnen nicht die Fenster einwerfen". Ob Herr Papke ein Netzunterhemd unter seiner Anzugjacke trug, ist nicht überliefert.
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Zum SeitenanfangDen ersten richtig warmen Sommertagen wohnt ein Zauber inne. Der kühle Frühling ist bloß noch Erinnerung, und für Klagen über die Hitze ist es noch zu früh. Das Leben verlagert sich nach draußen, in Biergärten und Straßencafés. Dort können wir an der frischen Luft Fernsehen gucken, genauer gesagt Fußball, noch genauer: die Spiele der
FIFA WM 2010. So heißt das Ereignis in Südafrika offiziell, und so müssen es die Medien transportieren, haben die FIFA-Bosse festgelegt. Über die Macht der FIFA wird noch zu reden sein, aber sicherheitshalber erst nach der WM, pardon der FIFA WM 2010.
Fast noch interessanter als der Fußball ist das Theater drum herum, sowohl im fernen Südafrika als auch bei uns. Die französische Mannschaft hat ein
starkes Stück abgeliefert, bei dem allerdings nicht ganz klar ist, wer in diesem Stück der Schurke ist: ein Spieler, der den Trainer aufs Unflätigste beschimpft hat, der Trainer, der in einem ganz eigenen Kosmos zu leben scheint, oder die Staatssekretärin, die den Fußballern der Grande Nation das Grand-Hotel nicht gönnte? Was die Equipe Tricolore außerhalb des Rasens bot, war auf jeden Fall unterhaltsamer als das Trauerspiel der Italiener auf dem Rasen. Pomadig wird solch eine Leistung gerne von den Experten im Studio genannt, wobei die Experten mitunter auch äußerst pomadig wirken.
Das kann die Begeisterung für das große Theater auf und neben dem Rasen hierzulande nicht dämpfen. Mit Fähnchen bestückt und in schwarz-rot-goldene Fahnen gehüllt, erleben die Deutschen die WM als buntes, gemeinschaftsförderndes Spektakel. Ob das auch noch gilt, wenn die deutsche Elf ausscheidet, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: Theater gibt es in diesem Sommer satt. Dafür sorgt nicht zuletzt die Regierung in Berlin. In ihrem postmodernen Stück reden die Akteure viel und aneinander vorbei, sogar Wildsäue rennen über die Bühne. Einer spielt eine Doppelrolle, als oberster Diplomat und polternder Parteiführer. Als Anleihe aus dem klassischen Theater tritt regelmäßig ein Chor auf, der nur einen Satz skandiert: "Wir müssen sparen!" Dabei richtet er seinen Blick, wenn man genau hinschaut, nur auf das Publikum auf den billigen Rängen. Prima auch der Auftritt des blinden Sehers, der eine
geringere Neuverschuldung prophezeit. Allerdings ist sein Stimmchen etwas dünn und provoziert noch lauteres Lamento des Chors.
Manch einer wünscht sich ein Ende des Berliner Stücks, doch wie bei zeitgenössischem Theater üblich, weiß man vorher nie, wann es vorbei ist. Das gilt auch für das Stück, das in Düsseldorf gegeben wird. Derzeit heißt es
"Regierungsbildung", ein schlichter Titel für ein Werk voller Raffinesse, mit vielen plötzlichen Wendungen, einer zaudernden Frau und einem gealterten Regenten, dessen Tage gezählt sind. In Nebenrollen treten auf: Narren, Naturliebhaber und Neureiche, die öfter mal ihr Kostüm wechseln. Deutlich hörbar sind die Souffleure, die berlinernd den Akteuren den Text vorsprechen. Und ein Chor, da gehe ich jede Wette ein, wird bestimmt auch noch auftreten.
Wenn der Weltmeister der FIFA WM 2010 feststeht, ist das Sommertheater also längst noch nicht vorbei. Zwar animieren Bundestagsdebatten, Talkshows und Politmagazine nicht gerade zum Public Viewing, aber vor dem heimischen Fernseher bleibt uns der Brummton erhalten, den wir inzwischen lieben gelernt haben. Nur stammt er diesmal nicht von der Vuvuzela, sondern vom Chor der politischen Kassandra-Rufer: "Wir müssen sparen!"
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Zum SeitenanfangDas Gefühl, besser woanders zu sein als dort, wo ich gerade bin, lernte ich in der Schule kennen. Etwa, wenn ich meine Hausaufgaben vergessen oder mich am Nachmittag zuvor bewusst fürs Fußballspielen und gegen das Vokabel-Büffeln entschieden hatte. Dann versuchte ich mich in der Klasse möglichst unsichtbar zu machen. Ich verbarg mich, so gut es ging, hinter dem Rücken des vor mir sitzenden Klassenkameraden oder schaute, wenn das nicht gelang, den jeweiligen Lehrkörper mit einem betont neutralen Gesichtsausdruck an – mit wechselndem Erfolg.
Den übermächtigen Wunsch nach einer Tarnkappe habe ich fortan immer wieder erlebt – und auch bei anderen beobachtet. Auf einer Semestereröffnungsparty beispielsweise, bei der sich ein Gespräch in kleiner Runde über unseren jeweiligen Heimatorte entwickelte. Ich versuchte es mit "einem Ort in der Nähe von Köln" und kam noch einmal glimpflich davon. Anders erging es der netten Blondine Lisa, die zunächst errötete und dann stotterte, sie käme aus Hannover. Hannover hatte damals schon den Ruf, langweiligste Stadt Deutschlands zu sein, und entsprechend fielen die Kommentare der Kommilitonen aus.
Hart erwischte es auch den fülligen Altsprachler Hubert, der erklärte, aus Bielefeld zu stammen. "Bielefeld –
das gibt es doch gar nicht", grölten die Mitstudenten im Chor. Und dann erklärte Gerd, ein angehender Philosoph, in geschliffenen Worten die Nicht-Existenz der ostwestfälischen Stadt. Hubert konterte noch mit den wehrhaften Germanen samt ihrem Anführer Arminius, die in grauer Vorzeit in der Nähe des heutigen Bielefeld Heldenhaftes vollbracht hätten. Doch das konnte uns ebenso wenig überzeugen wie seine Hinweise auf die
Lokalzeit OWL, die doch regelmäßig aus Bielefeld berichte. "Alles Fake", befand Gerd, und alle bis auf Hubert nickten.
Inzwischen dürfte selbst Lisa gelassen sein, wenn die Sprache auf die Heimat kommt. Hannover ist mächtig und wichtig geworden, wofür nicht nur
Lena Meyer-Landrut und
Christian Wulff stehen. Die niedersächsische Landeshauptstadt ist Heimat der Scorpions, der
auf dem Eis und der an den Instrumenten. Ein Wind of Change hat die Stadt erfasst, und fortan wird den Menschen zu Hannover nicht mehr zuerst der leicht erregbare Prinz einfallen, sondern vielleicht die allerorts beliebte Frau Käßmann oder der Friedensschluss zwischen Bandidos und Hell's Angels. Und für den Beweis der realen Existenz Bielefelds legt sich inzwischen sogar ein Spielfilm ins Zeug.
Einen Imagewandel hat selbst meine kleine Heimatstadt hinbekommen. Würde ich heute gefragt, könnte ich stolz erklären, dass ich in der "Bundeshauptstadt der Energie" geboren wurde und ein gewisser Horst Schlämmer dort journalistisch tätig ist. Wenn ich dort bin, beschleicht mich aber wieder das Gefühl, besser woanders zu sein. Vielleicht liegt es an der schlechten Luft, verursacht durch die zahlreichen Braunkohle-Kraftwerke. Zum Glück, fällt mir dann ein, habe ich immer noch einen Gutschein, den mir Freunde vor einigen Monaten zum Geburtstag schenkten. Für ein Verwöhnwochenende – in Bielefeld.
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Zum SeitenanfangDer Frühling ist in diesem Jahr ein Spätstarter, das bekamen sogar die Frühkartoffeln zu spüren. Die kommen reichlich verspätet auf den Markt, wegen der kalten Witterung. Doch nun ist der Frühling wirklich da, überall blüht und sprießt und sprosst es. Das österliche Versprechen der Wiederauferstehung wird nun, zumindest von der Natur, eingelöst. In der Kirche selbst fallen die Zeichen der Erneuerung eher spärlich aus. Vielleicht liegt das an den vielen alten Männern, die dort das Sagen haben und die ganz grundsätzliche Probleme haben mit Frühlingsgefühlen.
Der Frühling ist die Zeit des großen Reinemachens. Die Stadtverwaltung kümmert sich um den Baumschnitt an unserer Straße, darum also, dass keine alten Äste auf neue Autos fallen. Der Wähler in Nordrhein-Westfalen
hat die schwarz-gelbe Regierung aus dem Amt gefegt. Und ich putze die Fenster meiner Wohnung und miste aus, was sich angesammelt hat: Ladegeräte für Handys, die längst ihren Geist aufgegeben haben, alte Zeitungen, in denen
Roland Koch noch als großer Widersacher von Angela Merkel porträtiert wird, und Hosen, die trotz Wäsche bei nur 40 Grad eingelaufen zu sein scheinen.
Nach Ausmisten und Frühjahrsputz und viel Staub steht mir der Sinn nach Bewegung in der Natur. Bei den ersten Schritten protestiert noch mein innerer Schweinehund, doch der ermattet glücklicherweise eher als meine guten Vorsätze. In Anfängertempo jogge ich durch den Stadtwald, den Blick meist auf den Boden gerichtet. Denn dort krabbelt und schleicht jede Menge Getier, das ich nicht zerquetschen und aus dem groben Profil meiner Sportschuhe kratzen möchte. Die Käfer und Schnecken sind eben keine
Plattwürmer, die über die Fähigkeit verfügen, sich wundersam zu regenerieren.
In Münster beschäftigte sich nun erstmals ein
internationaler Kongress mit den Plattwürmern. "Ob man sie köpft oder in hundert Teile schneidet – stets wächst das Fehlende nach", schreibt das Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in der Einladung. Diese Perspektive dürfte nicht nur Biologen begeistern, sondern alle, denen gerade etwas abhanden gekommen ist: der CDU der Vorzeige-Konservative, der FDP das einzige Thema oder der SPD der ganz große Triumph in Nordrhein-Westfalen. Noch sind Plattwurm und Politik allerdings zwei Welten. Deshalb muss sich die CDU mit Volker Bouffier begnügen, die FDP mit mageren Umfrageergebnissen und die NRW-SPD wahrscheinlich mit der Großen Koalition.
Am meisten vermisst wird die Regenerations-Fähigkeit des Plattwurms wohl in der
deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die auf dem langen Weg nach Südafrika bereits René Adler, Michael Ballack und Christian Träsch verlor. Um seine dezimierte Truppe wieder aufzubauen, lud Trainer Jogi Löw den Bergsteiger Reinhold Messner ins Trainingslager. Der sollte nicht Fußball spielen, sondern drüber reden, wie man sich für Höchstleistungen motiviert. Dazu braucht man nicht unbedingt einen Plattwurm - manchmal tut's auch ein Yeti.
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Audio: Frühjahr, Koch und WurmWeitere Verweise zu Frühjahr, Koch und Wurm
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Meine Schwester Hildegard hat einen interessanten Job - sie arbeitet als Dolmetscherin und Kundenbetreuerin auf Messen. Dabei kommt sie nicht nur viel rum, sondern bildet sich auch ständig weiter. Mit jedem Unternehmen, für das sie arbeitet, wächst ihr Spezialwissen. Ob neueste Trends im Weinanbau, in der Orthopädietechnik oder bei Fitnessgetränken, Hildegard kennt sich aus. Gerade hatte sie ein Engagement auf der Düsseldorfer
"Befa", der internationalen Bestattungsfachausstellung, in der Sarg-Abteilung. Beim nächsten Familientreffen, das ist klar, wird sie uns kompetent darüber aufklären, wie wir uns, je nach Geschmack, besonders stilvoll, günstig oder umweltfreundlich bestatten lassen können. Sollte ich es vor meinem Ableben schaffen, einmal auf dem Ratestuhl bei Günther Jauch zu sitzen, wird Hildegard auf jeden Fall zu meinen Telefon-Jokern zählen.
Am liebsten arbeitet meine Schwester auf der
Weinmesse. Die ist, wie sie erzählt, immer besonders lustig, Aussteller und Kunden sind stets gut drauf. Außerdem kann sie zum Messeschluss immer eine Kiste Wein in ihren Kleinwagen laden, die ihr dankbare Aussteller schenken. Einmal hat sie auf der Weinmesse auch
Rainer Brüderle gesehen, wahrscheinlich zu der Zeit, als der noch Minister für Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz war. Als Bundeswirtschaftsminister hat Brüderle nun wichtigere und leider auch schwierigere Aufgaben, aber gottlob hat er sich selbst in diesen krisenhaften Zeiten das frohe Gemüt früherer Tage bewahrt.
Auf der Bestattungsfachmesse hat Hildegard keinen Politiker entdeckt. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn welcher Volksvertreter will sich schon vor einem Sarg fotografieren lassen oder mit einer Urne in der Hand? Allerdings biete die Befa durchaus Nützliches für Politiker, vor allem für Wahlverlierer, findet Hildegard. Informationen zu professioneller Trauerbegleitung etwa, die Jürgen Rüttgers wahrscheinlich am
Wahlabend schmerzlich vermisst hat. Oder Trauerdrucksachen, die Christdemokraten und Liberale an die Anhänger der schwarz-gelben Koalition verschicken könnten. Oder Kremationsgeräte, die bestimmt auch zur Aktenvernichtung taugen. Und nicht zuletzt eine Kollektion von letzten Hemden – ganz ohne Taschen!
Zwischen Bestattungszubehör, Grabtechnik, Kranzständern, Särgen und Trauermusik hat meine Schwester ihre natürliche Fröhlichkeit nicht verloren. Auch für Politiker, die Wähler für Sadisten halten und ihre Niederlage als zutiefst ungerecht empfinden, präsentiert die Fachmesse Tröstliches. Ein Bestatter verkaufte dort seine Leistungen unter dem Slogan "Happy End". Am Ende, so die Botschaft, wird alles gut. Offen bleibt allerdings die Frage, wie in der Politik, für wen alles gut wird – für den, der von der Bühne abtritt, oder für die, die dort weiterspielen.
Audio: Happy End in Düsseldorf
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Griechenland - das war für mich zunächst ein Land voller Mythen, kluger Denker und mutiger Feldherren. Auch die
griechischen Götter mit ihren ausgeprägt menschlichen Eigenschaften und Schwächen faszinierten mich schon zu Schulzeiten. Auf dem Olymp, so lernte ich, ging es ganz schön hoch her, und am eindrucksvollsten trieb es Götterboss Zeus höchstpersönlich. In immer neuer Tarnung machte er sich an die schönsten der Frauen ran. Der große Verführer scheute selbst vor Entführung nicht zurück, wenn er etwa als Stier die schöne
Europa auf seinen breiten Rücken lockte und mit ihr das Weite suchte.
Während meines ersten Aufenthalts in Griechenland kamen neue Eindrücke hinzu. Als Student reiste ich mit Freunden nach Korfu. Dort genossen wir in vollen Zügen mediterranes Klima, liebliche Landschaft und günstige Grill-Teller. Die sorgten allerdings nachts manchmal für Alpträume, in denen gruselige Zyklopen, vielköpfige Ungeheuer und grausame Höllenhunde ihren Auftritt hatten.
Der Korfu-Urlaub blieb mir trotzdem in guter Erinnerung. Unvergessen die milden Abende, an denen wir bei Kerzenschein vor dem Zelt saßen, Retsina tranken den Besuch in der Inselhauptstadt oder in
Sisis Sommerresidenz Revue passieren ließen. Dabei spielten wir Poker, und in rascher Folge wechselten die Hundert-Drachmen-Scheine ihre Besitzer.
Als ich später in der Erwachsenbildung arbeitete, war Griechenland regelmäßig Thema meiner Tagungen. Ob die Olive oder Olympia, Zypern oder Zeus, Mythos oder Musik - die Veranstaltungen hatten stets ein dankbares Publikum. Staunend erfuhren die Tagungsteilnehmer beispielsweise, dass die antiken Athener die Staatskasse des attischen Seebundes, eine Art antiker Mini-EU, raubten. Ihren eigenen Reichtum präsentierten die Athener offen und gleichzeitig versteckt – in der goldenen Athene-Statue im Tempel, der ihrer Nationalheiligen geweiht war.
Solche und ähnliche Geschichten mögen dem philhellinisch gestimmten Publikum von damals derzeit wieder in den Sinn kommen. Bei Griechenland werden auch sie inzwischen nicht mehr an pittoreske Trümmer denken, sondern an desolate Staatsfinanzen. Und den antiken
Augias-Stall, dessen gigantische Misthaufen nur der Halbgott Herakles beseitigen konnte, lokalisieren manche derzeit im Athener Finanzministerium. Die Milliardenkredite, die Griechenland von seinen europäischen Partnern benötigt, erinnern selbst Freunde Griechenlands an die antike
Hydra: Wurde dem vielköpfigen Ungeheuer ein Haupt abgeschlagen, wuchsen ihm zwei nach. Wie die
verfahrene Situation des modernen Griechenlands zu meistern ist, wollen nun viele von der deutschen Kanzlerin wissen. Genauso gut, finde ich, könnten sie das Orakel von Delphi befragen. Mich selbst erinnert die Krise – ein griechisches Wort! – eher an die Abende auf Korfu. Nur dass die Zocker diesmal nicht vor dem Zelt sitzen, sondern in den Banken.
So weit muss es ja nicht kommen, wenn der eine oder andere nach dem möglichen Wertverfall des Euro noch dorthin fahren kann. Ich habe bereits schon angefangen die Griechen zu unterstützen indem ich bei Aldi griechichen Spargel gekauft habe. Der Papandreu und der Katastropholus oder wie die ganzen Politiker dort heißen werden es schon richten. Homer und Odyseus werden nicht böse sein wenn ein paar Deutsche weniger kommen. Ein grichicher Politiker hat ja schon geklagt die Wehrmacht hätte im Krieg die Goldschätze dort requeiert. Wir wollen doch nicht noch beschuldigt werden die Steine der Akropolis mitgenommen zu haben, sonst müssen wir noch mehr zahlen...
MG am 2.05.10 20:58
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Zum SeitenanfangMit Tieren bin ich groß geworden. Zur Standardausstattung meines elterlichen Haushalts gehörte stets ein Schäferhund, genauer gesagt ein deutscher Schäferhund. Hinzu kamen mit der Zeit jede Menge Vögel, die in einer Freiluft-Voliere gehalten wurden, sowie bunte Warmwasser-Fische in einem Aquarium. Das stand im Wohnzimmer und sollte für jene beschauliche Ruhe sorgen, die sich Eltern gerne von ihren Kindern wünschen.
Der Wunsch wurde allerdings selten Wirklichkeit. Auch die Hoffnung meiner Eltern, meine Geschwister und mich mit der Versorgung der Tiere zu betrauen und so unser Verantwortungsbewusstsein zu stärken, erfüllte sich nur in Ansätzen. Bei schönem Wetter stürmten wir Kinder zum Spielen nach draußen und vergaßen, Vögel und Fische zu füttern. Der Bolzplatz bewies zudem Tag für Tag eine höhere Attraktivität als der Spaziergang mit dem Hund über öde Feldwege.
Schließlich übernahmen die Eltern die Versorgung der Tiere. Weil sie aber nicht täglich die Zeit für ausgedehnte Spaziergänge mit dem Hund hatten, wurde unser Garten eingezäunt und der Vierbeiner aus seinem Zwinger befreit. Dieser erste Befreiungsakt reichte aber der Schäferhunddame Freya nicht. Sie grub ein Loch unter dem Zaun und entwischte in die große Freiheit. Die war aber in der Kleinstadt begrenzt, das hatte ich als Jugendlicher schon am eigenen Leib erfahren. Irgendein Nachbar beobachtet einen immer. Freya lief einem Arbeitskollegen meines Vaters über den Weg. Der griff zum Telefon, und nach wenigen Stunden in Freiheit wurde unsere Hündin wieder im heimischen Garten untergebracht, das Loch unter dem Zaun war inzwischen sorgfältig verschlossen.
Lange vor Montagsdemonstrationen und Mauerfall faszinierte mich damals das Freiheitsstreben, und sei es das unseres Hundes. Vielleicht wurde der Grund dafür schon in meiner Kindheit gelegt. Mein älterer Bruder - er ist Psychologe – erinnert sich daran, dass er mir früher ständig aus dem Buch
"Der Löwe ist los" vorlesen musste. Darin macht ein Löwe, der aus dem Zoo ausgebrochen ist, die Stadt "Irgendwo" unsicher. Nur einige Kinder haben keine Angst vor dem Tier mit der mächtigen Mähne und freunden sich mit ihm an.
Nicht irgendwo, sondern in
Herford haben kürzlich zwei Berberaffen die Freiheit gesucht. Sie flüchteten aus ihrem Gehege und schauten sich ihr Gefängnis von außen an, ließen sich von den Tierparkbesuchern füttern und begleiteten sogar Walker auf ihrer Tour in den nahen Stadtwald. Danach kehrten sie in den Zoo zurück, ließen sich aber nicht ins Gehege locken. Ihren Ausflug beendeten schließlich die Tierpfleger. Sie betäubten die beiden Affen und brachten sie zurück in ihr Gehege. Geschichten über Freiheitsliebe und Freigeister enden, so scheint es, oft traurig. Traurig stelle ich mir auch die beiden Affen vor, als sie aus der Betäubung aufwachten. Sie waren wieder gefangen - und hatten dazu noch neue Namen:
Bonnie und Clyde, wie die berühmten Schwerkriminellen. Geht man so mit Freiheitsliebenden um, liebe Herforder?
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Zum SeitenanfangNoch nervt der Winter mit einigen Rückzugsgefechten, doch den Frühling kann er nicht aufhalten. Das sagt nicht nur die Lebenserfahrung, sondern auch der Blick aus dem Fenster: Die Forsythien blühen, und die ersten Bäume tragen ein Kleid aus zartem Grün. Drinnen, in der Redaktion, schleppen sich bereits Kollegen schniefend durch den Arbeitstag, weil sie allergisch auf den ersten Pollenflug reagieren oder weil sie etwas vorschnell das Dach ihres Cabrios geöffnet haben. Die anderen aber pfeifen bisweilen vor sich hin, frühlingshaft gut gelaunt.
"Mit Musik geht die Arbeit besser von der Hand", wusste schon meine Oma. Beim Abwasch nach dem sonntäglichen Mittagessen untermalte deshalb oft Mozart das Geklapper von Tellern und Besteck. Listig nutzte ich die großmütterliche Weisheit, um meinen Eltern zu verkünden, dass ich bei den Hausaufgaben ebenfalls Radio hören müsste. Das führte zu langatmigen Debatten, ob das, was ich mir im Radio anhörte, Musik oder konzentrationsfeindlicher Krach war. Letztlich durfte ich die Vokabeln aber zur Musik pauken. Meinen schulischen Leistungen hat es nicht geschadet, und irgendwann hörten auch die lernpsychologischen Diskussionen mit meinen Eltern auf.
Inzwischen pfeifen es längst die Spatzen von den Dächern: Musik ist gut für die Seele. Deshalb wird sie inzwischen fast überall gespielt: im Supermarkt und in der Zahnarztpraxis, in der dunklen Bahnhofs-Unterführung und natürlich im Restaurant, dort dankenswerterweise selbst auf dem ehemals stillen Örtchen. Und wo keine Musik läuft, behelfen wir uns mit Music to go, abrufbereit auf schicken MP3-Playern oder stylischen Smartphones. Und doch fehlt etwas, und es fehlt schmerzlich, wie die Landesregierung erkannt hat: Volkslieder kennt kaum noch ein Kind. Die alten Weisen sind in Vergessenheit geraten, wogegen Rüttgers und Co. nun mit einem
Förderprogramm zu Felde ziehen wollen. Wahrscheinlich im Frühtau auf der Landesgartenschau oder an dem Brunnen vor dem Stadttor, in dem sich die Staatskanzlei befindet, haben sie diesen Plan ausgeheckt. Er soll Evergreens wie "Hoch auf dem gelben Wagen" oder "Das Wandern ist des Müllers Lust" in Herzen und Ohren der Jüngsten einpflanzen.
Damit sie dort dauerhaft Wurzeln schlagen, könnte es bald vielleicht Volkslieder als Klingelton zum Download auf der Website der Landesregierung geben. Und möglicherweise dröhnt dann irgendwann aus den tiefer gelegten Autos, die durch unsere Straßen kurven, nicht mehr Hip-Hop oder Ethno-Pop, sondern es perlen Liedchen wie "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" oder "Weißt du, wie viel Sternlein stehen" aus den Wagenfenstern. In den Sternlein steht aber zunächst, ob Jürgen Rüttgers und Andreas Pinkwart die Volkslied-Rettung noch umsetzen können, denn am 9. Mai ist Landtagswahl und ihre Mehrheit gefährdet. Stichwort: Schlussakkord. Dem Vernehmen nach haben die SPD und Grüne ebenfalls ihre Liebe zum Volkslied entdeckt und ihre Front-Frauen Kraft und Löhrmann üben bereits für den Wahlabend das Liedchen ein:
"Nehmt Abschied, Brüder".
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Als ich ganz jung war, trötete
Benjamin Blümchen noch nicht durchs Kinderzimmer. Auch die
Teletubbies bevölkerten nicht Fernsehschirm und frühkindliches Bewusstsein. Stattdessen bekam ich, um besser einzuschlafen, Märchen zu hören. Fasziniert war ich besonders von Rotkäppchen, allerdings weniger von dem naiven jungen Ding, das dem Märchen den Namen gibt. Interessanter fand ich in der Geschichte den Wolf und sein Schicksal. Das endet bekanntermaßen im Brunnen. Beschwert von Wackersteinen, die ihm ein herzloser Jäger in den Bauch genäht hat, muss der Isegrimm jämmerlich ersaufen.
Die Geschichte lässt viele Fragen offen. Warum hat der Wolf Rotkäppchen nicht bereits bei der ersten Begegnung gefressen? Warum die aufwändige Maskerade als Großmutter? Wie konnte Rotkäppchen im Bauch des Tieres überleben, und das gänzlich unzerkaut und unverdaut? Und warum erschießt der Jäger nicht einfach den Wolf, nachdem er das Rotkäppchen in einer Operation aus seinem Bauch befreit hat? Über solche Fragen sinnierend, glitt ich in unruhigen Schlaf, oft von Träumen begleitet, in denen der wilde Vierbeiner eine zentrale Rolle spielte.
Meine Kindheit verging, die Faszination durch den Wolf blieb. Im Lateinunterricht erfuhr ich, dass am Anfang des mächtigen römischen Reiches ein Wolf stand, genauer eine Wölfin. Hier lernte ich auch den Spruch "homo homini lupus", also dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sei. Das ließ mich wieder neu über das Rotkäppchen-Märchen rätseln. Welche Beziehung hatte der Jäger zur Großmutter? Und wie war eigentlich das Verhältnis von Rotkäppchen zu seiner Mutter? Als ich einmal zu sehr ins Grübeln geriet, holte mich der Lateinlehrer mit der Aufforderung, den nächsten Abschnitt zu übersetzen, in die Wirklichkeit zurück. Ich schwöre, dass er dabei wölfisch gelächelt hat.
Verleidet wurde mir der Wolf dadurch nicht. Zahllose Dokumentarfilme mit dem hochbeinigen Raubtier habe ich mir angeschaut, dazu natürlich jede Menge fiktiver Stoffe, von
"Wolfsziegel" bis zum
"Werwolf von Washington", der eine hübsche Pointe hat. Als der amerikanische Präsident die Erklärung abgibt, dass man die Werwölfe endgültig besiegt habe, verwandelt er sich selbst in einen. Aber was sind schon Film und Fernsehen gegen der Wirklichkeit? Eine Haarprobe hat ans Licht gebracht, dass ein freilebender
Wolf in NRW unterwegs war oder sogar noch ist. Das hat - wirklich! - Frau Wolff vom Regionalforstamt Hochstift bekannt gegeben. Diese Nachricht verspricht ein neues Prickeln beim Waldspaziergang. Nun hoffe ich inständig, dass der flugs ernannte Wolfsbeauftragte des Landes ganze Arbeit leistet und sich gegen die Landwirte durchsetzt. Vor allem muss er dafür sorgen, dass sich Ingo Wolf nicht für den Wolf zuständig erklärt. Denn dem NRW-Sicherheitsminister werden starke Sympathien für die Jäger nachgesagt.
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Zum SeitenanfangAuf das moderne Leben hat mich die Schule unter anderem mit Latein- und Griechisch-Unterricht vorbereitet. Das haben meine Freunde, die lieber Französisch oder Italienisch lernten, oft belächelt. Das Lächeln dürfte ihnen allerdings in diesen Tagen vergehen. Denn nun zahlt es sich aus, dass ich mich jahrelang mit staubigen Texten und längst vergangenen Epochen beschäftigen musste. Wie schon ein weiser Mann wusste: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Mit den alten Griechen und Römern lässt sich manches erklären, was Jahrtausende später hierzulande geschieht.
Außenminister Westerwelle hat das erkannt und vor
spätrömischen Zuständen im deutschen Sozialstaat gewarnt. Besser hätte er aber einige Jahrhunderte weiter zurückgeblickt und sich mit einer antiken Dreierkoalition beschäftigt: Das Bündnis von Crassus, Pompeius und Cäsar ist als
Triumvirat in die Geschichte eingegangen und wollte sich das römische Reich untertan machen. Crassus hatte das Geld, Pompeius die Soldaten und Cäsar den politischen Instinkt. Die Voraussetzungen dieser Koalition waren somit noch deutlich besser als die von Westerwelle, Seehofer und Merkel – und sie scheiterte trotzdem, am Eigensinn der Akteure.
Das Beispiel lehrt, sich seine Partner sehr genau anzuschauen, bevor man mit ihnen ein Bündnis eingeht. Diese simple Erkenntnis wird aber immer wieder vergessen. Die erste deutsche Neuauflage des Triumvirats mit Scharping, Lafontaine und Schröder, als
Troika in die Geschichte der Sozialdemokratie eingegangen, war zu Ende, kaum dass die entsprechenden Werbeplakate abgehängt waren. Und das aktuelle Berliner Bündnis wird dem staunenden Publikum als Liebeshochzeit verkauft, wo doch allzu offensichtlich ist, dass im Vergleich selbst die vorherige Zweckehe zwischen Union und SPD wie der reinste Honeymoon erscheint. Zwischen Angela, Guido und Horst dagegen
fliegen die Fetzen.
Vielleicht hilft in dieser Situation die Feindesliebe, zu der uns das Christentum auffordert. Vorbildlich praktiziert diese der Arbeitskreis Kölner Archivarinnen und Archivare (AKA). Er feiert diese Woche den Tag der Archive, und er tut das gemeinsam mit den Kölner Verkehrsbetrieben. Vorgestellt wird unter anderem eine neu gestaltete
"Archiv-Bahn", die "auch über den Tag der Archive hinaus auf die Vielfalt und den Wert der Kölner Archive in der Öffentlichkeit hinweisen wird". Dass im vergangenen Jahr das wichtigste Kölner Archiv in eine U-Bahn-Baugrube der KVB stürzte, wird in der Mitteilung nicht erwähnt. Hier wird eben nicht kleinlich nachgehakt und aufgerechnet wie in der Politik. Vielleicht liegt das ja daran, dass Menschen, die mit alten staubigen Texten umgehen, gelassener auf die Zeitläufte blicken. Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne, und die Zerstörung von heute ist das Kulturgut von morgen.
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Zum SeitenanfangIn diesen kalten Tagen wächst die Sehnsucht nach allem, was Herz und Glieder wärmt. Vor allem dem Rheinländer bietet der Kalender dazu gleich zwei Möglichkeiten: den Karneval und den Valentinstag. Im Karneval kann man und frau sich warm schunkeln, mit Hilfe von reichlich Alkohol für innere Wärme sorgen und durch zwanglose Annäherung ans andere oder - je nach Neigung - eigene Geschlecht für heiße Momente sorgen. Der Valentinstag dagegen ist sozusagen eine Aufwärmstube für Beziehungen, selbst erkaltete: Wichtige Zutaten sind hierfür Blumensträuße, liebevoll gedeckte Frühstückstafeln oder Überraschungsreisen, am besten in karnevalsfreie Regionen.
Denn das närrische Treiben ist von jeher eng mit dem hemmungslosen Flirt bis hin zum Fremdgehen verbunden, weshalb etwa Frank Plasberg das Thema Treue am Tag vor Weiberfastnacht
hart aber fair diskutieren ließ. Dabei ist das karnevalistische Leben bei näherem Hinsehen durchaus vielschichtig: Während die einen den
treuen Husaren besingen, fühlen sich andere eher der Weisheit verpflichtet, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist: "Die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei." In Köln warnt das Historienspiel von
"Jan und Griet" zum Karnevalsauftakt davor, sich berechnend der Liebe zu nähern. Das Spiel erinnert an den armen Bauernjungen "Jan von Werth". Jan verliebt sich in Griet und macht ihr einen Heiratsantrag, den sie ablehnt. Als Jan zum Reitergeneral aufsteigt und Jahre später Griet wiedertrifft, ist der Katzenjammer bei ihr natürlich groß.
Auf den ersten Blick netter ist die Legende vom
heiligen Valentin, angeblich Bischof im italienischen Terni, einem Städtchen nordöstlich von Rom, im dritten nachchristlichen Jahrhundert. Der fromme Mann soll Paare und Verliebte immer mal wieder mit Blumengeschenken aus seinem bischöflichen Garten überrascht haben, wofür ihm heute noch alle Floristen dankbar sind. Allerdings nahm Valentins Geschichte ein schlimme Ende: Weil er nicht nur Blumen verteilte, sondern auch zum Boykott des Kriegsdienstes aufgerufen haben soll, ließ ihn der römische Kaiser töten. Gottlob ist die Kriegsdienstverweigerung inzwischen ungefährlicher geworden, wie auch die Krieger, zumindest als Husaren im Karneval.
Gefährlich bleibt aber der Karneval für Paare, weil eben nicht nur treue Husaren Zugweg und Kneipen bevölkern. Mein Freund Heinz hat das Problem pragmatisch gelöst. Vor einigen Jahren hat er im Karneval seine jetzige Freundin kennen gelernt und kurz darauf seine Frau verlassen. Seither feiert er nicht mehr Karneval. Mit seiner neuen Freundin fährt er vorsichtshalber weg. Nur in diesem Jahr bleiben die beiden zuhause und verbringen den Valentinstag im Krefelder Zoo, um bei einer romantischen Führung, wie der Tiergarten verspricht, "schmusende Schneeleoparden" und "kuschelnde Kängurus" zu beobachten. Doch auch Karneval feiernde Paare können hoffen, dass ihre Beziehung nicht in Scherben endet. Köln hat nämlich ein
Glas- und Flaschenverbot in den Frohsinns-Zentren erlassen.
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Zum SeitenanfangNach einem Spätdienst in der Redaktion würde ich gerne am folgenden Tag etwas länger schlafen. Meistens bleibt mein Wunsch aber unerfüllt. Das liegt daran, dass oft in aller Frühe der Müllmann Sturm klingelt und mich unsanft aus dem Schlaf holt. Montags holt er die Papiertonne aus dem Hof, dienstags die gelbe Tonne mit dem Grüne-Punkt-Müll und mittwochs die grauen Behälter mit dem Restmüll. Vielleicht träume ich deshalb manchmal, dass ich in einem Gerichtssaal sitze und eine Klage gegen die Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt Köln vorbringe. In dem wiederkehrenden Traum sitzen mir gegenüber auf der Anklagebank feixende Ratspolitiker in den Overalls der Stadtreinigung. Kurz bevor das Gericht sein Urteil sprechen kann, ist der Traum jedes Mal zu Ende. Weil der Müllmann klingelt.
Im Wachzustand bin ich natürlich dankbar dafür, dass der Müllmann zuverlässig die vollen Abfalltonnen des Mietshauses, in dem ich wohne, vom Hof auf die Straße bugsiert, sie dort in den Müllwagen entleert und sie wieder im Hof abstellt, aufnahmebereit für neuen Müll. Und natürlich bin ich auch ein glühender Verfechter der Mülltrennung, ein wenig hat die Ökologiebewegung schließlich auch mich bewegt. Gewissenhaft habe ich mich mit den Fragen beschäftigt, wohin der Grünschnitt unseres kümmerlichen Rasens gehört, wo Batterien zu entsorgen sind und in welche Tonne der Plastikmüll zu stopfen ist.
In unserem Haus hat die Mülltrennung leider für eine Störung des ansonsten harmonischen Miteinanders gesorgt. Manfred aus dem Erdgeschoss isst gerne und oft Döner, was selbst im Hausflur gut zu riechen ist. Seit Jahresbeginn quält er sich mit einer Diät – nach der Methode "FdH": Manni isst seinen täglichen Döner also nur zur Hälfte auf, der Rest landet im Biomüll. Das sorgte bei Silke aus dem Dachgeschoss vor kurzem für einen Schock, als sie den Deckel der Biotonne öffnete. Erst umhüllte sie eine Knoblauchwolke, und dann entdeckte Silke Mannis Döner-Hinterlassenschaften, neu belebt von fetten weißen Maden. "Fleisch gehört nicht in die Biotonne", kreischte Silke, deutlich hörbar bis in meine Wohnung im dritten Obergeschoss.
Axel aus dem ersten Stock ist Finanzbeamter, ein ruhiger Typ und ein Mann mit Prinzipien. Vor zwei Wochen wurde ich Zeuge, wie er fast ausflippte. Axel wollte einen gelben Sack mit seinen Plastikabfällen in die Gelbe Tonne stopfen. Die war aber schon voll, offensichtlich mit Kunststoff-Abfällen von Silke. "Kann denn keiner hier ordentlich seinen Müll entsorgen", zeterte Axel über den Hof. Er hatte entdeckt, dass Silkes Plastikmüll der grüne Punkt fehlte und nach der ortsüblichen Müll-Logik in die Restmüll-Tonne gehörte. Seither ist Silke eingeschnappt und hat aus Trotz damit begonnen, auch die Windeln ihres Kindes in die Gelbe Tonne zu stopfen.
Die angespannte Atmosphäre im Haus, da bin ich mir sicher, wird sich aber schon bald wieder entspannen. Manni wird seine Diät nicht mehr lange durchhalten und seine Döner wieder vollständig vertilgen. Silkes Kleiner wird aus den Windeln rauswachsen. Die
Abfallbranche plant, die Entsorgung von Plastikmüll ohne Grünen Punkt in der Gelben Tonne zuzulassen. Und ich werde mir Ohrenstöpsel kaufen. Aber wo entsorge ich die später bloß?
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Zum SeitenanfangIn der elften Klasse stand das erste Mal Philosophie auf meinem Stundenplan. Das traf sich gut, weil ich mich, durch die Pubertät bedingt, sowieso fortwährend mit grundlegenden, mitunter philosophischen Fragen beschäftigte: Wer bin ich? Warum bin ich anders als die Anderen? Was hat Hermann, das ich nicht habe? Warum interessiert sich Claudia für Hermann und nicht für mich? Hat das Leben trotz allem einen Sinn, und wenn ja, welchen?
Befriedigende Antworten bekam ich allerdings kaum, weder von mir selbst, von meinen Freunden noch im Philosophieunterricht. Dort war das beherrschende Thema Anthropologie, also der Mensch im Allgemeinen und Grundsätzlichen. Der ist noch unfertig, wenn er auf die Welt kommt, und sowieso ein "Mängelwesen", lernte ich. Eine nicht gerade aufbauende Erkenntnis, wenn man sich mit Selbstzweifeln herumschlägt. Tröstlich war allerdings, dass dieses Etikett nicht nur auf mich zutraf, sondern in gleicher Weise auf Hermann.
Zum Ausgleich seiner Mängel, so dozierte der Philosophielehrer, sei der Mensch auf andere Menschen angewiesen und habe zudem Werkzeuge und Maschinen erfunden. Der Keil war sozusagen die erste Applikation für unsere steinzeitlichen Vorfahren, die auf der Suche nach Beute durch den Wald streiften. Heutzutage laufen wir mit dem Smartphone durch die Gegend und lassen uns von ihm anzeigen, wo die nächste Dönerbude ist oder ob das Museum um die Ecke noch geöffnet hat. Mini-Programme, so genannte Apps, machen aus dem Mängel-Instrument Handy einen Tausendsassa. Mehr als 100.000 Apps wurden inzwischen allein für den Marktführer entwickelt.
Für Schüler gibt's eine Stundenplan-App, für Musikfreunde die "Pandora"-App, für Schützenbrüder die App
"Bullet Flight", das beim Zielen hilft. Weitere Apps sind angeblich in der Entwicklung, wenn nicht schon auf dem (Schwarz-)Markt: "Exit" soll Knastinsassen einen Einblick in die Dienstpläne der JVAs ermöglichen und Ausbruchspläne optimieren. "Watch" soll Politikern signalisieren, wenn ihre Reden mitgeschnitten werden. Doch das Verrückte am modernen Leben ist, dass es gleichzeitig immer einfacher und immer komplizierter wird. Es gibt inzwischen so viele kleine hilfreiche Programme, dass ich schon wieder den Überblick verloren habe. Aber vielleicht gibt es ja bald eine Apps-Überblick-App, und mit ihrer Hilfe werde ich voller Hoffnung nach der ultimativen App für mich suchen – der Glossen-App.
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Zum Seitenanfang"Jedem Anfang wohnt ein Zauberer inne", behauptete einmal mein früherer Chef. Das hat bei meinen literarisch gebildeten Kollegen damals für Heiterkeit gesorgt. Denn offensichtlich wollte unser Chef den guten alten Hermann Hesse zitieren, hatte aber aus dem richtigen "Zauber" einen falschen "Zauberer" gemacht. Auch ich hatte damals meinen Spaß, denn was gibt es Amüsanteres als Fehler von Vorgesetzten? Inzwischen schwant mir jedoch, dass in dem verhunzten Zitat eine tiefere Wahrheit verborgen liegt. Denn mancher Anfang, den ich seither erlebt habe, war alles andere als zauberhaft, eher so, als hätte ein Zauberlehrling daran herumgestümpert - oder gar eine missgünstige Hexe, so eine mit behaarter Warze.
Gerade zum Jahreswechsel versuchen wir uns gerne selbst als Zauberer, tüfteln bis zuletzt an einem gelungenen Rutsch in den neuen Zeitabschnitt. Deshalb gehört die Frage "Was machst Du denn so an Silvester?" zu den Klassikern im Dezember. Auf die Frage gibt es in der Regel nur ausweichende Antworten. Moni etwa konnte sich vorstellen, mit ihrer Freundin Britta tanzen zu gehen. Allerdings nur, wenn Paul nicht auf die Idee käme, sie zu einem trauten Silvester zu zweit einzuladen. "Ich kann Silvester aber auch gut alleine zuhause verbringen", erklärte sie mir selbstbewusst. Gerald wollte es diesmal ruhiger angehen lassen, entweder nur mit seiner Freundin oder im "allerengsten Kreis" den Jahreswechsel erleben. Es sei denn, irgendwo gebe es noch eine "Knallerparty". Ich selbst war ebenfalls lange unentschlossen. Nach einer großen Party war mir diesmal nicht zumute, nach einer besinnlichen Runde mit meinen ältesten Freunden auch nicht. Alleine wollte ich aber auf keinen Fall sein, wegfahren auch nicht. Eine gemeinsame Feier mit Doktor Gregor kam nicht in Frage, schließlich wollte ich mir den Zauber des neuen Jahres nicht von jemandem trüben lassen, der sich - in seiner Freizeit! - mit dem Weltende beschäftigt und auch noch angekündigt hatte, besonders eindrucksvolle Raketen zu zünden.
Schließlich fand ich mich Silvester wieder in einer Runde mit meiner alten Freundin Regina, meiner älteren Schwester samt Mann und meiner noch älteren Großtante. Nach Mitternacht stieß Doktor Gregor dazu, zum Glück hatte er seine Raketen und sein Pulver schon unverletzt verschossen. Es war eine nette Feier, wir aßen Kartoffelsalat und Würstchen, gossen Blei – und tranken jede Menge Sekt. Wie ich nach Hause kam, weiß ich nicht mehr genau. Es war wohl ein Taxi im Spiel.
Am Neujahrsmittag wachte ich auf. Mein Kopf war schwer. Ich versuchte mich zu erinnern, welche guten Vorsätze ich für das Jahr 2010 gefasst hatte. Es fiel mir nicht mehr ein. Ich wusste nicht einmal mehr, ob ich mir etwas vorgenommen hatte. Vorsätze, so dachte ich, werden sowieso überschätzt. Ich stolperte ins Bad, durch meinen Kopf schwirrte das Zauber-Gedicht des guten alten Hermann Hesse. Über die Toilette gebeugt fiel mir wieder die letzte Zeile ein: "Wohlan denn, Magen, nimm Abschied und gesunde!" Und schon war auch mein vergessener Vorsatz für 2010 wieder da: Loslassen.
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Zum Seitenanfang"Rosa" war rosafarben, wunderbar rund und hatte lustige Äuglein. Ich liebte Rosa und fütterte sie regelmäßig mit Groschen und 50-Pfennig-Stücken, die ich von Tanten und Onkeln zugesteckt bekam. Das Sparschwein wurde dadurch immer schwerer und verheißungsvoller. Würde das gesparte Geld reichen, um eine neue Lokomotive für meine Modelleisenbahn zu kaufen? Gespannt fieberte ich dem Tag entgegen, an dem das Schwein voll war und reif fürs Schlachten. Das geschah mit einem Hammer und war doppelt enttäuschend: Rosa war unwiederbringlich zerstört, und das Geld, das sie freigab, reichte nicht für die ersehnte Lok.
Ähnliche Erfahrungen machen regelmäßig unsere Politiker. Bei jedem Regierungswechsel schaut der neue Finanzminister erwartungsvoll in die Staats-Kasse, reibt sich erst verwundert die Augen und bricht dann in Tränen aus. Denn immer ist in der Staatsschatulle weniger drin als benötigt. Lokomotiven könnte man von dem vorhandenen Geld zwar reichlich kaufen, sogar echte Große. Aber die Politiker wollen lieber anderes Spielzeug, einen
Riesen-Transporter für die Bundeswehr etwa. Außerdem müssen ja auch die Geschenke, die man den Wählern versprochen hat, finanziert werden.
Als ich Rosa in Scherben schlug, saß die Bundesregierung noch in Bonn, der Finanzminister hieß
Franz Josef Strauß und der Bundeshaushalt wies einen Überschuss aus. Seitdem ist viel passiert: Die Bundesregierung sitzt inzwischen in Berlin und auf einem Berg von Schulden. Allein im kommenden Jahr sollen
rund 100 Milliarden dazukommen. Denn die schwarz-gelbe Koalition will erst einmal kräftig Schulden machen, um dann kräftig auf die Schuldenbremse zu treten. Es muss also erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann. Das erinnert mich ein wenig an Homöopathie, allerdings ist die Dosis der Neuverschuldung alles andere als homöopathisch.
Ich habe einen anderen finanzpolitischen Kurs eingeschlagen als Waigel, Eichel und Co. Mein erster Neuwagen beispielsweise war ein Lada Samara. Der war zwar nicht so schick wie die Golf-Modelle meiner Freunde, aber deutlich preiswerter. Außerdem ließ sich seine Anschaffung als Unterstützung von Gorbatschow, Glasnost und Perestroika verkaufen, schließlich wurde das Auto in Russland produziert. Mein nächster Wagen wird vielleicht ein Automatik-Modell. Dabei muss ich natürlich aufpassen. Denn wer von Selber-Schalten auf Automatik umsteigt, tritt gern schon mal gleichzeitig auf Gas und Bremse. Das scheint zwar politisch angesagt, produziert nach meiner Erfahrung jedoch vor allem eins - viel Qualm.
Rosa, Schäuble und der Schuldenberg
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Trotz Lichterketten an meinem Nachbarhaus und Glühwein-Genuss auf dem Weihnachtsmarkt will bislang keine Adventsstimmung bei mir aufkommen. Vielleicht liegt es am Wetter. Denn die zehn Grad plus passen einfach nicht in mein romantisches Bild dieser Zeit. Vielleicht ist es aber auch die Aussicht auf den
Klima-Gipfel in Kopenhagen. Der scheint schon gescheitert, bevor er begonnen hat. Dabei wäre eine wirksame Einigung, den weltweiten Temperaturanstieg zu bremsen, enorm wichtig. Nicht nur für meine Adventsstimmung, sondern um den Weltuntergang abzuwenden.
In Sachen Weltuntergang ist mein Blog-Kollege
Doktor Gregor ein Experte. Er schreibt ein wissenschaftliches Buch über die Apokalypse, das demnächst erscheint. Darin geht es vor allem um die Weltuntergangs-Vorstellungen in der Bibel. Außerdem hat er ein Buch über modernere Endzeit-Visionen in der Mache. Das wird sich dann auch mit den Phänomenen beschäftigen, die uns Tag für Tag beschäftigen und aktuell die Adventsstimmung verderben: Dürren und Starkregen, schmelzendes Eis und Versteppung, Wasser- und Hungersnöte, ergebnislose Konferenzen und vergebliche Verhandlungen.
Mit Blick auf den Kopenhagener Gipfel versorgen uns die Medien mit vielen Ratschlägen, wie wir uns weniger klimaschädlich verhalten können. Heizung runterdrehen, weniger Auto fahren und weniger Fleisch essen, auf Fernreisen verzichten - das wäre mal ein Anfang. Ein Experte empfiehlt, statt
Treppen zu steigen den Aufzug zu nehmen, weil das weniger CO2 freisetze. Das Argument werde ich mir merken und einsetzen, wenn meine Freundin Regina mal wieder rummosert, ich würde mich zu wenig bewegen. Leider wohne ich ohne Aufzug; werde mal ernsthaft mit meiner Vermieterin über ihre ökologische Verantwortung reden müssen - bei einem Gläschen
Champagner. Der ist nämlich klimaverträglicher als Sprudel.
Auf die Klimakonferenz in Kopenhagen werde ich mich mit einem Besuch in Bonn einstimmen. Nicht, weil dort schon seit langem ein
Treibhaus-Klima herrscht, sondern weil hier der weltweit größte Dino ausgestellt wird. Der ist natürlich lange tot und nur noch als Skelett zu sehen. Die Geschichte der Dinosaurier mahnt uns, die großen Kerle mit dem kleinen Hirn sind ja wahrscheinlich wegen eines Klimawandels von der Erde verschwunden. Allerdings waren sie an dem, im Gegensatz zu uns Menschen, nicht selbst schuld. Sogar der Klimawandel war früher, also zu Dinos Zeiten, irgendwie besser. Er kam so natürlich daher, mit Meteoriten oder Eruptionen auf der Sonne.
Wir sind dagegen schuldig geworden am Klima und müssen uns nun um
furzende Kühe, Wasserspartasten und Wärmedämmung kümmern. Denn am Ende aller Tage wird abgerechnet - bestimmt auch ökologisch. Ich glaube, dass beim Jüngsten Gericht ein Vertreter des BUND oder von Greenpeace dabeisitzt, wie Gottvater mit einem langen Bart, nur weniger gepflegt. Und ich ahne schon, was er mich fragen wird: "Bist du auch immer Aufzug gefahren?"
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Zum SeitenanfangFußball war mein Leben, zumindest ein Jahr lang. Während der fußballverrückten Zeit wurde die Schule zur Nebensache. Hastig schlang ich das Mittagessen hinunter, schlüpfte in die Sportklamotten und radelte zum Bolzplatz, den ich erst bei anbrechender Dunkelheit wieder verließ. Einer meiner Spitznamen damals war "Gazelle". Das gefiel mir, und ein bisschen fühlte ich mich auch wie dieses flinke Tier, wenn ich leichtfüßig mit dem Ball über den Platz rannte. Jahre später klärte ein Freund mich auf: Die Gazelle wäre für ihn und die anderen Kumpels vor allem ein besonders schreckhaftes Tier, ständig fluchtbereit, deshalb hätten sie mich so genannt. Ich war tief getroffen und schwor mir, Freunden, Tieren und dem Fußball gegenüber eine kritischere Haltung einzunehmen.
Heute beschäftige ich mich vor allem theoretisch, also vom Fernsehsessel aus mit dem Fußballsport, natürlich kritisch. Taktik, Trainer und Team nehme ich genau unter die Lupe, aber auch das ganze System. Zu dem gehören, das macht der jüngste
Wettskandal deutlich, auch Schiebereien. So ärgerlich die auch sein mögen - sie belegen das gewachsene Interesse der Welt am deutschen Fußball. Vor Jahren noch mussten die Kicker des FC Bayern höchstpersönlich durch Asien reisen, um Fußball made in Germany bekannt zu machen. Heutzutage kennen sich die Asiaten besser aus mit dem deutschen Fußball als mancher Einheimischer. So wetten beispielsweise Fußballfans in der chinesischen Provinz bereits auf Spiele in unserer vierten Liga, etwa vom
SC Verl - wenn das kein Fortschritt ist.
Ich selbst, das muss ich zugeben, habe den SC Verl bislang kaum wahrgenommen. Es scheinen aber in diesem Club einige Gazellen mitzuspielen, die im geeigneten Moment vor dem Gegner Reißaus nehmen oder aber ihn leichtfüßig ausdribbeln - je nachdem, was der Provinzchinese für seinen Wettzettel gerade braucht. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass die Verler Kicker eher den chinesischen
Panda-Bären gleichen. Die sind im Dunkeln besonders rege und bei Chinesen wie Deutschen gleichermaßen beliebt. Helmut Kohl hat sogar mal ein Panda-Weibchen geschenkt bekommen - vom chinesischen Ministerpräsidenten. Manche meinen, danach sei Kohls Beliebtheit sprunghaft gestiegen.
Eine weitere Steigerung ist zu erwarten. Denn beliebter noch als der Panda ist hierzulande das Rehkitz, oft schlicht Bambi genannt. Dessen
edelste Variante - die im Gold-Dress - wird alljährlich an viele verdiente Medien-Menschen vergeben. Das "Millenium-Bambi" erhielt in diesem Jahr: Altkanzler Helmut Kohl. In der Pressemitteilung heißt es zur Begründung: "Helmut Kohl warf als Bundeskanzler 16 Jahre lang seine ganze Energie und sein strategisches Genie in die politische Waagschale." Kohl in der Waagschale, diese Metapher hätte man sich meiner Meinung nach verkneifen sollen. Zum Glück fielen wenigstens nicht die Begriffe "Spenden", "Bimbes" oder "Ehrenwort". Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut für den Ex-Kanzler. Künftig wird mir stets das Rehkitz einfallen, wenn ich an ihn denke. Das ist ja quasi eine Art deutscher Gazelle.
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Zum SeitenanfangDer Vertrauenslehrer unserer Jahrgangs-Stufe war ein cooler Typ, mit langem Haar, ironischem Lächeln und guten Sprüchen. Er hieß Wenzel, unterrichtete Deutsch und Geschichte und war vor allem unser Ansprechpartner, wenn wir Probleme mit seinen Kolleginnen und Kollegen hatten. Im ewigen Kampf zwischen Schülern und Lehrern war er stets Vermittler, und manchmal sah man ihm an, wie anstrengend das war. Wenzels wertvollstes Kapital war das Vertrauen, das er bei Schülern wie Lehrern besaß. Verloren hat er es in einer einzigen Nacht - der Nacht, die er mit der hübschen Ulrike aus der 12 verbrachte.
Was Wenzel widerfuhr, wiederholt sich derzeit fast täglich. Wohin wir schauen - überall wird Vertrauen aufgebraucht, zerstört, enttäuscht. Der nette Herr König von der Bank hat sich längst als windiger Finanzjongleur erwiesen und der Opel-Mutterkonzern als ganz und gar unmütterlich. Der
FC Bayern, einst ein sportliches Juwel, wirkt derzeit wie billiger Modeschmuck. Manchmal ist der Vertrauensverlust das reinste Dominospiel, wie etwa bei der SPD: Erst werden die Wähler von den Genossen enttäuscht, die daraufhin das Vertrauen in ihr Führungspersonal verlieren, das wiederum den Glauben an das Wahlvolk verliert.
Wie eine Seuche hat der Vertrauensverlust unser Land erfasst. Wer heute den Versprechungen der Konzerne glaubt und Aktien erwirbt, ist morgen ein Gläubiger und muss übermorgen vielleicht schon dran glauben. Wer darauf vertraut hat, dass die neue Regierung gut mit unseren Steuergeldern umgehen kann, erlebt derzeit sein blaues Wunder. Und wer den Halbgöttern in Weiß vertraut, muss angesichts der Debatte über Sinn oder Unsinn einer Impfung gegen die
Schweinegrippe schier verzweifeln.
Neues Vertrauen aufbauen heißt deshalb das Gebot der Stunde. General Motors hat bereits damit angefangen und seinen Chef zu einer Goodwill-Tour in die Opel-Zentrale geschickt. In den "Tagesthemen"
entschuldigte sich GM-Boss Fritz Henderson für das Hin und Her seines Konzerns in der Opel-Frage.
Sigmar Gabriel und Andrea Nahles sind durch die Provinz gereist und haben sich Fragen und Kritik der gebeutelten Genossen gestellt. Auch in der Regierung wird angeblich schon überlegt, wie zu verhindern ist, dass der Vertrauensvorschuss der Wähler weiter schmilzt. Die Union bastelt den Gerüchten zufolge an einem Konzept, in dem Thomas Gottschalk und Günther Jauch eine große Rolle spielen. Das sei zu teuer, moniert die FDP. Größere Chancen werden deshalb ihrem Plan gegeben, der aus Brüderles Wirtschaftsministerium durchgesickert ist: Er will die Vertrauenswerte der Koalition durch freiberufliche Sympathie-Botschafter steigern und so eine mittelständische Vertrauensberater-Wirtschaft fördern. Insidern zufolge denkt er dabei vor allem an ehemalige Weinköniginnen. Aber vielleicht ist ja auch noch ein Job für Wenzel drin, das mit den Weinköniginnen könnte ihn locken.
Vertrauen ? Is hier nich. Wem haben wir schon alles vertraut...und sind nicht enttäuscht worden, aber das waren gute Menschen. Denen da draußen, die uns vorsätzlich beschwindeln, die wo nur abkassieren wollen, die modernen Rattenfänger kommen nicht aus Hameln, sie kommen überall her. Und so vertraut man nur noch seinem Instinkt oder seinem Bauchgefühl sofern man so etwas besitzt. Und die paar ehrlichen die es auch gibt müssen büßen. Ungerecht, das ist leider das ganze Leben, nicht bei allen, deshalb.
MG am 15.11.09 12:13
Ist das Vertrauen erstmal verspielt, ist das Volk vom Gehorsam befreit. Den Bürger interessiert doch schon lange nicht mehr, was sich unsere vergreisten und weltfremden Politiker ausdenken. Die haben den Kontakt zur Basis längst verloren und auchkein Interesse, ihn wiederherzustellen
Torsten am 15.11.09 20:48
SPD? Dröseln wir's doch mal auf. Vielleicht liest meinen Sarkasmus auch noch einer aus deren Reihen. S- wie: Sozialdemokratisch. Sozial- seit Schröder-Hartz= das war einmal. Und ein ehemals genialer Altkanzler meint, man müsse sich von seinen Wurzeln lösen- scheißt doch auf die Arbeiterbewegung, aus der man hervorgegangen ist- Yachtbesitzer an den Stegen von Monaco sind zeitgemäßer. Demokratisch? Demo? Und das hat was mit Volk zu tun? Kratisch? Watndatn? Das kommt aus dem Griechischen? Hat was mit Herrschaft zu tun? Wie jetzt? Herrschaft des Volkes? Wär ja noch schöner! WIR machen, was WIR wollen. Eure Probleme gehen UNS am A... vorbei.
Aber warum wählt uns denn keiner mehr? Das liegt bestimmt an der Führungsriege, den falschen 'Gesichtern' oder wer weiss was. Die blöden Wähler sollen endlich mal wieder ihre drei- oder waren's sogar nur zwei? Kreuze bei UNS hinmachen. (grummelbrummel-fußstampf). Danach haben die natürlich wieder die Fresse zu halten.
Macht nix. Wem das S nicht mehr gefällt, der VERTRAUT dann lieber auf C wie christlich. Ora et labora- zumindest die, die zwar zu zehntausenden die Kündigungen oder die Kurzarbeit- oder den von 'S' ins Leben gerufenen HartzSch... ertragen müssen. Der Börse/ dem Finanzmarkt geht's doch langsam wieder besser. Wo bleiben eigentlich die Glückwünsche der 'freigesetzten', 'abgewickelten' Arbeitnehmer für die verbesserte Kursentwicklung ihres EHEMALIGEN Arbeitgebers?- wie undankbar...
Vertrauen? Unendlich! Schliesslich denken die Börsis doch nur an uns. Je besser der Kurs der Bude, desto besser die Rendite. Und die private Altersversorgung ist garantiert? Also bitte nicht böse sein- die Kündigung erfolgte nur zu eurem Besten.
Genug der Boshaftigkeiten...
Michael Schlücker am 16.11.09 11:07
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"Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt", hat uns
Schiller versichert, und in diesem Sinne ist Essen in diesen Tagen ein Hort der wahrhaften Menschen. Denn
dort treffen sich die Spielbegeisterten zu Tausenden, um die Neuigkeiten der Spiele-Verlage auszuprobieren. Angeblich sind dabei Spiele en vogue, die ein Miteinander der Spieler erfordern und kein schnödes Gegeneinander. "Mensch ärgere dich nicht", so scheint es, hat ausgedient, von "Risiko" oder "Monopoly" ganz zu schweigen.
"Risiko" ist ein Brettspiel, bei dem es um die Eroberung von Ländern und kompletten Kontinenten geht. In späteren Ausgaben ist die Aufgabenstellung sprachlich angepasst worden, nun sollen die Spieler Länder und Kontinente befreien. Bei einer denkwürdigen Partie vor vielen Jahren wollte ich gemeinsam mit meinem Neffen Axel die Festung Siam schleifen, in der Axels Vater vierzig Armeen konzentriert hatte. Der Coup war gut geplant und mit Handschlag besiegelt. Doch als mein Neffe an der Reihe war, griff er mit seinen Truppen meine Länder an. Ich war außer mir, schrie etwas von "pacta sunt servanda" - Verträge seien einzuhalten - und titulierte den armen Axel tagelang "Verräter". Wo der Mensch spielt, wurde mir klar, kann er auch zum Tier werden.
Wie gut, dass die Spiele-Industrie nun verstärkt das Miteinander fördern will. Lange genug haben wir uns bei "Mensch ärgere dich nicht" gegenseitig die Spielfiguren vom Brett gefegt oder beim "Risiko" die Armeen aufgerieben. Da ist es doch viel schöner, bei "Pandemie - auf Messers Schneide" gemeinsam zu knobeln, wie eine schlimme Seuche eingedämmt werden kann. Vielleicht bekommt man dabei auch Hinweise auf die Gretchenfrage, für wen die geplante Massenimpfung gegen die
Schweinegrippe sinnvoller ist - für uns oder die Pharmaindustrie.
"Pandemie" zeigt, wie schnell die Spiele-Erfinder auf aktuelle Ereignisse reagieren. Ein wenig zu spät kommt meiner Meinung nach allerdings "Abwrackprämie - das Spiel". Wer gerade merkt, dass die Winterreifen seines abgewrackten Altautos nicht auf den neuen Kleinwagen passen, entsprechende
Reifen aber nicht lieferbar sind, hat wahrscheinlich keine Lust auf dieses Spiel. Dem Vernehmen nach haben sich auch die Koalitions-Verhandler in Berlin mit einigen Spiele-Neuheiten eingedeckt. Die Umweltpolitiker spielen in den Verhandlungspausen wahrscheinlich "Klimapoker", bei FDP-Politikern soll "Wege zum Ruhm" sehr beliebt sein. Auch wenn die Parteichefs in kleiner Runde beisammen sitzen, geht es nicht nur um Haushaltslöcher und Steuersenkungen. Tief in der Nacht, so kolportieren es Hauptstadt-Journalisten, testen Angela, Guido und Horst die Neuerscheinung "Machtspiele". Gewonnen hat dabei bislang, so ist zu hören, immer Angela Merkel.
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Der Sommer war groß, ohne Zweifel, die Straßencafés meist gut besetzt, die Menschen gut gelaunt. Doch nun ist Herbst in Deutschland, und manchmal zeigt der Winter schon seine kalten Krallen. Während in Berlin die Politiker der künftigen Koalition noch
über schwierigen Kompromissen schwitzen, ziehen wir uns schon mal warm an. Mein Kollege Doktor Gregor dagegen hat den Sommer für sich einfach verlängert und genießt seinen Urlaub unter türkischer Sonne, all inclusive natürlich.
Während ich fröstelnd zur Arbeit radele, stelle ich mir vor, wie sich Doktor Gregor gerade die Sonnencreme aufträgt. Mir kriecht währenddessen die Kälte langsam in die Finger, und das Thermometer an der Apotheke zeigt ein Grad plus. Ich nehme mir vor, ab morgen zumindest beim Fahrradfahren Handschuhe anzuziehen. Und endlich zu akzeptieren, dass der Sommer vorbei ist.
Bei der Suche nach den Handschuhen wird mir bewusst, dass ich wirklich viel Zeit draußen verbracht habe in den letzten Monaten, vorzugsweise in Straßencafés. Dabei ist anscheinend drinnen viel liegen geblieben, Post beispielsweise, die sich auf dem Schreibtisch stapelt, oder alte Zeitungen, unter denen der Couchtisch verschwindet. Bei anderen Dingen weiß ich gar nicht mehr, wo sie überhaupt liegen. Wo zum Teufel sind meine Handschuhe geblieben? Habe ich sie vor einem halben Jahr etwa, vom Frühling beschwingt, in den Keller verbannt?
Der Herbst ist eine Zeit, um lange Briefe zu schreiben und viel zu lesen, hat
Rilke uns weismachen wollen. Was er verschwiegen hat: Die Briefe, die es nun zu schreiben gilt, sind selten romantischer Natur. Beim Finanzamt muss ich noch eine Fristverlängerung für die Steuererklärung beantragen, bei der Krankenversicherung die Zahnbehandlung absegnen lassen und bei der Autoversicherung die Vollkasko kündigen. Viel zu lesen habe ich zwar, aber leider sind es vor allem alte Zeitungen. Herbst, lieber Herr Rilke, ist also vor allem eine Zeit des Aufräumens und Entrümpelns, die Amerikaner haben im Oktober sogar eine "Aufräum-Woche". Daran will ich mir ein Beispiel nehmen und trage die alten Zeitungen runter. Doch leider ist die Altpapier-Tonne schon voll. Also ab in den Keller mit dem Papierberg, vielleicht gibt es ja mal wieder einen Preissprung beim Altpapier und das Zeug wird wertvoll.
Die
Telekom will jetzt in ihren Kellern nachschauen, ob da noch alte Kupferkabel rumliegen, um das richtig teuer gewordene Material zu verhökern. Ein zukunftsweisendes Konzept, finde ich und beschließe, meinen Keller zur Wertstoffsammlung zu erklären und auf gute Preise für alte Ski, defekte Regale und Teppichreste zu warten. Entrümpeln und ordnen kann auch zum Wahn werden, sage ich mir, als ich die achtzig Stufen zu meiner Wohnung hinaufstapfe, und greife nach einem Gedichtband von Rilke. Dabei werde ich allerdings das Gefühl nicht los, irgendetwas im Keller vergessen zu haben. Aber bestimmt fällt es mir wieder ein, spätestens morgen früh.
Es ist kälter geworden ohne Politik. Noch nicht das Ende aller Tage ich komme wieder keine Frage, der rosarote Panther, oder der rosarote Hosenanzug der Kanzlerin..ach ja ohne Politik. Vom Sommer in den Winter ohne Übergang und Eingewöhnungszeit. So bezeichne ich es einmal. Das mit der Knopfleiste, wollte sagen Hosenanzug hat die Bewandnis das wenn sich die die beiden Black- Yellow geeinigt haben es kalt wird. Anders ausgedrückt man muss sich warm anziehen um die neuen Veränderungen zu verkraften. Da braucht man Glück. Glück Auf !
MG am 19.10.09 13:43
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An dem Sonntagnachmittag im September
1998 herrschte großes Gedränge in meiner kleinen Wohnung, ich hatte Freunde zum Geburtstag eingeladen. Um 18 Uhr schauten alle gebannt auf den laufenden Fernseher. Über die Mattscheibe flimmerten Balken, Diagramme und später dann Bilder von Gerhard Schröder und Joschka Fischer, breit lachend und sichtlich gelöst. Gelöst war auch die Stimmung in meiner Wohnung, verstärkt von Alkohol und Wahlergebnis. Enttäuscht schauten nur Ute, Tochter eines CDU-Kommunalpolitikers, und meine blaublütigen Freunde aus Meerbusch.
Am späten Abend, als die Gäste gegangen waren, wurde ich melancholisch. Wieder ein Jahr älter, und die Abstände zwischen den Geburtstagen schienen mir immer kürzer. Irgendwann in Zukunft würden mich die Leute ehrfurchtsvoll fragen, ob ich wirklich selbst erlebt hätte, wie der große dicke Mann aus Oggersheim die Bundesrepublik regierte - und ich müsste ja sagen. Derart trübe gestimmt tröstete mich damals der Gedanke an den Pfälzer, der das Ende seiner eigenen Ära miterleben musste. Gut gelaunt war der sicher auch nicht.
Wahlen setzen Gefühle frei, mindestens so sehr wie Geburtstage. Unvergessen der enthusiastische Edmund Stoiber, sonst eher Bild biederer Unterkühltheit, als er am Abend der Bundestagswahl 2002 schon mal ein Glas Sekt auf seinen Sieg öffnen wollte. Gewonnen hat er nach Auszählung sämtlicher Stimmen schließlich nicht, und wie man Stoiber kennt, wird er sich den Sekt verkniffen haben. Unvergessen auch der Wahlabend 2005, als Noch-Kanzler Gerhard Schröder den Macho raushängen ließ, während Angela Merkel mit ihrer Fassungslosigkeit rang - wobei manche Beobachter auch einen fassungslosen Schröder und eine stoische Merkel gesehen haben.
Im Bundestagswahlkampf 2009 haben sich die Politikerinnen und Politiker alle Mühe gegeben, Sympathiepunkte zu sammeln und als Menschen wie du und ich zu erscheinen. Merkel hat verraten, dass sie gerne
Kartoffelsuppe kocht,
Steinmeier hat uns in den Urlaub nach Südtirol mitgenommen und
Renate Künast hat bewiesen, dass sie auf einem Bauernhof mit anpacken kann.
Gregor Gysi hat auf dem Bau malocht, und
Wolfgang Bosbach ist sogar in den Knast gegangen. Doch so richtig gepackt hat uns Wähler das alles nicht.
Zufall oder nicht - in diesem Jahr fallen mein Geburtstag und die Bundestagswahl wieder auf den selben Sonntag. Um die Laune meiner Gäste nicht zu gefährden, feiere ich diesmal bereits am Samstagabend, in Wahl- und Geburtstag hinein. Am Sonntagabend schaue ich mir dann in Ruhe die Wahlsendung an. Sollte mir melancholisch zumute sein, trösten mich vielleicht die entgleisten Gesichtszüge der Wahlverlierer. Oder das Gläschen Sekt, das ich mir auf jeden Fall öffnen werde.
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Wie schön Italien ist, wusste schon Goethe. Spätestens, seit
Rudi Schuricke bei Capri die rote Sonne im Meer versinken ließ, wissen es fast alle Deutschen. Die Toskana-Liebhaber bringen es sogar auf Fraktionsstärke bei den deutschen Sozis. Richtig tief in den Süden reisen dagegen nur wenige. Zu denen gehörten in diesem Jahr meine Bonner Freundin Kati und ich. Südlich von Neapel buchten wir uns eine Ferienwohnung, um es uns dort gut gehen zu lassen und einige Ausflüge ans Meer und zu den Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung zu machen.
Der Urlaub war sehr erholsam, auch wenn es in der ersten Woche extrem heiß war. Nun, mit kühlen Getränken und Gelato ließ es sich unter einem Sonnenschirm trotzdem gut aushalten. Für ein wohltuendes Frösteln sorgte zuweilen auch meine Urlaubslektüre:
"Gomorrha" ist ein Buch über die Camorra, die neapolitanische Variante der Mafia. Es beschreibt nicht nur die wirtschaftskriminellen Umtriebe in dieser Region Italiens, sondern auch sehr detailliert manche Gewalttat der Camorristi.
Sorgen um unser Wohlergehen verdrängten wir aber erfolgreich mithilfe einer altersweisen Prominenten. Die 75-jährige Frau hatte erklärt, so lasen wir in der Tageszeitung, dass 90 Prozent aller Sorgen, die man und frau sich im Leben so machen, grundlos seien. Wenn Kati zu unken begann über drohende Gewitter, angriffslustige Mücken oder
Einbrecher, die sich auf Ferienwohnungen spezialisiert haben, sagte ich bloß: "90 Prozent". Und schon lösten sich die dunklen Gespräche und Gedanken auf, und wir konnten uns fröhlich dem dolce far niente widmen.
"Unser Wagen ist abgeschleppt worden", sagte Kati, nachdem wir durch Amalfi gebummelt waren. Mit "90 Prozent" war die Situation diesmal nicht zu entschärfen, denn wir standen genau an der Stelle, wo wir den Leihwagen abgestellt hatten, jetzt aber weit und breit kein Auto zu sehen war. 90 Prozent, so dachte ich mir, sind halt nicht 100 Prozent. Manchmal geht wohl wirklich was schief. Also machten wir uns auf den Weg zur Polizeiwache. Dort erklärte uns ein schnauzbärtiger Italiener mit verspiegelter Brille, dass die Wache erst um vier Uhr wieder geöffnet habe.
Pünktlich um vier betraten wir wieder die Wache. Der Schnauzbart hatte noch immer seine Sonnenbrille auf und hackte auf der Tastatur seines Computers herum. Barsch erklärte er uns in Broken English, wir sollten zum Busbahnhof gehen. Dort war aber keine Spur von unserem Wagen. Allerdings wusste ein Busfahrer, der gerade Pause machte, dass falsch geparkte Wagen ins Bergdörfchen Ravello geschleppt würden. Er verkaufte uns zwei Bus-Tickets, und eine Stunde später lösten wir mit 80 Euro unseren Wagen bei einem Abschleppunternehmer in Ravello aus, der ebenfalls Schnauzbart und Sonnenbrille trug. Neben seinem Parkplatz gab es eine Waschanlage, in der gerade Polizeiautos auf Hochglanz gewienert wurde. Ich nahm mir vor, am Abend das Camorra-Buch weiter zu lesen. Vielleicht gab es dort ja auch ein Kapitel über die Verfilzung von Polizei und Abschleppern.
Die Urlaubsfreude habe ich mir nicht vermiesen lassen, auch nicht, als ich am letzten Abend beim Nüsse-Naschen ein Stück von einem Backenzahn einbüßte. Doch ein wenig freute ich mich doch auf Zuhause, die kühlen Nächte in Deutschland und den Zahnarzt meines Vertrauens. In Köln angekommen, stellte ich als erstes fest, das mein ordnungsgemäß geparktes Auto nicht mehr an seinem Platz stand. Es sei "sichergestellt und im Wege der Ersatzvornahme abgeschleppt und in Verwahrung genommen", erklärte mir ein Schreiben der Stadt, das ich in meinem überquellenden Briefkasten fand. Ich knirschte mit den Zähnen, was keine gute Idee, sondern äußerst schmerzhaft war. Kurzfristig hatte die Stadt mal wieder ein Parkverbot eingerichtet - wegen Dreharbeiten. Zu einem Film über Mafia-Aktivitäten in Köln.
shit happens! mit 90-prozentiger Sicherheit.
cornusflorida am 14.09.09 10:01
Tja, so ist das wohl, wenn man in Süditalien seinen Urlaub verbringt. Viel besser ist doch ein Urlaub in Norditalien, da sind die Leute, das Wetter und auch die Carabiniere freundlich,zum großen Überfluss sprechen sie auch noch Deutsch und Parkplätze sind ebenfalls ausreichend vorhanden. Dem lieben Stephan Josef empfehle ich die kürzere Urlaubsanfahrt - außerdem schont das den Geldbeutel und die Umwelt.
Anonym am 14.09.09 17:34
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