Sonntag, 17.03.2013
Der Papst ist eingepappt in Pappe
Vor Jahren habe ich einmal das Stück "Die kahle Sängerin" von Eugène Ionesco gesehen. In irgendeinem
hochsubventionierten Kulturtempel, der sich so etwas leisten konnte. Denn das Stück ist absurdes Theater, also ein bisschen wie "Warten auf Godot", nur weniger verständlich. Die Menschen auf der Bühne sagen dort Sätze wie diesen: "Der Papst ist eingepappt in Pappe. Pappapapst und Mamapapst in Pappapappe."
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Pappapapst
Merkwürdiger Weise fiel mir dieser Spruch sofort ein, als ich Mitte der vergangenen Woche den Fernseher einschaltete und es da statt Tagesschau den Petersplatz gab und dann diesen mir bisher
unbekannten Mann auf dem Balkon, der zunächst ruhig, fast versonnen die Massen unter sich zu betrachten schien. "Was mag dem jetzt wohl durch den Kopf gehen?", dachte ich. Und dann fiel mir eben Ionesco ein.
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Bestes Amt nach Papst
Die Gedanken neuer Päpste auf dem Balkon des Petersdoms dürften zu den großen Geheimnissen der Menschheitsgeschichte gehören - ähnlich wie die letzten Worte Goethes auf dem Sterbebett oder die Gedanken von Peer Steinbrück, bevor er einen Spruch raushaut. Natürlich hat Jorge Mario Bergoglio auf dem Balkon nicht an Ionesco gedacht. Dessen Stücke werden in Buenos Aires wahrscheinlich selten gegeben, und außerdem denken Kardinäle und Päpste nun einmal frommere Sachen. Aber dass der Papst in Pappe gepappt ist, scheint mir kein so absurder Gedanke, wie Ionesco wollte: Da richten sich die Hoffnungen der immer noch größten Religion der Welt auf einen Herrn im fortgeschrittenen Rentenalter, den man von Südamerika in einen italienischen Renaissancepalast gebracht hat, wo er zwar nicht mit Mamapapst, wohl aber mit einer Reihe durchtriebener Kurienbeamten zusammenlebt. Und dort soll er nun die Kirche erneuern, aber ohne ihre zweitausendjährige Tradition zu beschädigen. Wie Franz Müntefering diesen Job noch besser finden konnte als den des SPD-Vorsitzenden, bleibt mir ein Rätsel.
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Arschbankett
Kurz nachdem die Kardinäle Papst Franziskus kürten, wählte übrigens der chinesische Volkskongress Herrn
Xi Jinping zum neuen Staatspräsidenten. Das war keine so große Überraschung, denn in China geht es nicht ganz so demokratisch zu wie in der katholischen Kirche. Deshalb wurde Xi auch nicht nur mit Zweidrittelmehrheit, sondern mit 2.996 von 3.000 Stimmen gewählt. Franziskus und Xi dürften verdammt wenig gemeinsam haben. Außer dass mir für beider geheime Gedanken ein Spruch aus der kahlen Sängerin einfällt. Unmittelbar bevor die Bühnenfigur Mr. Martin von Pappapapst und Pappe faselt, macht nämlich seine Frau Mrs. Martin eine Bemerkung, die Xi Jinping wie ins Gehirn geflüstert wirkt. Ich bin sicher: Als er seinen Blick zufrieden über die Beifall klatschenden Delegierten des Volkskongresses schweifen ließ, denen er nach Diktatorenart ebenfalls zuklatschte, wird er gedacht haben: "Mariette, Arschbankett."
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