Sonntag, 03.02.2013

Mit 725 hat man noch Träume

"Geld zum Feiern, Geld zum Feiern", sage ich ärgerlich vor mich hin. Den "Das-hatten-wir-früher-auch-nicht"-Satz kann ich mir gerade noch verkneifen. Meine Tochter meint nämlich, ihr Budget für die Party zum 17. Geburtstag sei zu gering bemessen und das Taschengeld eh schon weg. Ich finde dagegen die elterlich ausgelobte Summe völlig angemessen. Und das mit dem Taschengeld ist sie selbst schuld.

Andere müssen schließlich auch mit wenig Geld viel auf die Beine stellen: Schulen müssen WDR: unterfinanziert Klassenfahrten hin bekommen. Die Stadt Duisburg muss sogar WDR: trotz leerer Kassen aus Ausländern Deutsche machen. Und wenn es ums Feiern geht, möchte ich an die Düsseldorfer erinnern: Die wollen ein rauschendes Festjahr zum WDR: 725-jährigen Stadtjubiläum ausrichten, das fast nichts kosten soll. "Und 17 ist ja ungefähr genauso krumm und mittelwichtig wie 725", sage ich meiner Tochter.

Chris Roberts; Rechte: imago stock&people + Konnte nicht immer 17 bleiben "17 ist sehr wohl ein ganz besonderes Alter", kontert die. Und sie erinnert mich an unsterbliche Titel wie "17 Jahr, blondes Haar", "Du kannst nicht immer 17 sein" oder "Mit 17 hat man noch Träume". Ob ich wohl irgendein Lied über 725 Jahre wüsste? Da muss ich ihr Recht geben. Tatsächlich wirkt der krumme Feieranlass der Landeshauptstadt ein wenig gekünstelt. Wollen die Düsseldorfer jetzt alle fünf Jahre ein Stadtjubiläum feiern? Köln - die Bemerkung muss erlaubt sein - hätte 2010 sein 1.960stes Jubiläum feiern können. Allerdings hat Köln nun wirklich kein Geld.
"Und was ist mit Karneval?", fragt meine Tochter verwundert.
"Karneval ist was anderes", sage ich. "Den feiern die Düsseldorfer ja auch, sie versuchen es zumindest. Und Karneval ist ein Wirtschaftsfaktor. Da wird viel mehr eingenommen als ausgegeben, allein schon durch den Tourismus. Und die Beteiligten, vom Prinzen bis zu Kamellen werfenden Schülern, zahlen auch noch selbst für den Auftritt. So wie Du für Deine Party."

Meine Tochter überhört die Spitze. Denn sie überlegt jetzt, ob sie die Feier nicht nach Karnevalsart gestalten soll, das heißt: Alle bringen etwas mit. Ich kann das nur unterstützen. Wenn man die Getränke bezahlen muss, wird auch weniger getrunken ... Ich dagegen schweife in Gedanken wieder zu den verrückten Düsseldorfern ab, die glauben, sie bräuchten ein krummes Stadtjubiläum zur Imagewerbung. Köln hat das nicht nötig. Köln hat den FC, den U-Bahn-Bau, den Kardinal - und steht damit auch ohne Imagekampagne stets in den Schlagzeilen.

Künstlerische Darstellung der Schlacht bei Worringen; Rechte: WDR + Düsseldorfs blutige Geburtsstunde Apropos Kardinal: Im Grunde hat Köln ja auch Düsseldorf mitgegründet. Das Dorf an der Düssel bekam ja seine Stadtrechte, nachdem Ritter und Bürger aus Köln und Düsseldorf in der Schlacht bei Worringen den Kölner Erzbischof besiegt und damit seine Herrschaft über beide Städte gebrochen hatten. Der Erzbischof kam sogar für längere Zeit in Haft. Diese Schlacht wollen die Düsseldorfer während der Feierlichkeiten nachstellen. Das wäre doch ein schöner Anlass, die unsinnige Rivalität mit Köln zu vergessen und mal wieder etwas gemeinsam zu unternehmen. Vielleicht macht ja auch Kardinal Meisner mit.

Audio: Audio: "Mit 725 hat man noch Träume"

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