Sonntag, 27.01.2013

Leben unter Druck

Mein Chef legte gekonnt die Stirn in Falten und Besorgnis in seine Stimme: "Du bist nicht mehr der Jüngste. Wenn Du jemals Redakteur werden willst, solltest Du Dich auf die nächste ausgeschriebene Stelle bewerben", erklärte er mir vor etlichen Jahren. Ich war damals noch freier Mitarbeiter, und ich war es gern. Anderseits wollte ich mir die Möglichkeit einer festen Anstellung nicht verbauen. Zu dem Hin und Her meiner eigenen Überlegungen kam nun noch der Druck seitens des Chefs. Für mich war es, wie sich herausstellte, ein heilsamer Druck. Inzwischen bin ich festangestellt und darf unter anderem regelmäßig Glossen schreiben.

Rainer Brüderle, Philipp Rösler; Rechte: dpa + Druck-Spezialisten Ich weiß nicht, wie das entscheidende Gespräch zwischen ARD: Philipp Rösler und Rainer Brüderle abgelaufen ist. Vielleicht hat Rösler seine Stirn gekonnt in Falten und Besorgnis in seine Stimme gelegt: "Du bist nicht mehr der Jüngste, Rainer. Wenn Du jemals FDP-Chef werden willst, solltest Du mir das jetzt sagen." Rainer Brüderle hat sich nicht getraut, und deshalb ist Philipp Rösler immer noch FDP-Chef. Monatelang hatten ihn die Parteifreunde mit Sticheleien unter Druck gesetzt, und dann hat er den potenziellen Nachfolger seinerseits unter Druck gesetzt - erfolgreich.

Joachim Kardinal Meisner vor dem Kölner Dom; Rechte: dpa + Bekam Druck von der Öffentlichkeit "Der Druck wächst", das war der Lieblingssatz eines meiner früheren Chefs. Er bewahrheitete sich auch in der zurückliegenden Woche. Der WDR: Opel-Chef setzte die Bochumer Belegschaft unter Druck, das WDR: Flughafen-Sicherheitspersonal mittels Streik seine Arbeitgeber, der ARD: britische Premier die Europäische Union, die Düsseldorfer Universität die ARD: Bundesbildungsministerin, die öffentliche Meinung den WDR: Kölner Erzbischof, die Bewohner des WWW: Dschungelcamps einander. Und bald schon steigt zumindest im Rheinland der Druck, kollektiv fröhlich und ausgelassen zu sein - an den WDR: "tollen Tagen". Ob es sich jeweils um heilsamen Druck handelt, mag jeder für sich entscheiden.

Mann an Tastatur im Büro; Rechte: WDR/Wache + Tägliche Druck-Situation Ich habe mir für Drucksituationen einen Satz zurechtgelegt, den ich in Gedanken ständig wiederhole: "Ich muss gar nichts, außer aufs Klo und irgendwann mal sterben - und bisher ist noch alles gut gegangen." Der asiatisch-kölsch inspirierte Spruch hat sich bewährt, auch in seiner Kurzform: "Weniger müssen müssen." Druck rausnehmen oder notfalls weitergeben - das scheint mir das Erfolgsrezept. Oder gar ein Geschäft daraus machen, wie es Shell tut. Der Ölkonzern kassiert jetzt an Tankstellen Bares - für WDR: Druckluft.

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