Sonntag, 20.01.2013
Fliegen, ein Traum
Meine Begeisterung fürs Fliegen hält sich in Grenzen. Wahrscheinlich geht das auf den Latein-Unterricht zurück. Dort lernte ich die Geschichte von
Dädalus und
Ikarus kennen. Dädalus bastelte für sich und seinen Sohn Ikarus Flügel, wobei er Wachs als Klebstoff für die verwendeten Federn nutzte. Vor dem Jungfernflug über dem Meer schärfte Dädalus seinem Sohn ein, die richtige Flughöhe einzuhalten: "Wenn du zu hoch fliegst, bringt die Sonne das Wachs zum Schmelzen, und du stürzt ab. Wenn du zu niedrig fliegst, machen die Wellen die Federn nass, und du stürzt ab." Das Vater-Sohn-Gespräch blieb, wie so oft, fruchtlos. Ikarus flog zu hoch und stürzte ab - was er nicht überlebte.
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Schön, aber zuweilen windig: Flughafen Heraklion
Diese sagenhafte Geschichte ging mir durch den Kopf, als ich das erste Mal in ein Flugzeug stieg. Der Flug von Düsseldorf ins kroatische Dubrovnik war beeindruckend, auch wegen der tollen Sicht auf die Alpen. Zwischendurch fragte ich mich allerdings, ob wir auch die richtige Flughöhe hatten. Und ein bisschen erleichtert war ich schon, als der Flieger sicher auf kroatischen Boden aufsetzte. Jahre später erfuhr ich, wie schwierig das Landen werden kann, wenn tückische Böen das Flugzeug attackieren. Das war beim Anflug auf Heraklion, die Hauptstadt von Kreta. Die Landung klappte letztlich trotz Böen, und blass, aber erleichtert kletterten wir Passagiere aus dem Flugzeug. Beim Rückflug eine Woche später stoppte der Pilot das Flugzeug kurz vor dem Abheben. "Wir haben ein technisches Problem, wir fahren jetzt zurück zur Abfertigungshalle", verkündete er über Bordlautsprecher. Kurz danach kletterten wir Passagiere erleichtert aus dem Pannen-Flugzeug, noch blasser als in der Vorwoche.
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Andreas' Gesellenstück
Meine weiteren Flugerfahrungen waren weniger aufregend, zum Glück. Traumhaft finde ich es deshalb immer noch nicht - anders als mein Ex-Kollege Andreas. Auf seinem Schreibtisch steht das Modell eines Jumbojets, perfekt zusammengebaut, im Größenverhältnis 1 zu 1450. Lange Zeit habe ich mir ein Büro mit Andreas geteilt, und genauso lange musste ich mir Geschichten anhören über alle möglichen Flugzeuge, die Luftfahrt im Allgemeinen und die Flugerlebnisse von Andreas im Speziellen. Trotz der Vorliebe fürs Fliegen ist Andreas ein Mann, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht, am liebsten auf dem der Tatsachen. Das habe ich mitbekommen, als er von unserem gemeinsamen Büro aus den Bau seines Einfamilienhauses koordinierte. Ihm entging keine Verzögerung und kein noch so kleiner Baumangel. Architekt und Handwerker waren bestimmt noch glücklicher als er selbst, als das Haus endlich fertig und abgenommen war.
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Flughafenbauer, absturzgefährdet
Die Fertigstellung des neuen Berliner Flughafens zieht sich dagegen noch hin. Mit den Worten "Entweder das Ding fliegt oder ich fliege" hat Brandenburgs Regierungschef
Matthias Platzeck sein politisches Schicksal an das Großprojekt geknüpft. Ich weiß nicht, wie man Flughäfen zum Fliegen bringt, möchte dem Politiker aber auf jeden Fall das Schicksal des Ikarus ersparen. Deshalb, lieber Matthias Platzeck: Wenn Sie die Kontaktdaten von Andreas haben möchten, melden Sie sich bei mir. Vielleicht reizt meinen Ex-Kollegen ja ein Wechsel vom Rheinland in die Hauptstadt und der
Job als BER-Chef, der gerade frei geworden ist. Andreas hat mir auch schon eine Idee verraten, wie der unfertige Flughafen in den nächsten Jahren schon Geld einspielen kann: als Parkplatz für die
Dreamliner der ganzen Welt.
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