Sonntag, 30.12.2012
Raclette, Raketen und das Horoskop des Kühlschranks
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Lästige Pfännchen
"Raclette, Raclette!", ruft mein Jüngster auf die Frage, was wir Silvester essen sollen. Er liebt das Spiel mit den kleinen Pfännchen, während ich das als eine eher anstrengende Art der Nahrungsaufnahme empfinde. Er liebt auch "Dinner for one", während ich das nun wirklich nicht mehr sehen will. Aber gut, er kann es bisher ja auch höchstens zehn Mal gesehen haben, seine Babyjahre schon eingerechnet. Und natürlich will mein Sohn auch nicht auf die Raketen-aus-Flaschen-Starts verzichten, die ich für eine reichlich unnötige Geldausgabe halte.
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Silvester hat ein Wiederholungsproblem
Silvester hat ein Wiederholungsproblem. Rauschende Partys gehen mit Familie nicht - und wären im Grunde auch immer dasselbe. Fürs Verreisen ist nach Weihnachten die Haushaltskasse zu ausgeleert - schließlich müsste es schon ein Ziel weit weg von Raclette oder Fondue, von Dinner for One und Bordsteinraketen sein. Vor Jahren habe ich einmal Silvester im Kloster verbracht: lange Gottesdienste, Schweigen, Nachtwanderung, Stille und Glockengeläut, während nebenan in der Stadt die Böller krachten. Das Kloster bewarb sein Gästeangebot mit dem Slogan "Silvester einmal anders." Unter den Mönchen hieß es jedoch ironisch "Silvester wieder einmal anders" - schließlich war es für sie jedes Jahr so.
"Machen wir nun Raclette?", fragt mein Jüngster. Er steht plötzlich neben mir, während ich einen noch nicht aufblätterten Wandkalender vor mich auf den Tisch gelegt habe und über das Titelbild sinniere: ein Bergpfad, der sich einen Hang hinaufschlängelt und im Nebel verliert. "Könnten wir nicht mal was ganz anderes kochen?", frage ich. "Was ganz anderes haben wir nicht im Kühlschrank", schaltet sich meine Liebste ein: "Und zum Einkaufen dürfte es etwas spät sein." Und dann wird sie auch noch grundsätzlich, und meint: So sei das halt mit der Spontaneität, auch sie will gut vorbereitet sein. Nicht wie bei der Bundesregierung, sagt sie, die Förderungen für stillstehende Windräder vergibt, weil sie die
Stromleitungen vergessen hat. Und nicht wie Peer Steinbrück, der erst als Kanzlerkandidat antritt, und dann checkt, ob seine Lebensweise Sozi-kompatibel ist.
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Feuerwerk aus der Flasche
Sie hat natürlich Recht, wie immer. Aber warum nervt mich ausgerechnet zum Jahreswechsel diese Gefangenschaft im Ritual? Weihnachten ist doch auch immer dasselbe, oder Ostern oder Elternsprechtag? Aber der Jahreswechsel ist die symbolische Wende ins Neue, in die unbekannte Zukunft. Ich gehe in den Flur und hänge den neuen, noch unbeschriebenen Kalender auf. Wie ihn möchte ich gern das neue Jahr aufschlagen, eine noch unverbrauchte Sammlung neuer Überraschungen. Vielleicht findet in diesem Jahr doch noch jemand einen Königsweg aus der Schuldenkrise. Vielleicht schafft der FC doch noch den direkten Wiederaufstieg. Unsinnige Träumerei? Aber schließlich ist auch die Welt am 21. Dezember
nicht untergegangen. Warum sollten wir da nicht noch mehr unwahrscheinliches Glück haben!
Audio: Raclette, Raketen und das Horoskop des Kühlschranks
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