Sonntag, 28.10.2012
Komm mit ins Abenteuerland
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Das Abenteuer ist käuflich
"Hast Du von dieser Mutter und ihrem Sohn gehört, die ohne Geld einen
ganzen Freizeitpark gekauft haben?", fragt meine Liebste und blickt von ihrem abendlichen Studium der Online-Nachrichten auf. "Vorsicht", entgegne ich: "Man soll keine Straftäter verherrlichen."
"Aber du musst zugeben: Das fasziniert schon. Einfach mal so das Fort Fun Abenteuerland übernehmen, für Millionen, die man gar nicht hat." Ganz schnöde Betrüger sind die beiden tatsächlich nicht, denn als sie den Park über gefälschte Banksicherheiten übernommen hatten, begannen sie sogleich mit Investitionen, etwa dem Umbau der Westernstadt. Mit den Banken verhandelten sie über Kredite für neue Fahrgeschäfte, aber da flog der ganze Coup auf.
Die beiden Angeklagten schweigen bislang zu ihren Motiven. Aber für meine Frau liegt auf den Hand, dass sie den Traum der gesamten Finanzwirtschaft geträumt haben: den von der Erfindung des kapitalistischen Perpetuum mobile. "Wie bei der Finanzkrise", erklärt sie, "Es ist der Versuch, sich ohne eigenes Geld ganz viel Geld bei Leuten zu leihen, die auch keines haben, um dann dieses nicht vorhandene Geld wieder als Finanzprodukt an Leute zu verkaufen, die auch keins haben und damit ganz viel Gewinn zu machen ..."
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Eiserne Reserve in Gold
"Ganz so toll geht es ja doch noch nicht in der Welt zu", unterbreche ich sie. Denn auch ich habe etwas gelesen: Die Deutsche Bundesbank hat als stille Reserve 3.396
Tonnen Gold gebunkert. Das klingt doch nach der guten alten Zeit, als es das Wort "bargeldlos" nicht gab und man Münzen mit den Zähnen prüfte, wie es heute nur noch Olympioniken tun.
"Für mich klingt das eher nach Entenhausen", meint meine Frau. Sie stellt sich vor, wie der Bundesbankchef entnervt aus einer Rettungsschirm-Sitzung eilt und sich sofort zu einem seiner Depots fahren lässt, wo er dann a la Onkel Dagobert ein Goldbad zur Beruhigung nimmt, wahrscheinlich nackt unter einer kühlenden Barren-Packung.
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Wenn Frauen an Jens Weidman denken ...
"Ich finde nicht gut, dass du dir Jens Weidmann nackt vorstellst", sage ich. Außerdem scheint das mit dem Goldbad gar nicht so einfach: Das meiste deutsche Gold liegt in London und New York in Verwahrung und selbst Bundesbanker dürfen da nur selten nachschauen und -wiegen. Dadurch fühlt sich meine Frau nur bestätigt: "Vielleicht ist da schon mancher Barren verschwunden. Es ist eben nichts mehr sicher, weder Rente, noch Geld, noch Gold."
"Sicher ist nur der Tod", will ich gerade einwerfen, aber da fällt mein Blick auf eine Meldung, die auch das widerlegt. In Aachen steht ein
angeblich Toter vor Gericht. Er hatte sich eine falsche Sterbeurkunde besorgt, um einer Haftstrafe zu entgehen. "Aber was hätte der dann gemacht als angeblich Toter?", fragt sich meine Frau. "Der hätte seine eigene Lebensversicherung kassiert und dann hätte er jeden Tag Spaß haben können", gerate ich ins Schwärmen: "Das ganze totgesagte Leben ein einziges Fort Fun!"
Audio: Komm mit ins Abenteuerland
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