Sonntag, 16.09.2012
Mit Bettina am Doktorsee
Am kommenden Wochenende mache ich mit Frau und Kindern einen hoffentlich wunderschönen Ausflug nach Rinteln, an den Doktorsee. Und das kam so: Vergangene Woche las ich ständig über
Bettina Wulff. Man konnte ja keine Zeitung aufschlagen und kein Internetportal anklicken, ohne über sie zu lesen. Nun interessieren mich weder Frau Wulfs Vergangenheit noch ihre Eheprobleme. Ehrlich gesagt interessiert mich Bettina Wulf überhaupt nicht. Ich bin eben ein unverbesserlicher Egozentriker. Deshalb blieb mir von all den Geschichten nur im Gedächtnis, dass man berühmt und erfolgreich ist, wenn Google zum eigenen Namen sogleich eine automatische Ergänzung einfällt.
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Ich sag nur: Auspuff
Also soll Bettina Wulff doch eigentlich froh sein. Sie ist eine so gefragte Person, dass Google eine Menge zu ihr einfällt. Andere starten verzweifelte Aktionen, um ähnliches zu erreichen. So stachelt der Kollege
Simon Beeck von 1LIVE sein Publikum an, ständig "Simon Beeck Auspuff" zu googeln, damit er ein Autocomplete erhält. Ich habe keine Ahnung, warum man gern mit dem Wort Auspuff assoziiert werden möchte. Aber ich ahne, dass es darauf überhaupt nicht ankommt.
Unter Kollegen machte ich ein paar spitze Bemerkungen über die Profilneurosen von Frau Wulff und Herrn Beeck, die aber nicht besonders gut ankamen. Das machte mich nachdenklich und ich musste mir eingestehen, dass der Neid in mir nagte. Denn ich war insgeheim sicher, dass Google zu mir überhaupt nichts einfallen würde, gar nichts, nada, niente. Schließlich fasste ich mir ein Herz und probierte es aus. Und siehe da, ich hatte gerade erst "Doktor" eingegeben, da ergänzte die Suchmaschine "-see". Doktorsee ist, wie ich gleich aus dem ersten Treffer erfuhr, ein Naherholungsgebiet im Weserbergland, genauer: im Schaumburger Land. Wo jetzt der See ist, gab es zuvor eine Kiesgrube und davor Weiden. Auf die trieben die Professoren der Universität Rinteln einst ihre Kühe und Schweine. Deshalb hieß das Areal Doktorweiden und der See erbte den Namen.
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Des Doktors liebes Vieh
Was man durch die Autocompletefunktion doch alles lernen kann! Ich habe gar nicht gewusst, dass Professoren früher Vieh hielten. Wenn es damals schon Google gegeben hätte, wären bei der Eingabe des Suchwortes "Prof." sofort Stellengesuche von Schweinehirten und Anzeigen von Rinderfutterliferanten in der rechten Spalte erschienen. Und die Hochschulrektorenkonferenz wäre durch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte dagegen vorgegangen, dass ein Autocomplete von "Professor" stets "Rindvieh" gelautet hätte.
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Entspannen jenseits des Protokolls
Die Zeiten haben sich geändert, akademische Berufe sind heute nicht mehr auf landwirtschaftlichen Nebenerwerb angewiesen. Deshalb lautet eine weitere Google-Ergänzung auf "Doktor" auch "Titel kaufen". Das muss ich nicht mehr. Statt dessen möchte ich alle Leser dieser Glosse bitten, bei Google so oft wie möglich "Doktor Gregor" einzutippen. Was der Beeck kann, sollte mir auch möglich sein. Ansonsten freue ich mich auf ein schönes Wochenende am Doktorsee. Ich werde keinen Computer mitnehmen, keine Arbeit, nur etwas zu lesen. Möglichst etwas Unproblematisches, Unterhaltsames. Vielleicht diese Neuerscheinung: "Jenseits des Protokolls". Soll leicht zu lesen sein.
Audio: Mit Bettina am Doktorsee
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