Sonntag, 09.09.2012
Mehr Prämien, bitte!
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Tummelplatz für Bakterien?
Kürzlich war Regina bei mir zu Besuch. Sie ist eine sehr gute Freundin von mir und hat trotzdem, wie Lästermäuler sagen, einen ausgeprägten Sinn fürs Schöne. Und sie hat einen scharfen Blick auf das nicht so Schöne. Mein Sofa etwa. "Das schwarze Leder ist ja schon mächtig ausgebleicht. Wenn du noch etwas wartest, hast du bald ein naturfarbenes Ledersofa", sagte sie spöttisch. Zuvor hatte sie mich schon auf weitere Dinge hingewiesen, die ich dringend zu ersetzen hätte: das Besteck - "das stammt wohl noch aus alten WG-Zeiten", den Kleiderschrank - "Spiegeltüren - das geht heutzutage gar nicht mehr" und den tropfenden Wasserhahn in der Küche - "ein Tummelplatz für Bakterien, das weißt du doch!".
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Prämienerfinder Altmaier
"Alles hat seine Zeit", versuchte ich biblisch zu kontern und erklärte Regina, dass ich in allem ihrer Meinung sei, aber mit den Neuanschaffungen noch auf den richtigen Zeitpunkt warten wollte. "Vielleicht kommen ja schon bald neue Abwrackprämien. Umweltminister Altmaier denkt über eine für alte Heizungen nach, die Grünen fordern eine für alte
Kühlschränke und Fahrräder", erklärte ich. "Eine Abwrackprämie für tropfende Wasserhähne wäre auch sinnvoll - glaubt man den Fachleuten, wird Wasser künftig ja so wertvoll sein wie heute das Öl. Und der Möbelindustrie in Deutschland geht es schon lange nicht mehr gut, der würde eine Prämienlösung für alte Sofas, Tische, Stühle und Schränke bestimmt helfen. Wobei man in ein entsprechendes Gesetz reinschreiben müsste, dass die Neuware nicht aus dem Ausland, beispielsweise Skandinavien, stammen darf."
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Objekt von Wolfgangs Begierde
Obwohl Regina mit den Augen rollte, ließ ich mich nicht aufhalten und redete mich in Rage: "Bei jeder Abwrackprämie käme es natürlich auf die Feinheiten an. Deshalb fordern die Grünen, die 50-Euro-Prämie für Altfahrräder nur auszuzahlen, wenn man sein neues Rad bei einem Händler der Region kauft. Auch eine Neuauflage der Abwrackprämie für Autos wäre wünschenswert, bei dem lahmenden Absatz der Branche. Eine solche Prämie könnte die Politik davon abhängig machen, dass der Neuwagen in Deutschland produziert wurde. Und wenig Kohlendioxid ausstößt. Und keine Leiharbeiter daran herumgeschraubt haben. Mit gestaffelten Zusatzprämien könnte man außerdem die belohnen, die besonders wenig fahren oder den Neuwagen einfach in der Garage lassen - und stattdessen Fahrrad fahren. Mit einem neuen natürlich, gefördert mit einer Abwrackprämie."
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Noch etwas für Wolfgangs Pickup
Regina konnte ich mit meinen Visionen nicht überzeugen, wohl aber, Tage später, meinen Freund Wolfgang. Der ist immer auf der Suche nach dem schnellen Euro. Nach unserem Treffen ist er mit seinem alten Pickup die Straßen nach Sperrgut abgefahren, hat alte Kühlschränke und Fahrräder aufgeladen und damit seinen Keller vollgestellt. "Für die Alten kassiere ich Abwrackprämien, und die Neugekauften verticke ich mit kleinem Rabatt im Netz", erklärte er mir sein Geschäftsmodell." 'Gar nicht dumm', dachte ich mir. Allerdings muss Wolfgang jetzt hoffen, dass die Grünen nächstes Jahr in die Regierung kommen. Und dass sie zwar ihre Abwrackprämien durchsetzen, aber auf keinen Fall umfassende und strenge Umweltzonen. Denn Wolfgangs Pickup hat eine rote Schadstoffplakette - und kann nicht nachgerüstet werden.
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