Sonntag, 19.08.2012
Reisen mit kleinem Gepäck
Meine Kollegen haben einen neuen Blog gestartet. Sie berichten als Korrespondenten aus dem Land
Digitalien, einer Nation, deren Bürger allesamt Nullen oder Einsen sind. Ich gestehe: Ihre Reiseberichte machen mich ein wenig neidisch. Als Glossator berichte ich ja meist aus dem eigenen langweiligen Leben, höchstens mal vom
Urlaub. Korrespondent zu sein, fremde Länder dienstlich zu bereisen, davon habe ich schon immer geträumt. Deshalb überlege ich jetzt, welche Dienstreisen zum Zweck glossistischer Auslandsberichterstattung ich meinem Chef vorschlagen könnte.
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Im Epizentrum von Absurdistan
Natürlich fällt mir zuerst Absurdistan ein. Zu teuer? Keinesweg! Der Landesname klingt zwar orientalisch, aber das täuscht. Absurdistan liegt nur einen Katzensprung entfernt. Sogar in unserer Bundeshauptstadt und ihrer Umgebung hat es Hoheitsgebiete, in denen muntere Angestellte dafür sorgen, dass der
Flugverkehr nicht überhand nimmt. Und meinen
liebsten Fußballverein hat ein Staatskonzern aus Absurdistan sogar komplett gekauft. Nur wird das geheim gehalten.
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Die Hauptstadt von Energetien
Andererseits liegt dieser Korrespondentenjob für einen Glossenschreiber einfach zu nahe. Eine abgedroschene Idee, wird mein Chef sagen. Vielleicht schlage ich doch besser Energetien vor. In dem Staat herrschen spannende Umbruchsverhältnisse, hat er doch kürzlich erst eine
Wende erlebt. Merkwürdigerweise regieren aber danach weiter die Blockparteien wie Eon und RWE und heizen mit
gigantischen Neubauten - wie jüngst in Grevenbroich, der Hauptstadt von Energetien - das eh schon unsichere Klima im Land weiter auf.
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Oasien mit Pazifikblick
Aber vielleicht wird das doch zu politisch. Mein eigentliches Traumziel ist sowieso schon lange Oasien. Das ist nun mal das Land, wo Milch und Honig fließt. Und das Tolle: Es ist über den gesamten Globus verteilt. Traditionell reiste man meist in die Berge von Oasien. Aber dort scheint die Situation für Ausländer allmählich unsicher zu werden. Jetzt lautet der Insidertipp, man solle bis zum Pazifik fliegen. Das ist zwar weit. Aber für die Einreise nach Oasien benötigt man dennoch nur einen kleinen schwarzen Aktenkoffer. Allerdings sollte der mit Geld gefüllt sein. "Viel zu teuer", höre ich meinen Chef stöhnen. Aber dann werde ich ihm mit meiner genialen Refinanzierungsidee kommen. Als Korrespondent erzähle ich von dort schöne bunte Geschichten. Doch nebenbei, still und heimlich, beobachte ich, welche Deutschen außer mir mit kleinen Aktenkoffern im Land unterwegs sind. Diese Erkenntnisse verkaufe ich dann an
Norbert Walter-Borjans. Der soll Millionen dafür zahlen. Und die leg ich dann gewinnbringend in Oasien an. Für einen guten Zweck natürlich.
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