Sonntag, 12.08.2012
Olympisches Feuer
+
Gleich spritzt der Sand
Das letzte, was ich sah, war spritzender Sand. Das letzte, was ich hörte, war "Jump Serve". Dann schlief ich ein, dummerweise vor dem Fernseher und - noch dümmer - auf dem Sofa. Als ich Stunden später wieder wach wurde, graute ein neuer Tag. Und der wurde grauenhaft, die Nackenmuskeln schmerzten, die Lider waren schwer. Nicht nur den Athleten, Sportfunktionären, Fahnenhissern und Kommentatoren verlangen olympische Spiele das Letzte ab, sondern auch dem interessierten Zuschauer. Unsereins muss, neben dem Dauer-Fernsehgucken, auch noch irgendwie die Arbeit erledigen, die Freundin bei Laune halten und ganz nebenbei noch ein kleines Fortbildungsprogramm absolvieren, um die Feinheiten des Sprungaufschlags oder "Jump Serve" beim
Beachvolleyball zu verstehen oder die Regeln des
Keirin im Velodrom. Richtig anspruchsvoll wird es regelmäßig beim
Dressurreiten, wenn sich im Viereck das Pferd "versammelt" oder im "spanischen Tritt" daherkommt.
+
Gleich wird's kompliziert
Zur Faszination von Olympia gehört gerade auch, dass plötzlich Sportarten interessant erscheinen, die sonst nur in abgelegenen Fernsehkanälen übertragen werden. Obwohl im Grunde pazifistisch veranlagt, habe ich sogar das Finale der Männer an der Schnellfeuerpistole verfolgt. Oder das Ringen der Frauen: Freistil bis 48 Kilogramm. Am liebsten habe ich mir aber die Leichtathletik-Wettbewerbe angeguckt. Störend waren dabei manchmal die Kommentatoren, mit ihren überdrehten oder kreischenden Stimmen. Aber dafür gibt es ja im Dressurviereck regelmäßig Erholung für die Ohren, wenn der ARD-Kommentator mit seiner Schmeichelstimme über Piaffen oder Kapriolen plaudert.
+
Gleich fällt die Entscheidung
Wie die Olympischen Spiele selbst hat meine Begeisterung für sie eine lange Geschichte. Die einzigen Spiele, an denen ich selbst teilgenommen habe, fanden vor langer Zeit in einem kleinen niederrheinischen Städtchen statt und waren von meinen Freunden und mir organisiert. Die Medaillen damals waren viereckig, aus Pappe und mit der Wasserfarbe Hellbraun, Silber oder Gold bemalt. Sie wurden in den Disziplinen 50-Meter-Lauf, Weitsprung und 800-Meter-Lauf verliehen. Die Athleten waren auch Wettkampfrichter, die Wettkampfrichter auch Athleten. Die Siegerehrung war eher nüchtern, ohne Hymne, Blümchen oder Küsschen. Das Teilnehmerfeld war überschaubar - halt meine Freunde und ich - und bestand nach antiker Tradition nur aus männlichen Athleten. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich damals - ohne Höhentraining und natürlich ohne Doping - die ein oder andere Medaille gewonnen. Die wurden praktischerweise an jedem Wettkampftag in jeder Disziplin neu vergeben.
+
Gleich gekleidet
Inzwischen bin ich reiner TV- bzw. Internet-Olympionike, darin aber medaillenverdächtig. Selbst den Einmarsch der Athleten bei der
Eröffnungsfeier habe ich mir, zum Unverständnis meiner Freundin Daniela, von A bis Z begeistert angeschaut. Doch nun ist leider Schluss mit den Spielen. Die nächste Olympiade, so heißt ja strenggenommen die Zeitspanne zwischen den Olympischen Spielen, werde ich dazu nutzen, mein persönliches Doping zu verfeinern. Kaffee allein reicht nicht aus, um das Programm zu bewältigen - ohne einzuschlafen.
Über das Blog
Hier bieten Doktor Gregor und Stephan Josef wertvolle Hilfestellung für modernes Leben.
Über die Experten
Aktuelle Einträge
- Abnehmen - "das funktioniert ganz einfach"
- Liebes altes Mütterlein
- Himmlische Verfassungsbeschwerde
- Wir retten die Alpen
- Licht aus!

Seite empfehlen
über Social Bookmarks