Sonntag, 22.07.2012
Hauptsache Meer
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Schönes Meer, schaukelnde Fähre
Als ich das erste Mal das Meer zu sehen bekam, war ich bereits vierzehn Jahre alt. Gemeinsam mit verschiedenen Mitschülern hatte ich mich für einen Sprachurlaub in England angemeldet. Als wir nach einer schier endlosen Zugfahrt in Calais ankamen, war es schon dunkel. Aber den einzigartigen Geruch von Salzwasser, Fisch und Fischbratbude, den ich beim Weg auf die Fähre einsog, habe ich nie vergessen. Vergessen hatte ich damals allerdings die Mahnung meiner Eltern vor fettigem Essen, was sich auf der unruhigen Überfahrt nach Dover rächte. Gemeinsam mit verschiedenen Mitschülern stand ich bleich an Deck und gab große Teile des zuvor genossenen frittierten Fischs dem Meer zurück.
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See, nicht mehr
Der Sprachurlaub auf der Kanalinsel Wight war dann ganz okay, sieht man vom Wetter, Essen, dem Unterricht und meiner Gastfamilie ab. Nach dem morgendlichen Sprachunterricht ging ich meist direkt an den Strand, auch wenn es mal wieder regnete. Bislang hatte ich im Urlaub nur Baggerseen und Talsperren kennengelernt, mit mickrigen Stränden und einem Wasser, das nach ungelüfteter Alte-Leute-Wohnung roch. Am Meer dagegen: immer Wind, immer frische Luft, immer der Eindruck von Weite - obwohl es nur ein Arm des Ärmelkanals war, auf den ich schaute.
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Sonnenuntergang? Sonnenaufgang?
Seither habe ich viele Urlaube am Meer verbracht, in diesem Punkt war mein Sprachurlaub wirklich nachhaltig. Weniger nachhaltig war er im Sprachlichen, schon bei dem Wort "sunrise" muss ich immer wieder überlegen, ob damit der Sonnenauf- oder -untergang gemeint ist. Auch meine späteren Sprachferien in Kalabrien - auf einem Campingplatz direkt am Meer - hatten leider nicht den gewünschten Effekt gehabt. Viel mehr als "sole mio", "il conto, per favore" und "come stai?" ist nicht hängengeblieben. Bei den vielen Touren ans Mittelmeer war ich froh, stets mit jemandem zu reisen, der sich mit den Einheimischen besser verständigen konnte als ich - beispielsweise, als ich in Spanien Blasenpflaster brauchte oder in Italien den abgeschleppten Wagen suchte.
Den diesjährigen Sommerurlaub verbringe ich an der Ostsee. Meine Freundin Daniela hat dort, in ihrer alten Heimat, eine kleine Ferienwohnung, zehn Gehminuten von einem hübschen Naturstrand entfernt, in der Nähe von Fehmarn. Die Luft ist hier nicht so salzig wie an der Nordsee und das Wasser nicht so warm wie das Mittelmeer. Doch gibt es hier Möwen, eine Strandpromenade, einen Hafen und sogar eine Fischbratbude namens "Sunrise", wahrscheinlich weil man hier so hübsch den Sonnenuntergang gucken kann. Oder den Sonnenaufgang. Die Einheimischen sprechen ansonsten glücklicherweise deutsch - wenn sie denn sprechen.

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