Sonntag, 24.06.2012
Müder Sommeranfang
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Macht müde
"Müde bin ich, geh zur Ruh', schließe beide Augen zu", so beginnt das Gebet, mit dem mich früher meine Mutter ins Reich der Träume verabschiedet hat. Dass sich meine Augen schnell schließen, blieb aber oft nur der fromme Wunsch meiner Mutter. Kaum hatte sie das Zimmer verlassen, verließ ich das Bett - und spielte mit meinen Autos, Teddys oder Bausteinen. Weil die Tür zum erleuchteten Flur nur angelehnt war, hatte ich sogar ein bisschen Licht für mein spätabendliches Freizeitprogramm. Später habe ich vor allem gelesen, Pippi Langstrumpf oder Fünf Freunde, natürlich unter der Bettdecke und mit einer Taschenlampe. Der enorme Batterieverbrauch belastete mein Budget, aber nicht mein Gewissen. Mein ökologisches Bewusstsein steckte noch in den Kinderschuhen.
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Macht die Müdigkeit
Inzwischen weiß ich ausreichenden Schlaf zu schätzen und kenne die Gefahren, die mit großer Müdigkeit verbunden sind. Regelmäßig gibt es Meldungen von Chirurgen, die aus Schläfrigkeit sogar Scheren im Patienten vergessen. Erst im vergangenen Monat ließen Flugzeugführer im Anflug auf München ihre Maschine mittels Autopilot landen, weil sie selbst zu müde waren. Wahrscheinlich kennt auch jeder Autofahrer das Gefühl, Millisekunden weggenickt zu sein. Oder die Erfahrung, am Ziel einer langen Autofahrt nicht mehr zu wissen, wie man die überhaupt bewältigt hat. "Wenn ich von Köln nach Dortmund fahre", erklärte mir kürzlich noch ein Kollege, "dann stelle ich auf Autopilot, quasi mein Bewusstsein auf Sparflamme". Er glaubt an eine Art schlafwandlerischer Sicherheit bei diesen Fahrten. Den Glauben wollte ich ihm nicht nehmen und verkniff mir einen Kommentar. Man weiß ja, was passiert, wenn man Schlafwandler anspricht.
An echten Autopiloten fürs Auto wird schon gearbeitet. Die Vision eines Auto-Autos ist ein Horror für leidenschaftliche und ein Traum für sicherheitsbewusste Autofahrer: Das Auto steuert sich selbst, der Fahrer wird zum Gefahrenen. Als solcher kann er sogar ein kleines Schläfchen einlegen, ohne dass Gefahr droht. Der Wagen hält die Spur und achtet die Verkehrsregeln - von ganz allein. Bestimmt merkt er dann auch, wann getankt werden muss, und schlägt automatisch den Weg zur einer Zapfstelle ein - natürlich zu der günstigsten der Umgebung. Die Rechnung wird das Auto dann allerdings nicht zahlen.
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Nimmermüde Helfer
Im Schlaf möchte mancher am liebsten auch seine Arbeit erledigen beziehungsweise erledigen lassen. Dazu sind schon viele Automaten erfunden worden. Doch so richtig zuverlässig funktionieren sie nie, anders als in legendärer Vergangenheit die Kölner Heinzelmännchen. Die vollendeten nachts die liegengebliebenen Arbeiten - bis ein neugieriges Weib den praktischen Hausgeistern nachstellte und sie dadurch vertrieb. Eine ganz und gar traurige Geschichte, auch aus feministischer Perspektive.
In diesen Tagen geht mir die Arbeit besonders schwer von der Hand, weil ich ständig müde bin. Ich sehne mich nach
Heinzelmännchen. Vielleicht liegt es am feucht-warmem Wetter. Oder am vielen Fußball-Gucken. Oder daran, dass ich neben meiner normalen Arbeit noch die Glosse schreiben muss. "Die schreibt sich doch quasi von selbst", erklärt mir der Chef. Darüber kann ich nur müde lächeln.
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