Sonntag, 08.01.2012
Zen oder die Kunst, den Sturm zu stillen
"Der Klimawandel ist gut gegen den Klimawandel", sagt mein Sohn und lacht. "Ist das ein Koan?", frage ich. "Nein, das steht hier", entgegnet er und deutet auf eine
Meldung auf dem Bildschirm seines Laptops: Das stürmische Wetter beschert der Windkraft Rekordergebnisse. "Nun kommt doch der viele Sturm vom Klimawandel", sagt mein Sohn: "und die Windkraft wiederum vermindert die CO2-Emissionen. Also reduziert der Klimawandel sich selbst, das ist die Lösung." Nun schaue ich mir die Meldung auch an und komme darüber ins Grübeln. Sollte die Energiewirtschaft den Klimawandel schließlich mit viel Windkraft in den Griff bekommen, dann ließen auch die Stürme nach, dann geriete die Windkraft in eine Krise, es würde wieder mehr Kohle verfeuert, das Klima erwärmt sich ... ein ewiger Kreislauf.
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Fernöstliche Erfinder des Koan
Mein Sohn reißt mich aus dem Strudel meiner Gedanken. "Was ist ein Koan?", fragt er. "Ein paradoxer Sinnspruch im Zen-Buddhismus. Der Meister sagt dem Schüler einen Satz, der rätselhaft bleibt, paradox, rational nicht zu verstehen. Zum Beispiel: Ich klatsche mit einer Hand. Indem der Schüler darüber meditiert, muss er das normale Denken überschreiten. Und gelangt so unter Umständen zur Erleuchtung." Das findet mein Sohn sehr interessant und tippt gleich die Suchbegriffe Zen und Koan in seinen Rechner. Die erste Antwort lautet: "
Schlafkomfort durch viscoelastische Matratzen zu Top-Preisen."
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Fernöstliches Symbol für FDP
Erst rätseln wir beide, was das nun mit dem Thema zu tun hat - bis uns klar wird, dass wir uns schon mitten in einer Koan-Meditation befinden. Wir zerbrechen uns den Kopf über etwas, was keinen Sinn zu ergeben scheint, und im Zerbrechen unseres Kopfes leuchtet eine Wahrheit jenseits des Denkens auf. Und mit einem Mal wird uns bewusst, dass wir derzeit von solchen erleuchtenden Koans geradezu umgeben sind. "
Wir müssen eine neue Erzählung entwerfen", sagt Peer Steinbrück. "Der Rubikon ist überschritten", sagt der Bundespräsident. "
Der Bambus wiegt sich im Sturm, aber er bricht nicht", sagt der FDP-Vorsitzende.
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Stürmische Zeiten
In stürmischen Zeiten sucht man eben nach Weisheit, die über den Tag hinaus gilt. Damit wandern meine Gedanken wieder zu der Windkraftmeldung und plötzlich fällt mir ein, welcher Koan sich wirklich in ihr versteckt. "Mit Windrädern den Sturm stillen!" rufe ich meinem Sohn zu. Der steht inzwischen am Fenster und schaut hinaus auf den Sturm, der kräftig an den Bäumen in unserem Hof rüttelt. Und er tut das, was sich auch unsere Kanzlerin für das neue Jahr vorgenommen zu haben scheint. Mein Sohn und Frau Merkel sind damit schon einen Schritt über den Koan hinaus. Wer weiß, vielleicht sind sie der Erleuchtung schon nahe. Wissen kann man es nicht. Denn sie schweigen.
Audio: Zen oder die Kunst, den Sturm zu stillen
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