Sonntag, 22.01.2012
In der S-Bahn
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Niederrheinische Melancholie
Bahnfahrten sollten in keinem Blog vorkommen. Das hat zumindest mal Sven Regener gefordert, der Sänger von Element of Crime und Schöpfer der "Lehmann"-Romane und "Logbücher". Regener hat sich an seine Forderung allerdings selbst nicht gehalten. Aus gutem Grund: In der Bahn lassen sich immer interessante Menschen kennen lernen. In der vergangenen Woche bin ich täglich S-Bahn gefahren, zwischen Köln und Düsseldorf. Ich liebe das leichte Ruckeln des Zuges, das raue, ursprüngliche Fahrgefühl. Nur auf das grelle Kreischen der Bremsen an jeder Haltestelle könnte ich verzichten. Die Strecke führt durch betonierte Vorstädte, kahle Gewerbegebiete und an Chemiefabriken vorbei. In der Ferne grüßen Dampfwolken von Braunkohle-Kraftwerken.
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Digitale Boheme in der S-Bahn
Die meisten Pendler, die mit mir im Zug sitzen, haben keinen Blick übrig für die melancholische Schönheit der niederrheinischen Landschaft. Sie lesen, hören Musik oder beschäftigen sich mit ihrem Handy. Smartphone und MP3-Player sehe ich dabei öfter als Buch oder Zeitung. Die digitale Revolution ist anscheinend auch in der S-Bahn angekommen, zumindest bei den Fahrgästen. Ein Mann, der mit mir sowohl ein- als auch aussteigt, packt regelmäßig einen Tablet-PC aus. "Ich schaue mir morgens die Online-Seiten der wichtigsten deutschen Medien an, das bringt mehr als Zeitunglesen", erklärt er mir in einer kurzen Bildschirmpause, und dass er Frederick heißt. Während Frederick durch die deutsche Medienlandschaft surft, fahren wir an einer Großdruckerei vorbei - "ein Relikt der alten, analogen Welt", wie Frederick findet.
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Schön ursprünglich
Frederick zählt sich zur digitalen Boheme, macht beruflich "was mit Medien". Wohnungen mit wandhohen Regalen voller Bücher sind für ihn gestrig, bei ihm zuhause gebe es dafür mehr Bildschirme, erzählt er. "Ich besitze kein einziges Buch aus Papier. Ich habe nur E-Books." Damit liegt er voll im Trend: Der Internethändler Amazon hat gerade gemeldet, erstmals mehr elektronische Bücher verkauft zu haben als Hardcover. Probleme bereitet diese Entwicklung romantischen Gemütern und natürlich Regalbauern und -verkäufern. Frederick gehört zu keiner der Gruppen, hat sich aber, wie er beteuert, den Sinn fürs Ursprüngliche, für das Einfache, für das Archaische bewahrt. Deshalb hat er erst kürzlich das
Neandertalmuseum besucht. Und deshalb gibt es Abend für Abend derzeit einen Pflichttermin für ihn - das "
Dschungelcamp".
Sehr nette und treffende Beschreibung :-) Bloß: Ich frage mich: Wieso S-Bahn nutzen zwischen Köln und Düsseldorf, wo dort mehrere RegionalExpress-Linien fahren :-)
Anonym am 22.01.12 14:09
Schöner Beitrag. Ich fahre als Berufspendler täglich mit der S11 von Köln nach Düsseldorf, habe auch mein Smartphone, um Nachrichen zu lesen, aber trotzdem einen Blick für die Rübenfelder. Und im Ohr nicht den Knopf vom MP3-Player, sondern vom mobilen DAB+-Empfänger, um u.a. WDR2 zu hören. Warum ich nicht mit dem Regionalexpress fahre? Ich müsste 3x umsteigen, die 11 fährt praktisch bis vor die Bürotüre.
Anonym am 22.01.12 17:53
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