Sonntag, 15.01.2012
Die Hillary-Strategie
Als ich letztens mal wieder meine Studienfreundin Elke zu einem Kaffee traf, erzählte ich ihr, was ich zur Zeit jedem erzähle, ob er's hören will oder nicht: Wie meine Tochter ihr Auslandsjahr in Colorado verbringt, schon Solosaxophon in der Schulband spielt, nach Kansas und Florida reist. Kurz: Vater stolz wie Oskar. Leider war Elke nicht die Richtige fürs Teilen meiner Begeisterung. Aus ihrer studentenbewegten Zeit hat sie sich einen tief sitzenden Antiamerikanismus bewahrt. "Warum schickst du deine Tochter ausgerechnet zu dieser absteigenden Supermacht, in dieses Land mit Todesstrafe und ohne Krankenversicherung?"
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'Extrem stark'
"Soll ich meine Tochter lieber nach China schicken, in eine aufstrebende Supermacht mit Todesstrafe?", fragte ich gereizt zurück. Und erinnerte dann an den Spruch meines Vaters, nach dem alles aus den USA mit ein paar Jahren Verspätung auch bei uns ankomme. Fand Elke total veraltet - bis ich sie auf die Hillary-Strategie hinwies. Das fand sie dann sehr interessant, schließlich ist Elke auch frauenbewegt. Und dass Hillary Clinton erst die Präsidentschaft ihres Mannes unterstützt hat, durch alle peinlichen Skandale hindurch, um sich später selbst zu bewerben und schließlich mit dem Konkurrenten Obama ein Team zu bilden, fand Elke "extrem stark. Das kriegt so kaum ein Mann hin."
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Müntes Michelle
"Und das kommt jetzt erst bei uns richtig an", sagte ich: "Schröder hat in Berlin den Macker geben dürfen, aber jetzt, wo er dank Putin gut versorgt ist, startet seine
Doris richtig durch - via Landtag Hannover. Und Hannover ist bekanntlich eine Karriereschmiede." Das Beispiel war Elke schon bekannt. Nicht aber das von Michelle. Ich meinte nicht Michelle Obama, die bekanntlich einen starken Einfluss auf die Politik ihres Mannes haben soll, was aber eher ein traditionelles Modell ist. Ich meinte
Michelle Müntefering. Während ihr Mann Rente mit 67 gut und Opposition Mist findet, kandidiert sie nun für den Bundestag.
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Brigitte-Girl Stephanie
"Da schimpft man darüber, dass sich die alten Säcke immer jüngere Frauen zulegen, übersieht aber, das diese Männer nur als Karrieresprungbretter dienen", staunt Elke. Und sie freut sich darüber, dass Politikerinnen nun nicht mehr nur als Kohls Mädchen oder Albrechts Tochter durchstarten können. Außerdem sind wir uns beide sicher, dass es bei den ersten Beispielen nicht bleiben wird. "Guttenbergs Comeback kommt doch nicht richtig vom Fleck. Aber seine Stephanie hat schon wieder eine Titelgeschichte in der Brigitte", sagt Elke (was ich natürlich nicht wissen konnte). Schließlich stellen wir sogar eine Verschwörungstheorie zum Fall Wulff auf: Woher erfährt die Presse immer wieder neue Details über ihn? Wie wenn seine Bettina dahinter steckt? Tauchte sie nicht kürzlich bei einem Empfang des Springerkonzerns in Hamburg auf, der ihren Mann mit einem Stahlgewitter überzieht? Könnte es nicht sein, dass Bettina nicht mehr länger warten will, bis ihr Christian zu Hause bleibt und sie ihre Karriere beginnen kann?
"Und welchen alternden Politiker wird deine Tochter heiraten, wenn sie in Amerika die Hillary-Strategie genügend kennen gelernt hat?", fragt Elke plötzlich. "Wie", schreie ich auf und schlage mit der flachen Hand auf den Tisch. "Meine kleine Tochter und heiraten?" Also, manchmal übertreibt Elke wirklich!
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