Sonntag, 29.01.2012

Merkel und das Metamaterial

Micaela Schäfer; Rechte: dpa + Macht fast alles sichtbar Sie ist jung und in den Augen vieler sehr attraktiv. Sie stand häufig im Mittelpunkt ihrer Gruppe, doch sie hat auch einiges durchmachen müssen in letzter Zeit. Damit ist jetzt Schluss. Die Rede ist hier nicht von Micaela Schäfer aus dem WWW: RTL-Dschungelcamp, sondern von ARD: Marina Weisband. Die telegene Geschäftsführerin der Piratenpartei möchte sich auf ihr Psychologie-Studium konzentrieren und wird deshalb im Mai nicht wieder für den Job in der Führungsspitze der Partei kandidieren. "Sie wollten nur mich", klagte sie über zahlreiche Interview- und Talkshowanfragen der Medien an die Piratenpartei. Nun will sie nicht mehr.

Aufmerksamkeit ist halt nicht immer schön. Das habe ich schon zu Schulzeiten erfahren. Hatte ich mal die Hausaufgaben vergessen, gab ich meinem Gesicht einen möglichst neutralen Ausdruck, um vom Lehrer nicht drangenommen zu werden. Das war nicht immer erfolgreich. Deshalb träumte ich im Unterricht manchmal von einer Tarnkappe. Die hat nicht nur den Vorteil, dass man nicht gesehen wird. Sie ermöglicht auch, unerkannt dabei zu sein, wenn die Lehrer konferieren, wenn nervige Mitschüler über einen tuscheln oder wenn die Mädchen der Klasse kichernd beraten, wer wohl der netteste Junge ist. Dabei sein, ohne bemerkt zu werden - die Tarnkappe ist auch der Traum aller Schlapphüte. Doch bislang ist sie bloß ein Traum geblieben.

Karnevalspaar; Rechte: WDR + Aschermittwoch am liebsten unsichtbar Eine WWW: hoffnungsfrohe Nachricht kommt dieser Tage aus Texas. Dort ist es Physikern gelungen, erstmals einen dreidimensionalen Gegenstand unsichtbar zu machen. Geholfen hat ihnen dabei "plasmonisches Metamaterial", künstliche Stoffe, die das Licht so streuen, dass man den Gegenstand nicht mehr sieht. Das gelingt bislang nur mit winzig kleinen Objekten. Aber der Anfang ist gemacht. Macht die Wissenschaft hier Fortschritte, würden viele davon profitieren. Micaela Schäfer etwa - sie experimentiert ja angeblich gerne mit Kunststoffen - könnte in Erfahrung bringen, was die Macher des Dschungelcamps wirklich von ihr halten. Die Karnevalsjecken könnten am Aschermittwoch die Narren- gegen die Tarnkappe tauschen - so wären sie geschützt vor den Nachstellungen ihrer Karnevalflirts. Und Marina Weisband wäre dank Tarnkappe vor den Journalisten sicher.

Angela Merkel; Rechte: dpa + Macht viele unsichtbar Während in Texas noch fleißig geforscht wird, wie größere Objekte zum Verschwinden gebracht werden können, scheint die Physik in Berlin schon einen Schritt weiter zu sein. Oder genauer gesagt: die Physikerin im Kanzleramt. Zu Beginn der Eurokrise war sie selbst fast unsichtbar. Noch größeren Ehrgeiz verwendete sie darauf, andere unsichtbar zu machen: Friedrich Merz. Edmund Stoiber. Günther Oettinger. Derzeit sollten sich vor allem FDP-Politiker in Acht nehmen. Hat eigentlich jemand Herrn Rösler gesehen in letzter Zeit? Experimente mit Teflon waren gestern - Merkel arbeitet längst mit plasmonischem Metamaterial.

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