Sonntag, 11.12.2011
Regen und Schnee, Mord und Totschlag
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Kind mit Langeweile
Angefixt wurde ich von meinem Vater, im zarten Alter von elf oder zwölf Jahren, während eines Urlaubs im
Sauerland. Tag für Tag regnete es, die meiste Zeit verbrachten meine Eltern, meine Geschwister und ich deshalb in der düsteren Ferienwohnung. Die Bücher, die ich mitgenommen hatte, waren längst gelesen, und zum Quartett-Spielen mit meinem kleinen Bruder hatte ich keine Lust mehr. "Mir ist langweilig", erklärte ich regelmäßig und wahrheitsgemäß – bis mein Vater mir zwei Taschenbücher in die Hand drückte. Es waren
Krimis, mit rotem Einband drumrum und Leichen drin, also keine blöden Kinder-Detektivgeschichten. Ich war begeistert von den beiden
Agatha Christie-Romanen.
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Frau mit Köpfchen
Der Urlaub blieb nicht ohne Folgen: Im Sauerland habe ich meine Ferien seither nicht mehr verbracht. Den Kriminal- und Detektivgeschichten bin ich treu geblieben. Anfangs faszinierten mich besonders Geschichten aus England. Die spielten gerne auf eingeschneiten Landsitzen, auf einem Schiff oder in einem Zug, also überall dort, wo Menschen mehr oder weniger zwangsweise eine Zeitlang miteinander auskommen müssen. Das ging selten gut, meist nutzte ein harmlos anmutender Bösewicht die Situation, um alte Rechnungen zu begleichen und reihenweise Leute ins Jenseits zu befördern. Eigentlich ein Wunder, dachte ich manchmal, dass damals während des Sauerland-Urlaubs in unserer Ferienwohnung nichts Schlimmes passiert ist.
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Mann mit Magenproblemen
Was Krimis angeht, habe ich jede Mode mitgemacht: habe mich durch den sozialkritisch ambitionierten neuen deutschen Kriminalroman gequält. Ich habe die desillusionierten Ermittler der amerikanischen Detektivgeschichten bewundert. Habe skurrile Aufklärer wie den Österreicher
Brenner kennengelernt und brave Kommissare aus Bonn, Köln, vom Niederrhein und aus der Eifel.
Skandinavische Kriminalromane waren natürlich auch dabei. Nach dem fünften Krimi von Henning Mankell musste ich allerdings eine Pause einlegen, weil ich die gleichen Magenprobleme bekam wie Mankells Kommissar Wallander. Vielleicht lag es an den fiesen Mordmethoden, mit denen wir beide konfrontiert wurden, vielleicht aber auch an unserer gemeinsamen Vorliebe für Schnellgerichte, Pizza und Kaffee.
Auf meinem Wunschzettel für
Weihnachten stehen in diesem Jahr wieder etliche Krimis. Ich freue mich auf unbeschwerte Lesetage nach dem Fest. Ein Büchlein für den Kurztrip zum Jahreswechsel habe ich mir schon selbst geschenkt. Es heißt "Tot überm Zaun" und spielt, unter anderem, im Sauerland. Da wo meine Freundin und ich den Jahreswechsel feiern wollen. Zuschneien werden wir ja hoffentlich nicht.
Audio: Regen und Schnee, Mord und Totschlag
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