Sonntag, 18.12.2011
Oh Tannenbaum
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Schön viele Geschenke
Früher glaubte ich ans Christkind. In der Nacht vor
Heiligabend gelangte es auf geheimnisvolle Weise in unser Wohnzimmer und legte dort Geschenke für meine Geschwister und mich unter dem Weihnachtsbaum ab. So erklärten es unsere Eltern. Gesehen habe ich das Christkind nie, nie gelang es mir, die ganze Nacht wach zu bleiben. Mein jüngerer Bruder behauptet, das Christkind einmal gesehen zu haben, als er in der fraglichen Nacht aufs Klo musste. Aber seiner Erzählung habe ich schon damals nicht geglaubt. Ohne seine Brille, die er nachts bestimmt nicht aufsetzte, konnte mein Bruder nämlich so gut wie nichts sehen.
Als ich nicht mehr ans Christkind glaubte, musste ich am Abend vor Heiligabend beim Baumschmücken helfen. Meine Schwester Hildegard, ein christkindhaftes Wesen mit langen blonden Haaren, sinnierte über das künstlerische Gesamtkonzept des Baumes, während ich die schon mal die Dekoration aus dem Keller ins Wohnzimmer schleppte, jedes Jahr wurden es mehr Kisten. Versonnen hängte Hildegard anschließend die von mir entstaubten Engel, Kugeln und Sterne in den Baum, korrigierte die Position des einen oder anderen, und stellte sich bald hierhin, bald dorthin, um den geschmückten Baum von allen Seiten zu begutachten. Manchmal entschied sie sich dann noch für eine andere Grundfarbe der Dekoration, und ich musste vorsichtig das silberne Lametta gegen rotes austauschen oder die gelben Kerzen durch weiße ersetzen. Es wurden stets lange Abende, und anstrengende dazu.
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Schön billig
Seit einigen Jahren bin ich am 23. Dezember abends bei Heinz und Rieke. Heinz ist sparsam veranlagt, besonders beim Kauf des Weihnachtsbaums. Um einen zu erwerben, geht er erst kurz vor unserer Verabredung los. Dann sind die Händler durchgefroren und ihre unansehnlichen Restbäumchen runtergesetzt. "Außerdem kann ich noch prima mit den Jungs feilschen", erklärt Heinz. Einen Ständer für den Christbaum spart er sich komplett, dazu reicht ihm ein Putzeimer mit Sand. Den Sand organisiert er, im Schutz der Dunkelheit, auf einer nahe gelegenen Baustelle. Das hat noch nie zu Problemen geführt. Die fangen aber an, wenn seine Freundin Rieke den Baum erblickt. Klein, mickrig, verkrüppelt, altersschwach – hart und harsch geht Rieke mit dem Baum ins Gericht, und natürlich mit seinem Käufer. Aufgefordert, den Schiedsrichter zu spielen, verhaspele ich mich in diplomatischen Floskeln. Der Abend vor Heiligabend ist bislang einfach nicht mein Glücksabend.
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Schön krumm
In diesem Jahr soll das anders werden. Am Tag vor Heiligabend bin ich,
ganz im Trend, zum Christbaum-Schlagen verabredet, mit einigen Freunden. Heinz ist nicht dabei, er will lieber nach Geschäftsschluss in die Schonung. Dafür geht Hildegard mit. Ihr habe ich versprochen, beim Schlagen und Sägen ihres Baumes behilflich zu sein. Sie möchte wahrscheinlich eine Nordmanntanne. Oder eine Blautanne. Allerdings will sie sich auch in Ruhe mal die einfachen Fichten und die Douglasien anschauen, hat sie angekündigt. Dabei wird sie sehr gewissenhaft sein, denn sie weiß: Weihnachten wird durch den Baum entschieden.
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