Montag, 12.12.2011
Jesus kam nur bis zum Hauptbahnhof
Eigentlich hatte ich nur meinen Sohn, den begeisterten Jungpfadfinder, begleitet. Aber als ich dann im Dom stand, unter 2.500 Pfadfindern, die sangen und feierten, ergriff mich die Rührung. Es ist ja auch eine wunderschöne Idee: In der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem wird eine Flamme entzündet, die Pfadfinder dann vor Weihnachten in alle Welt verbreiten. Das kleine Feuer, das jetzt vor uns im Kölner Dom brannte, war per Flugzeug nach Wien gekommen. Von dort hatte es eine Delegation im ICE nach Köln gebracht und die windgeschützte Laterne über den zugigen Bahnhofvorplatz hinein in die Kirche. Die wimmelte nun von Menschen mit Stalllaternen und Windlichtern, in denen die Flamme aus Bethlehem nach Hause geholt werden sollte.
"Licht verbindet Völker" heißt das Motto, und deshalb sangen und sprachen im Dom auch Gäste aus Mexiko, Brasilien und Afrika.
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Wir wünschen uns: Frieden ...
Die kleine Pfadfindergruppe meines Sohnes wollte das Licht in unsere Kirche im Viertel bringen, von wo aus es jeder mit nach Hause nehmen könnte, um damit etwa den Adventskranz anzuzünden. Aber das war leichter gesagt als getan. Sie mussten nämlich eine Erfahrung machen, die Profis der Strom- und Telekommunikationsbranche in den Satz kleiden: Die letzen Meter zum Verbraucher sind die schwierigsten. Zwar brachten sie die Kerze bis zur U-Bahn, ohne dass sie ausgelöscht wurde. Aber sie hatten nicht mit den Ordnungskräften der Kölner Verkehrsbetriebe gerechnet. Die regeln sonst heldenmütig das Gedränge in der Vorweihnachtszeit. Aber an diesem ruhigen Abend nahmen sie Anstoß an unserer Laterne. Offenes Feuer in der Bahn ist nicht erlaubt.
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... und Sicherheit
Die Pfadfinder versuchten zu erklären, erzählten von Bethlehem, vom ICE, in dem es offensichtlich kein Problem gab, und natürlich vom Frieden. Aber ihre Gesprächspartner ließen sich nicht erweichen. Mich erinnert das an den berühmten Romantitel von Carlo Levi: "Christus kam nur bis Eboli". Diesmal kam Jesus nur bis zum Hauptbahnhof. Das Licht aus Bethlehem hatte die Mauer zwischen Palästina und Israel übersprungen, es wird am Ground Zero in New York leuchten und im Europaparlament empfangen. Aber im Kölner Nahverkehr ereilte es die harte Alternative: Auslöschen oder Aussteigen.
Das Licht aus Bethlehem ist schließlich doch bei uns angekommen. Wie, möchte ich hier nicht verraten, um keinen engagierten Pfadfinder einer Ordnungsstrafe auszusetzen. Die nächste harte Hürde ist nun meine Frau. Sie will keinesfalls eine Kerze in der Wohnung brennen lassen, wenn niemand zu Hause ist. Mein Sohn ist ungehalten, aber ich muss ihr natürlich Recht geben. So brennt die Flamme jetzt in der Laterne auf dem Balkon. Immer wenn wir nach Hause kommen, schauen wir erst nach, ob sie noch brennt und ob wir sie auf eine neue Kerze verpflanzen müssen. Immer wenn wir unterwegs sind, haben wir Angst, dass ein Nachbar die Feuerwehr ruft. Aber wir hoffen darauf, an Heiligabend mit der Flamme aus Bethlehem die Kerzen an unseren Weihnachtsbaum zu entzünden. Dann werden wir selig davor sitzen und wissen: Der Friede ist ein schwer zu hütendes Licht.
... und dies ist kein Einzelfall!
Die Delegation unseres Stammes machte dieselbe Erfahrung. Auch unserer Lichtträgerin wurde der Einstieg in die Bahn verwehrt. Seit Jahren bringen wir das Licht in unsere Gemeinde, und jedes Jahr mit der Bahn. Nur dieses Jahr stellten sich die Ordner quer. Eine seltsame, schwer nachzuvollziehende Wandlung der KVB, zumal die Kluft der Pfadfinder deutlich die Seriosität und Ernsthaftigkeit dieser friedlichen Aktion unterstreicht.
Letztendlich fand sich ein freundlich-friedenliebender Taxifahrer, der uns das Licht wohlbehalten bis an die Kirche transportierte. Ob wohl die Beförderung eines offenen Lichts im Taxi erlaubt ist? Manchmal braucht ein Zeichen des Friedens Menschen, die helfen, Hürden zu überwinden und das Notwendige tun.
Anonym am 15.12.11 21:53
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